Algarve-Licht an… und die Stadt golft

Fünf Tage, vier Runden, eine Stadt, sehr viele gute Gründe: Vilamoura zeigt an der Algarve, wie entspannt eine Golfdestination sein kann, wenn abwechslungsreiches Design, Marina-Lifestyle, beste Küche, kalte Drinks und kurze Wege miteinander aufteen.

TIPP: Portugal Invitational vom 31.07–02.08.2026 in Vilamoura
Turniervorschau + Fotos vom Privatplatz „THE ELS CLUB“ siehe unten!

Vilamoura. Meine wichtigste Golfreise-Erfahrung, die ich aus Portugal mit nach Hause nehme, mache ich noch vor meinem ersten Abschlag: Das hier ist naheliegender, als ich dachte! Nämlich alles. Von Wien aus geht es, je nach Saison sogar direkt, in rund drei Stunden nach Faro. Nach der Landung rolle ich meinen Koffer zu Fuß ein Par 4 zur Ankunftshalle und keine 30 Minuten später bin ich mit dem Taxi in Vilamoura. Koffer raus, Meerluft rein.

Gel(i)ebte Gelassenheit

Mein erstes Aha-Erlebnis wartete im Hilton Vilamoura auf mich. Offen, hell, herrlich groß(zügig). Es ist diese sehr angenehme Form von Luxus: Nichts muss, aber vieles kann. Als hätte jemand verstanden, dass Golfreisende nach ihrer Anreise keine weiteren Herausforderungen brauchen.
Am nächsten Tag treffe ich Sarah, Adriana und Alejandro, die guten Geister dieser Pressereise. Marketingprofis, natürlich. Aber glücklicherweise nicht von jener Sorte, die eine Destination so lange in Kernbotschaften zerlegen, bis nur noch Bulletpoints übrig bleiben. Ja, der Begriff „360-Grad-Erlebnis“ fällt. Mehrmals. Doch was die drei zeigen, ist um Längen besser als das, was Tourismusversprechen auftragen: kurze Wege, sehr unterschiedliche Golfplätze, hervorragendes Essen, eine Marina als Abendbühne, dazu Hotels, Sport, Strand, Natur und diese schwer zu erklärende Algarve-Gelassenheit, die bereits nach wenigen Stunden wirkt.

Vilamoura ist keine „Stadt mit Golfplätzen“. Vilamoura ist eine Stadt, die golft. Innerhalb weniger Minuten wechselt man hier den Platz und die Tonart. Der Old Course ist die Grande Dame: seit 1969 im Dienst, mit Pinien, Schatten, Geschichte und einer klassischen Eleganz, die mich schon beim Betreten des Clubhauses ehrfürchtig macht. Schön. Pinhal wirkt technischer, enger und waldiger. Ein Platz, der einen freundlich anlächelt und dann sehr genau nachfragt, ob man seine Linie wirklich ernst meint. Eine sehr frühe Startzeit bescherte uns tiefe Schatten von der Morgensonne und traumhafte Szenarien. Millennium spielt sich offener und zugänglicher, aber keineswegs belanglos. Dafür sorgen einige ansehnliche Pinien mitten im Fairway. Und Laguna bringt Wasser, Weite und jene Gewissheit ins Spiel, die wir Golfer allzu gut kennen: Es sieht alles friedlich aus, bis der Ball beschließt, einen anderen Weg zu gehen.

