Alle Dramen und Triumphe: Die Profi-Golf-Highlights der Woche, kompakt zusammengefasst von Daniel Dillenburg.
Major: AIG Women’s Open
Esther Henseleit verpasste den größten Erfolg ihrer Karriere nur um wenige Zentimeter. Die deutsche Olympia-Zweite musste sich bei der AIG Women’s Open im englischen Royal Lytham & St Annes erst im Play-off der Japanerin Shiho Kuwaki geschlagen geben und belegte damit den zweiten Platz – ihr bisher bestes Ergebnis bei einem Major.
Henseleit hatte sich nach einer starken Schlussrunde von 70 Schlägen (-1) noch in ein Stechen gespielt. Nach einem wechselhaften Tag mit Bogeys an den Löchern drei, acht, neun und 16 kämpfte sich die 27-Jährige mit Birdies an den Bahnen sechs, elf, zwölf und 15 eindrucksvoll zurück. Den Höhepunkt setzte sie auf der 72. Bahn: Mit einem spektakulären Birdie-Putt aus großer Distanz glich sie Kuwaki bei fünf unter Par aus und erzwang das Play-off.
„Ich bin sehr glücklich damit, wie ich mir heute die Chance auf den Sieg erarbeitet habe und wie ich mich auf dem Platz verhalten habe”, sagte Henseleit. „Am zweiten Playoff-Loch hatte ich einfach etwas Pech. Ich habe alles versucht, aber heute sollte es wohl einfach nicht sein.“
Am ersten Extraloch rettete Kuwaki das Par, nachdem Henseleit ihren Birdie-Putt knapp vorbeigeschoben hatte. Am zweiten zusätzlichen Loch nahm das Drama seinen Lauf: Henseleits Abschlag sprang unglücklich ins Ginster-Gestrüpp. Von dort kämpfte sie sich zwar zurück, verfehlte jedoch den entscheidenden Par-Putt. Kuwaki traf das Fairway und das Grün und lochte zum Par. Damit durfte sie ihren ersten Major-Titel feiern.
„Als ich mich dann auf den zweiten neun Löchern ein wenig eingespielt hatte, habe ich es wirklich genossen und hatte das Gefühl, mich ganz auf mich selbst konzentrieren zu können.“
Esther Henseleit
„Ich kann es einfach nicht glauben“, jubelte die 23-jährige Japanerin. „Auf einer Bühne wie dieser zu gewinnen, ist eine riesige Ehre. Ich habe versucht, mich auf jeden Schlag zu konzentrieren und jeden Moment zu genießen.“ Nach dem Triumph ihrer Landsfrau Miyu Yamashita im Vorjahr sorgte damit erneut eine Japanerin für den Sieg bei der AIG Women’s Open. „Ich hoffe, dass wir als Team Japan die Golfwelt weiter begeistern können.“
Für Henseleit überwog trotz der Enttäuschung schnell der Stolz auf ihre Leistung. Besonders emotional war der gelochte Birdie-Putt auf der 18 in der regulären Runde.
„Das war ein sehr verwirrender Putt. Er sollte von rechts nach links brechen, und auf den letzten Metern dachte ich plötzlich: Der könnte tatsächlich fallen. Als er dann tatsächlich fiel, war das ein unglaublicher Moment“, erzählte sie und fügte hinzu: „Ich habe dann noch den zweiten Teil von Reeces Jubel gesehen – das war schon ziemlich cool. An diesen Augenblick werde ich mich noch lange erinnern.“
Nach einer 73 zum Auftakt hatte Henseleit zunächst nur den Cut im Blick. Mit einer 69 am Freitag und einer starken 67 in der dritten Runde spielte sie sich jedoch immer weiter nach vorne. Am Finaltag bewies sie vor allem auf den Back Nine große Nervenstärke und gehörte zu den wenigen Spielerinnen, die den schwierigen Linksplatz unter Kontrolle hielten.
„Es macht einfach Spaß, gutes Golf zu spielen und um den Sieg mitzukämpfen – gerade hier in England vor diesen Fans. Das war eine großartige Erfahrung. Ich werde aus dieser Woche sehr viel mitnehmen. Ich habe heute mehrfach das Momentum zurückgeholt und darauf kann ich stolz sein.“
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
2 Esther Henseleit (GER)
PGA Tour: Rocket Classic
Michael Thorbjornsen hat bei der Rocket Classic seinen ersten Titel auf der PGA Tour gewonnen. Der 24-jährige US-Amerikaner spielte am Finaltag eine bogeyfreie 63 (-7) und setzte sich mit insgesamt 18 unter Par zwei Schläge vor Xander Schauffele durch.
Den entscheidenden Moment lieferte Thorbjornsen am letzten Loch: Aus einer Entfernung von knapp acht Metern lochte er einen Birdie-Putt zum Sieg und reckte anschließend jubelnd die Faust in die Höhe.
„Perfektes Tempo, perfekte Linie“, sagte der Sieger über den entscheidenden Putt.
Mit diesem Erfolg qualifiziert sich Thorbjornsen erstmals für die FedExCup-Playoffs. Er verbessert sich durch den Sieg auf Rang 69 der Saisonwertung und sichert sich damit einen Platz unter den besten 70 Spielern, die nach der Wyndham Championship in die Endrunde der Saison einziehen.
