Alle Dramen und Triumphe: Die Profi-Golf-Highlights der Woche, kompakt zusammengefasst von Daniel Dillenburg.
PGA Tour: The CJ Cup
Ein Finaltag für die Geschichtsbücher: Wyndham Clark sicherte sich mit einer spektakulären 60er-Schlussrunde den Titel beim THE CJ Cup @ Byron Nelson und demonstrierte dabei eindrucksvoll, warum er zu den formstärksten Spielern der PGA Tour zählt.
Der US-Amerikaner startete aus geteilter Führung in den Sonntag und legte dann eine der besten Runden des Jahres hin. Mit elf Schlägen unter Par auf der Finalrunde zog er an Si Woo Kim vorbei und ließ auch den Titelverteidiger Scottie Scheffler hinter sich. Am Ende stand ein Gesamtscore von 30 unter Par (254), eine Zahl, die selbst auf einem birdiefreundlichen Kurs wie dem TPC Craig Ranch herausragt.
Besonders bemerkenswert: Clark gewann bereits zum zweiten Mal auf der PGA Tour mit einer abschließenden 60 – ein Kunststück, das vor ihm noch niemand geschafft hatte. Anders als bei seinem wetterverkürzten Triumph in Pebble Beach im Jahr 2024 ließ er diesmal keinen Zweifel aufkommen. Mit vier Birdies auf den letzten fünf Löchern machte er den Sieg endgültig klar, gekrönt von einem aggressiven Schlag ins Grün der 18, der ihm ein Tap-in-Birdie aus weniger als einem Meter ermöglichte.
Der Schlüssel zu seinem Erfolg lag in seiner kompromisslosen Spielweise. Anstatt auf Sicherheit zu setzen, blieb er bis zum Schluss offensiv. Ein Eagle an Bahn 12 brachte ihn erstmals in Führung. Anschließend sicherten ihm lange, gelochte Putts – darunter ein 14-Meter-Birdie auf der 15 – den Sieg. Während die Konkurrenz punktuell glänzte, hielt Clark das Tempo konstant hoch.
„Ich bin richtig stolz auf mich, dass ich nicht ins Wanken geraten bin und mich nicht zurückgelehnt habe, um nur auf sechs Meter zu zielen und mich irgendwie durchzuschlängeln.“
Wyndham Clark
Si Woo Kim, der nach einer 60 in der zweiten Runde mit den besten Siegchancen ins Finale gegangen war, spielte solide 65 Schläge und beendete das Turnier mit 27 Schlägen unter Par auf dem zweiten Platz. Dennoch konnte er Clarks Angriff nicht kontern, auch weil entscheidende Putts auf den Back Nine knapp ihr Ziel verfehlten.
Scottie Scheffler blieb im direkten Duell ebenfalls chancenlos. Zwar notierte die Nummer eins der Welt eine 65 und kam auf 25 unter Par, doch der Rückstand war bereits früh zu groß. Ein unglückliches Par an Bahn sechs, nachdem sein Ball den Fahnenstock getroffen hatte, symbolisierte den Tag des Texaners, der nie ganz Zugriff auf die Spitze bekam.
Hinter dem Spitzentrio überzeugte Jackson Suber mit Rang vier (-23), gefolgt von Keith Mitchell. Spieler wie Brooks Koepka und Jordan Spieth spielten zwar solide Finalrunden, hatten aber mit dem Ausgang des Turniers nichts mehr zu tun.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T9 Stephan Jäger (GER)
Ladies European Tour: Lalla Meryem Cup
Ein spektakuläres Comeback und ein weiterer Meilenstein für eines der größten Talente im Damengolf: Mit einer überragenden Finalrunde sicherte sich Anna Huang den Titel beim Lalla Meryem Cup – und schrieb damit Geschichte.
Auf dem Blue Course des Royal Golf Dar Es Salam startete die erst 17-jährige Kanadierin mit sechs Schlägen Rückstand in den Schlusstag und spielte dann eine Runde, die selbst für erfahrene Profis außergewöhnlich ist. Mit einer 66 (-7) inklusive sechs Birdies und einem Eagle zog sie noch an der Konkurrenz vorbei und gewann mit insgesamt 14 unter Par, einen Schlag vor Kelsey Bennett.
