Der hierzulande noch junge Boom der weltweit erfolgreichen Racketsportart Padel könnte eine strategische Chance für Golfclubs sein.
Noch vor wenigen Jahren war Padel in Deutschland, Österreich und der Schweiz kaum mehr als ein Geheimtipp. Heute entstehen neue Anlagen im Rekordtempo, Abendtermine sind vielerorts Wochen im Voraus ausgebucht, und kaum eine andere Sportart wächst derzeit schneller.
Genau hier rücken Golfanlagen zunehmend in den Fokus. Deutschland verfügt derzeit über rund 2.000 Padel-Courts, Österreich über knapp 400, die Schweiz bewegt sich in einer ähnlichen Größenordnung. Branchenvertreter halten einen deutlich größeren Markt für realistisch. Selbst wenn diese Entwicklung langsamer verläuft als erwartet, werden in den kommenden Jahren zahlreiche weitere Standorte entstehen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob Padel wächst, sondern wo.
Padel wurde 1969 von Enrique Corcuera in Acapulco, Mexiko, entwickelt und verbreitete sich anschließend insbesondere in Spanien und Argentinien.
Standortfrage
Während viele Betreiber bei null beginnen, bringen Golfanlagen bereits vieles mit, was erfolgreiche Freizeitstandorte auszeichnet. Flächen, Parkplätze, Clubhaus, Gastronomie und Sanitäranlagen sind vorhanden. Hinzu kommen gewachsene Netzwerke, ein etablierter Veranstaltungsbetrieb und eine Atmosphäre, die sich nicht neu bauen lässt. Das macht Golfanlagen nicht automatisch zu idealen Padelstandorten. Es verschafft ihnen jedoch einen Vorsprung gegenüber Neubauprojekten.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Padel folgt einem anderen Rhythmus als Golf. Eine Runde auf dem Fairway dauert mehrere Stunden, ein Match auf dem Court oft nur 60 bis 90 Minuten. Gespielt wird morgens, nach der Arbeit oder bis in die Abendstunden. Dadurch entstehen zusätzliche Nutzungszeiten auf einer Anlage, deren Betrieb sich bislang vor allem am Golftag orientiert.

Padel wird Golf nicht ersetzen – es ergänzt
bestehende Strukturen
Padel ist nicht nur eine weitere Sportart. Zusätzliche Gäste bedeuten zusätzliche Frequenz. Courtbuchungen bringen Menschen auf die Anlage, die anschließend Restaurant, Terrasse oder Pro-Shop nutzen. Training, Firmenveranstaltungen, Turniere oder Schlägerverleih erweitern das Angebot, ohne den Charakter eines Golfclubs grundsätzlich zu verändern. Gerade deshalb stellt sich weniger die Frage, ob ein Court gebaut werden sollte, sondern welche Rolle Padel am Standort übernehmen kann.
Nicht jedes Modell passt zu jedem Club
Bisherige Projekte zeigen, dass sich unterschiedliche Konzepte etablieren. Manche Resorts ergänzen ihr Freizeitangebot um einen oder zwei Courts für Hotelgäste und Familien. Andere Clubs entwickeln mit mehreren Courts einen eigenständigen Sportbereich inklusive Training und Turnieren. Wieder andere verfolgen einen kommerziellen Ansatz mit Academy, Ligen und ganzjährigem Spielbetrieb. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vom Einzugsgebiet, der Nachfrage und den Zielen des jeweiligen Clubs ab. Ein Ferienresort stellt andere Anforderungen als eine urbane Mitgliederanlage.

Ein Zeitfenster öffnet sich
Mindestens ebenso spannend wie der Courtbau selbst ist die Entwicklung, die damit einhergeht. In den kommenden Jahren entstehen nicht nur neue Spielflächen. Es entwickeln sich lokale Communitys, Trainernetzwerke, Ligen, Firmenkunden und feste Buchungsgewohnheiten. Wer heute einen geeigneten Standort schafft, gestaltet diese Entwicklung aktiv mit. Wer erst handelt, wenn der Markt vollständig etabliert ist, trifft möglicherweise auf bereits besetzte Einzugsgebiete und feste Strukturen. Deshalb betrachten Branchenkenner die nächsten fünf Jahre als entscheidende Phase.
„Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Padel wächst. Entscheidend ist, ob das Angebot an genau diesem Standort wirtschaftlich funktionieren kann. Genau deshalb stehen am Anfang nicht Baupläne, sondern eine fundierte Standortanalyse und ein belastbarer Business-Case.”
Tobias Kamp, Gründer von PHI und Berater für Padel- und Leisure-Projekte.
Erst rechnen, dann bauen
Trotz aller Dynamik wäre es falsch, aus dem Boom eine allgemeine Handlungsempfehlung abzuleiten. Nicht jede Golfanlage eignet sich als Padelstandort. Lage, Erreichbarkeit, Zielgruppe, Wettbewerb und Investitionsvolumen unterscheiden sich erheblich. Vor jeder Entscheidung sollten deshalb zunächst Standortpotenzial, Nachfrage und Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Erst auf dieser Grundlage lässt sich seriös beurteilen, welches Betriebsmodell sinnvoll ist und ob ein Projekt langfristig tragfähig werden kann.
Ob Padel zu einem Bestandteil der Golflandschaft wird, lässt sich heute noch nicht beurteilen. Klar ist jedenfalls: Der Markt befindet sich an einem Punkt, an dem sich langfristige Standorte herausbilden. Golfanlagen gehören mitunter zu den interessantesten Kandidaten, weil sie ideale Voraussetzungen mitbringen, die andernorts erst geschaffen werden müssten.