Es sind aber nicht allein die Plätze und ihre Gestaltung, die oft darüber entscheiden, ob man wiederkommt. Es sind auch die Seitenblicke: ein mondäner Lunch im Old Course Clubhouse. Oder Snacks und erfrischende Tücher bei Pinhal an Tee 9 – eine Kleinigkeit, die unter der portugiesischen Sonne mindestens genauso willkommen ist wie ein Birdie. Später gibt es Dinner im Cilantro, Brasa im Hyatt, The Whale. Fisch, Fleisch, Bier, Wein, Lachen. So lernt man die Destination kennen, wenn man gemütlich beisammensitzt, hervorragend isst, über den Teller schaut und denkt: Ja, manchmal funktioniert das Leben tatsächlich wie im Prospekt. Nur mit jenen unerwarteten Pointen, die man ohnehin nicht beschreiben könnte. Fast hätte ich „360-Grad-Erlebnis“ geschrieben. Doch dazu nach den Golfplätzen…

Zuerst ein paar Leckereien, die zeigen, dass Vilamoura nicht nur Golf kann. Denn mindestens so schöne Runden spielt man hier auch mit Messer und Gabel.

Golfplätze in Vilamoura – eine Auswahl

Old Course

Der Old Course ist so etwas wie das Stammhirn von Vilamouras Golfgeschichte. 1969 eröffnet und von Frank Pennink entworfen, steht er für eine Zeit, in der Golfplätze noch nicht nach Spektakel riefen, sondern nach Rhythmus, Maß und gutem Timing. Die Fairways ziehen sich durch alte Pinien, viele Löcher wirken auf den ersten Blick freundlich. Das Design lebt weniger von Länge als von Winkeln, Positionen und der Frage, ob man Versuchung wirklich jedes Mal nachgeben muss. Ein Klassiker, der nicht alt wirkt, sondern erfahren. Pflicht: Tapas auf der Terrasse des mondänen Clubhauses.

Pinhal

Pinhal wurde 1976 eröffnet und trägt ebenfalls die Handschrift von Frank Pennink, später verfeinert durch Robert Trent Jones Sr. Der Platz ist klassisches Parkland-Golf: Pinien, Höhenunterschiede, enge Blickachsen, dazu immer wieder die Frage, ob Mut gerade Strategie ist oder nur ein schlechter Berater. Aufmerksamkeit ist hier wichtiger als Länge, denn die Bäume in Portugal sehen zwar schön aus, besitzen aber keinerlei Humor. Interessant ist auch die Golf Academy am Platz.

Millennium

Der Millennium Course kam im Jahr 2000 dazu und brachte eine modernere, zugänglichere Tonart in Vilamouras Golforchester. Entworfen von Martin Hawtree, verbindet er breite, gepflegte Fairways mit baumgesäumten Passagen und einem sehr angenehmen Spielfluss. Millennium ist kein Platz, der einen gleich am ersten Tee einschüchtern will. Er lädt eher ein und prüft dann unterwegs, ob man die Einladung auch richtig verstanden hat.

Laguna

Laguna ist der andersartige Charakter in Vilamoura: flacher, offener, wasserreicher und damit näher an einer Links-Idee als an klassischem Pinien-Parkland. Der Platz wurde von Joseph Lee entworfen und 1990 eröffnet; seine Stärke liegt in der Abwechslung. Weniger Bäume bedeuten hier nämlich keineswegs weniger Probleme. Wasserhindernisse, Wind und offene Fairways sorgen dafür, dass man ständig neu entscheiden muss: attackieren, ablegen, hoffen oder beten. Laguna sieht oft großzügig aus, spielt sich aber deutlich raffinierter, als es die Weite vermuten lässt.

360-Grad-Erlebnis. Mit Kniefall.

Wir sind bei den unerwarteten Pointen … wie oben, kurz vor den Golfplätzen versprochen. Eine davon lieferte der Abend im Hafenbereich. Die Marina ist der soziale Puls der Stadt, mit Yachten, Restaurants und einer Mischung aus internationalem Publikum und mediterraner Gelassenheit, die schnell gefährlich werden kann – vor allem, wenn am nächsten Morgen eine frühe Startzeit wartet. Es gibt Livemusik und gute Stimmung, und ich lasse mich zu einigen optimistischen 360-Grad-Tanzdrehungen hinreißen. Doch dann meldet sich mein altes Knieleiden mit der Autorität eines Marshals am ersten Abschlag. Jetzt nur keinen Slice vom Parkett. Ein paar Stunden Schlaf und die ausgezeichnete Versorgung am nächsten Tag retteten die Runde und den Glauben an die regenerative Kraft portugiesischer Gastlichkeit.

