Alle Dramen und Triumphe: Die Profi-Golf-Highlights der Woche, kompakt zusammengefasst von Daniel Dillenburg.
Major: PGA Championship
Ein Major-Sieg, der in Erinnerung bleiben wird: Mit einer spektakulären Schlussrunde sicherte sich Aaron Rai die PGA Championship – und schrieb damit Golfgeschichte. Als erster in England geborener Spieler seit über einem Jahrhundert holte er die Wanamaker Trophy und setzte sich eindrucksvoll gegen ein Weltklassefeld durch.
Zur Halbzeit der Finalrunde auf dem Aronimink Golf Club lag Rai noch drei Schläge zurück und schien zunächst nicht der wahrscheinlichste Sieger zu sein. Doch dann folgte eine der eindrucksvollsten Back-Nine-Performances der jüngeren Major-Geschichte. Der Wendepunkt kam auf der 9: Ein gelochter Eagle-Putt aus rund zwölf Metern leitete eine Serie von sieben Ein-Putts in Folge ein und katapultierte ihn damit an die Spitze.
Während sich zahlreiche Topstars im Titelrennen hielten, konnte keiner das Niveau des 31-Jährigen mitgehen. Jon Rahm, Rory McIlroy, Xander Schauffele oder Justin Thomas waren allesamt in Schlagdistanz, doch kleine Fehler oder fehlende Birdie-Chancen kosteten sie die entscheidenden Meter. Rai hingegen blieb fehlerfrei, präzise und vor allem eiskalt auf den Grüns.
Den endgültigen Höhepunkt setzte er auf der 17. Bahn: Ein Birdie-Putt aus rund 20 Metern über das gesamte Grün hinweg verschwand im Loch – ein Schlag, der das Turnier praktisch entschied und als einer der Momente des Jahres in Erinnerung bleiben dürfte. Mit einer 65 (-5) sicherte sich Rai am Ende einen Sieg mit drei Schlägen Vorsprung vor Rahm und Alex Smalley.
Dieser Triumph ist nicht nur sportlich, sondern auch historisch bemerkenswert: Seit Jim Barnes im Jahr 1919 hatte kein Engländer mehr die PGA Championship gewonnen. Rai reiht sich damit in eine exklusive Liste ein und wird neben Vijay Singh als weiterer Major-Champion mit indischen Wurzeln geführt.
Dabei ist Rai auf den ersten Blick ein eher untypischer Star: Er trägt zwei Handschuhe, nutzt Schlägerhauben selbst für seine Eisen und gilt auf der Tour als besonders bescheiden und bodenständig. Genau diese Eigenschaften spiegelten sich auch in seiner Finalrunde wider: Er war fokussiert, diszipliniert und zeigte keinerlei Nervosität.
Für Rai ist es der erste Major-Titel und der bislang größte Erfolg seiner Karriere. Gleichzeitig öffnet ihm der Sieg alle Türen: Startplätze bei den größten Turnieren, eine langfristige Tour-Karte und ein Platz in der Golfgeschichte. Oder, wie er selbst sagte, ein Moment „jenseits aller Vorstellungen“.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T4 Matti Schmid (GER)
T18 Stephan Jäger (GER)
Ladies European Tour: Amundi German Masters powered by VcG
Ein emotionaler Heimsieg: Leonie Harm hat beim Amundi German Masters ihren ersten Titel auf der Ladies European Tour gefeiert – und das ausgerechnet vor heimischem Publikum.
Die 28-Jährige krönte eine Woche voller Höhen und Tiefen mit einem nervenstarken Finish auf dem Nord Course der Green Eagle Golf Courses. Nach einer Auftaktrunde von 65 Schlägen (8 unter Par) – gleichzeitig Platzrekord – hatte Harm zwischenzeitlich mit einer 75 am zweiten Tag zu kämpfen, kämpfte sich jedoch eindrucksvoll zurück. Mit einer 69 (-4) am Finaltag und insgesamt zehn unter Par sicherte sie sich schließlich den Sieg – dank zweier entscheidender Birdies auf den Schlusslöchern.
