Alle Dramen und Triumphe: Die Profi-Golf-Highlights der Woche, kompakt zusammengefasst von Daniel Dillenburg.
PGA Tour: Tour Championship
โMan muss einfach aus allem lernen und versuchen, sein Bestes zu geben.โ โ diesen Satz sagte Tommy Fleetwood (-18) im Vorfeld der Tour Championship. Bei der Pressekonferenz ging es um seine zahlreichen knapp gescheiterten Versuche, endlich seinen ersten Sieg auf der PGA Tour zu feiern. Beim Saisonfinale im East Lake Golf Club in Atlanta sollte das Warten endlich ein Ende haben. Fleetwood gab sein Bestes โ und dieses Mal reichte es. Dank einer 68 (-2) im Finale gewann der Englรคnder die Tour Championship mit drei Schlรคgen Vorsprung vor den US-Amerikanern Patrick Cantlay und Russell Henley (-15) und sicherte sich damit gleichzeitig den mit zehn Millionen Dollar dotierten FedExCup.
In dem Feld der 30 besten Spieler der Saison musste sich Fleetwood gegen die Elite der PGA Tour durchsetzen. Scottie Scheffler (-14), der Fรผhrende des FedExCups und Top-Favorit, ging als Erster ins Final-Event. Am Ende teilte er sich Rang vier mit Corey Conners (CAN) und Cameron Young (USA). An diesem Sonntag war es ausnahmsweise jemand anderes, der jubeln durfte. Jemand, der schon so oft angeklopft hatte. 163 Starts. 30 Top-Fรผnf-Finishes. Allein in den vergangenen Monaten war Fleetwood mehrmals so knapp davor, endlich von dieser Liste der besten Spieler ohne PGA-Tour-Sieg gestrichen zu werden. Beim 164. Start, zwรถlf Jahre nach seinem Debรผt auf der PGA Tour, ging er als Champion vom 18. Grรผn โ als FedExCup-Champion.
โIch denke, es ist fรผr jeden leicht zu sagen, dass er widerstandsfรคhig ist, dass er sich wieder aufrappelt, dass er Kampfgeist hatโ, sagte Fleetwood. โEs ist etwas anderes, wenn man es tatsรคchlich beweisen muss.โ Der 34-Jรคhrige ging gemeinsam mit Cantlay als Fรผhrender in den Finaltag und hatte mal drei, mal einen Schlag Vorsprung. Es bahnte sich einmal mehr eine Nervenprobe fรผr den englischen Ryder-Cup-Star an. โMan muss sich mit diesen kleinen Dรคmonen auseinandersetzen, die im Hinterkopf herumschwirren. Zweifel schleichen sich ein. Man erinnert sich daran, was man falsch gemacht hat, will es nicht wieder falsch machen und muss sich zwingen, an die positiven Dinge zu denken.โ Die Dรคmonen wurden an diesem Sonntag besiegt.
โIch musste hartnรคckig sein, um mich wieder aufzurappeln und mich wieder in diese Position zu bringen, egal wie oft es nicht nach meinem Willen lief, egal wie viele Zweifel sich einschlichen.โ
Tommy Fleetwood
Der โunfertigeโ Fleetwood bewegte lange Zeit die Golfwelt. Mehr noch: die gesamte Sportwelt. Wรคhrend Justin Rose und Shane Lowry am 18. Grรผn auf ihren Ryder-Cup-Kumpel warteten, gratulierten Sportstars wie LeBron James oder Carlos Alcaraz in den sozialen Medien dem sympathischen Familienvater aus Southport, der durch seine Reise zum Vorbild geworden ist, wenn es darum geht, wie man mit Widrigkeiten und Unzulรคnglichkeiten umgehen sollte. โEr wird immer wieder zu Boden geworfen, steht aber jedes Mal wieder auf und kommt noch stรคrker zurรผckโ, sagte Lowry รผber ihn. Die Hartnรคckigkeit hat sich ausgezahlt.
