Der Genussarbeiter: Miguel Ángel Jiménez im Interview

Miguel Ángel Jiménez raucht Zigarren, liebt guten Wein, schnelle Autos und das lange Sitzen auf der Terrasse. Das ist die bekannte Version. Die interessantere beginnt morgens im Fitnessstudio. Perfect Eagle traf den Spanier im Südosten Siziliens, wo er nicht nur über das gute Leben, sondern auch über die Arbeit dahinter sprach. Und über ein neues Resort, das genau diese Haltung verkörpern soll: das Costa Ragusa Resort, ein 36-Loch-Juwel am Mittelmeer.

Von Thomas Weidinger

Ein Luxusresort mit zwei Golf­plätzen und ein Treffen mit einer Legende als Golfplatzdesigner vor Ort. Zwei Geschichten also, die separat funktionieren und doch denselben Gedanken teilen: Golf ist dann am besten, wenn es den Alltag nicht beherrscht, sondern diesem einfach mehr Freude verleiht.

Hier geht es direkt nach Sizilien ins Costa Ragusa Resort, jedenfalls zur TRAVEL-Story.

Bei Miguel Ángel Jiménez sieht der ­Genuss beinahe wie Teil des Trainingsprogramms aus. Doch wer ihn nur darauf reduziert, übersieht den wichtigsten Teil. Mit 62 trainiert er noch immer jeden ­Morgen, spielt und übt weiter … und gönnt sich erst danach das, worüber alle reden. Ein Gespräch über Arbeit und Genuss, den 15-jährigen Caddie von Málaga, Österreich am Finger und im Herzen, modernes Golf und die Frage, wann aus „Competition“ irgendwann „Finished“ wird.

Nur nicht das Leben auf später verschieben

Mr. Jiménez, vor ein paar Jahren wurde Ihnen in den USA der Titel „Most Interesting Man in Golf“ verliehen. Was denken Sie, warum?

Miguel Ángel Jiménez: Vielleicht, weil ich nichts verstecke. Ich bin einfach ich. Wenn ich ein Bier oder ein Glas Wein trinken möchte, tue ich das. Ich spiele keine Rolle, ich bin immer ich selbst. Man sollte im Leben das tun, was einem Freude macht … solange man andere Menschen respektiert. Vielleicht finden die Leute genau das
interessant.

Zigarre, Rotwein, Ferraris. Unterschätzen die Menschen den Leistungssportler Jiménez, weil sie den Genussmenschen so gern sehen?

Viele Leute bilden sich ein Urteil über mich, wie ich außerhalb des Golfplatzes bin. Aber sie sehen nicht, was ich jeden Morgen mache. Wenn ich aufstehe, gehe ich als Erstes ins Fitnessstudio. Ich arbeite. Danach gehe ich auf den Golfplatz und spiele, übe und übe weiter. Jeden Tag.

»Mit 62 spielt man nicht mehr auf diesem Niveau, wenn man nur raucht, trinkt und sonst nichts tut. So funktioniert das nicht.«

Natürlich genieße ich meine Zeit. Am Abend, wenn die Arbeit getan ist, mag doch niemand auf ein gutes Glas Wein verzichten. Eine Zigarre. Vielleicht einen Whisky. Du sitzt da, entspannst dich. ­Warum nicht? Aber davor steht Arbeit. Viele Stunden. Die sieht nur keiner.

Sie waren 15, als Sie als Caddie und auf der Range gearbeitet haben. Wie viel von diesem Jungen steckt heute noch in Ihnen?

Genau derselbe. Ich bin noch immer dieser Junge, wenn auch älter. Aber das Alter ist nur eine Zahl. Ich fühle mich jung. Ich fühle mich gut mit dem, was ich tue. Und ich genieße es immer noch.
Natürlich komme ich aus einer anderen Welt. Wir waren sieben Brüder, ich musste früh arbeiten, und Golf war zunächst nicht Lifestyle, sondern Arbeit. Aber vielleicht bleibt genau deshalb etwas von diesem Jungen in mir. Du weißt, woher du kommst und dass nichts von allein passiert.

Sie haben praktisch die gesamte moderne Geschichte des Profigolfs erlebt. Was hat sich Ihrer Meinung nach verändert?

Alles. Wirklich alles. Als ich angefangen habe, hatte ich all diese Dinge nicht. Kein großes Team, keine Daten zu ­allem, keine Spezialisten um mich herum. Ich hatte nur meinen Bruder. Er hat mir Golf beigebracht und mich unterrichtet. Und wenn ich in der Akademie oder auf der Driving Range gearbeitet habe, habe ich einfach die ganze Zeit geübt.
Heute ist der Sport viel professioneller und athletischer. Es geht um mehr Power, mehr Technik und mehr Informationen. Früher mussten wir vieles selbst herausfinden. Vielleicht mussten wir dadurch auch mehr Schläge entwickeln. Ich mag dieses Golf immer noch. Aber ich respektiere, wie die jungen Spieler heute Golf spielen.

