Bild: HIO Fitting

Loft & Lie: Wie viel Grad dürfen es sein?


Loft und Lie sagen den meisten Golfern durchaus etwas. Aber richtig intensiv haben sich wohl die wenigsten damit auseinandergesetzt. Dabei gibt es durchaus einige Fehlerquellen, die das Spiel mit den Eisen deutlich beeinflussen können.

Von:

Jeder Schläger im Bag erfüllt im Idealfall einen bestimmten Zweck. Dabei unterscheiden sich in der Regel Flughöhe, Schlagweite und Backspin. Zum einen hängen diesen Faktoren natürlich von den technischen Fertigkeiten des Spielers ab, zum anderen haben der Loft- und Lie-Winkel einen signifikanten Einfluss darauf. Aber was bedeuten diese Begriffe überhaupt?

Der Loft-Winkel definiert die Neigung der Schlagfläche in Grad. Ist die Schlagfläche plan wie bei einem Eisen, so kann der Schläger in eine Biegemaschine eingespannt und der Loft-Winkel digital oder manuell abgelesen werden. Leider gibt es keine Norm für die einzelnen Eisen. So kann ein Eisen 7 zwi- schen 26° und 36° liegen. Wenn man bedenkt, dass ein Eisen sich vom nächsten in der Re- gel um rund 4° unterscheidet (z.b. Eisen 7 = 31° dann Eisen 6 = 27°), ist eine Abweichung von 10° beim gleichen Eisen extrem viel. Früher hatte ein Eisen 7 im Schnitt deutlich mehr Loft. Doch warum? Der Golfsport war insgesamt weniger dynamisch und es gab folglich weniger Spieler, die den Ball zu hoch geschlagen haben.

Ist es nun sinnvoll, dass ein Großteil der Schlägerindustrie immer tiefere Lofts anvisiert? Nicht unbedingt. Die wenigsten Golfer sind mit der Thematik Loft vertraut und kümmern sich beim Neukauf dementsprechend nicht um den Winkel. Hersteller nutzen dieses Unwissen teilweise aus, um technische Fortschritte besser untermalen zu können. Schlägt man auf einem Demo-Tag ein modernes Eisen 7 mit einem Loft von 30°, so wird der Ball mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter fliegen als mit einem 15 Jahre alten Modell.

Warum ist das so? Mit Sicherheit ist die Technologie bei Eisen generell in den vergangenen Jahren besser geworden, aber es hat sich in den meisten Fällen auch der Loft-Winkel dramatisch verändert. Ein Vergleich macht also nur Sinn, wenn man die Winkel der Schläger kennt.

Viel wichtiger ist jedoch, dass der Schläger zum Körper sowie zum individuellen Schwung und Ballflug passt. Da diese drei Parameter extrem voneinander abweichen können, kann auch der optimale Loft unterschiedlich ausfallen.

Wie finde ich den richtigen Loft?

In einem Fitting können mit Hilfe eines Launch-Monitors Schlagweite, Backspin-Rate, Abflugwinkel und Flughöhe bestimmt werden (zum Artikel: Launch-Monitore im Vergleich). Über diese Parameter kann ein professioneller Fitter sofort sagen, ob der Loft-Winkel sinnvoll gewählt ist. Natürlich können fleißige Golfer auch durch Training Abhilfe schaffen. Allerdings sind viel Zeit und ein gut ausgestatteter Trainer notwendig.

Im Idealfall sollte ein Spieler die Winkel seiner Eisen jährlich überprüfen lassen und mit seinem aktuellem Schwung abgleichen. Nur so kann gewährleistet werden, dass es nicht „am Schläger“ liegt. Dabei spielt das Niveau des Spielers eine untergeordnete Rolle – auch bei einem Mittelklasse-Golfer ist die Tendenz erkennbar.

Haupteinfluss Loft:

  • Schlagweite
  • Flughöhe
  • Startwinkel des Balls
  • Backspin
  • Fehlertoleranz

 

Der Lie-Winkel ist vereinfacht gesagt die Neigung zwischen Schaft und Schlägerkopf in Grad. Ein Schläger kann also steiler (upright) oder flacher (flat) gebogen sein. Grundsätzlich benötigen große Menschen öfter einen steileren Lie-Winkel und kleinere eher einen flacheren Lie. Aber auch hier gibt es immer wieder Spieler, die aus der Reihe tanzen. Zudem wird der Lie-Winkel von der Schaftlänge beeinflusst. Ein längerer Schläger (z.b. +1 Inch) spielt sich automatisch rund 1 Grad aufrechter (und umgekehrt bei einem kürzeren Schläger).

Viele glauben, dass der Schläger in der Ansprechposition plan auf dem Boden aufliegen muss. Das muss er nicht. Im Treffmoment ist ein planes Aufliegen jedoch von Vorteil, denn die Schlagfläche wird so nicht durch Bodenkontakt verdreht. Richtung und Schlagweite werden also nicht beeinflusst.

Beim Lie findet man eine wesentlich kleinere Range an Winkeln. In aller Regel hat ein Eisen 7 einen Winkel von rund 62°. Ein Eisen unterscheidet sich vom nächsten um etwa 0,5°. Häufigster Fehler des Amateurgolfers ist ein Kippen auf die Zehenspitzen beziehungsweise ein Schieben der Hüfte in Richtung Ball. Die Folge kann ein zu steiler Schlägerkopf im Treffmoment sein. Dadurch kann die Schläger- spitze im Boden verkeilen und sich die Schlagfläche aufdrehen. Der Ball würde bei sonst neutralem Schwung nach rechts kurven.

Wie finde ich den richtigen Lie-Winkel?

Spezielle Launch-Monitore wie der „GC-Quad“ von Foresight können durch Sensoren am Schlägerkopf nach jedem Schlag den Lie-Winkel bestimmen und somit Aufschluss geben. Steht solch ein Messsystem nicht zur Verfügung, so kann die Sohle des Eisenkopfes mit einem speziellen Tape abgeklebt werden. Im Anschluss schlägt man von einem Kunststoff-Board. Nach wenigen Schlägen erkennt man eine Tendenz über das „Auf- setzen“ des Schlägers. Man sollte immer bedenken, dass ein Biegen des Lie-Winkels die Richtung beeinflussen kann. Biegt man einen Schläger aufrechter, so starten die Bälle im Verhältnis weiter links, biegt man ihn flach so starten sie weiter rechts.

Haupteinfluss Lie:

  • korrektes Aufsetzen des Schlägers im Impact (fett/dünn)
  • Startwinkel horizontal
  • Seitlicher Drall des Balles

 

Kann ich die Winkel meiner vorhandenen Eisen prüfen und gegebenenfalls biegen lassen?

Grundsätzlich ja. In einem kurzen Fitting werden die aktuellen Winkel überprüft und der Ballflug analysiert. Bei einem geschmiedeten Eisen/Wedge kann der Loft/Lie je nach Stahlqualität um 2° bis 4° justiert werden. Bei einem gegossenen Schläger ist eine Änderung teilweise nur in geringem Umfang möglich. Ein weich geschmiedeter Eisenkopf kann sich also oftmals in der Anschaffung lohnen.


Info: HIO Fitting

HIO Fitting bei München ist das größte Fitting-Studio in Deutschland und bietet Schlägeranpassungen für Anfänger bis zum Profi. Hier können Sie ein Fitting buchen.

Adresse: Bertha-Kipfmüller-Straße 27, 81249 München
Tel. 089 96030575
www.hio-fitting.de