Alle Dramen und Triumphe: Die Profi-Golf-Highlights der Woche, kompakt zusammengefasst von Daniel Dillenburg.
Ladies European Tour: PIF London Championship
Es ist geschafft: Nach 115 Starts auf der Ladies European Tour konnte Laura Fรผnfstรผck (-10) endlich ihren ersten Titel gewinnen. Bei der PIF London Championship im Centurion Club behielt sie in einem hochspannenden Titelkampf die Oberhand und setzte sich dank eines Birdies auf der 18 mit einem Schlag Vorsprung vor der Ecuadorianerin Daniela Darquea (-9) durch. Im Finale reichte Fรผnfstรผck eine 72 (-1), nachdem sie den Finaltag mit drei Schlรคgen Vorsprung begonnen hatte. Bis zum Triumph musste sich die 30-Jรคhrige aus Langen jedoch von einem Horror-Start erholen, bei dem sie nach vier gespielten Lรถchern drei Schlรคge รผber Par lag.
โIch weiร, wie es ist, wenn man nicht den Start hinlegt, den man sich wรผnschtโ, sagte Fรผnfstรผck nach der Runde. โWenn man immer weitermacht, weiร man, dass es auf den hinteren neun Lรถchern viele Chancen gibt. Ich bin super glรผcklich, dass ich es geschafft habe.โ Und diese Chancen wusste die seit einiger Zeit mit ihrer Frau und LET-Kollegin Rosie Davies in London lebende Fรผnfstรผck auf den hinteren neun Lรถchern zu nutzen. Zwischen Loch 12 und 18 notierte sie vier Birdies und lieร die etlichen anderen Titelkandidatinnen letztlich doch noch hinter sich. โZu Beginn des Tages habe ich mir gesagt, dass ich heute gewinnen will, und das habe ich auf den hinteren neun Lรถchern geschafft. Ich war so nervรถs, dass ich zum Frรผhstรผck nur eine halbe Wurst gegessen habe. Jetzt bin ich hungrig. Ich bin so glรผcklich, ich bin so zufrieden. Das hat Spaร gemacht.โ
Im Laufe ihrer Karriere war Fรผnfstรผck schon etliche Male dicht davor, ihren ersten Sieg zu erzielen. Sieben Mal hatte sie bereits die Top Fรผnf erreicht. Bei der La Sella Open 2023 wurde sie erst im Stechen bezwungen. Der Glaube an sich selbst und harte, stetige Arbeit waren letztlich die Grundlage dafรผr, dass es nun endlich geklappt hat. โHoffentlich stehen wir erst am Anfangโ, sagte sie. Das ist eine enorme Bestรคtigung, denn jeder definiert sich selbst danach, ob er eine Turniersiegerin ist oder nicht. Ich weiร, dass ich wettbewerbsfรคhig genug bin, um mich in die Spitzengruppe zu spielen. Jetzt, wo ich es geschafft habe, nachdem ich zuvor schon so nah dran war, weiร ich, dass ich es kann. Hoffentlich kann ich in Zukunft etwas mehr auf mich selbst vertrauen.โ
โSie haben an mich geglaubt, auch wenn ich selbst es nicht getan habe, insbesondere meine Frau โ sie ist eine Superheldin โ und ohne sie wรคre ich definitiv nicht hier.โ
Laura Fรผnfstรผck
Fรผr den Sieg erhielt Fรผnfstรผck knapp 193.000 Euro Preisgeld. In der Order of Merit ging sie auรerdem auf Platz elf vor. Damit ist sie nach Helen Briem (Platz 6) die zweitbeste Deutsche im Ranking.
Dank der besten Runde des Finaltags (67) verbesserte sich Olivia Cowan auf den geteilten vierten Rang bei sieben unter Par, gemeinsam mit der Schweizerin Kim Metraux. Fรผr die gebรผrtige Hamburgerin war dies das beste Einzelergebnis der Saison.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
1. Laura Fรผnfstรผck (GER)
T4 Olivia Cowan (GER) & Kim Metraux (SUI)
T19 Chiara Tamburlini (SUI)
PGA Tour: FedEx St. Jude Championship
Nach 13 gespielten Lรถchern in der Finalrunde der FedEx St. Jude Championship hรคtte kaum jemand auf ihn gesetzt. Doch Justin Rose startete ab Loch 14, einem langen, anspruchsvollen Par 3 im TPC Southwind, eine Aufholjagd, die er spรคter im Play-off gegen den US-Amerikaner J. J. Spaun krรถnen sollte. Der Englรคnder notierte vier Birdies in Folge und zog damit unter anderem am Weltranglistenersten Scottie Scheffler (-15) vorbei. Mit eben jenem Spaun zog er bei 16 unter Par gleich. Im Stechen ging es dreimal auf die 18: Der 45-jรคhrige Rose benรถtigte zwei Birdies in Folge, um Spaun auszustechen und seinen zwรถlften Titel auf der PGA Tour zu holen.
Fรผr die FedEx St. Jude Championship in Memphis hatten sich nur die Top 70 der Saisonwertung qualifiziert. Bis auf Rory McIlroy (NIR) waren alle Stars der PGA Tour am Start. Umso hรถher ist Rose‘ Triumph einzuordnen. โDeshalb trainiere ich. Deshalb spiele ichโ, sagte Rose. โWenn ich mein Bestes gebe, weiร ich, dass ich gut genug bin, um zu spielen, mich zu behaupten und jetzt auch gegen die besten Spieler der Welt zu gewinnen. Das ist ein sehr erfreulicher Tag fรผr mich, an dem sich meine harte Arbeit ausgezahlt hat.โ Apropos auszahlen: Fรผr den Sieg erhielt Rose 3,6 Millionen US-Dollar.
