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148. Open Championship: Liebling Lowry


Shane Lowry gewinnt die 148. Open Championship. Ausgerechnet in Nordirland feiert der Ire seinen bislang größten Erfolg. Ein Sieg mit vielen gefühlten Siegern.

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Der Druck war unbeschreiblich. Der erste Schlag an diesem Finalsonntag der 148. Open Championship flog unter Kopfhöhe in heftiger Kurve links ins Rough. Dieses Rennen um den letzten Major-Titel im Golfjahr 2019, es schien ein spannendes zu werden. Der Ire Shane Lowry in Portrush, Nordirland – und die Golfwelt auf den Fersen. Europas einziges Major zum ersten Mal seit 68 Jahren zurück in Nordirland, ja, Sport – aber in bestimmten Zeiten, herausragenden Momenten ist er eben auch: Politik, Geschichte. Verbinden und Trennen, Frieden und Streit. Lowry, 32 Jahre alt, Sieger der Irish Open als Amateur vor zehn Jahren, vierfacher Toursieger, keiner aus der der ersten Reihe, aber von den Plätzen, wo die Publikumslieblinge sitzen, zeigte: Nervenflattern.

Lowry, zwei Autostunden von der Grenze zu Nordirland aufgewachsen, hatte als Führender nach drei Runden die große Chance die zwei Irlands zusammen zu bringen. „Heute gibt es kein Nordirland und kein Irland. Shane hat uns alle vereinigt. Es gibt keinen Menschen auf dieser Insel, der ihm nicht für den Sieg die Daumen drückt“, sagte Graeme McDowell, nordirischer US-Open-Sieger von 2010. Er selbst war nicht mehr im Rennen. Die noch größere nordirische Hoffnung Rory McIlroy war am Cut gescheitert. McDowell hatte seine erste Runde am Donnerstag mit Tränen der Rührung begonnen. Lowry begann die Finalrunde mit einem Bogey. Die Konkurrenz, vor diesem Tag mindestens vier Schläge entfernt, hoffte.

Sollte es doch so kommen? Die Iren ausgerechnet zuhause: Glücklos? McIlroys 79 am Donnerstag, Darren Clarkes verpasster Cut, nun Lowry? Wie 2016, als er einen Vier-Schlag-Vorsprung am Sonntag der US Open verspielte? Nein, Lowry hielt sich diesmal fest am „Luck of the Irish“ – in den widrigen Bedingungen des Sonntags, die beispielsweise Brooks Koepka zu vier Bogeys auf den ersten vier Löchern trieben und zu seinem schlechtesten Major-Ergebnis 2019: Rang vier.

Lowry aber kämpfte sich zurück mit Birdies. Der Mann mit „den mit besten Händen, die ich je gesehen habe“ (Padraig Harrington), ließ dem nervösen Beginn eine mehr als grundsolide Leistung folgen. Seine 72 Schläge sind angesichts der Umstände sogar fast ebenbürtig mit der historischen 63 vom Vortag. Und so wurde irische Geschichte geschrieben. Sechs Schläge Vorsprung. Der zweite irische Major-Sieger nach eben genanntem Padraig Harrington.

Und (nahezu) alle freuten sich mit ihm. Sogar die direkte Konkurrenz. Der Caddie von Tommy Fleetwood, ärgster Verfolger am Sonntag und am Ende Zweiter, wird zitiert mit den Worten: „Das ist gleichzeitig einer der schlimmsten und einer der besten Tage meines Lebens. Es tut weh wegen Tommy. Aber ich freue mich für Shane. Er ist einer der fünf besten Menschen, die ich je kennengelernt habe.“ Fast alle anderen Kollegen: begeistert.

Lowry ließ nicht nur kurzzeitig die einst so blutige Grenze zwischen Nordirland und Irland verschwinden, er vereinte die Golf-Gemeinde hinter sich. Der Vater einer jungen Tochter feierte seinen größten Triumph bis in die Morgenstunden. Er sagte das WGC in der darauffolgenden Woche ab – ehrlich und unprätentiös wie er eben auch sein kann. Nach dem Open-Triumph ist er die Nummer 17 der Welt. Ein Jahr, nachdem er sich von seinem damaligen Caddie trennte. Eine Zeit, über die er nun sagt: „Golf war damals nicht mein Freund.“ Das hat sich geändert, innerhalb von zwölf Monaten. An diesem 21. Juli 2019 strahlte Lowry. Und die ganze Golfwelt war sein Freund. Oder wäre es zumindest gerne gewesen.