Sonderbehandlung für Koepka?

Ende Januar wird der fünffache Major-Sieger Brooks Koepka wieder auf der PGA Tour abschlagen. Möglich macht das ein neu geschaffenes „Returning Member Program“.

Brooks Koepka ist zurück – zumindest dem Namen nach. Ende Januar soll der fünffache Major-Sieger wieder auf der PGA Tour abschlagen, beginnend bei der Farmers Insurance Open in Torrey Pines, gefolgt von der WM Phoenix Open. Möglich macht das ein neu geschaffenes „Returning Member Program“. Und genau hier beginnt die Debatte.

Denn dieses Programm ist nichts anderes als eine maßgeschneiderte Hintertür für ganz wenige Auserwählte. Teilnahmeberechtigt sind nur Spieler, die der Tour seit mindestens zwei Jahren ferngeblieben sind und zwischen 2022 und 2025 ein Major oder die Players Championship gewonnen haben. Koepka erfüllt diese sportlichen Kriterien – sein Sieg bei der PGA Championship 2023 öffnet ihm nun die Tür zurück.

Die PGA Tour argumentiert, man reagiere damit auf den Wunsch der Fans, die besten Spieler wieder häufiger gemeinsam zu sehen. Ein nachvollziehbares Ziel. Doch die entscheidende Frage bleibt: Wie viel Sonderbehandlung verträgt ein System, das sich über Jahrzehnte mit Leistungsprinzip und Chancengleichheit legitimiert hat?“

Koepkas Rückkehr ist teuer erkauft. Keine FedExCup-Bonuszahlungen in der Saison 2026, fünf Jahre Ausschluss vom Player-Equity-Programm, dazu eine Charity-Spende von fünf Millionen Dollar. Je nach Berechnung verzichtet er damit auf potenzielle Einnahmen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Das klingt nach Opfer – relativiert sich aber schnell, wenn man bedenkt, welche Summen Koepka in den vergangenen Jahren außerhalb der PGA Tour verdient hat.

Die entscheidende Frage bleibt: Wie viel Sonderbehandlung verträgt ein System, das sich über Jahrzehnte mit Leistungsprinzip und Chancengleichheit legitimiert hat?

Sportlich bleibt er ohnehin privilegiert: Durch seinen Major-Sieg ist er bis einschließlich 2028 für reguläre PGA-Tour-Events spielberechtigt. Für die lukrativen Signature Events muss er sich zwar qualifizieren, die Felder werden im Zuge des Programms jedoch erweitert – niemand verliert seinen Startplatz. Auch das ist ein wichtiges Detail, das Kritik abfedern soll.


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Was dieses Comeback wirklich bedeutet, geht weit über Koepka hinaus. Es ist ein Testballon. Für die Tour. Für weitere LIV-Golfer. Für die Glaubwürdigkeit eines Systems, das jahrelang klare Kante gezeigt hat – und nun beginnt, Grauzonen zu definieren. Namen wie Jon Rahm, Bryson DeChambeau oder Cameron Smith stehen unausgesprochen im Raum.

Koepka selbst spricht von einem Traum, der sich erfüllt. Das mag ehrlich sein. Für die PGA Tour ist es vor allem ein Balanceakt zwischen sportlicher Attraktivität und struktureller Konsequenz. Ob dieses Comeback als Signal der Stärke oder als Zeichen der Unsicherheit in die Geschichte eingehen wird, entscheidet sich nicht in Torrey Pines – sondern in den nächsten Fällen, die folgen könnten.

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Martin Angerer
Martin Angerer
Martin Angerer ist Chefredakteur bei Perfect Eagle Golf & Head of Digital Media.

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