Ihr Golf war nie nur Länge. Ist Strategie auch Ihre Philosophie beim neuen Queens Course hier an der Costa Ragusa?

Ja, ein Golfplatz muss zuerst die Landschaft respektieren. Man sollte nicht mehr verändern, als notwendig ist. Ich mag strategisches Golf. Der Spieler soll sich fragen: Wo platziere ich den Ball? Welchen Winkel möchte ich ins Grün haben? Welche Linie nehme ich? Natürlich braucht ein Platz Länge und Herausforderung. Aber allein die Länge macht noch keinen guten Golfplatz.
Verschiedene Spieler benötigen verschiedene Möglichkeiten. Und am Ende muss Golf auch Freude bereiten. Die Menschen kommen nach Sizilien, um Golf zu spielen und das Leben zu genießen. Der Platz sollte ihnen nicht vermitteln, dass dies ein Widerspruch ist.

Sie sind mit einer Österreicherin verheiratet und leben zeitweise in Bad Waltersdorf in der Steiermark. Was von Österreich hat inzwischen Platz in Ihrer Seele gefunden?

Ich habe Susanne 2011 in Atzenbrugg kennengelernt, als ich die Austrian Open gespielt habe. 2014 haben wir geheiratet. Ich mag den österreichischen Lebensstil. Die Menschen gehen gerne aus, genießen das Leben, sitzen auf einer Terrasse und reden miteinander. Das kenne ich aus Spanien, besonders aus dem Süden. Ich komme aus Málaga. Dort leben die Menschen genauso. Deshalb fühle ich mich in Österreich wohl. Die Leute sind freundlich zu mir und offen. Wir haben dort Freunde.

Sie sind 62 und denken in diesem Alter noch nicht daran, weniger zu arbeiten. Warum?

Ich liebe den Wettkampf. Ich will konkurrenzfähig sein. Solange ich morgens aufstehe und arbeiten möchte, solange ich das Gefühl habe, meinen Ball kontrollieren und gewinnen zu können, mache ich weiter. Je älter man wird, desto mehr muss man dafür tun. Nicht weniger.

Wovor haben Sie mehr Angst: Nicht mehr konkurrenzfähig zu sein oder die Liebe zum Golf zu verlieren?

Die Liebe zum Golf werde ich nie ver­lieren. Golf ist für mich eine Lebenseinstellung. Golf war für mich nie ein Job. Solange ich das Gefühl habe, konkurrenzfähig zu sein, werde ich Turniere spielen. Wenn dieses Gefühl irgendwann weg ist, werde ich es merken. Aber die Liebe zum Spiel wird bleiben. Die wird bleiben.

Danke für das Interview!

Herzlichen Dank an Costa Ragusa Resort für die Einladung nach Sizilien!

Ein Kurzvideo vom Interview „Two Shots with Miguel Ángel Jiménez“ findest du als Social-Posting auf meinem Insta-Account .

MIGUEL ÁNGEL JIMÉNEZ

Geboren: 5. Jänner 1964 in Málaga, Spanien
Profi seit: 1982
Spitzname: The Mechanic
Wohnort: Er lebt heute überwiegend in Málaga und Bad Waltersdorf (Steiermark); seine Ehefrau Susanne stammt aus Österreich; sie sind seit 2014 verheiratet.
Familie: Er ist einer von sieben Brüdern, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in Málaga. Mit 15 begann er als Caddie und Ballsammler im Golfclub.
Karriere:
• 21 Siege auf der European Tour (heute DP World Tour)
• 17 Siege auf der PGA Tour Champions
• Ryder Cup: viermal Spieler, später Vizekapitän
• Ältester Sieger eines DP-World-Tour-Events (50 Jahre)
• Sieger mehrerer Senior Majors (Stand Aug. 2026)
Preisgeld:
Bei European Tour + PGA Tour + PGA Tour Champions zusammen über 40 Millionen US-Dollar an offiziellen Preisgeldern; davon auf der PGA Tour Champions über 18,6 Mio. US-Dollar.
Markenzeichen: genussvoller Lebensstil mit Zigarre, Rioja-Rotwein, Ferrari sowie eine legendäre Stretching-Routine
Golf Academy: eigene Golf Academy bei Málaga seit 2013

Thomas Weidinger
Thomas Weidingerhttps://thomasweidinger.com/
Selbstständiger Texter und Buchlektor sowie Golf- und Travel-Storyteller. Mitbegründer des Perfect Eagle Golf Magazin im Jahr 2011 und Chefredakteur bis Ende 2016.

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