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Match Play: Garcias Blackout, Kisners Sternstunde


Kevin Kisner holte in einem rein amerikanischen Finale den Sieg bei der WGC Dell Matchplay Championship. In den Tagen zuvor ging es im Austin Country Club aber emotional richtig zur Sache.

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Am Ende verlief alles ruhig und entspannt. Kevin Kisner lochte im Finale der WGC-Dell Match Play Championship auf der 16 seinen Putt zum 3&2 Sieg über Landsmann Matt Kuchar, ballte kurz die Faust, schüttelte die Hand seines Gegners und ließ sich von den Fans, die noch da waren, feiern. Alles ganz entspannt, eben Kevin Kisner-like. Der 35-jährige aus South Carolina stammende Amerikaner ist nicht gerade ein Emotionsbündel, eher cool wie Eis, dafür aber ein wahrer Matchplay-Spezialist. Schon im Vorjahr stand „Kiz“ im Finale, ging dann aber mit 7&6 sang- und klanglos gegen Bubba Watson unter. „Ich habe aus dieser Erfahrung viel gelernt“, meinte Kisner, der es dieses Mal um einiges lockerer anging. „Das hat mir mental enorm viel geholfen. Ich war nicht overhyped und habe einfach versucht eine ganz normale, ungezwungene Runde Golf zu spielen.“

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Finalgegner Matt Kuchar hatte bislang ein turbulentes Jahr hinter sich. Sportlich höchst erfolgreich, setzte er mit dem Finaleinzug auch in Austin noch einen drauf. Imagemäßig ging es jedoch bei dem notorisch lächelnden US-Amerikaner seit einiger Zeit steil bergab. Vom „Good Guy“ zum „Bad Boy“ in nur wenigen Wochen. Zunächst war da die „El Tucan“-Affaire, wo er seinem Local Caddie in Mexiko letztes Jahr beim Sieg in Maykoba ein unverhältnismäig geringes Salär bezahlte und erst nach tagelangem medialem Aufschrei – eher widerwillig – zurückruderte. Und auch in Austin stand „Kuch“ im Viertelfinale gegen Sergio Garcia im Mittelpunkt einer handfesten Kontroverse. Der Spanier verpasste auf Loch 7 einen Par-Putt zum Lochgewinn, ärgerte sich dermassen, dass er rückhändig den nur wenigen Zentimeter langen Rückputt ins Loch bugsieren wollte, doch der Ball lippte out und das Loch war für Sergio verloren, denn Kuchar hatte keine Zeit, den Putt zu schenken. Genau hier begannen die Diskussionen. Kuchar ging zum Referee und meinte, er hätte ja den Putt geschenkt, hatte aber nicht die Zeit, dies zu tun. Die Regel besagt, dass ein nachträgliches Schenken nicht erlaubt ist. Die Frage, die sich da natürlich schon stellt: Warum sagt Kuchar nicht einfach, er hat den Putt geschenkt?! Warum macht er hier ein Fass auf, wo er genau weiß, dass er durch diese Aktion völlig unverdient ein Loch gewinnt? Der Grundfehler liegt natürlich auf Garcias Seite und der war sich dessen auch bewusst, bot Kuchar aber an, dieser könne ihm bei schlechtem Gewissen ja das nächste Loch schenken. Er zumindest würde dies an anderer Stelle so tun. Dies wollte der Amerikaner aber dann doch auch nicht, also wurde eifrig weiter diskutiert und am Ende gewann Kuchar die Partie. Ob er damit aber Sympathiepunkte sammeln konnte, sei dahingestellt …

Und dann war da natürlich noch der Run von Mr. Tiger Woods. Der ultimative Superstar des Golfsports trieb die Einschaltquoten hoch, bezwang im Achtelfinale in einem hochgejubelten Duell seinen Widersacher Rory McIlroy, bevor er im Viertelfinale dann überraschend Lucas Bjerregaard am letzten Loch unterlag. Ein Schock für die US-Fans und Medien, die großteils noch nie von dem Dänen gehört haben. Der 27-jährige spielt seit Monaten auf der European Tour famos auf und erfüllte sich einen Kindheitstraum nicht nur gegen Tiger Woods zu spielen, sondern ihn dort sogar zu besiegen. Für die Europäer war die WGC Dell Match Play Championship insgesamt eine sehr erfolgreiche Angelegenheit. Gleich acht Spieler schafften es in die K.O. Runde der letzten 16. Am beeindruckendsten agierte einmal mehr der Italiener Francesco Molinari, der nach dem epochalen Ryder Cup in Paris (5-0-0) nun auch in Austin seine Lochspielqualitäten unter Beweis stellen und alle seine drei Gruppenspiele siegreich gestalten konnte. Erst im Halbfinale musste er sich dem späteren Sieger Kevin Kisner knapp geschlagen geben. Der war übrigens in Frankreich letztes Jahr gar nicht erst dabei – im nachhinein betrachtet sicher kein Nachteil für Team Europe!

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