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The Players: McIlroy und der letzte Flight


In einer der verrücktesten Finalrunden gewinnt Rory McIlroy die Players Championship 2019. Vielleicht auch, weil er nicht im finalen Flight auf den TPC Sawgrass muss.

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Mitte der vergangenen Woche musste Rory McIlroy mit Fragen beantworten, die so gar nicht zum einst auserkorenen Woods-Nachfolger passten. Und ihm sicher selbst auch gar nicht passten. Ob er ein Problem habe in der letzten Gruppe am Finalsonntag eines Turniers? Naja, meinte der Nordire, „gutes Golf sei gutes Golf“, und das spiele er ja nachweislich an den Tagen Donnerstag bis Samstag, sonst hätte er es in 13 Monaten ja auch gar nicht in neun letzte Sonntag-Flights geschafft. Aber ja, sein Spiel an diesen Sonntag sei nicht so gewesen, wie er es sich gewünscht hätte. Beim Arnold Palmer Invitational in der vergangenen Woche ließ er zum neunten Mal die gute Chance auf den Sieg liegen. Kein Titel für McIlroy, wieder einmal. Doch McIlroy, 29, versuchte, locker zu bleiben.

Dann kam der Sonntagfrüh und McIlroy war schon wieder fast da, wo normalerweise die Pole Position auf Titel vermutet wird. Beziehungsweise, er hätte da sein können, doch statt ihm spielten die gleich aufliegenden Jon Rahm und Tommy Fleetwood im Spitzenflight. Warum? „Weil ich besser aussehe“, so Fleetwood. Oder: Damit sich McIlroy entspannt? In jedem Fall wirkte es. Nach fünf Top-6-Ergebnissen in Folge trat das ein, was alle erwartet hatten irgendwann: McIlroy schöpfte sein Potenzial, das vielleicht größte der Tour seit Tiger Woods, voll aus und entschied eine historische Players Championship auf dem TPC Sawgrass für sich. Sports Illustrated schrieb von einer der „verrücktesten Finalrunden“ im inoffiziell fünften Major des Jahres, das in diesem Jahr wieder in den März gewandert war – und sich dort trotz nicht immer angenehmer Bedingungen in Florida sichtlich wohl fühlte.

Und auch McIlroy freundete sich nach einem Doppel-Bogey an der 4 mit diesem Sonntag an. „Ich hatte keine Zweifel“, sagte er am Abend. Da lag der vielleicht entscheidende Schlag der Runde schon ein paar Stunden zurück. An der 15, Jim Furyk, der neue Spitzenreiter, und viele andere hatten ihre Siegchance gewahrt, lag McIlroy nach seinem Abschlag mal wieder nicht perfekt. Doch aus dem Sand rettete er diesmal die Bahn und lochte zum Birdie. Er war zurück an der Spitze.

Sein mit Abstand bester Schlag des Tages, so seine Eigenbewertung, schaffte ihm den Raum für ein Finale, dass er locker und ruhig ins Ziel brachte. Sieg bei der Players Championship, der erste nach mehr als einem Jahr – und vielleicht der Anfang einer neuen Karriere. Einer, die den Blick nach draußen nicht vernachlässigt. Er denke, so McIlroy nach seinem 24. Profisieg, dass er erwachsener sei. „Nicht den Golfsport mich als Person definieren lassen.“ Das seien zwei verschiedene Dinge. Lange war es anders und so erfolgreich. Jetzt die reife Trennung – der Erfolg, der etwas Zeit benötigte, um mitzukommen, hat nun wohl aufgeschlossen.

Es gibt nur sechs Spieler, die vier majors und die Players gewinnen konnten. Die Namen: Nicklaus, Woods, Trevino, Mickelson, Floyd – und jetzt: McIlroy. Eine illustre Runde. Sports Illustrated schreibt heute: „McIlroy ist zurück. Dort, wo er hin gehört.“