Besonders dramatisch wurde es auf den letzten Bahnen: Mit einem Birdie an der 17 zog Harm mit der zwischenzeitlichen Führenden, Casandra Alexander, gleich, ehe sie auf der 18 einen anspruchsvollen, leicht bergab verlaufenden Putt mit Break von links nach rechts lochte. Ein Moment, der das Turnier entschied und für großen Jubel unter den zahlreichen deutschen Fans sorgte.
Dabei hatte Harm die Situation auf dem Leaderboard lange gar nicht vollständig im Blick. Stattdessen konzentrierte sie sich konsequent auf ihr eigenes Spiel – eine mentale Stärke, die sinnbildlich für ihren Weg zurück an die Spitze steht. Denn hinter diesem Erfolg steckt eine bemerkenswerte Geschichte: Nach einem schweren Autounfall in jungen Jahren, persönlichen Rückschlägen und einer Phase, in der sie sogar über ein Karriereende nachdachte, hat sich Harm eindrucksvoll zurückgekämpft. Zwischenzeitlich arbeitete sie in der Impfstoffentwicklung, nun steht sie ganz oben auf der LET.
„Es war ein großartiges Turnier, eine großartige Runde, und wir hatten ein paar Deutsche mit Siegchancen – das war eine fantastische Bühne.“
Leonie Harm
Hinter der Siegerin sorgte Alexander mit einer herausragenden 67 (-6) für Spannung bis zum Schluss und belegte Rang zwei. Den dritten Platz teilten sich Alexandra Försterling, Chiara Noja und Anna Huang mit sieben Schlägen unter Par. Vor allem Försterling hatte nach einem Triple-Bogey zu Beginn des Finaltags einen schweren Start, kämpfte sich jedoch zurück, ehe ein Fehler auf der 17 ihre letzten Titelhoffnungen beendete.
Auch Esther Henseleit zeigte vor heimischer Kulisse eine solide Leistung und beendete das Turnier in den Top Ten. Insgesamt präsentierte sich das deutsche Teilnehmerfeld stark und begeisterte die Zuschauer – ein wichtiges Signal für den Aufschwung des Damengolfs in Deutschland.
Mit ihrem Premierensieg kletterte Harm in der Order of Merit auf Rang fünf und setzte ein Ausrufezeichen für die kommenden Wochen.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
1 Leonie Harm (GER)
T3 Chiara Noja (GER) & Alexandra Försterling (GER)
T7 Esther Henseleit (GER)
T10 Laura Fünfstück (GER)
LPGA Tour: Kroger Queen City Championship
Ein kontrollierter Start-Ziel-Sieg unter anspruchsvollen Bedingungen! Lottie Woad hat sich bei der Kroger Queen City Championship ihren zweiten Titel auf der LPGA Tour gesichert und dabei einmal mehr ihre enorme Konstanz unter Beweis gestellt.
Die 22-jährige Engländerin ging mit einem komfortablen Vorsprung in die Finalrunde im Marketewah Country Club. Sie musste sich jedoch mit schwierigen Windbedingungen auseinandersetzen. Böiger und ständig drehender Wind machten die ohnehin anspruchsvollen Grüns noch schwieriger anzuspielen – ein Faktor, der vielen Konkurrentinnen Probleme bereitete. Woad hingegen blieb ruhig, traf Fairways und Grüns in Serie und legte damit die Grundlage für ihren Erfolg.
Mit einer Schlussrunde von 69 (-1) und einem Gesamtergebnis von zwölf unter Par setzte sie sich schließlich mit zwei Schlägen Vorsprung durch. Zwar musste sie zwischenzeitlich einen Rückschlag in Form eines Doppelbogeys hinnehmen, doch die Reaktion folgte prompt: Ein Birdie direkt im Anschluss stabilisierte ihre Runde, ehe sie auf den Back Nine die Kontrolle behielt.
Die Entscheidung fiel auf der 17. Bahn: Mit einem starken Birdie-Putt aus rund sechs Metern verschaffte sich Woad ein Zwei-Schläge-Polster, das auf dem abschließenden Par 3 nicht mehr in Gefahr geriet. Haeran Ryu machte mit einer starken 67 lange Druck, doch ein Doppelbogey auf der 13 kostete sie letztlich die Siegchance.
