Brooks Koepka, Major-Experte


Der Sieger der 100. PGA Championship ist der der letzten beiden US Open: Brooks Koepka, der neue Prof. Dr. für Golf unter Druck, ausgewiesener Major-Experte. Im Rückblick der Woche außerdem: Tiger Woods, der Ryder Cup und die Freundin des Major-Experten.

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Wenn einer denkt, er müsse zwischen Major Nummer 15 und Tiger Woods stehen, braucht er eine große Portion „Balls“, wie der Amerikaner sagen würde. Und vielleicht ist Brooks Kopeka tatsächlich der Golfer da draußen mit dem breitesten Kreuz (Fakt) und den stählernsten Nerven. Die Golfwelt verneigt sich vor dem US-Open-Champion der Jahre 2017 und 2018 und zieht die Baseball-Cap vor dem Sieger der PGA Championship 2018, der sagt: „Alle außer mir und meinem Team da draußen waren für Tiger. Und das sollte auch so sein.“

Bodybuilder der Woche

Brooks Koepka also. Wieder einmal muss man sagen. Das erste Mal seit 2015, als Jordan Spieth seine Major-Titel zwei und drei feierte, gibt es wieder nur drei Major-Sieger in einem Jahr. Spieth ist heute einer der meistbeachteten Spieler der Szene, der neben Vorjahressieger Justin Thomas vielleicht gehypteste. Um Koepka, diesen 28-jährigen Hünen aus Florida, war es bislang jedoch sehr ruhig. Am Donnerstag stand er verloren in der Mixed Zone des Bellerive Country Club in St. Louis, Missouri, und wartete auf Fragen der Reporter. Alleine, es wollte keiner etwas von ihm wissen.

Drei Tage später ist er dreifacher Major-Sieger. Ach ja, vor dieser Woche war Koepka die Nummer vier der Welt. Und genau: Es wollte nur niemand so richtig wissen. Vielleicht liegt es an seiner Vergangenheit auf der European Tour, wo er für viele US-Golfer unverständlich, seine ersten Profischritte ging und sich etablierte, bevor er in die USA zurück kehrte. Vielleicht ist es seine ruhige Art, die nicht so recht taugt für das hechelnde Sportgeschäft. Die weniger ausgeprägte Eloquenz am Mikrofon.

Aber wie wichtig sind solche Fragen noch für den, der am Sonntag diesem Muskel bepackten Mann zuschaute, wie er in einen Extragang schaltete, den nur er zur Verfügung haben schien. Koepka, der eigentlich jede andere Sportart betreiben wollte, nur nicht die, mit der er jetzt sein Geld verdient, ist der Weltklassegolfer, der es im Kreis der Elite-Kollegen am ehesten schafft, das beste Golf zu spielen, wenn das beste Golf gefragt ist. 20 Major-Starts hat Koepka in seiner Karriere gesammelt, die Hälfte schloss er in den Top Ten ab, 18 Mal in Folge spielte er im Wochenende und dreimal gewann er. Das sind Tiger-Quoten –  es wollten nur bislang wenige wissen. „Ich denke, dass mein Spiel zu den Majors passt“, sagte Koepka am Abend. Dieses nüchterne Understatement kommt nicht überraschend. Wer drei der letzten sechs Majors gewinnt, den trägt die Wolke der Argumente. Doch Koepka fliegt nicht. Er liefert.

Seine 66 am Sonntag war insofern eine mehr als beeindruckende Leistung, als dass sie nicht nur an einem Major-Sonntag abgerufen wurde und einige verlegte kurze Putts beinhaltete. Koepka war der erste Golfer seiner Generation, der einen wirklich sehr ernsthaften Angriff von Tiger Woods abwehren musste. Woods in Bestform, das Publikum im dreistelligen Dezibelbereich. Koepka blieb cool, wie eigentlich immer. „Ich kann mich an genug Leute da draussen erinnern, die mir auf meinem Weg erklärt haben, dass ich es zu nichts schaffen und bei McDonald’s enden werde“ erzählte Koepka. „Die ganze Zeit bist Du damit beschäftigt, solchen Leuten das Gegenteil zu beweisen.“ Er macht das ziemlich gut. Brooks Koepka ist nun die Nummer zwei der Welt. Vielleicht wollen das nun ein paar Leute wissen.

Zahl der Woche

3709. Die Historiker haben die Zahlen parat, sie mussten dafür aber ins letzte Jahrzehnt zurück. So viele Tage ist es her, dass Tiger Woods ein Major gewonnen hat, 2008 die US Open, mit einem Kreuzbandriss und einem gebrochenen Bein. Andere Zeiten. Oder wirklich? Dieser Sonntag der 100. PGA Championship nahm der Tourzirkus mit auf eine Zeitreise: Woods, 42 und vor Monaten nicht einmal fähig, ohne Schmerzen aus dem Bett aufzustehen, spielte am Wochenende das Golf, das es braucht, um Majors zu gewinnen. 130 Schläge auf den beiden Finalrunden sind spektakulär. Und diese Zahl wird nur noch getoppt von der Tatsache, dass da ein Golfer, Brooks Koepka, dagegen halten konnte.

Vielleicht ist es nun nur eine Frage der Zeit, bis Woods seine 15 doch noch erreicht. Doch Woods weiß auch, dass die Zeit gegen ihn spielt. 242 Tage sind es bis zum nächsten Major, dem Masters im April. So laut die Zuschauer in St. Louis am Wochenende waren, meint man schon jetzt die Schreie die Magnolia Lane entlang hallen zu hören. „Tiger!“ – als wäre 2008.

Ranking der Woche

Wer es in all dem Trubel verpasst hat – das US-Team für den Ryder Cup in Paris Ende September hat seit der PGA Championship die ersten acht Starter fix. Webb Simpson, Sieger der Players Championship und in den Majors immer unter den besten 20 zu finden, hat sich Position acht geschnappt. Phil Mickelson ist Zehnter des Rankings und hofft wie Woods, der plötzlich auf Rang elf lauert, auf eine von vier Wildcards. Die Chancen stehen gut für die beiden Oldies. Was wäre das für eine Geschichte, Woods und Michelson mit sportlichen Argumenten für das Ryder-Cup-Team aber nicht nominiert? Geht nicht. Also: Die Besetzung der USA ist, nun ja: furchteinflößend.

Tweet der Woche

TV-Kommentatoren sollten die Namen der Kommentierten nicht durcheinanderbringen, das gehört zu den wichtigsten Regeln des Geschäfts. Fox-Mann Joe Buck schaffte es hingegen sogar, zwei Namen durcheinander zu wirbeln, die beim besten Willen nie vermischt gehören: Ex-Freund und aktuelle Freundin. So geschehen im vergangenen Jahr, als er Brooks Koepkas Freundin Jena Sims mit dem Namen der vorherigen Freundin des Golfers verwechselte und sie live im Fernsehen Becky Edwards nannte. Jena Sims, Golfer und TV-Mann nahmen es mit Humor. Und bei der PGA Championship konnte Buck noch einmal üben. Diesmal klappte es besser.