Louise Solheim rief gemeinsam mit ihrem Mann Karsten den Solheim Cup ins Leben. Dieser stellt die besten Golferinnen Europas und der USA ins grelle Licht eines Mannschaftsduells. Weil Louise immer lieber im Hintergrund arbeitete, wollen wir sie diesmal auch etwas näher beleuchten. Denn vom 11. bis 13. September wird auf Bernardus Golf in den Niederlanden zum 20. Mal um den Solheim Cup gespielt.
1966 brauchte Karsten Solheim einen Namen für seinen neuen Putter. Dieser sollte am nächsten Morgen in Produktion gehen. Auf dem Schlägerkopf war wenig Platz, und Karsten hatte immer noch keine Lösung. Seine Frau Louise schlug „Answer“ vor: die Antwort auf besseres Putten. „Zu lang“, sagte Karsten. „Dann lass das w weg“, meinte Louise. So entstand der PING Anser, einer der berühmtesten Putter der Golfgeschichte.
Diese kleine Szene verrät mehr über Louise als über die Marke PING. Sie dachte praktisch, entschied schnell und überließ anschließend gern den anderen das Rampenlicht. Ihr Sohn Allan nannte sie später eine „silent partner by choice“.
Während Karsten an Schlägern tüftelte, führte Louise die Bücher, schrieb Rechnungen, verschickte Bestellungen und belegte einen Collegekurs für Außenhandel, als PING erstmals ins Ausland lieferte. Sie war jene Art von stiller Teilhaberin, ohne die der laute Teilhaber oft nur ein Mann mit einer guten Idee in einer Garage bleibt.

Kleiner Start einer großen Idee
Auch im Frauengolf sahen die Solheims früh eine gute Idee, der die Bühne fehlte. 1975 begannen sie, Turniere der LPGA, wie das Karsten-PING Open in Phoenix, zu unterstützen. Als die amerikanische und die europäische Tour 1990 einen Ryder Cup für Frauen planten, wandten sie sich deshalb zuerst an PING. Gesucht wurde Unterstützung für zwei Austragungen. Die Familie sagte zu, und es wurde ein Engagement über zwanzig Jahre daraus. Louise soll die lange Laufzeit vorgeschlagen und zugleich darauf bestanden haben, den Wettbewerb nicht für die Bewerbung von Schlägern zu missbrauchen. Im Mittelpunkt sollten die Spielerinnen stehen.
Beim ersten Solheim Cup in Lake Nona, Florida, blieb 1990 auch das Publikum überschaubar. Laura Davies, die Grande Dame des europäischen Golfsports, erinnert sich an dreißig bis vierzig Zuschauer. Dabei spielten Nancy Lopez, Pat Bradley, Betsy King und sie selbst. Die USA gewannen 11½ zu 4½. Fast alles an diesem Wochenende war klein: das Publikum, die beiden Teams mit je acht Spielerinnen und die Erwartungen. Aber die Idee war größer, als sie aussah.
Sechsunddreißig Jahre später trifft diese Idee den Zeitgeist mit vollem Schwung. Der internationale Frauensport wächst schneller, als die alten Vorurteile gegen ihn verschwinden. Deloitte erwartet für 2026 erstmals mindestens drei Milliarden US-Dollar Umsatz im weiblichen Spitzensport. Die LPGA trägt in dieser Saison 33 Veranstaltungen mit insgesamt mehr als 132 Millionen Dollar Preisgeld aus; bei den Majors liegen die Börsen zwischen neun und 12,5 Millionen US-Dollar. Nelly Korda erhielt allein für ihren Sieg bei den U.S. Women’s Open 2,5 Millionen Dollar.
Beim Solheim Cup gibt es kein Preisgeld. Die besten Spielerinnen treten für ihr Team, ihren Kontinent und einen Kristallpokal an. Drei Tage lang zählt Geld nicht. Nur jeder Schlag.

