Alle Dramen und Triumphe: Die Profi-Golf-Highlights der Woche, kompakt zusammengefasst von Daniel Dillenburg.
PGA Tour: AT&T Pebble Beach Pro-Am
Mit einem Birdie am 18. Loch hat Collin Morikawa das AT&T Pebble Beach Pro-Am gewonnen und damit seine 28 Monate andauernde Durststrecke ohne Sieg beendet. In einer wilden und windigen Schlussrunde teilten zunächst sechs Spieler die Führung. Besonders für Aufsehen sorgte Scottie Scheffler, der beinahe das größte Comeback in der Turniergeschichte geschafft hätte.
Für Morikawa wurde es auf dem abschließenden Par 5 der 18 noch einmal besonders knifflig. Während kalte Pazifikluft vom Ozean herüberwehte, musste er rund 20 Minuten im Fairway warten, da Jacob Bridgeman Probleme damit hatte, seinen Ball vom Strand zu spielen. „Ich bin bestimmt zehnmal zum Ozean hinunter- und wieder zurückgelaufen“, sagte Morikawa. „Ich habe versucht, an alles andere als Golf zu denken. Zum Glück hat man dort eine der schönsten Kulissen, die man sich vorstellen kann. Für mich ging es darum, locker und warm zu bleiben und nicht ständig an den Schlag zu denken.“
Als es darauf ankam, lieferte der zweifache Major-Sieger ab. Mit zwei Birdies in Folge übernahm er die Führung. Auf der 18 bereitete er mit einem Eisen 4 aus 215 Metern ein weiteres Birdie vor. Er musste den Ball über die Ozeanmauer starten und vom Wind zurück aufs Grün tragen lassen. Zwei Putts vom Grünrand sicherten ihm eine 67er-Runde (-5) und einen Schlag Vorsprung vor Sepp Straka und Min Woo Lee. „Großartiges Feld, großartiges Leaderboard – ich habe den ganzen Tag darauf geschaut. Die letzten beiden Schläge so hinzubekommen, fühlt sich einfach großartig an“, sagte Morikawa. Mit insgesamt 22 unter Par (266 Schläge) feierte er seinen siebten Sieg auf der PGA Tour seit seinem Profi-Debüt im Jahr 2019, das er eine Woche vor den U.S. Open in Pebble Beach gab. Sein letzter Erfolg lag 45 Starts zurück, als er im Oktober 2023 das Baycurrent Classic in Japan gewann.
„Ich habe ein großartiges Eisen 4 geschlagen. Und jetzt brauche ich erst mal etwas zu trinken.“
Collin Morikawa
Mit einem neuen Blick auf den Golfsport – mehr Freude am Spiel, weniger Fokus auf Technik – und auch privat mit besonderen Neuigkeiten blickt Morikawa optimistisch nach vorne: Er und seine Frau erwarten im Frühjahr ihr erstes Kind. „Es gibt so viel im Leben, das man genießen kann“, sagte er.
Scottie Scheffler startete mit acht Schlägen Rückstand in die Finalrunde und lag nach sieben Löchern bereits sieben Schläge unter Par, dann frischte der Wind deutlich auf. Auf dem Weg zu einer 63 gelangen ihm drei Eagles, darunter ein Eisen 6 auf 76 Zentimeter an der 18, womit er zwischenzeitlich zu Morikawa aufschloss. „Ich war mir Scotties Score sehr bewusst. Was für ein Spieler“, sagte Morikawa. Scheffler selbst ahnte jedoch, dass es womöglich nicht reichen würde – und so kam es auch. Er beendete das Turnier schlaggleich mit Tommy Fleetwood auf Rang vier und baute seine Serie auf 18 Top-10-Ergebnisse auf der PGA Tour aus.
Akshay Bhatia, der nach 54 Löchern mit zwei Schlägen in Führung gelegen hatte, konnte dem Druck nicht standhalten. Mit nur zwei Birdies auf den letzten 29 Löchern fiel er nach einer 72 auf den geteilten sechsten Platz zurück. Scheffler wiederum hatte nach einer 72 zum Auftakt zwischenzeitlich sogar 13 Schläge Rückstand, kämpfte sich aber eindrucksvoll zurück. „Ich musste etwas Besonderes machen, um mir eine Chance zu geben”, sagte er. „Solche Wochen machen mich stolz, weil ich alles gegeben habe.“
Straka überzeugte mit einer konstant starken Woche und Runden von zweimal 66, einmal 67 und abschließend 68 Schlägen. Für den Österreicher war es das beste Ergebnis seit seinem Sieg bei der Truist Championship im Mai 2025, wodurch er im OWGR auf Rang zwölf vorrückte. Mit dem Sieg in Pebble Beach verbessert sich Morikawa auf Platz fünf der Weltrangliste.
