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Yoga und Golf: Auf den Hund gekommen


Die Vorurteile sind längst dahin. Yoga ist Trend – und zwar so richtig. Das lässt sich schon an den zahlreichen Formen der mehr als 5.000 Jahre alten Lehre sehen: Ob New York, Paris, London oder Berlin – Yoga-Studios findet man an jeder Ecke. Doch wie sieht es bei der Akzeptanz der Golfer aus?

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Hatha, Vinyasa, Kundalini, Ashtanga, Iyengar, Jivamukti und Bikram heißen die aktuell verbreitetsten Ausprägungen. Letzteres ist auch als Hot Yoga bekannt und wird in einem Raum bei einer Temperatur von rund 40 Grad durchgeführt. Die Ausprägungen gehen aber auch in erfrischendere Nischen: Es wird auch Yoga auf dem SUP (Stand-Up-Paddle-Board auf dem Wasser) oder als Wellness-Erfahrung auf der Alm-Hütte angeboten. Und natürlich hat nahezu jedes halbwegs moderne Fitness-Studio ein Yoga-Work-Out. Laut dem BDY (Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland) machen übrigens mehr als 3 Millionen Deutsche regelmäßig Yoga.

Unter Top-Sportlern ist Yoga seit einigen Jahren ebenfalls Trend. Basketball-Superstar LeBron ist beispielsweise ein großer Fan: „Beim Yoga geht es nicht so sehr um den Körper, es geht um den Geist.“ Auch NBA-Veteran Dirk Nowitzki (40) macht täglich einige Yoga-Übungen und dehnt seinen langen Körper in Yoga-Manier. Durchaus ein Grund, warum der 2,13-Meter-Schütze immer noch in der besten Basketball-Liga der Welt aufläuft. Weitere Kandidaten? Wie wäre es mit den (Ex)-Fußballern Ryan Giggs oder Philipp Lahm. Überhaupt der Fußball. Der in München ansässige Yoga-Lehrer Patrick Broome, der in der bayerischen Hauptstadt drei sehr erfolgreiche Studios betreibt, ist seit 2005 Yoga-Lehrer der deutschen Nationalmannschaft. Er war auch dabei, als das Team 2014 seinen vierten Weltmeistertitel holte.

Worum geht es beim Yoga eigentlich?

Yoga besteht aus mehreren Bestandteilen. Aus Asanas (körperliche Übungen und Dehnungspositionen) und Pranayama (Atemübungen). Das Ein- und Ausatmen – überwiegend nur durch die Nase – wird dabei im Einklang mit den Bewegungen durchgeführt. Außerdem gehört zum Yoga noch Shavasana, die Tiefenentspannung am Ende der Stunde. Für erfahrene Yogis kommt dann noch Meditation dazu.

Bei den Asanas geht es vor allem um Stabilität, Balance und Beweglichkeit. Aber auch Kraft und Konzentration sind gefragt. Letzteres wird ganz besonders bei den Formen der Meditation und Atemtechnik benötigt. Hier ist auch wieder die Verbindung zum Profisport zu finden. In nahezu allen Sportarten gibt es Momente, in denen der Körper nicht intuitiv die nötige Handlung ausführt (z.B. Beim Elfmeter oder Freiwurf), sondern etwas Zeit bleibt, sich zu konzentrieren. Hier helfen rasche Entspannungstechniken, um die Konzentration hoch zu halten.

Selbst unter Profi-Golfern gibt es Beispiele für Techniken, die auch in der Yoga-Praxis Anwendung finden. Der Spanier Jon Rahm setzt beispielsweise direkt vor dem ersten Turnier-Abschlag auf eine spezielle Atemübung mit geschlossenen Augen, um sich vor dem Drive zu fokussieren. Ryder-Cup-Kollege Tommy Fleetwood ist seit einigen Jahren ein großer Fan der Meditation. „Seitdem bin ich deutlich fokussierter und viel ruhiger bei allem. Es geht darum, im Jetzt zu bleiben. Jeder träumt von der Zukunft oder denkt an Vergangenes. Ich bleibe fokussiert im Jetzt. Dadurch habe ich mir das Selbstvertrauen antrainiert und weiß, dass ich große Turniere gewinnen kann, wenn mein Spiel gut ist. Das ist ein riesiger Unterschied.“

Yoga – nur für Frauen?

Yoga ist aber immer noch deutlich populärer bei Frauen als bei Männern. LPGA-Spielerin Natalie Gulbis hat mit der US-Zeitschrift Golf Digest schon vor einigen Jahren einige Yoga-Posen aufgenommen, die für Golfer empfehlenswert sind. Die Yoga-Lehrerin Katherine Roberts hat sich sogar den Begriff „Yoga For Golfers“ schützen lassen. Sie unterrichtet Yoga mit dem Fokus auf Golf und ist regelmäßig im amerikanischen Golf Channel zu sehen und beim PGA Tour Radio zu Gast. Man merkt: Yoga liegt im Trend. Auch wenn man im US-Markt natürlich schnell kritisieren kann, dass alles ausprobiert wird, was einen kommerziellen Sog entwickeln könnte.

