Vom ältesten Golfplatz der Welt bis zur Küste von Kent: Wie eine erste Schottlandreise zur lebenslangen Mission wurde, jeden Austragungsort der Open Championship selbst zu spielen.
von Christian Kresse
Wenn man Golf liebt, nicht nur das Spiel an sich selbst. Nein, was macht die Geschichte um den Golfsport so faszinierend? Was begeistert uns, wenn wir die größten Spieler der Welt bei den großen Turnieren sehen? Was veranlasst golfbegeisterte Menschen, besondere Reisen zu planen?
Ein jeder golfbegeisterte Reisender hat Träume. Manche werden von Beginn an genau geplant, vorbereitet und dann konsequent verfolgt, manche ergeben sich eher zufällig.
So ungefähr kann man meine kleine Reise über 13 Jahre beschreiben. Begonnen hat es mit einer Golfreise im Jahr 2007 mit Golffreunden meines damaligen Clubs GC Urslautal, als wir den wohl ältesten Golfplatz der Welt, Musselburgh Links, spielten, wo selbst Mary, Queen of Scots, 1567 ihre ersten Bälle schlug. Zu dieser Zeit konnte ich auch den altehrwürdigen Royal Troon und den großartigen Turnberry Golf Club spielen. Was diese drei Plätze verband? Alle Drei waren Austragungsorte der British Open.
Mein Interesse für die Geschichte und die Entwicklung der British Open, kurz „The Open„, weckte sich mit der ersten Begegnung mit dem Golfclub Prestwick. Welch unglaubliche Bunkerlandschaft! Stufen aus ehemaligen Eisenbahnschwellen, tiefe Punker, teilweise über Wände hinweg – demütig steigt man hinab, um den Ball wieder aufs Fairway zu bringen. Hier wurden 1860 die ersten Open gespielt. Willie Park Sr. aus Musselburgh trug sich als erster Spieler in die Siegerliste ein. Prestwick war insgesamt 24-mal Austragungsort der Open Championships.
Erst mit dem Einstieg des Royal & Ancient Golf Club St Andrews und der Honourable Company of Edinburgh Golfers entwickelten sich die Open weiter. Für mich war klar: Ich wollte jeden der 14 Plätze einmal erleben. Die ersten vier waren geschafft.

Schottland und die ersten Open-Plätze
Mein treuer Golfbegleiter Gerhard Karl setzte mit mir gemeinsam die Mission um. 2014 führte uns die nächste Reise nach Schottland. Nicht nur der Ryder Cup im Herbst ließ unsere Herzen höher schlagen, wir konnten weitere traumhafte Plätze abspielen.
Carnoustie, von Golfern „Carnasty“ genannt, machte seinem Namen alle Ehre: 112 Bunker, ein extrem langer Championship Course – Wind dazu und der Platz zerlegt jeden Spieler. Van de Velde 1999, Tom Watson auf der 16 – hier wird Golfgeschichte geschrieben. An einem sonnigen, windstillen Tag ist der Platz wunderschön, bei Wind jedoch ein Monster.



St Andrews Old folgte im Rahmen einer ProAm-Einladung bei den Dunhill Links. Sturmböen über 70 km/h und Dauerregen ließen uns nicht daran denken, abzubrechen. Am Ende Platz drei – ein unvergleichbares Golferlebnis.
Muirfield schließlich, exklusiver Privatclub mit jahrelanger Vorlaufzeit für Startzeiten. Damit hatten wir alle sieben schottischen Open-Plätze gespielt.en Nerv der Zeit. 721 Golfanlagen bieten dafür eine Möglichkeit, die Schläger in Deutschland zu schwingen.
Irland und Englands Westküste – Wind, Wetter, Herausforderung
2017 führte uns eine Reise mit dem Irish Mens Club nach Nordirland. Royal Portrush, der einzige Open-Platz in Irland, war Pflicht. Irland zeigte alle Facetten: Sonne, Wind, Hagel – manchmal alles innerhalb weniger Minuten.
Die englischen Plätze folgten pandemiebedingt erst 2023. Rund um Liverpool liegen gleich drei Open-Austragungsorte. Royal Lytham & St Annes empfing uns nasskalt, Royal Liverpool präsentierte sich wenige Tage vor den Open nahezu perfekt: Tribünen, Stadion auf der 18, Birdie-Putt – ein kurzer Moment, in dem man ahnt, was die Weltelite hier erlebt. Royal Birkdale schließlich wurde für uns beide zum Höhepunkt.
Carnoustie, St Andrews und Muirfield – Prüfsteine des Spiels
Im Mai 2025 hatten wir bereits 11 Plätze gespielt. Nun fehlten nur noch drei. Eine schnelle Recherche zeigte: Alle drei liegen nahe beieinander in Kent, wenige Kilometer nördlich von Dover.
Princes Golf Club, einmaliger Open-Austragungsort 1932, bot einen unvergesslichen Golf-Tag. Am nächsten Tag zeigte Royal St George, was ein echter Championship Course ist: Länge allein reicht nicht, die Platzierung der Schläge entscheidet. Ohne Caddie hätten wir viele Bälle nicht wiedergefunden.
Royal Cinque Ports, gegründet 1892, richtete die Open 1909 und 1920 aus. Gary Player bezeichnete die letzten vier Löcher als die besten Abschlusslöcher der Welt. Damit schlossen wir unsere Golfreise über 10 Jahre ab.
Was bleibt – und was vielleicht noch kommt
Alle 14 Open-Plätze sind gespielt. Von den 16 europäischen Ryder-Cup-Plätzen haben wir bereits acht besucht. Vielleicht ergibt sich daraus die nächste Challenge.
Bis dahin gilt: Viele traumhafte Golfplätze liegen oft näher, als man denkt – und die schönsten Reisen beginnen mit einem einzigen Schlag vom Tee.