Vor allem in der Schlussphase schien Rose seine gesamte Erfahrung auszuspielen. Der ehemalige FedExCup-Champion von 2018, mehrmalige Ryder-Cup-Spieler und Major-Sieger zeigte sein bestes Golf, als es am wichtigsten war. โDas waren wirklich unglaubliche letzte 90 Minutenโ, gab Rose zu. โIch habe immer gewusst, dass ich das kann. Ich bin genauso nervรถs wie die Besten. Manchmal bin ich nervรถs. Aber ich weiร, dass ich es immer noch draufhabe, wenn es darauf ankommt.โ Auch sein Landsmann Tommy Fleetwood (-15), mit dem er gemeinsam in der Finalgruppe spielte, fand nur anerkennende Worte fรผr den Routinier: โIch bewundere seine Hingabe. Das tue ich wirklich. Mit 45 Jahren lรคsst er sich รผberhaupt nicht bremsen. Er macht weiter. Er ist immer noch sehr fit, sehr gesund und sehr motiviert. Er ist eine groรartige Persรถnlichkeit im Golfsport, zu der man aufschauen kann.โ
Nachdem Rose das Saisonfinale der PGA Tour zuletzt fรผnfmal in Folge verpasst hatte, ist er nach diesem Sieg nun sicher bei der Tour Championship dabei. Er verbesserte sich von Platz 25 auf Rang vier im FedExCup. Auch seine siebte Teilnahme am Ryder Cup ist nur noch Formsache. In der offiziellen Weltrangliste wird Rose auf Rang neun gefรผhrt. Er ist mit Abstand der รคlteste Spieler in den Top Ten. โIch bin begeistert davon, wo ich mit 45 stehe, und ich habe das Gefรผhl, dass noch viel vor mir liegt.โ Wir dรผrfen gespannt sein.
Damit ist das erste Playoff-Event Geschichte. Nachdem in Memphis die besten 70 startberechtigt waren, reduziert sich das Feld fรผr die kommende BMW Championship auf die Top 50 des FedExCups. Mit Sepp Straka ist auch ein deutschsprachiger Spieler dabei. Der รsterreicher geht als Fรผnftplatzierter des Gesamtrankings in das vorletzte Turnier der Saison. Fรผr Stephan Jรคger (60.) und Matti Schmid (67.) ist die PGA-Tour-Saison dagegen beendet.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T17 Sepp Straka (AUT)
T38 Matti Schmid (GER)
DP World Tour: Nexo Championship
Die schottischen Fans im Trump International Golf Links durften letztlich einen souverรคnen und spannungsarmen Heimsieg bejubeln. Bei schwierigen Bedingungen in Aberdeenshire spazierte Grant Forrest (-8) zu seinem zweiten Sieg auf der DP World Tour und hatte vier Schlรคge Vorsprung auf den Zweitplatzierten Joe Dean (-4) aus England. In der Finalrunde der Nexo Championship genรผgte dem Schotten eine 72 (Par), wobei er auf der 18 ein Doppel-Bogey spielte. โEs ist unglaublich, ich bin sprachlosโ, sagte Forrest. โIch glaube, es ist dieselbe Woche, in der ich vor vier Jahren gewonnen habe. Es ist einfach unglaublich. Das sagt wohl einiges รผber diese Woche und das Heimspiel aus.โ Vor vier Jahren hatte Forrest die Hero Open im Fairmont St. Andrews gewonnen.
Dass nur neun Spieler das Turnier mit einem Ergebnis unter Par beenden konnten, zeigt, wie schwer sich die Profis auf dem Trump-Kurs taten. Dies galt auch fรผr die Bedingungen am Finaltag. โEs war heute ein harter Tag da drauรen. Ich habe nicht mein bestes Spiel gezeigt, aber auf den ersten neun Lรถchern viele gute Par-Saves geschafftโ, so der 32-jรคhrige Champion. โNatรผrlich war ich beim letzten Loch ziemlich nervรถs โ ich wollte auf gar keinen Fall nach rechts rausspielen, wo die roten Pfรคhle steckten.โ Sechs Schlรคge Vorsprung zu diesem Zeitpunkt waren ein komfortables Polster, sodass Forrest auch den doppelten Schlagverlust auf der letzten Bahn gelassen hinnehmen konnte. Dass er die gut 400.000 Euro Siegerpreisgeld einstreichen wรผrde, war allen Beteiligten klar. Im Race-to-Dubai-Ranking ging es vor auf Rang 28.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T42 Maximilian Steinlechner (AUT)
Weitere Turniere:
LET Access Series: Ahlsell Trophy
Grรคnna Golfklubb, Schweden, 6. bis 8. August
Siegerin: Amaia Latorre (ESP)
T23 Isabella Holpfer (AUT) & Celina Sattelkau (GER)
PGA Tour Champions: Boeing Classic
The Club at Snoqualmie Ridge, Washington, 8. bis 10. August
Sieger: Steve Allan (AUS)
5. Alex Cejka (GER)
HotelPlanner Tour: Irish Challenge
Killeen Castle, Irland, 7. bis 10. August
Sieger: Oihan Guillamoundeguy (FRA)
2. Ronan Kleu (SUI)
T5 Benjamin Rusch (SUI)
Sunshine Tour: FNB Eswatini Challenge
Ezulwini Golf & Country Club, Eswatini, 7. bis 9. August
Sieger: Michael Hollick (RSA)
T4 Allen John (GER)
LIV Golf: Chicago
Bolingbrook Golf Club Chicago, Illinois, 8. bis 10. August
Sieger: Dean Burmester (RSA)
T34 Martin Kaymer (GER)