Andererseits muss man auch sagen, dass Yoga speziell für Golfer durchaus Sinn macht. Denn die Schlagbewegung beim Golf ist sehr einseitig und führt zu schnell zu Disbalancen. Außerdem geht das Golfspielen oft auf Rücken und Knie. Hier kann Yoga in seinen zahlreichen Ausprägungen helfen, den Körper fit und flexibel zu halten. Toll ist, dass es Yoga in nahezu allen Leistungsniveaus gibt – eigentlich vergleichbar zum Golf. Sogar in fortgeschrittenen Advanced-Klassen sind oft ältere Teilnehmer, die zu anspruchsvolle Übungen einfach variieren. Ähnlich sieht es bei den Männern aus, die in den seltensten Fällen im Spagat dehnen. Jeder hat Stärken und Schwächen, hat aber dadurch auch immer eine Herausforderung. Ähnlich wie beim Golf gilt: „Ich kann es“ wird es nicht geben.

Foto: Susanne Schramke

Patricia Heinlein arbeitet als Pressesprecherin für den Bayerischen Golfverband. Die ehemalige Nationalspielerin ist seit 18 Jahren in der 1. und 2. Bundesliga aktiv und spielt aktuell HCP 2. Seit Ende 2017 unterrichtet die 34-jährige nebenberuflich Yoga und athleticflow in München. Die Mitglieder des GC München Eichenried sowie die AK 50 Herren Mannschaft wurden in 2018 erstmals mit golfspezifischen Yoga-Übungen fit für die Golfrunde gemacht. Kontakt: info@themunichyogi.de

Parsva Bakasana für mehr Mobilität in den Schultern

Aus dem 4-Füßler-Stand atmen Sie ein, heben den rechten Arm und drehen aus dem Brustkorb den Oberkörper nach rechts auf, der Blick folgt der Hand. Die gestreckte Hand zieht Richtung Decke, so dass Raum im Schultergelenk entsteht. Atmen Sie aus und bringen sie den Rechten Arm unter der linken Schulter auf den Boden, legen Sie die rechte Schulter und die rechte Wange am Boden ab und halten Sie diese Position für 3 bis 5 Atemzüge. Für eine intensivere Dehnung stellen Sie das rechte Bein auf, legen die linke Hand am unteren Rücken ab und können sich so noch weiter aufdrehen. 5 Wiederholungen, dann die Seite wechseln.

Malasana (Hocke) für ein mobiles Becken

Stellen Sie die Füße ungefähr mattenbreit, die Zehen sind leicht nach außen gedreht. Atmen Sie ein und bringen die Hände in die Gebetshaltung vor die Brust. Mit der Ausatmung beugen Sie die Beine und setzen sich in eine tiefe Hocke, lassen Sie den Oberkörper aufrecht. Ziehen Sie die inneren Knöchel aktiv nach oben. Pressen Sie die Handflächen vor der Brust zusammen und schieben Sie gleichzeitig die Ellenbogen nach außen an die Innenseite der Knie. So können Sie die Wirbelsäule gut aufrichten. Entspannen Sie Schultern und Nacken und bleiben Sie 5 bis 7 Atemzüge in dieser Position.

Tipp: Wenn es Ihnen nicht möglich ist die Fersen am Boden zu lassen, legen Sie sich ein eingerolltes Handtuch oder ein Buch unter die Fersen.

Kapotasana (Taube)

Schon ziemlich intensiv, aber genial. Auf die Matte setzen, ähnlich wie im Schneidersitz. Start mit dem linken Fuß vorne. Die linke Fußsohle zeigt nach rechts unten, das linke Knie nach links außen. Wie spitz der Winkel ist, werden Sie selbst merken. Es sollte nicht schmerzhaft sein. Dann das rechte Bein nach hinten gerade strecken. Zehen sind geflext, liegen also entspannt auf der Matte. Einmal den Oberkörper strecken und dann langsam mit der Ausatmung auf dem angewinkelten Knie nach vorne ablegen. Die Arme strecken. Ein paar Minuten halten. Dann analog die andere Seite.

Speziell für Männer: zu Beginn kann das kaum einer, da die Longhitter fast immer sehr hüftsteif sind. Aber es wird besser, wenn man es regelmäßig versucht. Durch den Stretch wird ein großer Muskel, der bis in den unteren Rücken geht, gedehnt.