„Zum ersten Mal bei den Playoffs dabei zu sein, ist etwas ganz Besonderes“, sagte Thorbjornsen. „Es ist großartig, sich mit den besten Spielern der Welt messen zu dürfen.“
Der Stanford-Absolvent war mit drei Schlägen Rückstand auf den Spitzenreiter Davis Riley in die Schlussrunde gestartet. Riley erwischte jedoch einen rabenschwarzen Beginn mit drei Bogeys auf den ersten sechs Löchern und öffnete damit die Tür für die Konkurrenz.
Thorbjornsen nutzte die Chance konsequent. Ein Chip-in zum Birdie an Bahn 12 brachte ihn endgültig in Schwung, ehe er zwischen den Löchern 11 und 16 insgesamt vier Birdies notierte. Mit seinem dritten Birdie in diesem Abschnitt übernahm er an Bahn 14 erstmals die alleinige Führung und gab diese bis zum Schluss nicht mehr ab.
„Es war ein harter Kampf gegen starke Spieler“, sagte Thorbjornsen. „Nach neun Löchern waren noch unglaublich viele im Rennen.“
Xander Schauffele spielte sich mit einer 65 ebenfalls zwischenzeitlich an die Spitze, musste sich letztlich aber mit zwei Schlägen Rückstand zufriedengeben.
„Ich habe wirklich gut gespielt, aber Michael war heute einfach besser. Hut ab vor seiner Leistung“, sagte Schauffele.
Trotz einer zwischenzeitlichen Aufholjagd fiel Davis Riley nach seiner schwachen Anfangsphase mit einer 70 auf Rang drei zurück. Der Amerikaner haderte vor allem mit seinem Start: „Die ersten Löcher haben mich aus dem Rhythmus gebracht. Danach musste ich ständig hinterherlaufen.“
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T26 Stephan Jäger (GER)
HotelPlanner Tour: Infortar Estonian Challenge
Rory Franssen hat bei der Infortar Estonian Challenge seinen ersten Titel auf der HotelPlanner Tour gewonnen. Der Schotte spielte am Finaltag eine fehlerfreie 67 (-5), kam insgesamt auf 19 unter Par und setzte sich damit mit drei Schlägen Vorsprung vor dem Engländer Andrew Wilson durch. Aus deutscher Sicht sorgte Michael Hirmer mit einem geteilten dritten Platz für ein starkes Ergebnis.
Franssen war mit zwei Schlägen Rückstand auf den Spitzenreiter Wilson in die Schlussrunde gegangen. Nach einer nervösen ersten Platzhälfte mit acht Pars in Folge fand der 27-Jährige auf der neunten Bahn seinen Rhythmus, als ihm ein Birdie-Putt aus mehr als neun Metern gelang. Auf den Back Nine legte er mit Birdies an den Löchern 11, 12, 16 und 18 nach und zog souverän an der Konkurrenz vorbei.
„Ich bin völlig erledigt“, sagte Franssen nach seinem Premierensieg. „Es war ein harter Tag, aber ein großartiger Tag. Ehrlich gesagt habe ich einfach versucht, irgendwie durchzukommen.“
Vor allem auf den letzten Bahnen musste der Schotte seine Nerven im Griff behalten. „Ich war zwischendurch unglaublich nervös. Zum Glück habe ich auf den Back Nine einige richtig gute Schläge gemacht. Heute war einfach mein Tag.“
Der Erfolg kommt überraschend. Vor dem Turnier hatte Franssen in seiner ersten Saison auf der HotelPlanner Tour lediglich zwei Cuts in elf Starts überstanden. Sein bestes Ergebnis war bis dahin der geteilte 50. Platz.
„Ich habe den Jungs vor der Woche gesagt, dass ich einfach mal wieder ein Wochenende spielen möchte“, erzählte er. „Nach den ersten beiden Runden habe ich mir Selbstvertrauen aufgebaut. Ab da war alles nur noch Bonus.“
Mit zunehmender Dauer der Runde wich die Anspannung. „Als ich die ersten neun Löcher hinter mir hatte, wurden die Nerven etwas ruhiger. Danach konnte ich das Ganze einfach genießen.
Egal, wo ich am Ende gelandet wäre – dass ich jetzt tatsächlich gewonnen habe, ist einfach verrückt.“
Franssen spielt erst seit dieser Saison auf der Road to Mallorca, nachdem er sich mit drei Siegen die Jahreswertung der Tartan Pro Tour gesichert hatte. Während der Schlussrunde wollte er bewusst nicht an die möglichen Folgen eines Sieges denken. „Ich war fast wie im Tunnel. Ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht, was ein Sieg für mich bedeuten würde. Das wird wahrscheinlich erst später richtig bei mir ankommen.“
In der „Road to Mallorca” machte der Schotte einen gewaltigen Sprung: Er verbesserte sich um 188 Plätze auf Rang 30 und sicherte sich gleichzeitig einen Startplatz für die kommende Scottish Challenge in seiner Heimat.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T3 Michael Hirmer (GER)
T9 Jannik de Bruyn (GER)
Weitere Turniere:
LET Access Series: Womens Irish Challenge
Malahide Golf Club, Irland, 29. bis 31. Juli
Siegerin: Beth Coulter (IRL)
4 Tiffany Arafi (SUI)
PGA Tour Champions & Legends Tour: Portugal Invitational
The Els Club Vilamoura, Portugal, 31. Juli bis 2. August
Sieger: Zach Johnson (USA)
T17 Alex Cejka (GER)
Korn Ferry Tour: Utah Championship
Ogden Golf & Country Club, Utah, 30. Juli bis 2. August
Sieger: Derek Hitchner (USA)
T41 Jonas Baumgartner (GER)

