Greta lässt grüßen


„Flug-Was“? So lautet oftmals die Antwort unter Golfern auf die Frage, ob man eigentlich „Flugscham“ verspüren müsse, wenn man per Flieger auf die Suche nach schnellen Grüns, sattgrünen Fairways und etwas Sonne geht. Eine Analyse.

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Die schwedische Schülerin Greta Thunberg, Initiatorin von „Fridays for Future“, dürfte sogar dem ignorantesten Dauergolfer ein Begriff sein. Selbst wenn der sich gerne hinter hohen Hecken und einem großen Clubhaus-Parkplatz versteckt und eigentlich nur in Ruhe Golf spielen möchte. Aber vor allem mit schulpflichtigen Kindern dürfte man von den Freitagsdemos schon gehört haben.

Mit dem Begriff Flugscham können dann aber nur die wenigsten etwas anfangen. „Flug-Was“ kommt des öfteren zurück, denn eigentlich war Fliegen doch immer etwas Reizvolles. Gerade der meilensammelnde Golfer von Welt zeigte mit extravaganten Reisezielen, wie erfolgreich er durchs Leben schreitet. Zählt denn die Reputation gar nichts mehr? Die ganz großen Plätze dieser Welt sind nunmal eher in St. Andrews, Monterrey oder der neuseeländischen Hawke’s Bay zu finden – und nicht unbedingt im Schwarzwald oder im St. Pöltener Umland. Auch wenn diese Gegenden durchaus ihren Reiz haben.

SUV statt E-Auto?

Los geht’s ja eigentlich schon auf dem Parkplatz eines beliebigen Clubs. Nahezu immer dominant: Die deutschen Autobauer, gerne in der höchstmotorisierten Ausstattung. Audi, BMW, Mercedes und der 911er sind in Golfclubs überproportional repräsentiert. Früher waren viele Kombis dabei, mittlerweile fährt der Golfer SUV, wenn er nicht zum Spaß mit dem Sportwagen angebohrt kommt. E-Mobile sind eher Mangelware, auch wenn viele Golfer Hausbesitzer sind und sich die Anschaffung sogar leisten könnten.

Aber irgendwie ist der etwas saturierte Golfer eben nun in den seltensten Fällen ein Early Adopter, also einer, der möglichst schnell auf neue Trends aufspringt. Erst mal abwarten, was die anderen so machen. Sonst wird hinterem Rücken wieder gelästert. Und dann die schlechte Verarbeitung von diesen Teslas mit denen man maximal 300 Kilometer Reichweite hat … Dem typischen Golfer, der eigentlich ausschließlich im Heimatclub abschlägt und zwei Mal pro Jahr im Nachbarclub eingeladen ist, kann man so einen Elektro-Quatsch natürlich nicht zumuten.

Aber Ironie wieder aus. Ohne Auto ist Golf leider kaum vorstellbar. Und ohne Flugreisen wird es für viele ebenfalls schwierig, denn im Winter ist es in Westeuropa meistens zu kalt, um zu spielen. Klar gibt es einige Wintergolfer, die bei 5 Grad auf Wintergrüns unterwegs sind. Und das kann sogar Spaß machen. Aber eine Runde auf Mallorca bei 20 Grad ist eben doch was anderes. Und die Flüge sind günstig.

Skandinavien als Vorbild

Weniger als 20 Prozent der Weltbevölkerung sind überhaupt schon einmal geflogen. Im vergangenen Jahr waren es rund drei Prozent. Daher ist der Anteil durch Flugreisen gemessen am weltweiten CO2-Ausstoß nicht allzu riesig. Also alles gar nicht so wild? Nun, der Wert pro Kopf ist durchaus hoch, da der Großteil der Menge nur von einem sehr geringen Teil der Population erzeugt wird. Der CO2-Ausstoß wird aber immer am Weltaufkommen gemessen. Letztlich sind also sehr wenige – darunter wir golfenden Vielflieger – für ein verhältnismäßig sehr hohes Emissionsaufkommen verantwortlich.