Besonders beeindruckend war Huangs Start: Bereits auf den ersten acht Löchern spielte sie sich mit einem Birdie auf der 1, einem Eagle auf der 2 sowie vier weiteren Birdies in Serie (Löcher 5 bis 8) in einen regelrechten Rausch. Zur Halbzeit lag sie bereits bei sechs unter Par für den Tag und hatte den Rückstand nahezu komplett aufgeholt.
Zwar hielt Bennett zunächst stark dagegen und setzte sich zwischenzeitlich sogar wieder ab, doch auf den Back Nine kippte das Momentum. Zwei Bogeys der Australierin auf den Löchern 12 und 16 brachten Huang zurück ins Spiel. Die Kanadierin nutzte ihre Chance, spielte geduldig weiter und brachte die Führung schließlich ins Clubhaus.
Die Entscheidung fiel auf dem 18. Loch: Bennett fand mit ihrem Abschlag den Fairwaybunker und musste vorlegen. Ihr Par-Putt zum möglichen Stechen verfehlte das Ziel und besiegelte damit Huangs dritten LET-Titel.
Mit diesem Sieg schreibt Huang Tourgeschichte. Mit 17 Jahren, 6 Monaten und 24 Tagen ist sie nun die jüngste Spielerin, die drei Titel auf der Ladies European Tour gewonnen hat, und übertrifft damit die bisherige Bestmarke von Lydia Ko.
Der Erfolg unterstreicht ihre ohnehin beeindruckende Entwicklung: Erst vor wenigen Wochen qualifizierte sie sich für die U.S. Women’s Open und wurde zuletzt Dritte beim Amundi German Masters. Nun folgt der nächste große Schritt in einer rasant verlaufenden Karriere.
Hinter der Siegerin belegte Bennett Rang zwei, während sich Anna Morgan und Anna Zanusso Platz drei teilten. Auch Pia Babnik war lange im Titelkampf dabei und wurde Fünfte.
In der Order of Merit verbessert sich Huang mit ihrem Triumph deutlich und rückt auf Rang drei vor. Casandra Alexander führt weiterhin die Gesamtwertung an, gefolgt von Agathe Laisne.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
T12 Celina Sattelkau (GER)
DP World Tour: Soudal Open
Eine jahrelange Durststrecke ist beendet. Richard Sterne hat sich mit einem spektakulären Finish den Titel bei den Soudal Open gesichert und damit seinen ersten Sieg auf der DP World Tour seit 13 Jahren gefeiert.
Auf dem Weg zu seinem Triumph mit insgesamt 18 Schlägen unter Par schien Sterne lange nur eine Nebenrolle zu spielen. Landsmann Zander Lombard kontrollierte über weite Strecken das Geschehen und ging mit Vorsprung auf die Back Nine. Doch dann kippte das Turnier dramatisch – und zwar an der 17. Bahn.
Dort gelang Sterne ein Schlag, der in Erinnerung bleiben wird: Aus rund 252 Metern Entfernung traf er mit dem Holz nahezu perfekt ins Grün, verpasste ein mögliches Albatross nur um wenige Meter und sicherte sich ein Eagle. Dieser Schlag katapultierte ihn nicht nur an die Spitze, sondern setzte auch die Konkurrenz massiv unter Druck.
Zeitgleich verlor Lombard seinen Rhythmus. Nach einem Bogey an der 13 folgte ein kostspieliges Doppelbogey an der 14 – und plötzlich war der sicher geglaubte Vorsprung dahin. Sterne nutzte die Gunst der Stunde, spielte die Schlussbahn souverän herunter und setzte mit einem Par die Marke, die niemand mehr erreichen sollte.
Für den 44-Jährigen bedeutet dieser Erfolg weit mehr als nur einen weiteren Titel. Nach Jahren voller Verletzungen – darunter mehrere Operationen am Handgelenk, eine Hüft-OP und sogar ein Bandscheibenersatz – schien seine Karriere zwischenzeitlich ernsthaft gefährdet. Umso emotionaler ist nun seine Rückkehr in den Kreis der Sieger, zumal seine Kinder erstmals bewusst miterleben konnten, wie ihr Vater ein Turnier gewinnt.