Was Vilamoura angenehm vom reinen Hochglanz unterscheidet, ist die Sorgfalt im Hintergrund. Nachhaltigkeit wird hier nicht als hübsches Mascherl über die Angebote gebunden, sondern im Alltag mitgedacht: bei der Pflege der Plätze, beim Wasserverbrauch, bei der Verwendung von widerstandsfähigen Gräsern, beim Schutz der umliegenden Ökosysteme, bei der Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten und bei saisonalen Menüs. Dafür gab es die EcoVadis-Silbermedaille und mehrere Anlagen tragen Sustainability-Engaged-Zertifizierungen. Klingt trocken, ist aber wichtig. Denn Luxus ohne Gewissen ist heute nicht mehr leistbar.

Fazit: Vilamoura ist kein Geheimtipp mehr. Dafür ist es zu bekannt, zu gut organisiert und zu groß gedacht. Dafür muss man sich hier aber auch nicht zwischen Sport und Vergnügen entscheiden. Hier kann man beides haben. Man muss nur frühzeitig abschlagen – und beim Tanzen ein bisschen auf sein Knie achten.

Ein Social-Posting aus Vilamoura von meinem Insta-Account

Portugal Invitational, 31.07–02.08.2026
Wenn Legenden landen

Das „Portugal Invitational“ bringt vom 31. Juli bis 2. August 2026 erstmals die PGA TOUR Champions nach Europa, also jene Helden, die man früher im Fernsehen bewundert hat und die auch heute noch immer erschreckend wenig nach „Senior“ aussehen. Gespielt wird im The Els Club Vilamoura, dem ersten Els Club Europas und dem ersten privaten Golfclub der Algarve. Das ist einerseits schade für Normalsterbliche, weil man den Platz nicht spielen kann. Andererseits macht es die Sache für Besucher umso spannender: Sie sehen Turniergolf an einem Ort, den man sonst nicht zu Gesicht bekommt.

Ich durfte den Platz mit weiteren Golfjournalisten testen. Einhelliges Fazit: genial! Er ist breit genug, um den Ball nicht aus den Augen zu verlieren, aber strategisch so anspruchsvoll, dass selbst honorige Profis sehr höflich bleiben werden. Wasser, Bunker, Wind, Blickachsen … es ist alles da. Und alles ist bereit für ein Feld, das sich liest wie ein launiger Ryder-Cup-Backlash: Ernie Els, Colin Montgomerie, Bernhard Langer, Pádraig Harrington, José María Olazábal, Miguel Ángel Jiménez, Stewart Cink und Zach Johnson zählen zu den angekündigten Spielern.
78 Spieler, 54 Löcher, drei Millionen Dollar Preisgeld; aber eigentlich geht es um mehr, nämlich um ein neues Kapitel für Vilamoura als große Golfbühne.

The Els Club

Der von Ernie Els geprägte Platz entstand aus dem früheren Victoria Course, der viele Jahre Bühne des Portugal Masters war, und wurde als privater Members Club neu positioniert. Für normale Greenfee-Golfer ist er daher nicht einfach buchbar, was seinen Reiz nicht unbedingt kleiner macht. Das Design verbindet breite Spielbahnen mit kniffligen Bunkern, Wasser und einer klaren Turnierlogik: schön anzusehen, aber keineswegs harmlos. Mit dem Portugal Invitational bekommt der Platz jene Bühne, für die er gebaut scheint: große Namen, große Schläge, große Vilamoura-Geste.

Thomas Weidinger
Thomas Weidingerhttps://thomasweidinger.com/
Selbstständiger Texter und Buchlektor sowie Golf- und Travel-Storyteller. Mitbegründer des Perfect Eagle Golf Magazin im Jahr 2011 und Chefredakteur bis Ende 2016.

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