Zwei Teams, ihre Stars und deren Erbinnen
Ab morgen wird Bernardus Golf in den Niederlanden nicht wie ein stiller Golfclub aussehen, sondern wie ein kleines, farbenfrohes Staatsgebiet: Blau gegen Rot, Europa gegen die USA. Zwölf Spielerinnen pro Seite, 28 Matches, drei Tage Matchplay. Eine Sportart, die gewöhnlich von gedämpften Stimmen und kontrollierten Bewegungen geprägt ist, entdeckt dann ihre Lautstärke.
Ihre bekanntesten Gesichter könnten nicht unterschiedlicher sein. Nelly Korda bewegt sich mit jener ruhigen Selbstverständlichkeit über den Golfplatz, die große Spielerinnen beinahe unantastbar erscheinen lässt. Charley Hull spielt schneller, redet direkter und zeigt mehr von dem, was in ihr vorgeht. Die Amerikanerin steht für Kontrolle, die Engländerin für Strom. Beide passen perfekt zu einem Wettbewerb, der von Gegensätzen lebt.
Korda ist der Fixstern im Team USA. Die Weltranglistenerste gewann bis Ende Juli bereits viermal, darunter die Chevron Championship und die U.S. Women’s Open. Ihre persönliche Solheim-Bilanz lautet zehn Siege, fünf Niederlagen, ein geteiltes Match. Hinter ihr stehen Major-Erfahrung, Länge und neue Unbekümmertheit. Angel Yin kann einen Platz mit Kraft verkürzen. Jennifer Kupcho und Allisen Corpuz wissen, wie man ein Major zu Ende bringt. Lauren Coughlin steht für den späten Durchbruch, die jüngeren Amerikanerinnen für eine Generation, die nicht mehr artig anklopft.
Das Team Europa antwortet traditionell weniger mit einer überragenden Nummer eins als mit Tiefe, Eigensinn und einer bemerkenswerten Begabung für diesen Wettbewerb. Hull war bei ihrem Debüt 2013 erst 17 Jahre als und ist damit die jüngste Solheim-Cup-Spielerin der Geschichte. Maja Stark reist als Major-Siegerin an, und Carlota Ciganda scheint im blauen Trikot regelmäßig um eine Körpergröße zu wachsen – wie das Foto auf der nächsten Seite zeigt. Céline Boutier steht für Präzision, Linn Grant für Angriffslust und Esther Henseleit, Deutschlands Olympia-Silbermedaillengewinnerin von Paris und Zweite (nach Stechen) bei den AIG Women’s Open im August, für jene stille Zähigkeit, die im Matchplay oft gefährlicher ist als jedes Spektakel.
Dann sind da die Neuen.
Allen voran Lottie Woad, 22 Jahre, seit 2025 Profi und Ende Juli 2026 bereits Nummer fünf der Welt. Woad ist kein Versprechen für irgendwann, sondern ein Problem für jetzt. Mit nur 0,9 Punkten verpasste die Schweizerin Chiara Tamburlini knapp einen Platz in der europäischen Auswahl.
Viele Stars haben diese Bühne schon im Kleinformat, beim PING Junior Solheim Cup, betreten. So spielte Korda 2015, Hull 2011 und Ciganda 2005 und 2007 bereits bei den Amateurinnen unter 18 Jahren mit. Am 7. und 8. September treten in Bernardus jeweils zwölf der besten europäischen und amerikanischen Amateurinnen gegeneinander an, erstmals auf demselben Platz wie wenige Tage später die Profis. Das klingt nach Vorprogramm. Tatsächlich ist es jedoch ein Familienalbum des modernen Frauengolfs: Man betrachtet die Gesichter von damals und erkennt die Weltstars von heute.
Die Kapitäninnen Anna Nordqvist und Angela Stanford müssen allerdings nicht einfach die zwölf besten Spielerinnen aufstellen. Sie müssen herausfinden, wer miteinander besser wird. Weltranglisten verraten, wer gut spielt. Sie sagen nicht, wen man neben sich haben möchte, wenn ein ganzer Kontinent plötzlich still wird.