Sepp Straka (+7) beendete die Tour Championship mit Runden von 74, 65, 77 und 71 Schlรคgen auf dem 30. und damit letzten Platz. Der รsterreicher, der zwischenzeitlich die Fรผhrung im FedExCup innehatte, erhielt dafรผr 355.000 US-Dollar Preisgeld.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
30 Sepp Straka (AUT)
Ladies European Tour: Hills Open
Die Zukunft des europรคischen Damengolfs hat am Wochenende in Schweden ein weiteres Gesicht bekommen. Die 20-jรคhrige Meja รrtengren (-6) hat als Amateurin ihr erstes Turnier auf der Ladies European Tour (LET) gewonnen. Bei der Hills Open im schwedischen Mรถlndal setzte sie sich vor heimischem Publikum mit einem Vorsprung von zwei Schlรคgen gegen die internationale Konkurrenz durch. Damit ist sie nach Lottie Woad bereits die zweite Amateurin in dieser Saison, die auf der LET gewinnen konnte. Den zweiten Platz teilten sich รrtengrens Landsfrau Lisa Petterson und Leonie Harm aus Deutschland (-4).
โIch weiร gar nicht, wo ich anfangen sollโ, sagte Ortengren, die im September ihr zweites Jahr an der Stanford University beginnt. โIch bin sprachlos. Ich bin sehr glรผcklich รผber den Sieg und froh, dass die Runde vorbei ist.โ Die Runde wurde zum Schluss noch einmal spannend, nachdem Ortengren zwischen den Lรถchern 14 und 17 vier Schlรคge verloren hatte. Ihr Vorsprung betrug plรถtzlich nur noch einen Schlag, als sie auf die 18 ging. โAls der Wind wieder stรคrker wurde, wurde ich bei Loch 13 nervรถs und machte einige Fehler. Bei Loch 17 landete mein Ball dann im Bunker auf der rechten Seite, was schwierig war.โ Doch ein abschlieรendes Birdie sicherte ihr den ersten Titel in der ersten Liga, nachdem sie 2022 schon einmal auf der LET Access Series gewonnen hatte.
Fรผr Leonie Harm war der zweite Platz sehr wertvoll, nachdem sie im vergangenen Jahr mit einem Karriereende geliebรคugelt hatte. Zu wenige Erfolgserlebnisse und immer wieder gesundheitliche Hรผrden hatten sie ins Zweifeln gebracht. Doch die 27-jรคhrige Stuttgarterin meldete sich diese Woche in Schweden zurรผck. In der Order of Merit kletterte sie auf Rang 34 und muss sich um ihre Tourkarte fรผr die kommende Saison nun keine Sorgen mehr machen. Auch ein Karriereende ist damit vorerst wieder in weite Ferne gerรผckt.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
T2 Leonie Harm (GER)
T14 Celina Sattelkau (GER)
LPGA Tour: CPKC Women’s Open
Nicht nur in Schweden wurde ein Heimsieg bejubelt. Auch die kanadischen Fans bei der CPKC Women’s Open feierten eine ihrer Landsfrauen: Brooke Henderson (-15) setzte sich nahe ihrer Heimat in Ontario mit einem Schlag Vorsprung gegen die mehrmalige Major-Siegerin Minjee Lee (-14) durch und feierte damit ihren zweiten Erfolg beim Heimspiel nach 2018.
โDiese Woche war mehr als besondersโ, sagte Henderson. โEs ist unglaublich cool, dass wir es geschafft haben und wieder den Pokal in die Hรถhe stemmen kรถnnen. Ehrlich gesagt bin ich รผberrascht, dass ich gerade nicht weine, denn das bedeutet mir einfach so viel.โ
Fรผr Henderson geht damit eine zweieinhalbjรคhrige Titeldurststrecke zu Ende. Mit dem Sieg bei der CPKC Women’s Open im Mississaugua Golf and Country Club holte sie ihren insgesamt 14. LPGA-Titel und ihren ersten Erfolg seit Januar 2023.
โDieses Jahr ist bisher nicht besonders gut gelaufen. Es fรผhlt sich einfach so an, als wรคre es Schicksalโ, sagte Henderson. โIch hatte das Gefรผhl, dass ich heute und diese Woche viel Glรผck hatte, und ich hatte einfach das Gefรผhl, dass es so sein sollte.โ Fรผr ihren Sieg erhielt die Kanadierin 412.500 US-Dollar Preisgeld und verbesserte sich auf den 26. Platz im โRace to CME Globeโ.