Die besten deutschsprachigen Spieler im Feld:
T2 Sepp Straka (AUT)
T67 Stephan Jäger (GER)
LIV Golf: Adelaide
Bei LIV Golf Adelaide hat Anthony Kim eines der bemerkenswertesten Comebacks der Golfgeschichte vollendet. Im direkten Duell mit Jon Rahm und Bryson DeChambeau sicherte er sich den Einzeltitel. Nach zwölfeinhalb Jahren ohne Turniergolf – bedingt durch Verletzungen und persönliche Herausforderungen – war der heute 40-Jährige erst 2024 auf die große Bühne zurückgekehrt. Anfangs tat er sich schwer, den Rost abzuschütteln und an die Form seiner frühen Profijahre anzuknüpfen. Doch mit seinem Leitsatz, jeden Tag „ein Prozent besser” zu werden, arbeitete er sich Schritt für Schritt zurück – und krönte diese Entwicklung nun mit seinem ersten Sieg seit fast 16 Jahren.
Noch zu Wochenbeginn hatte Kim mit Visa-Problemen für die Einreise nach Australien zu kämpfen. Zudem unterschrieb er erst kurz vor Turnierstart offiziell bei den 4Aces GC. Am Sonntag spielte er im The Grange Golf Club jedoch groß auf. Mit einer überragenden 63er-Runde (-9) kam er auf insgesamt 23 unter Par und drehte einen Fünf-Schläge-Rückstand auf Rahm und DeChambeau. „Ich bin im Moment völlig überwältigt“, sagte Kim. „Aber mein Plan ist es, weiter besser zu werden und noch mehr Trophäen zu gewinnen.“
Während DeChambeau durch zwei frühe Bogeys aus dem Tritt geriet und sich Rahm zunächst mit Pars über Wasser hielt, lief Kim auf den ersten neun Löchern heiß. Mit Birdies auf den Löchern 4, 5, 7 und 9 verkürzte er den Rückstand auf einen Schlag. DeChambeau fiel mit einer 40 auf den ersten neun Löchern deutlich zurück, während Rahm zumindest stabil blieb. Die endgültige Wende kam am berühmten Par 3 der 12, auch „The Watering Hole“ genannt, wo die Fans auf den Rängen für eine elektrisierende Atmosphäre sorgten. Kim platzierte seinen Abschlag auf knapp fünf Meter und lochte den Birdie-Putt mittig – unter ohrenbetäubendem Jubel. Mit einem emotionalen Faustschlag feierte er den geteilten ersten Platz mit Rahm. Weitere Birdies auf den Bahnen 13, 14, 15 und 17 brachten ihm schließlich die Kontrolle über das Turnier.
„Ich bin eigentlich zu alt für solche Reaktionen. Ich glaube, ich habe mir in der Hüfte etwas gezerrt“, scherzte Kim später. „Aber in diesen Momenten kamen all die Tiefpunkte meines Lebens hoch, die ich überwunden habe. Jeder Putt, der fiel, fühlte sich an wie ein weiterer Schritt aus dem Kampf heraus. Es war fast therapeutisch.“ DeChambeau spielte eine 74 (+2) und verabschiedete sich damit aus dem Titelrennen, während Rahm zum zweiten Mal in Folge Zweiter wurde. „Als Konkurrent sollte ich das vielleicht nicht sagen, aber es war eine Freude, ihm zuzusehen“, meinte Rahm. „Als ich ihn auf der 18 mit seiner Frau und seiner Tochter gesehen habe, bekommt jeder Mensch mit Herz weiche Knie. Ich hatte fast Tränen in den Augen.“
Neben Kims emotionalem Triumph gab es auch Grund zum Jubel für die australischen Fans: Das Team Ripper GC um Kapitän Cameron Smith gewann die Teamwertung auf heimischem Boden. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und angeführt von Marc Leishman, der eine 65 (-7) spielte, setzte sich das Team zwei Schläge vor Rahms Legion XIII durch. Lucas Herbert und Elvis Smylie steuerten jeweils 69er-Runden bei, Smith selbst spielte eine 70.
