Bernhard Langer und kein Ende


Bernhard Langer spielt seit mehr als 40 Jahren Weltklasse-Golf. In dieser Woche glänzte er erneut auf der Champions Tour und viele fragen sich: Bricht er alle Rekorde? Und: Wie macht er das?

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Wenn die Kommentatoren Witze über dein Alter machen dürfen, ohne dass sich Empörung breit macht, dann hast du eine Position erreicht, die unantastbar ist. Das Alter als bloße Zahl zur Unterstreichung deiner Rekorde. SportsIllustrated dichtete in dieser Woche: „Bernhard Langer ist einer der herausragenden Golfer der Geschichte. Schauen Sie sich ihn an, er wird vielleicht nur noch eine Weile [auf Golfplätzen] zu sehen sein. So ein Jahrzehnt oder so.“

Der zweifache Masters-Sieger und 1986 Premierensitzer auf dem Golfthron bei Einführung der Weltrangliste spielt auch mit 61 ein Golf, das viele Profis nicht mit 31 auf den Kurs bringen. Am vergangenen Wochenende gewann er die PGA Tour Champions‘ SAS Championship – nachdem er am Freitag auf neun seiner zehn letzten Löcher Birdie gespielt hatte – am Ende mit sechs Schlägen Vorsprung. Auch er selbst nannte den Sieg: „besonders“.

Rekorde, Rekorde, Rekorde

Manche hatten vor dem Turnier schon an eine angehende Abschiedstour Langers gedacht, doch der Mann aus Anhausen beendete mit seinem zweiten Saisonsieg alles Gemurmel. Dazu war er 2018 fünf Mal Zweiter, die Geldrangliste der Tour führt er schon wieder an. Seit 2008 spielt Langer auf der Champions Tour. Außer einmal, 2011, als er verletzt eine Weile aussetzen musste, gewann er diese Wertung jedes (!) Jahr. Seine 38 Siege auf der Senioren-Tour der PGA Tour sind herausragend. Nur Hale Irwin mit 45 liegt noch vor ihm. Seit Einführung der Champions Tour 1980 gab es dort vier Major-Sieger über 58. Drei gewannen in diesem Alter je einmal – einer fünf Mal: Langer.

Auch wenn diesbezüglich der Vergleich schwierig ist, ist es wohl nicht falsch zu behaupten: In der Geschichte des Golfsports, mit Blick auf Saisonwertungen und Majors, war sowohl bei Männern als auch bei Frauen, nie ein Sportler über Jahre so dominant wie Langer. Er selbst sagt: „Es ist schon fein, Dinge zu tun, die noch niemand geschafft hat.“ Langer dürfte sich an das Gefühl gewöhnt haben.

Die Frage, die sich alle seit Jahren stellen, lautet:

Was macht Langer so stark?

Als Langer Mitte der Siebziger Jahre auf der Tour aufschlug, war Tiger Woods noch nicht geboren. Gut 40 Jahre und 112 Turniersiege später ist Langer immer noch Weltspitze, das darf man wohl sagen. Natürlich hat die Champions Tour bei weitem nicht das Niveau der tonangebenden US PGA Tour. Doch der Blick auf die hoch dekorierten Spieler, die aus Altersgründen alljährlich von der einen auf die andere Tour wechseln und dann von Langer demoralisiert werden, lässt erahnen, dass da einer auch mit 61 noch so schwingt, dass er bei Ausflügen zu den Besten der Welt trotz fehlender Schlaglängen gut mithalten könnte.

Anhaltspunkte bietet alljährlich das Masters, das erste Major des Jahres, das Langer in den Jahren 1985 und 1993 gewonnen hatte. In Augusta war er zuletzt zweimal ganz vorne dabei. 2014 wurde er Achter. 2016 distanzierte er im direkten Vergleich Jason Day. Die damalige Nummer eins der Welt war „ziemlich beeindruckt“, dass da einer „nach 40 Jahren immer noch dieselbe Motivation hat“. Die Open Championship in diesem Juli beendete er in den Top 25.

Der Schlüssel liegt im Wesen Langers. Als er mit seinem Sohn Stefan einmal ein Vater-Sohn-Turnier gewann und der sich von dem Preisgeld ein teures Auto kaufen wollte, gab es ein Veto: „Das wäre viel zu einfach gewesen. Luxusartikel muss man sich erarbeiten“, sagte Langer.

Seine Arbeit nimmt Langer auch nach mehr als 40 Jahren sehr ernst. Als Woods, der später den Golfsport mit seinem Fokus auf Fitness revolutionieren sollte, noch zur Grundschule ging, legte sich Langer schon eine Matte ins Hotelzimmer und machte regelmäßig seine Übungen. Er achtete auf seine Ernährung und schaffte es, Körper und Schwung in nachhaltiger Weise zu entwickeln. Gewissermaßen legte er damals das Fundament für den heutigen Erfolg. Noch heute trainiert er täglich. Weil er aber „technisch nie besser“ war, gehört der Golfschwung immer weniger dazu. Langer ist ein Fitnessfreak der mit fast 60 sagt: „Ich spiele das beste Golf meiner Karriere.“ Aber auch: „Ich spüre meinen Körper nun schon häufiger.“

Das sagen jedoch wohl alle Golfer jenseits der 35. Langer ist nur diesbezüglich vielleicht ein ganz normaler Top-Athlet.