Zwischen Familienleben in Alabama, intensivem Training und der Jagd nach Titeln auf der PGA Tour: Sepp Straka spricht über seinen Saisonstart, den knappen zweiten Platz in Pebble Beach und warum er sich auf der Tour am liebsten ganz auf sich selbst konzentriert.
Als das Gespräch beginnt, ist es früher Morgen in Alabama. Während in Europa bereits die Nachmittagssonne die Frühlingsluft erwärmt, ist es bei Sepp Straka gerade kurz nach sechs Uhr. Der 32-jährige Österreicher nutzt die ruhigen Stunden vor dem Aufwachen seiner Kinder – eine Routine, die sich in den vergangenen Monaten fast zwangsläufig entwickelt hat.
„Ja, ich bin schon ein Morgenmensch geworden“, sagt Straka und lacht. „Für mich ist alles einfacher, solange die Kinder noch schlafen. Vor sieben Uhr ist es meistens am ruhigsten.“
Der gebürtige Wiener, der seit Jahren zu den konstantesten Spielern der PGA Tour zählt, hat diese Woche kein Turnier auf dem Programm. Eine seltene Gelegenheit, Zeit mit der Familie zu verbringen – und gleichzeitig an seinem Spiel zu arbeiten. Denn auf der PGA Tour bedeutet eine freie Woche selten Stillstand.
Familienzeit nach schwierigen Monaten
Die vergangenen Monate waren für Straka nicht nur sportlich intensiv, sondern auch privat emotional. Rund um die Geburt seines Sohnes Thomas im Herbst gab es einige schwierige Momente. Umso größer ist heute die Erleichterung, dass zu Hause wieder Normalität eingekehrt ist.
„Uns geht es allen sehr gut“, sagt Straka. „Der Kleine schläft sogar schon richtig gut. Normalerweise von acht Uhr abends bis vier oder fünf in der Früh – und dann oft noch einmal bis sieben.“ Auch der ältere Sohn sei ein guter Schläfer, erzählt er. „Wir können uns also wirklich nicht beschweren.“
Gerade deshalb freut sich der PGA-Tour-Profi besonders auf die kommenden Wochen: Nach drei Turnieren in Kalifornien, die er allein absolvierte, wird ihn seine Familie bald wieder auf der Tour begleiten. „Meine Frau und die Kinder kommen für zwei Wochen zu mir. Darauf freue ich mich sehr.“
Training statt Urlaub
Von einer echten Pause kann dennoch keine Rede sein. Auch in einer turnierfreien Woche bleibt der Tagesplan strukturiert.
„Normalerweise trainiere ich jeden Tag“, erklärt Straka. „Ich spiele meistens neun Löcher oder gehe auf die Range. Insgesamt trainiere ich etwa drei bis vier Stunden.“
Diese Mischung aus Spielpraxis und Technikarbeit ist für ihn entscheidend, um während der langen Saison konstant zu bleiben. Selbst in Wochen ohne Turnier geht es darum, das Gefühl für den Schwung zu behalten und kleine technische Details zu verbessern.
Ein Saisonstart mit Fragezeichen – und starken Ergebnissen
Vier Turniere hat Straka in der noch jungen PGA-Tour-Saison 2026 bereits absolviert. Seine Zwischenbilanz fällt dabei überraschend positiv aus – auch wenn sich sein Spiel nicht immer so gut anfühlte, wie es die Ergebnisse vermuten lassen.
„Ich bin ziemlich zufrieden mit dem Start“, sagt er. „Mein Spiel war nicht immer besonders gut, aber die Ergebnisse waren stark.“
Vor allem die Turniere in Phoenix und Pebble Beach stechen hervor. Beim prestigeträchtigen Event an der kalifornischen Küste belegte Straka den zweiten Platz – nur einen Schlag hinter Sieger Collin Morikawa.
Pebble Beach: Ein Lieblingsplatz
Mit etwas Abstand überwiegt bei Straka die Zufriedenheit über dieses Ergebnis. Denn selbst während des Turniers hatte er nicht unbedingt das Gefühl, um den Sieg spielen zu können.
„Ehrlich gesagt war ich überrascht, dass ich überhaupt eine Siegchance hatte“, sagt er offen. „Die ersten beiden Tage waren gut, aber am Wochenende habe ich den Ball nicht besonders gut getroffen.“
Trotzdem blieb er bis zum Schluss im Rennen. Dass ihm am Ende nur ein Schlag auf den Titel fehlte, beschäftigt ihn kaum.
„Natürlich kann man immer irgendwo einen Schlag finden“, sagt er. „Am Sonntag hatte ich zum Beispiel gleich am ersten Loch ein ziemlich bitteres Lip-Out. Aber wenn man das ganze Turnier betrachtet, bin ich mit den 72 Löchern sehr zufrieden.“
Pebble Beach zählt ohnehin zu seinen Lieblingsplätzen auf der Tour.