Wenn Golf Fahrt Fahrrad aufnimmt
Wer am Freitagmorgen nach Bernardus möchte, soll in Den Bosch aus dem Zug aus- und aufs Fahrrad umsteigen. Nach neun Kilometern durch die niederländische Landschaft kommt man am Ziel an, wo tausende Räder statt Autos stehen. Für das größte Mannschaftsereignis im Frauengolf haben die Gastgeber eine bemerkenswert niederländische Lösung gefunden: Sie schicken die Zuschauer aufs Rad.
Hinter dieser Leichtigkeit wartet ein Platz, der von ebendieser wenig kennt. Bernardus wurde von Kyle Phillips entworfen, 2018 eröffnet und war bereits dreimal Schauplatz der Dutch Open. Für den Solheim Cup wird die Reihenfolge der Bahnen verändert. Das Auftaktloch bietet eine frühe Birdiechance, während das neue Schlussloch, ein langes Par 5 mit Wasser, großen Bunkern und einem Grün, Fehlentscheidungen archiviert.
Matchplay macht aus solchen Löchern keine Rechenaufgaben, sondern Verhandlungen mit dem Risiko. Ein Doppelbogey kostet schlimmstenfalls nur ein Loch. Ein Birdie ist wertlos, wenn die Gegnerin Eagle spielt. Man kann brillant spielen und verlieren oder mäßig spielen und gewinnen. Vor allem darf man Dinge tun, die im Zählspiel als unvernünftig gelten. Das Publikum nennt es Unterhaltung.
Das Spielformat sieht für Freitag und Samstag jeweils vier Foursomes und vier Fourballs vor. Beim Foursome teilen sich zwei Spielerinnen einen Ball und schlagen abwechselnd. Diese Spielform verlangt Vertrauen und prüft Freundschaften auf ihre Materialfestigkeit. Beim Fourball spielt jede ihren eigenen Ball, der bessere Score zählt. Am Sonntag folgen zwölf Einzel. Insgesamt werden 28 Punkte vergeben. 14, bedeuten den Sieg; bei 14:14 bleibt der Pokal bei der Titelverteidigerin. Das sind diesmal die USA.

2024 beendeten die Roten in Virginia sieben Jahre ohne Sieg. Angela Stanford, die sowohl als Spielerin als auch als Assistentin bereits neunmal dabei war, soll nun beweisen, dass dieser Sieg mehr war als ein gelungenes Heimspiel. Europa vertraut Anna Nordqvist. Die Schwedin gewann drei Majors, spielte seit 2009 in neun Solheim Cups und war zuletzt zweimal spielende Vizekapitänin. Kaum jemand kennt das seltsame Innenleben dieses Wettbewerbs besser: die Paarungen, die Blicke auf der Driving Range, die Spielerin, die Ruhe braucht, und jene, die erst durch den Lärm zu sich findet.
Nordqvist verfügt über vier Captain’s Picks, Stanford über drei. Auf dem Papier sind das freie Plätze. In Wahrheit sind es Entscheidungen, die Karrieren krönen und Herzen brechen.
Europa besitzt den Heimvorteil, die USA den Pokal und mit Korda die Nummer 1 der Welt. Doch Matchplay interessiert sich nicht für Besitzstände. Es fragt nur, wer an diesem Morgen besser mit dem Unberechenbaren lebt.
Am Sonntagabend wird vielleicht eine Spielerin über dem letzten Putt stehen und versuchen, nicht an all jene zu denken, für die sie ihn spielt. Während 1990 einige Dutzend Menschen zusahen, werden es in Bernardus tausende sein, von denen viele nach einer halben Stunde mit dem Fahrrad dort sein werden. Der Solheim Cup hat einen weiten Weg zurückgelegt, den inzwischen viele Frauen mitgegangen sind, vor allem dank einer.
Louise Solheim hätte vermutlich nicht viel Aufhebens darum gemacht. Sie arbeitete lieber hinter den Kulissen. Der Solheim Cup war ihre Methode, um Frauen daraus hervorzuholen. In Bernardus wird man sehen und laut hören können, wie gut ihr das gelungen ist.


