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Tiger vs. Phil: Die Leere danach


Neun Millionen US-Dollar, millionenschwere Nebenwetten, Las Vegas, Tiger Woods, Phil Mickelson - "The Match" sollte ein neues Kapitel im Golf aufschlagen. Mehr ehrliche Bekenntnis zur Show, zur Unterhaltung. Doch die ist nicht künstlich herzustellen.

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Klar, da sind die Namen. Legenden, das ist ein Wort, das man im Vorfeld dieses Duells zwischen Tiger Woods und Phil Mickelson oft hörte, vielleicht zu oft. Eine Rivalität, die zur Freundschaft wurde. Und jetzt zum Duell um neun Millionen US-Dollar. Technische Revolutionen waren angekündigt worden (es wurde ein Wettexperte zugeschalten), die Spielermikrofone sollten kultige Gespräche der Maestros einfangen (meistens war es heftiger Atem oder ein Schnäuzen) – die versprochene Unterhaltungsexplosion wurde schnell zum wohlig wärmenden Feuer eines sportlichen Wettbewerbs zweier, die sich darauf verstehen. Mehr aber auch nicht. Also mussten die beiden liefern.

Zu wenig Sport, zu wenig „alte Zeiten“

Doch genau da gab es ein Problem. Zwar war mitunter gutes Golf zu sehen. Aber lange nicht genug. Das Feuerwerk der Birdies und Eagles, der gnadenlose Kampf der (vormaligen) Giganten – alles blieb aus. Mickelson, der sich laut Ehefrau Amy gewissenhaft vorbereitet hatte, fand schneller zu seinem Spiel, Woods konterte kurz nach der Halbzeit. Und an der 17 lochte der ehemals vernichtende Crunchtimer Woods einen Chip zum Lochgewinn. „Wie in alten Zeiten, Buddy“, ließ er seinen Caddie Joe LaCava wissen. Doch auch all das verpuffte sehr schnell, weil Woods es an der 18 nicht zum Matchgewinn reichte. Es ging ins Playoff und dort erhellt von Lichtern auf ein künstlich erschaffenes Par 3 auf dem abschließenden Par 5. 93 Yards lang, es wurde ein Wedge-Duell, irgendwie unbefriedigend und den Protagonisten nicht angemessen. Mickelson lochte irgendwann zum Birdie. Allein, auch das sportliche Drama hatte sich da schon in die Wüste Nevadas verabschiedet.

Gewinner auf der Couch

So bleibt ein Wettbewerb, dessen monetäre Kraft beispielsweise gerade in Zeiten schicksalshafter Existenzverluste im Nachbarstaat Kalifornien aufgrund der Waldbrände irgendwie schief wirkt. Gespräche der Golfer über hohe Dollarbeträge, Witze über 200.000 US-Dollar – all das hat in aller Öffentlichkeit für manchen einen appetitzügelnden Charakter. Die Technik lieferte nicht wirklich, auch die Bilder der Drohne blieben blass, und den Sport allein gibt es auch anderswo. Und das nicht zwangsläufig für 15 bis 20 US-Dollar oder Euro im Pay-TV. Wobei: In den USA sorgte ein technischer Fehler dafür, dass viele Interessierte das Duell kostenlos sehen konnten. Wenigstens hier: Gewinner. Wenn auch im Niedrigpreissektor.

Und ja, auch Mickelson ist ein Sieger. Und das wird er Woods künftig auch immer wieder aufs Brot schmieren: