Alle Dramen und Triumphe: Die Profi-Golf-Highlights der Woche, kompakt zusammengefasst von Daniel Dillenburg.
DP World Tour: Volvo China Open
Bernd Wiesberger hat bei der Volvo China Open im Enhance Anting Golf Club in Shanghai ein emotionales Comeback gefeiert und seinen ersten Titel auf der DP World Tour seit fรผnf Jahren gewonnen. Mit einer starken Back Nine drehte der รsterreicher ein bereits verloren geglaubtes Duell und sicherte sich seinen insgesamt neunten Sieg auf der Tour.
Ausgangslage vor der Schlussrunde: Wiesberger lag einen Schlag hinter Adrian Otaegui, der mittlerweile unter der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate spielt. Zunรคchst sah alles nach einem Durchmarsch des Spaniers aus. Otaegui baute seinen Vorsprung zwischenzeitlich auf drei Schlรคge aus und wirkte auf den ersten neun Lรถchern absolut souverรคn. Mit prรคzisen Annรคherungen und sicherem Putting hielt er Wiesberger auf Distanz.
Doch auf den zweiten neun Lรถchern kippte das Momentum komplett. Wiesberger startete seine Aufholjagd mit einem spektakulรคren Chip-in-Birdie auf der 10, das ihm neues Selbstvertrauen gab. Es folgten weitere wichtige Birdies โ darunter ein gelochter Putt aus rund acht Metern auf der 13 โ, mit denen er Schlag fรผr Schlag aufholte. Innerhalb weniger Lรถcher war der Rรผckstand egalisiert.
โAdrian ist ein groรartiger Wettkรคmpfer und hatte alles im Griff. Aber am zehnten Loch ist etwas passiert, das ich mir nicht erklรคren kann. So ist das eben manchmal beim Golf.“
Bernd Wiesberger
Der entscheidende Moment kam auf der 16. Bahn: Otaegui verfehlte das Grรผn und konnte das Par nicht retten, wรคhrend Wiesberger die Fรผhrung รผbernahm. Auf den letzten Lรถchern spielte der รsterreicher kontrolliert und clever, wรคhrend sein Kontrahent unter Druck Fehler machte. Auf der 18 geriet Otaegui endgรผltig in Schwierigkeiten und beendete das Turnier mit einem Doppelbogey, wรคhrend Wiesberger souverรคn ein Par spielte und mit drei Schlรคgen Vorsprung gewann.
โDie letzten Jahre waren nicht einfachโ, sagte Wiesberger sichtlich bewegt. โIch habe heute alles gegeben. Es war nicht immer schรถn, aber ich habe es geschafft.โ Er sei besonders stolz darauf, schwierige Phasen รผberwunden zu haben: โDieser Sieg ist fรผr alle zu Hause. Dieser Sieg bedeutet mir unglaublich viel.โ
Mit diesem Erfolg beendet Wiesberger eine Durststrecke von 1792 Tagen ohne Titel und verschafft sich gleichzeitig wichtige Perspektiven fรผr die Zukunft. Dazu gehรถrt unter anderem die Rรผckkehr in hochdotierte Turniere der Rolex Series.
Hinter ihm belegte Otaegui trotz seines Einbruchs den zweiten Platz, wรคhrend Mikael Lindberg Dritter wurde. Freddy Schott sorgte mit einer 64 fรผr die beste Runde des Finaltages und spielte sich noch in die Top Fรผnf.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
1 Bernd Wiesberger (AUT)
5 Freddy Schott (GER)
LPGA Tour: Chevron Championship
Mit einem beeindruckenden Start-Ziel-Sieg hat Nelly Korda bei der The Chevron Championship ihre dritte Major-Trophรคe gewonnen und sich gleichzeitig wieder an die Spitze der Weltrangliste gesetzt. Auf dem anspruchsvollen Kurs des Memorial Park Golf Course dominierte die US-Amerikanerin das Geschehen nahezu nach Belieben โ trotz einer kontrollierten und teilweise defensiven Finalrunde.