„Die Landschaft ist unglaublich“, schwärmt Straka. „Auch während eines Turniers kann ich das wahrnehmen. Es ist einfach ein besonderer Ort.“
Der Blick nach innen statt auf die Konkurrenz
Bemerkenswert ist auch die Konkurrenz, die Straka in Pebble Beach hinter sich ließ. 18 Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste waren am Start – doch der Österreicher macht sich darüber erstaunlich wenig Gedanken.
„Ich schaue eigentlich kaum auf die anderen Spieler“, sagt er. „Ich konzentriere mich nur auf mein eigenes Spiel und darauf, wo ich mich verbessern kann.“
Diese Haltung hilft ihm auch, Rückschläge einzuordnen. Beim darauffolgenden Turnier, der Genesis Invitational in Los Angeles, lief es deutlich weniger rund. Vor allem die dritte Runde geriet komplett aus dem Ruder.
„Überraschend war das für mich ehrlich gesagt nicht“, erklärt Straka. „Mein Spiel hat sich schon in Pebble und Phoenix nicht perfekt angefühlt. In dieser Woche habe ich einfach gesehen, woran ich noch arbeiten muss.“
Die Schläger auch einmal zur Seite legen
Nach der enttäuschenden Runde stellte Straka die Schläger zunächst bewusst zur Seite.
„Nach der dritten Runde war ich relativ spät fertig und habe danach nicht mehr trainiert“, erzählt er. „Manchmal ist es besser, einfach abzuschalten.“
Erst am letzten Turniertag ging es wieder zurück auf die Range und auf das Putting-Grün, um einzelne Aspekte seines Spiels zu analysieren. In den Tagen danach arbeitete er intensiv mit seinem Trainer an technischen Details.
„Die letzten Trainingstage waren sehr intensiv“, sagt Straka. „Mein Schwung fühlt sich jetzt technisch deutlich besser an.“
Das Rätsel mit dem Putter
Ein Bereich seines Spiels beschäftigt Straka aktuell besonders: das Putten. Statistisch gesehen ist dieser Teil seines Spiels bislang schwächer als im vergangenen Jahr.
Für den Österreicher hat das jedoch auch mit den Bedingungen auf der Westküste zu tun.
„Das Gras dort liegt mir generell nicht so gut“, erklärt er. „Dieses Jahr haben wir viel auf Poa und Ryegrass gespielt. Auf Bermuda-Grass tue ich mir normalerweise leichter.“
Solche Details mögen für Außenstehende klein erscheinen, doch auf der PGA Tour entscheiden sie oft über Erfolg oder Misserfolg.

Fortschritte rund ums Grün
Positiv entwickelt hat sich dagegen ein Bereich, der früher als Schwachpunkt galt: das kurze Spiel rund um die Grüns.
„Das Chippen war in den letzten Turnieren eigentlich sehr stark“, sagt Straka. „Das freut mich besonders, weil das in den vergangenen Jahren wahrscheinlich meine schwächste Statistik war.“
Gerade auf der PGA Tour, wo selbst kleine Fehler sofort bestraft werden, kann ein gutes Scrambling-Spiel entscheidend sein.
„Wenn man rund ums Grün stark ist, kann man auch dann noch gute Ergebnisse erzielen, wenn das lange Spiel einmal nicht perfekt funktioniert.“
Golf zwischen Tourleben und Familienalltag
Trotz des intensiven Turnierkalenders versucht Straka, eine gewisse Balance zu finden. Die Familie spielt dabei eine entscheidende Rolle.
„Es macht vieles einfacher, wenn meine Frau und die Kinder dabei sind“, sagt er. „Das Leben auf der Tour fühlt sich dann viel normaler an.“
Auch wenn die Tage auf der PGA Tour oft lang sind und sich alles um Training, Pro-Am-Runden und Turniervorbereitung dreht, bleiben diese Momente wichtig.
Frühstück vor der Runde
Als das Gespräch sich dem Ende nähert, ist es in Alabama kurz vor halb sieben. Der Tag hat für Straka gerade erst begonnen.
Auf die Frage, ob es nun sofort auf die Driving Range geht, muss er lachen.
„Nein – zuerst gibt es Frühstück mit den Kindern“, sagt er. „Danach spiele ich heute meine einzige Runde der Woche, 18 Löcher. Ein bisschen Training noch – und zum Abendessen bin ich wieder zu Hause.“
Ein Arbeits-Alltag zwischen Fairways und Frühstückstisch. Für Österreichs erfolgreichsten Golfer inzwischen ganz normal.
Dieser Beitrag beruht auf einem Interview, das Marlene Breineder für CANAL+ geführt hat. Das Video findest du im Artikel weiter oben eingebettet.