Für Ripper GC war es bereits der zweite Heimsieg in drei Jahren in Adelaide. Zudem hatte das Team schon den Saisonauftakt in Riad gewonnen und ist damit das erste LIV-Golf-Team, das die ersten beiden Turniere einer Saison für sich entscheidet. „Unreal, so gut“, sagte Smith. „Wir hatten vor der Saison ein Trainingscamp und unser Ziel war es, dieses Event zu gewinnen. Dass wir das so früh im Jahr schaffen, ist etwas ganz Besonderes.“
Doch die größte Geschichte des Wochenendes schrieb Anthony Kim. „Ich wusste, dass gutes Golf in mir steckt“, sagte er. „Niemand sonst muss an mich glauben, nur ich selbst. Und für alle, die gerade kämpfen: Man kann alles überwinden.“
Ladies European Tour: PIF Saudi Ladies International
Charley Hull sicherte sich mit einer furiosen Schlussrunde den Titel beim PIF Saudi Ladies International im Riyadh Golf Club und feierte damit ihren fünften Sieg auf der Ladies European Tour. Die Engländerin startete mit drei Schlägen Rückstand und dem geteilten elften Platz in den Finaltag, spielte jedoch eine herausragende 65 (-7) und setzte mit insgesamt 19 Schlägen unter Par die Bestmarke im Clubhaus. Auf den letzten neun Löchern zündete die Weltranglistenfünfte den Turbo und blieb auf ihren letzten sieben Bahnen sechs unter Par.
„Es fühlt sich großartig an. Wow, der Tag ging irgendwie viel zu schnell vorbei“, sagte Hull. „Nach neun Löchern war ich nur zwei unter Par und habe dann auf den Back Nine richtig angegriffen.“ Ihr Freund habe ihr schon bei einem früheren Turnier auf diesem Platz geraten, früh viele Birdies zu spielen; diesmal jedoch lautete sein Rat, auf den letzten Löchern anzugreifen. „Er meinte gestern Abend, ich solle auf dem Weg ins Clubhaus viele Birdies machen. Ich liebe es zu jagen – und genau das habe ich getan.“ Hull betonte zudem, wie sehr sie den Platz in Riad schätzt, der über die Jahre anspruchsvoller geworden ist. Selbst eine Portion Kartoffelbrei nach neun Löchern und ein High-Five von Noah Alireza hätten ihr womöglich zusätzliche Energie für die Schlussphase geliefert, scherzte sie. Nach intensiver Arbeit in der Off-Season sei es besonders schön, direkt bei einem der größten LET-Events zu gewinnen. Als Botschafterin von Golf Saudi empfand sie das Turnier zudem als eine Art Heimspiel.
In der Finalrunde startete Hull mit Birdies auf den Löchern zwei und sieben, gab auf der Acht einen Schlag ab, konterte jedoch mit einem Birdie auf der Neun. Nach einem weiteren Bogey auf der Zehn folgte die entscheidende Phase mit einem Birdie, einem Eagle und einem weiteren Birdie auf den Bahnen elf bis 13, bevor sie mit Schlaggewinnen auf der 15 und der 18 schließlich ihren zweiten Sieg in Riad einfuhr. Passend dazu ließ sie ihrem Schreiner ein Video der neuen Trophäe zukommen, damit diese auch sicher in ihren neu gestalteten Trophäenschrank passt. Die Renovierung ihres Hauses sei nahezu abgeschlossen, „da brauchte ich diesen Sieg”, sagte sie lachend. Sie freue sich nun darauf, bald einzuziehen und ihren Geburtstag zu feiern.
Mit nur einem Schlag Rückstand teilten sich die Südafrikanerin Casandra Alexander und die Japanerin Akie Iwai den zweiten Platz bei 18 unter Par. Alexander startete mit zwei Birdies, musste auf der Zehn ein Bogey hinnehmen, konterte aber mit drei Birdies in Serie von Loch elf bis 13 sowie einem weiteren auf der 15; ein Schlagverlust auf der 17 verhinderte jedoch ein mögliches Play-off. „Es ist ein großartiger Saisonstart mit vielen positiven Aspekten. Aus ein paar Schlägen kann ich lernen, aber insgesamt war es sehr solide“, sagte sie. Iwai spielte eine 67 (-5) mit sieben Birdies und zwei Bogeys. „Mein Stil ist sehr aggressiv, heute wollte ich voll angreifen. Driver, Eisenschläge und Putten waren gut. Der Drei-Putt auf der 17 ist kein Problem – nächste Woche gibt es die nächste Chance“, erklärte sie.