Bereits mit einem komfortablen Vorsprung in den Schlusstag gestartet, lieร Korda zu keinem Zeitpunkt ernsthafte Zweifel an ihrem Triumph aufkommen. Keine Konkurrentin kam am Wochenende nรคher als vier Schlรคge heran. Selbst eine Phase mit eher vorsichtigem Spiel โ sie absolvierte die letzten 29 Lรถcher nur auf Even Par โ reichte aus, um am Ende mit fรผnf Schlรคgen Vorsprung zu gewinnen. Dies ist der grรถรte Abstand bei diesem Major seit fast zwei Jahrzehnten.
Dabei war gerade die mentale Herausforderung entscheidend. โMit so einem Vorsprung zu starten, ist nicht einfachโ, erklรคrte Korda. โMan fragt sich: Bleibe ich aggressiv oder spiele ich defensiver?โ Genau diesen Balanceakt meisterte sie eindrucksvoll. Immer wieder setzte sie gezielte Nadelstiche, etwa mit einem mutigen Angriff auf die Fahne an Loch 13, der in einem sicheren Birdie endete, oder mit einem prรคzisen Schlag aufs Grรผn der 14, der ein weiteres Birdie vorbereitete.
Gleichzeitig zeigte sie taktische Reife: Auf dem riskanten Par 5 der 16. Bahn entschied sie sich bewusst gegen das direkte Anspielen des Grรผns รผber Wasser und legte stattdessen vor. Dies war ein Zeichen dafรผr, dass sie ihren Vorsprung klug verwaltete. Auch kleinere Unsicherheiten auf den Grรผns, darunter einige verpasste kurze Putts, brachten sie nicht aus der Ruhe.
Mit einer Schlussrunde von 70 Schlรคgen (-2) beendete Korda das Turnier bei 18 unter Par, sicherte sich ihren insgesamt 17. LPGA-Titel sowie ihren 21. Titel weltweit. Historisch bemerkenswert ist, dass sie das Turnier รผber 57 Lรถcher hinweg anfรผhrte und sich damit in eine exklusive Liste von Spielerinnen einreiht, die ein Major von vorne bis hinten dominierten.
Nach dem entscheidenden Putt โ ein sicher verwandelter Par-Putt aus gut zwei Metern โ wich die Anspannung purer Freude. Ganz traditionell sprang Korda anschlieรend in den Siegerpool neben dem 18. Grรผn โ eine ikonische Geste dieses Turniers.
Ruoning Yin und Patty Tavatanakit belegten den geteilten zweiten Platz, konnten aber nie ernsthaft Druck aufbauen. Kordas Leistung war schlicht zu konstant, zu kontrolliert und in den entscheidenden Momenten zu stark.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
T27 Chiara Tamburlini (SUI)
PGA Tour: Zurich Classic
Der Triumph der Brรผder Matt und Alex Fitzpatrick bei der Zurich Classic of New Orleans war nicht nur sportlich bemerkenswert, sondern auch emotional einer der Hรถhepunkte der Saison. Auf dem Platz des TPC Louisiana krรถnten die beiden Englรคnder eine nervenaufreibende Finalrunde mit einem Sieg, der vor allem fรผr den jรผngeren Bruder eine neue Karrierephase einlรคutet.
Mit einem Gesamtergebnis von 31 unter Par stellten die Fitzpatricks sogar einen Turnierrekord auf. Doch der Weg dorthin war alles andere als souverรคn. Zwischenzeitlich hatten sie auf den Back Nine einen komfortablen Vorsprung von vier Schlรคgen verspielt, wรคhrend im Clubhaus bereits mehrere Teams mit 30 unter Par lauerten. Der Druck war enorm, zumal im alternierenden Schlagformat (Foursomes) jeder Fehler sofort bestraft wird.
Im entscheidenden Moment zeigte sich jedoch die Klasse von Matt Fitzpatrick, der als einer der formstรคrksten Spieler der Welt ins Turnier gegangen war. Mit einem herausragenden Bunkerschlag am 18. Loch legte er den Ball praktisch tot an die Fahne. Fรผr seinen Bruder Alex blieb nur noch ein kurzer Putt, doch die Situation war alles andere als einfach. โIch konnte meine Hรคnde nicht fรผhlenโ, gab er spรคter zu. Als der Ball schlieรlich fiel, brach die Anspannung schlagartig: Alex sank zu Boden, wรคhrend ihn sein Bruder in die Arme schloss.