Hinter Sterne entwickelte sich ein enges Rennen um die Plätze. Marcus Kinhult und Marcus Armitage setzten mit starken Schlussrunden zwischenzeitlich die Bestmarke im Clubhaus und teilten sich am Ende den zweiten Platz mit Victor Perez, Kota Kaneko, Jorge Campillo und Jacob Skov Olesen.
Lombard fiel nach seiner 74 noch weiter zurück und teilte sich am Ende einen Rang außerhalb der Topplätze mit Spielern wie MJ Daffue.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T30 Marcel Schneider (GER)
LET Access Series: Allegria Stegersbach Ladies Open
Ein Premierensieg mit viel Nervenstärke: Hanna Tauber sicherte sich bei den Allegria Stegersbach Ladies Open ihren ersten Titel auf der LET Access Series.
Die 21-Jährige überzeugte im Allegria Golf Resort vor allem durch Konstanz. Mit zwei Runden von jeweils 69 Schlägen (-1) legte sie den Grundstein für ihren Erfolg und ging mit einem knappen Vorsprung in die Finalrunde. Zwar begann sie dort mit einem Bogey, fand aber schnell zurück in ihren Rhythmus.
Birdies auf der fünften Bahn sowie auf den Back Nine – unter anderem auf den Löchern 13 und 15 – verschafften ihr die nötige Kontrolle im Titelkampf. Ihr Ansatz war dabei bewusst konservativ: Statt Risiko setzte sie auf Präzision, spielte viele Fairways und Grüns an und vermied unnötige Fehler auf einem Kurs, der insbesondere auf den ondulierten Grüns zahlreiche Drei-Putts bestrafte.
Dennoch wurde es auf den letzten Metern spannend. Mit Bogeys auf den Löchern 17 und 18 schmolz ihr Vorsprung bedrohlich zusammen, doch Tauber sicherte sich mit insgesamt drei Schlägen unter Par den Sieg.
Dabei spielte auch die Unterstützung an ihrer Seite eine wichtige Rolle: Landsfrau Theresa De Bochdanovits fungierte kurzfristig als Caddie – eine Entscheidung, die sich auszahlte. Der vertraute Austausch half Tauber, ruhig zu bleiben und sich nicht in Gedanken zu verlieren.
Hinter der Siegerin belegte Ragga Kristinsdottir mit einem Gesamtscore von einem unter Par den zweiten Platz. Den dritten Platz teilten sich Lauren Holmey, Lisa Marie Schumacher und Jessica Hall mit Even Par. Besonders hervorzuheben ist Holmeys Finalrunde: Die Französin spielte eine 67 (-3) und startete ihren Tag spektakulär mit einem Hole-in-One.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
1 Hanna Tauber (GER)
T3 Lisa Marie Schumacher (GER)
T9 Natalie Armbrüster (SUI)
Weitere Turniere:
HotelPlanner Tour: Danish Golf Challenge
Odense Eventyr Golf, Dänemark, 21. bis 24. Mai
Sieger: Tapio Pulkkanen (FIN)
T16 Anton Albers (GER)
Asian Tour: Korea Open Golf Championship
Woo Jeong Hills Country Club, Südkorea, 21. bis 24. Mai
Sieger: Jiho Yang (KOR)
T13 Dominic Foos (GER)
PGA Tour Americas: Open de Ecuador
Quito Tenis & Golf Club, Ecuador, 21. bis 24. Mai
Sieger: Joey Savoie (CAN)
T52 Jonas Baumgartner (GER)
Sunshine Tour: SunBet Challenge-Sun Boardwalk
Humewood Golf Club, Südafrika, 20. bis 22. Mai
Sieger: Justin Walters (RZA)
T15 Allen John (GER)
PGA Tour Champions: Trophy Hassan II
Royal Golf Dar Es Salam, Marokko, 21. bis 23. Mai
Sieger: Scott Hend (AUS)
T4 Alex Cejka (GER)
Korn Ferry Tour: Visit Knoxville Open
Holsten Hills Country Club, Tennessee, 21. bis 24. Mai
Sieger: Doc Redman (USA)
T60 Max Schliesing (SUI)