Mit 17 unter Par landeten Carlota Ciganda aus Spanien und die Koreanerin Hye-Jin Choi auf dem geteilten vierten Rang. Einen Schlag dahinter folgten Mimi Rhodes aus England, Ina Yoon aus Korea und Nasa Hataoka aus Japan.
In der Order of Merit der Ladies European Tour übernimmt Hull mit 500 Punkten die Führung vor Alexander mit 275 Punkten und Ciganda mit 162,5 Zählern. Nach einer einwöchigen Pause setzt die Tour ihre Saison in Australien fort, beginnend mit den Turnieren in Wollongong.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
T12 Helen Briem (GER)
T17 Emma Spitz (AUT) & Leonie Harm (GER)
Sunshine Ladies Tour: NTT Data Ladies Pro-Am
Celina Sattelkau setzte ihren beeindruckenden Lauf auf der Sunshine Ladies Tour fort und feierte mit einem souveränen Fünf-Schläge-Erfolg beim NTT DATA Ladies’ Pro-Am presented by Standard Bank im The Links at Fancourt ihren zweiten Sieg in Folge. Die Deutsche beendete das Turnier am Sonntag mit einer Schlussrunde von 72 Schlägen und insgesamt sieben Schlägen unter Par. Ihre Landsfrau Sophie Witt sicherte sich mit einer 73 am Finaltag und zwei Schlägen unter Par Rang zwei.
Damit knüpfte Sattelkau nahtlos an ihren Triumph bei der SuperSport Ladies Challenge in der Vorwoche an und erwischte einen Traumstart in die neue Saison. „Back-to-back-Siege – ja, ich bin super happy, auch wenn ich mich mit meinem Spiel diese Woche gar nicht so wohlgefühlt habe. Mein Körper hat sich heute Morgen ebenfalls nicht großartig angefühlt. Umso glücklicher bin ich, dass ich es trotzdem geschafft habe“, sagte sie nach ihrem Erfolg.
Mit einem Vorsprung von drei Schlägen ging Sattelkau in die Finalrunde und bewies unter schwierigen Bedingungen große Nervenstärke. Bei windigem Wetter und anspruchsvollen Fahnenpositionen auf harten Grüns ließ sie lediglich einen Schlag liegen. „Heute war es wirklich schwierig. Es war windig und die Fahnen waren nicht einfach gesteckt. Es war eine große mentale und körperliche Herausforderung“, erklärte sie. Auf dem anspruchsvollen Platz könne man schnell einen Ball verlieren, weshalb Präzision vom Tee entscheidend gewesen sei. Auf den Front Nine notierte sie ausschließlich Pars, womit sie sehr zufrieden war. Nach einem Bogey blieb sie ruhig und nutzte ihre Chancen auf den Schlusslöchern. Das Birdie an der 18 war ein perfekter Abschluss.
Besonders freute sich Sattelkau darüber, dass mit Sophie Witt eine weitere Deutsche ganz oben im Klassement stand. „Ich freue mich auch sehr für Sophie. Wir haben letzte Woche und auch diese Woche ein Zimmer geteilt. Wir sind richtig gute Freundinnen. Eins und zwei zu werden, ist natürlich großartig – vielleicht teilen wir uns dieses Jahr noch öfter ein Zimmer“, sagte sie mit einem Lächeln.
Den geteilten dritten Platz belegten die Südafrikanerin Stacy Bregman mit einer 71er-Runde und die Isländerin Gudrun Bjorgvinsdottir mit einer 72er-Runde, beide mit insgesamt einem Schlag unter Par.
Die besten deutschsprachigen Spielerinnen im Feld:
1 Celina Sattelkau (GER)
2 Sophie Witt (GER)
T8 Verena Gimmy (GER) & Carolin Kauffmann (GER)
Weitere Turniere:
HotelPlanner Tour: NTT Data Pro-Am
Fancourt Golf Estate, Südafrika, 12. bis 15. Februar
Sieger: MJ Daffue (RSA)
T18 Yannik Paul (GER)
PGA Tour Champions: Chubb Classic
Tiburon Golf Club, Florida, 13. bis 15. Februar
Sieger: David Toms (USA)
T5 Alex Cejka (GER)