Mit ihrem zweiten Platz rรผckte die Australierin Lee der Fรผhrenden in der Gesamtwertung, Jeeno Thitikul, auf die Pelle. Die beiden trennen nur noch 55 Punkte. Zur Einordnung: Die geteilten Zehnten in Kanada erhielten 65 Punkte. Hier bahnt sich also ein besonders spannender Kampf um die Gesamtwertung an.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
T327 Esther Henseleit (GER)
DP World Tour: British Masters
Eine deutlich lรคngere Titelflaute als die von Brooke Henderson konnte der Schwede Alex Noren (-16) beenden. Beim British Masters im The Belfry Hotel & Resort gewann er sein erstes Event der DP World Tour seit der Open de France 2018.
Dank eines hart erkรคmpften Bogeys auf der 18 hielt der 43-Jรคhrige die Verfolger um Nicolai Hรถjgaard (DEN) und Kazuma Kobori (NZL) mit einem Schlag Vorsprung auf Abstand. Fรผr Noren war es der insgesamt elfte Sieg auf der DP World Tour, bereits der zweite beim British Masters.
Mit einem Schlag Rรผckstand ging Noren in die Finalrunde und lieferte sich ein hochspannendes Titelduell mit Hรถjgaard. Die Vorentscheidung fiel erst auf den letzten Lรถchern, als der Schwede ab Loch 15 drei Birdies in Folge erzielen konnte. โDas bedeutet mir sehr viel. Es war eine groรartige Wocheโ, sagte Noren nach seinem Sieg, der ihm 514.000 Euro einbrachte. โIch glaube, ich habe schon lange nicht mehr so gespielt. Dass ich es am Ende geschafft habe, macht mich sehr stolz, auch wenn ich mir einen kleinen Ausrutscher geleistet habe. Ich habe meinem Caddie Kyle Morrison Anfang des Jahres gesagt: โWir werden es schaffen. Nach einem etwas holprigen Jahr werden wir wieder gutes Golf spielenโ, und das haben wir getan. Die letzten drei Starts waren groรartig.โ
Mit seinem Erfolg verbesserte sich Noren im Race to Dubai auf Rang 27 und darf sich Hoffnungen auf eine Wildcard fรผr den Ryder Cup machen. Nach dem Omega European Masters diese Woche wird Kapitรคn Luke Donald sein Team bekannt geben.
Mit Rasmus Hรถjgaard (DEN) hat sich der sechste und letzte automatische Qualifikant sein Ryder-Cup-Ticket gesichert. Ein T13 beim British Masters reichte aus, um den Iren Shane Lowry aus den Top Sechs des Ryder-Cup-Rankings zu verdrรคngen.
Marcel Siem (-9) hatte das British Masters zur Halbzeit angefรผhrt und wurde letztlich geteilter Achter. Damit verbesserte er sich auf Rang 67 im Race to Dubai.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T8 Marcel Siem (GER)
T19 Marcel Schneider (GER)
Weitere Turniere:
PGA Tour Champions: The Ally Challenge
Warwick Hills G&CC, Michigan, 22. bis 24. August
Sieger: Stewart Cink (USA)
T18 Alex Cejka (GER)
Epson Tour: Dream First Bank Charity Classic
Buffalo Dunes Golf Course, Kansas, 22. bis 24. August
Siegerin: Yana Wilson (USA)
T32 Isi Gabsa (GER)
HotelPlanner Tour: The Dutch Futures
The Dutch, Niederlande, 21. bis 24. August
Sieger: Filippo Celli (ITA)
T2 Hurly Long (GER)
Legends Tour: Grass & Co. English Legends
Brocket Hall, England, 22. bis 24. August
Sieger: Steve Webster (ENG)
T5 Thomas Gรถgele (GER)
LIV Golf: Team Championship
The Cardinal at Saint Johns, Michigan, 22. bis 24. August
Sieger-Team: Legion XIII (Jon Rahm, Tyrrell Hatton, Tom McKibbin & Caleb Surratt)
Sunshine Tour: Sunbet Challenge
Wingate Park Country Club, Sรผdafrika, 20. bis 22. August
Sieger: Jonathan Broomhead (RZA)
CUT Allen John (GER)
Pro Golf Tour: Mono Gelpenberg Open
De Gelpenberg, Niederlande, 20. bis 22. August
Sieger: Timo Vahlenkamp (GER)
T2 Yannick Schรผtz (GER) & Nico Lang (GER)