Dieser Sieg hat eine enorme Bedeutung โ insbesondere fรผr Alex Fitzpatrick. Durch den Erfolg erhรคlt er eine zweijรคhrige Spielberechtigung auf der PGA Tourโ ein echter Meilenstein fรผr seine Karriere. Fรผr Matt ist es ein weiterer Beleg seiner aktuell herausragenden Form, nachdem er zuletzt bereits groรe Turniere gewonnen hatte.
Knapp geschlagen geben mussten sich unter anderem die Teams um Alex Smalley und Hayden Springer sowie die norwegische Kombination aus Kristoffer Reitan und Kris Ventura. Sie alle kamen mit 30 Schlรคgen unter Par ins Ziel.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T10 Matti Schmid (GER)
Ladies European Tour: Investec SA Womens Open
Der Durchbruch ist perfekt: Mit einem nervenstarken Auftritt hat sich Esme Hamilton den Titel bei den Investec SA Womenโs Open gesichert und damit ihren ersten Sieg auf der Ladies European Tour gefeiert. Auf dem anspruchsvollen Kurs des Royal Cape Golf Clubs in Kapstadt bewies die Englรคnderin bei schwierigen Wetterbedingungen echte Siegerqualitรคten.
Hamilton startete schlaggleich mit Pia Babnik in die Finalrunde, dicht gefolgt von ihrer Landsfrau Cara Gainer. Nach einem frรผhen Bogey auf Loch 3 konterte sie stark mit Birdies auf den Bahnen 5 und 6 und setzte sich zunรคchst leicht ab. Doch das Turnier entwickelte sich schnell zu einem echten Thriller: Ein Doppelbogey an Loch 9 lieร ihre Fรผhrung schmelzen, wรคhrend Gainer mit einem wichtigen Birdie aufschloss โ Gleichstand zur Halbzeit.
Gerade in dieser kritischen Phase zeigte Hamilton ihre mentale Stรคrke. Trotz Regen, Wind und wachsendem Druck blieb sie ruhig und fokussiert. Auf den Back Nine spielte sie ihre beste Phase des Tages: Birdies auf den Lรถchern 11, 14 und 16 brachten sie wieder in Fรผhrung. Besonders auf den letzten Bahnen bewahrte sie die Nerven, spielte kontrolliertes Golf und lieร sich den Vorsprung nicht mehr nehmen.
Mit einer Schlussrunde von 71 (-2) beendete sie das Turnier bei 15 unter Par und gewann somit mit zwei Schlรคgen Vorsprung vor Gainer. Babnik komplettierte das Podium auf Rang drei. Fรผr Hamilton ist dieser Erfolg mehr als nur ein Turniersieg: Er ist die Bestรคtigung ihres Weges, nachdem sie erst im Vorjahr als Rookie auf die Tour gekommen war.
Sichtlich emotional widmete sie den Sieg ihrer Familie, die sie seit Jahren unterstรผtzt. Gleichzeitig unterstrich sie, dass dieser Triumph ihr Selbstvertrauen weiter stรคrken werde. Auch die Reaktionen ihrer Kolleginnen โ von Champagnerduschen bis zu herzlichen Glรผckwรผnschen โ zeigten, wie anerkannt ihr Erfolg im Feld ist.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
T4 Emma Spitz (AUT)
T10 Alexandra Fรถrsterling (GER)
Weitere Turniere:
Korn Ferry Tour: Tulum Championship
PGA Riviera Maya, Mexiko, 16. bis 19. April
Sieger:
PGA Tour Americas: Brazil Open
Rio Olympic Golf Course, Brasilien, 16. bis 19. April
Sieger: Dylan Menante (USA)
CUT Jeremy Paul (GER)
LIV Golf: Mexico City
Club de Golf Chapultepec, Mexiko, 16. bis 19. April
Sieger: Jon Rahm (GER)
T25 Martin Kaymer (GER)
Sunshine Tour: Mediclinic Invitational
Heron Banks Golf & River Estate, Sรผdafrika, 15. bis 18. April
Sieger: Samuel Simpson (RSA)
T36 Allen John (GER)