Hinter dem Führungsduo zeigte Miyu Yamashita mit einer 64 die beste Runde des Tages und sicherte sich Rang drei. Spielerinnen wie Ruoning Yin und Jin Young Ko blieben ebenfalls in Schlagdistanz, konnten jedoch nicht entscheidend eingreifen.
Auch Nelly Korda, zuletzt dominierende Spielerin auf der Tour, spielte sich mit einer starken Finalrunde noch in die Top Ten. Nach einem schwächeren Moving Day hatte sie jedoch keine realistische Siegchance mehr.
Für Woad ist dieser Erfolg ein weiterer Meilenstein in einer ohnehin bemerkenswerten Karriere. Nachdem sie bereits bei ihrem Profidebüt triumphiert hatte, bestätigt sie nun ihre Klasse auf höchstem Niveau.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
T54 Polly Mack (GER)
HotelPlanner Tour: Challenge de Catalunya
Ein Heimsieg mit maximaler Dramatik: Pablo Ereno hat sich bei der Challenge de Catalunya seinen ersten Titel auf der HotelPlanner Tour gesichert – und das nach einem nervenaufreibenden Stechen vor heimischem Publikum.
Austragungsort war der Fontanals Golf Club, wo der 22-jährige Spanier am Finaltag eine starke 66 (-6) spielte und sich mit insgesamt 22 unter Par in ein Play-off rettete. Den entscheidenden Schlag setzte er dabei auf dem 72. Loch: Mit einem Birdie erzwang er das Duell mit dem Dänen Hamish Brown, der als Führender in die Schlussrunde gegangen war und eine 68 spielte, überhaupt erst.
Im Stechen entwickelte sich sofort ein hochklassiger Schlagabtausch. Beide Spieler starteten mit Birdies am ersten Extra-Loch, ehe sich Ereno auf dem zweiten Playoff-Loch durchsetzte. Während Brown ein Bogey notieren musste, reichte dem Spanier ein Par zum umjubelten Sieg.
Sein Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig. Zwar zeigte Ereno phasenweise spektakuläres Golf mit einer Birdie-Serie – sechs Schlaggewinne innerhalb von sieben Löchern –, er musste jedoch auch Rückschläge verkraften, darunter ein Doppelbogey auf der achten Bahn. Entscheidend war letztlich seine Reaktion auf Fehler. Immer wieder konterte er direkt mit Birdies und hielt sich so im Titelrennen.
Dieser Erfolg ist für den Rookie auf der HotelPlanner Tour ein wichtiger Meilenstein. Bereits in den ersten Saisonturnieren hatte Ereno mit konstant guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht, nun folgt der verdiente Lohn. Besonders bemerkenswert ist, dass er noch vor wenigen Wochen bei der Jonsson Workwear Durban Open durch ein spätes Quadruple-Bogey einen möglichen Sieg aus der Hand gegeben hatte – eine Erfahrung, aus der er sichtbar gelernt hat.
Der Triumph vor Familie und Freunden bedeutet zudem einen großen Sprung im Saisonranking: Ereno klettert auf Rang zwei der „Road to Mallorca“ und bringt sich damit in eine hervorragende Position im Kampf um den Aufstieg auf die DP World Tour.
Hinter dem Spitzenduo teilten sich unter anderem MJ Daffue, Gary Hurley und Frank Kennedy den dritten Platz mit 20 Schlägen unter Par.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T15 Ronan Kleu (SUI)
Weitere Turniere:
Epson Tour: Copper Rock Championship
Copper Rock Golf Course, Utah, 14. bis 16. Mai
Siegerin: Fiona Xu (NZL)
CUT Christin Eisenbeiss (GER) & Jordan Fischer (GER)
Korn Ferry Tour: Colonial Life Charity Classic
The Woodcreek Club, South Carolina, 14. bis 17. Mai
Sieger: Cole Sherwood (USA)
79 Jeremy Paul (GER)
PGA Tour Americas: Diners Club Peru Open
Los Inkas Golf Club, Peru, 14. bis 17. Mai
Sieger: Cole Anderson (USA)
68 Max Schliesing (SUI)
Sunshine Tour: Kit Kat Cash & Carry Pro-Am
Irene Country Club, Südafrika, 14. bis 17. Mai
Sieger: Gerhard Pepler (RZA)
RTD Allen John (GER)

