Eagle Eye On… The Power of Perspective

Frauen verändern Golf nicht, indem sie das Spiel „weiblicher“ machen. Sie verändern es, indem sie neue Perspektiven einbringen, Fragen stellen, Strukturen aufbrechen, Impulse setzen und damit neue Möglichkeiten aufzeigen.

Nope! Das ist keine klassische „Frauenförderungs-“ Kolumne. Es geht nicht darum, mit dem Finger darauf zu zeigen, was „wir Frauen“ brauchen oder wollen. Vielmehr geht es hier um das bewusste Hinschauen, Beobachten und Verstehen-Lernen und um die Frage:

Wie verändern Frauen den Golfsport – auf dem Platz, im Leistungssport, in Clubs, Verbänden, Medien und letztendlich auch als Business?

Dieser Blick ist bewusst größer gedacht, denn ­„Women in Golf“ ist längst mehr als eine Frage von ­Mitgliederzahlen, Ladies Days oder Quoten. Es geht um neue Perspektiven. Um Gestaltungsspielraum. Um Verantwortung. Und in der Konsequenz darum, was passiert, wenn Frauen nicht nur Teil des Spiels sind, sondern beginnen, es aktiv mitzugestalten.

Seit meinem sechsten Lebensjahr ist Golf in meinem Leben fest verankert. Zugegeben: mit einigen temporären Unterbrechungen. In meiner Jugend waren Skaterplatz, Beachvolleyball, Bouldersessions und nächtliche Ausfahrten mit der „Moped Crew“ zeitweise einfach angesagter.

Aber Golf ist geblieben. Und heute blicke ich aus unterschiedlichen Perspektiven auf diesen Sport: als Sportwissenschafterin und ambitionierte Spielerin, als Verantwortliche im Nachwuchsleistungssport, als Verbandsfunktionärin und als ehemalige Geschäftsführerin einer Golfanlage. Genau diese Vielfalt an Sichtweisen möchte ich zur DNA von EAGLE EYE machen.

Aus heutiger Sicht hat sich vieles in den vergangenen Jahren im Golfsport verändert. Und ja, auch Frauen verändern den Golfsport. Nicht nur, weil weltweit immer mehr Frauen Golf spielen, nicht nur, weil Profispielerinnen wie Nelly Korda, Lydia Ko oder Charlie Hull neue Maßstäbe setzen. Und auch nicht allein deshalb, weil der Frauengolfsport sichtbarer geworden ist.

Frauen verändern, wie Golf gedacht wird. Sie stellen Fragen, die lange nicht gestellt wurden. Sie bringen neue Perspektiven in Clubs und Verbände ein, verändern Führungsstrukturen, prägen die Nachwuchsarbeit und beeinflussen, wie Golf als Amateur- und Profisport, als Freizeitbeschäftigung und als gesellschaftlicher Treffpunkt wahrgenommen wird. Aktuelle Gamechangerinnen aus dem internationalen Profilager zeigen beispielhaft, wie sehr sich das Bild der erfolgreichen Golferin verändert.

Da wäre etwa die Finnin Noora Komulainen, die im Juni 2026 ihren ersten Sieg nach insgesamt 199 Tourstarts feierte. Als Mutter. Und als Profigolferin auf der Ladies European Tour. Oder die Schwedin Madelene Sagström, die bei der diesjährigen U.S. Women’s Open im siebten Schwangerschaftsmonat aufgeteet hat. Und dann ist da die Tirolerin Christine Wolf, die bei den Swiss Ladies Open im August 2026 als junge Mutter einer Tochter ihre Profikarriere beendet hat.

FRAUEN ALS GAMECHANGER IM GOLFSPORT

Unbestritten, es sind dies drei Frauen mit unterschiedlichen Geschichten und Lebenssituationen. Und doch haben sie eines gemeinsam: Sie erweitern das Bild davon, wie eine erfolgreiche Golferin aussehen, leben und ihren ganz persönlichen Weg im Profisport gestalten kann. Allesamt sind diese Frauen Role-Models. Weibliche Vorbilder, die die nächste Generation und damit den gesamten Golfsport prägen werden.

Doch die Gamechangerinnen des Golfsports stehen nicht nur auf den großen Fairways dieser Welt. Es sind die vielen Frauen, die das Spiel auf so unterschiedlichen Ebenen mitgestalten – sportlich, gesellschaftlich wie auch wirtschaftlich. Golf ist längst kein Sport mehr, bei dem Frauen mitspielen dürfen, sondern ein Sport, der ohne sie einfach unvollständig wäre. Diese Wahrnehmung ändert sich, für meine Begriffe zwar langsamer als wünschenswert, aber sie ändert sich.

Genau davon soll diese Kolumne handeln. Und mit diesem Blick auf die Entwicklungen im Spiel wird es ­interessant, und ich frage mich: Geht es wirklich noch darum, Frauen stärker in den bestehenden Golfsport zu integrieren? Oder verändert sich das Spiel gerade deshalb, weil Frauen eigene Vorstellungen davon mitbringen, wie Golf (in Zukunft) aussehen kann?

Mit EAGLE EYE möchte ich künftig genau mit diesem „Adlerauge“ hinschauen. Auf all die Frauen, die das Spiel auf so vielschichtige Art und Weise bereits bereichern, auf die nächste Generation, die gerade ihren Platz darin findet, und auf die Bedingungen, die sie alle dabei vorfinden.

Ich möchte persönliche Geschichten vor den Vorhang holen, Entwicklungen beobachten, Trends hinterfragen und neue Perspektiven sichtbar machen. Aber vor allem möchte ich Fragen stellen. Auch solche, auf die es nicht immer eine „bequeme“ Antwort gibt, aber immer mit dem Anspruch, verschiedene Blickwinkel einzunehmen und genauer hinzusehen.

Bist du dabei?

Anna-Maria Kogler ist Sportwissenschafterin, Doktorandin im Bereich Sportökonomie und Experting für Nachwuchs- und Leistungssport im Golf.



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Anna-Maria Kogler
Anna-Maria Kogler
Anna-Maria Kogler ist Sportwissenschafterin, Doktorandin im Bereich Sportökonomie und Experting für Nachwuchs- und Leistungssport im Golf.

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