Doch wie kann man es besser machen? Gar nicht mehr zu fliegen ist für die meisten keine Option. Man kann aber immerhin einen finanziellen Ausgleich leisten (vertrauenswürdige Anbieter sind z.B. Atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima), mit dem Klima­projekte unterstützt werden. Vorbildlich agieren aktuell die Schweden. Die in Malmö ansässige Airline Braathens hat seit April eine automatische CO2-Kompensation für ihre Flüge eingeführt. Scandinavian Airlines gleicht immerhin die Emissionen ihrer Stammkunden mit Vielfliegerprogramm automatisch aus. Laut SAS sind davon rund 40 Prozent der Buchungen betroffen.

Auch die TUI hat für skandinavische Kunden nachgezogen. Der Reisekonzern kompensiert den CO2-Verbrauch durch TUIfly-Flüge und für die Übernachtungen in den hauseignen Hotels. Genügend monetärer Spielraum scheint also durchaus vorhanden zu sein. Ganz generell würde es sicherlich auch nicht schaden, wenn die Billig-Tickets vom Markt verschwinden. Einen Flug für 29 Euro anzubieten, kann schlicht und einfach nicht wirtschaftlich sein. Und beim Geldverdienen kennen sich doch alle am Golfplatz aus. Zumindest behaupten sie das immer.

Was kann der Golfer machen?

Der Trend geht zu immer kürzeren Ferien – dafür in höherer Frequenz. Ob Mini-Urlaub, Städte-Trip, Retreat oder Wellness-Wochenende: Oft geht es darum, den Akku für den so stressigen Berufsalltag schnell wieder aufzuladen. Für Golfer sieht es ähnlich aus, zumindest für diejenigen, die (noch) berufstätig sind. Donnerstag Abend los, Sonntagnacht zurück. Doch so ein Kurztripp mit Flughafentransfer, Gepäckaufgabe, Wartezeiten, Mietwagenabholung sowie Fahrt zu Platz und Hotel geht dann doch ganz schön in die Knochen. Beim Pauschal-Golf-Urlaub mit Charter-Flug und Bustransfer ins Resort ist man wiederum auf die Buchungszeiten der Veranstalter angewiesen, die meistens erst ab einer Woche angeboten werden. Das ist aus CO2-Sicht schon besser, Pauschalurlaub muss man aber mögen.

Unser Vorschlag: Kurztripps in heimischen Gefügen ausprobieren, denn das hat durchaus Vorteile. Man hat alles dabei und kann zu mehreren im Auto fahren. Aus Süddeutschland bietet sich beispielsweise eine Besuch des außergewöhnlich guten Royal Bled in Slowenien an (circa 4 Stunden mit dem Auto von München). Wer in Norddeutschland lebt, könnte einen Abstecher ins schwedische Malmö wagen. Die Plätze dort – darunter Barsebäck, Falsterbo und Vasatorp – sind grandios und durchaus bezahlbar. Abends geht es in Travemünde oder Rostock auf die Autofähre, am nächsten morgen spielt man ausgeruht schon den ersten Kracherplatz.

Klar, auch Autofahrten und Fähren verursachen Emissionen. Aber eben nicht so hohe, wie Flugreisen. Und außerdem schont die Fahrt oftmals die Nerven, denn Fliegen ist schon seit Jahren kein großes Vergnügen mehr und das Warten auf das extra bezahlte Golfgepäck gehört ebenfalls eher zu den anstrengenden Angelegenheiten.

Die Fernreise kann ja durchaus auch weiterhin im Programm bleiben. Aber im besten Fall bleibt man dann etwas länger – also mindestens zwei Wochen vor Ort. Denn seien wir mal ehrlich: Eine Woche Karibik mit einer eineinhalbtägigen Anreise ist am Ende nicht wirklich erholsam.

KLIMA-FACTS

Der CO2-Verbrauch von Flügen in ausgewählte Reiseziele (Quelle: Atmosfair.de).

Pebble Beach Golf Links, Kalifornien
München (MUC) -> Monterey (MRY) und zurück
19.150 km
6.220  kg CO₂
Kompensationsbetrag: 144 Euro

Son Gual, Mallorca
München (MUC) -> Palma de Mallorca (PMI) und zurück
2.530 km
568  kg CO₂
Kompensationsbetrag: 14 Euro

St. Andrews Old Course, Schottland
München (MUC) -> Edinburgh (EDI) und zurück
2.760 km
780  kg CO₂
Kompensationsbetrag: 18 Euro