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Tee Time in Tabarka


Seit der Neueröffnung des Tabarka Golf Course im Jahre 2017 gilt dieser ungewöhnliche Platz im grünen Norden Tunesiens als Geheimtipp für all jene, die auch über die Wintermonate ihr Handicap verbessern möchten.

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Das Ziel unserer Reise liegt etwas abseits ausgetretener touristischer Pfade, zwischen Atlasgebirge und Mittelmeer im grünen Norden Tunesiens. Von Tunis aus nehmen wir die 175 Kilometer lange Autofahrt auf bestens ausgebauten Straßen gerne in Kauf, denn kaum eröffnet sich vor uns das Panorama dieser grünen Oase, ist ganz klar, dass wir hier richtig entspannen – und Golf spielen – werden können.

Direkt an den Löchern 3 und 4 des Golf Club Tabarka wartet das neue Luxus-Ressort „La Cigale Tabarka“ mit Thalasso & Spa, eines der besten Hotels Tunesiens, auf Golfreisende, die das Besondere suchen. „Hot Chocolate“ aus feinster Bitterschokolade wird hier zum Empfang serviert, bevor bereits E-Carts für den Abschlag unter Pinien bereitstehen. Der gesamte Platz präsentiert sich – absichtlich! – im Gewand einer üppigen Naturlandschaft mit überraschenden Ausblicken und spektakulärem Design, das übrigens der Feder des amerikanischen Golfplatz-Designers Ronald Fream entstammt. In der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft, und das hilft enorm, um sich auch am schwierigen Loch 14 zu konzentrieren. Das einzige natürliche Hindernis ist der malerische Ausblick auf die Genueser Festung und das türkis-blaue Mittelmeer. Der Weg in Richtung Grün auf diesem bergauf und bergab zu spielenden Fairway ist ein Genuss, obwohl das Grün von einem riesigen Bunker gesäumt ist. Trotzdem Palmen ihre sanften Schatten auf das Fairway werfen, spielt sich Tabarka wie ein echter Links Course: die typischen Bunker und schnellen große Greens sind eine echte Herausforderung. Der Platz ist eher kurz, das leicht bergige Gelände verlangt von jedwedem Handicap taktische Raffinesse.

Dass sich bereits nach der 1. Runde jede Spielbahn aus dem Gedächtnis abrufen lässt beweist, dass hier jedes Loch unterschiedlich angelegt ist. Wir nehmen uns vor, die zweite Runde strategischer anzugehen. Majid erweist sich dabei nicht nur als sympathischer, orts- und platzkundiger Tunesier, sondern auch als sehr gut und gerne deutschsprechender Professional. Er ermutigt uns, auch einmal blind diagonal über eine Bunkeransammlung zu schlagen, ohne Einsicht auf das Grün. Selbst auf breiten, welligen Fairways lässt das abweichende Relief die Bälle im dichten Nadelwaldunterholz oder gar am Sandstrand verschwinden. Besonders schön: Loch Nummer 4, das direkt am Meer liegt und von der natürlichen Lage der Dünen und Felsen profitiert. Die mitunter starke Meeresbrise erschwert das Spiel, der einzige Orientierungspunkt ist ein vertrockneter Olivenbaum vor tiefblauem Himmel.

Seit der Neueröffnung des Tabarka Golf Course im Jahre 2017 gilt dieser ungewöhnliche Platz als Geheimtipp für all jene, die auch über die Wintermonate ihr Handicap verbessern möchten. Aktuell besteht der Club übrigens aus nicht weniger (bzw. mehr) als zwei offiziellen Mitgliedern; dies, obwohl hier schon die European Open (1995) und die Tunisian Open Challenge stattgefunden haben.

Nicht nur Golfer verirren sich nach Tabarka
Im Sommer wird es regelmäßig einen Monat lang ganz schön laut: Seit den 1970er-Jahren ist das 15.000 Einwohner zählende Tabarka an der Mittelmeerküste für sein legendäres Jazzfestival bekannt. Internationale Jazzgrößen wie Lucky Peterson, Al Jarreau oder Dizzie Gillespie heizen regelmäßig die alten Steine des römischen Amphitheaters auf. Auf römischen Fundamenten steht auch die Basilika aus dem 19.Jahrhundert, erfahren wir von Majid. Vielleicht verlängern wir unser Golf-Wochenende in Tunesien oder planen für nächstes Mal eine Kombination aus „Golf & Kultur“, um mehr von Tabarka und der geschichtsträchtigen Umgebung zu entdecken.

Im Clubhaus erwartet uns nun aber das erste tunesische Bier, das wir uns in der Kamin-Bar schmecken lassen, bevor uns der Küchenchef verwöhnt. An frischen Fischen und Bio-Gemüse mangelt es hier nicht, sogar Wildschweinragout steht in der Karte. Ob wir morgen für die nächste Golfrunde fit sein werden? Oder doch lieber aus dem Thalasso-Menü mit orientalischen Massagen und Meereswasserbehandlungen wählen, entscheiden wir dann am besten am Frühstücksbuffet …

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