Kuchar und sein Caddie: Yes, we Tucan!


Matt Kuchar gewinnt die Mayakoba Classic auf der US PGA Tour etwas überraschend nach langer Durststrecke. Und das sogar mit lokalem Caddie. Was folgt, ist weniger erfreulich - findet aber ein gutes Ende.

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Vielleicht, so könnte man Matt Kuchar zugute halten, war das alles sehr viel auf einmal für ihn. Vier Jahre hatte er kein Turnier gewonnen, dann plötzlich, in der Nebensaison auf der US PGA Tour, weit weg von den Majors, klappte es dann wieder: Sieg bei der Mayakoba Classic in Mexiko, Profititel Nummer 15 für den 40-Jährigen. Und das alles mit einem Caddie der dortigen Turnieranlage, dem El Chamäleon Golf Club in Playa del Carmen, weil sein etatmäßiger Assistent nicht verfügbar war. Und hier fangen die Probleme an.

Caddie David Ortiz, Freunden unter „El Tucan“ bekannt, trägt normalerweise für 200 US-Dollar am Tag die Taschen der Gäste. Mit Kuchar hatte er nun vor dem Turnier ausgemacht, dass bei einer Top-Ten-Platzierung 4000 US-Dollar rausspringen würden. Kuchar, ganz in Jubellaune, dachte sich also nach dem Titelgewinn: Gebe ich El Tucan 5000 US-Dollar inklusive Bonus, das ist doch eine nette Geste.

Kuchar im Caddie-Strudel

Dachte sich Ortiz anders – auch weil er wohl die üblichen Summen im Hinterkopf hatte, die Caddies auf der Tour verdienen. Rund zehn Prozent der Titelsumme erreichen Proficaddies in der Regel. In diesem Fall also: knapp 130.000 US-Dollar. Und auch in der Golfgemeinde rumorte es. Matt Kuchar, eigentlich der Allüren und Arroganzien nicht bekannt, sah sich in die Defensive gedrängt. Und reagierte patzig: „Ich denke, jemand hat ihm da was zugeflüstert. Wir hatten eine Abmachung. Ich weiß nicht, was passiert ist.“

Statt Ruhe folgte nun Entrüstung. Die Kritik wurde sehr laut. Also musste Kuchar nachschieben, nachdem auch Ortiz ein Kompromissangebot über 15.000 US-Dollar zusätzlich ablehnte. Ein Affrontangebot in den Augen vieler. Also folgte: Kuchars große Entschuldigung:

„In dieser Woche habe ich Dinge gesagt, die taktlos und gefühllos waren und eine schlechte Situation noch schlimmer gemacht haben“, heißt es in Kuchars Stellungnahme. „Das ist nicht, wer ich bin und was ich darstellen möchte.“ Er sei enttäuscht von seiner Handlung und insbesondere davon, dass er seine Familie, seine Partner und auch den Caddie im Stich gelassen habe. „Ich plane David heute Abend anzurufen, was längst überfällig ist, und mich zu entschuldigen. Und ich habe sichergestellt, dass er die volle Summe bekommt, die er verlangt hat.“

Die Versöhnung – auch dank artig gezahltem Lohn – war erfolgreich. Und auch die Kollegen, die sich kurz die Augen über ihren netten „Koooch“ gewundert hatten, beruhigten sich. Also alles gut? Nun ja, im Spannungsfeld US-amerikanisch-mexikanischen Beziehungen, angereichert mit der immer latent schwelenden Caddie-Spieler-Diskussion war das Tucan-Kuchar-Intermezzo ein Paradebeispiel unsensiblen Managements. Wenn es etwas Gutes hatte, dann eventuell die Sensibilisierung in manchen Teilen des Tourtrosses. Für Kuchar bleibt eine kleine Beule. Für Ortiz der größte Scheck seiner Caddie-Karriere. Und vielleicht bekommt er ja eine neue Chance bei den Profis. Die Vertragsverhandlungen wird er dann professioneller gestalten.