CHAMPION OHNE CADDIE


Für Marc Warren war es der vierte Sieg auf der European Tour, für Atzenbrugg eine Premiere: Noch nie hat im Diamond Country Club ein Schotte gewonnen.

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Um genau Punkt 16.30 Uhr puttete sich der 39-jährige zum Sieger der Austrian Open 2020. Mit 13 Schlägen unter Par sicherte sich Warren den Titel des ersten Turniers der European Tour nach der Corona-bedingten Sperre auf internationaler Ebene.

„Das ist heute natürlich ein sehr schöner Tag in meiner Karriere“, freute sich Warren, denn „besonders am Samstag, als es fast den ganzen Tag über schüttete, waren das hier sehr harte Bedingungen“, die aber gerade ihm als Niederschlags-erprobten Briten möglicherweise den entscheidenden Tick weniger ausmachten als seiner Konkurrenz.

Diese zeigte im Gegensatz zu Marc Warren besonders am letzten Loch Nerven. Während der spätere Sieger das Hindernis mit drei Schlägen par bewältigte, ließen sich der mit einem Eagle großartig in den Sonntag gestartete Spanier Sebastian Garcia Rodriguez und der zusammen mit Warren am Morgen noch führende Deutsche Nicolai Van Dellingshausen von der anspruchsvollen, kurz gesteckten Fahne verunsichern. Beide schlugen ihre Abschläge ins Wasser: Doppelbogey.

So ging der zweite Platz in Atzenbrugg an den am Finaltag ebenfalls stark aufspielenden Deutschen Marcel Schneider (-12). Den dritten Platz holte sich der Niederländer Wil Besseling, der sich mittels einer fantastischen 66er-Runde und einem Gesamtscore von -11 gleich um 16 Plätze gegenüber Samstag verbesserte.

Ein versöhnliches Ende fanden die Austrian Open 2020 schließlich auch für Miguel Ángel Jiménez. Der 56-jährige charismatische Spanier, der nach dem zweiten Tag sensationell geführt hatte, am Samstag im Starkregen aber im wahrsten Sinn des Wortes unterging, fand heute wieder seinen Spaß am Golfspiel. Mit 8 Schlägen unter Par und dem 8. Gesamtrang war Jimenez „am Ende wirklich sehr, sehr happy“!

Mit dem zurückgekehrten Schönwetter steigerte auch Lokalmatador Lukas Nemecz seine Leistung. Der Profi vom GC Murtal, dessen Freundin als Ärzting in Graz auch im Dienst gegen die Covid-19-Pandemie stand, zog nach einer sehr feinen 68er-Runde und einem Gesamtscore von 2 unter Par zum ersten Mal an diesem Wochenende eine zufriedene Bilanz.

Lukas Nemecz. Photo: GEPA pictures/ Christian Walgram

Distanzmessung am Green

An den Turniertagen dominierten neben erstklassigem Golf vor allem die strengen Hygieneregeln den Alltag. Vor dem Betreten der Golfanlage musste ein PCR-Test absolviert werden. Zusätzlich wurde täglich am Eingang Fieber gemessen. Auf dem Kurs mussten zwei Meter Abstand eingehalten werden. Auf den Grüns fiel das traditionelle Händeschütteln weg.

Und so war es wenig verwunderlich, dass auch die Siegerehrung recht nüchtern ausfiel. Ein Turniermitarbeiter in Handschuhen platzierte die gründlich desinfizierte Trophäe auf einem Tisch, bevor diese von Warren in die Luft gestemmt werden konnte. Der 39-Jährige zeigte sich von der Einhaltung der Hygienemaßnahmen beeindruckt. Von den 85.000 Euro Preisgeld hat er sich übrigens jeden Cent selbst verdient – denn er spielte ohne Caddie: „Das war zuletzt 2005 der Fall. Aber es war eine gute Sache. Es hat mich geerdet und locker gemacht. Ich habe einfach geschaut, was passieren wird. Und es sind viele schöne Sachen geschehen.“

Lobende Worte gab es für die Austrian Open 2020 nicht nur von den Spielern, sondern auch von den für die Ausrichtung Verantwortlichen.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf des Turniers. Die Zusammenarbeit mit der European Tour und den Spielern, aber auch das Sicherheits- und Präventionskonzept haben sehr gut funktioniert. Die Austrian Open 2020 waren Werbung pur für den Diamond Country Club. Wir konnten wieder einmal Golfkompetenz beweisen: Die Spieler bestätigten immer wieder die Qualität des Platzes, egal ob 33 Grad am Freitag oder Regenschauer den ganzen Samstag. Ein weiterer Aspekt ist die Qualität unserer Golfausbildung. Die Diamond Akademie hat seit 2015 unter der Führung von Melanie Wolkersberger jedes Jahr die ÖGV Jugendförderung gewonnen. Sie ist mittlerweile ein Talente-Pool. Ein Beweis dafür war der beachtenswerte Auftritt beim Turnier von Laurenz Kubin,“ so Christian Guzy, Präsident des gastgebenden Diamond Country Clubs in Atzenbrugg.

V.l.n.r.: Christian Guzy (Diamond Country Club), Peter Enzinger (OEGV), Marc Warren (SCO), Johann Danninger (Sportland Niederösterreich), Beate Jilch (Atzenbrugg). Photo: GEPA pictures/ Christian Walgram

Nun übersiedelt der European Tour-Tross in die niederösterreichische Ramsau, wo nächste Woche im GC Adamstal die EURAM Bank Open ausgetragen werden. Unmittelbar nach dem Turnier in Atzenbrugg herrschte auf dem Platz von Franz Wittman bereits Hochbetrieb. Für einen erheblichen Teil der über 300 Personen, die zumeist noch am Sonntag Abend übersiedelten, standen nämlich die dafür noch zu absolvierenden Covid-19-Tests im Labor der European Tour auf dem Programm. Denn auch im Adamstal gilt das, was in Atzenbrugg vorgeschrieben und vorbildlichst umgesetzt worden war: SICHERHEIT HAT ABSOLUTEN VORRANG!

Die EURAM Bank Open 2020 im Adamstal vom 15. bis 18. Juli zählen wie die Austrian Open zur European Tour sowie zur Challenge Tour. Wie in Atzenbrugg ist das Turnier im Adamstal mit 500.000 Euro dotiert.