Historie der PGA Championship – mehr als die Nr. 4


2018 feiert die PGA Championship ihre 100. Auflage - zum letzten Mal als "Glory's Last Shot". Was bleibt für das Major? Eine große Geschichte, die oft vergessen wird. Die Fakten.

Von: Frieder Pfeiffer

Die PGA Championship in dieser Woche im Bellerive Country Club vor den Toren von St. Louis, Missouri, ist eine ganz besondere. Nicht nur ist es die vorerst letzte, die im August gespielt wird, ab 2019 geht es in den Mai. Es ist zudem die 100. Austragung. Was bisher geschah? So einiges.

A – Austragungsort

Die meisten PGA Championships in der hundertjährigen Geschichte: der Southern Hills Country Club in Tulsa, Oklahoma. Zuletzt 2007, da gewann ein gewisser Tiger Woods, er war sein 13. von bislang 14 Major-Siegen. Insgesamt haben 72 Kurse in 25 US-Staaten das Major bislang beheimatet.

B – Barnes, Jim

Erster Sieger der PGA Championship 1916. Der gebürtige Brite siegte im Matchplay-Finale gegen Jock Hutchison aus St. Andrews in Schottland mit eins auf. 1919 siegte er nochmal. Bis heute tatsächlich der letzten Engländer, der die PGA Championship gewinnen konnte und die berühmte Wanamaker Trophy (1919) in die Luft stemmen durfte.

C – Cut

Die besten 70 und Geteilten erreichen das Wochenende. Ab 1958 gab es zuerst auch einen doppelten Cut, einen nach 36 Löchern, einen nach 54. In den Sechzigern wechselte sich der doppelte mit dem einfachen Cut ab. Seit 1965 gibt es nur noch den einen nach 36 Löchern.

D – DJ

Spitzname von Dustin Johnson. Lag 2010 aussichtsreich im Rennen um den Sieg als er an die 18 kam. Dort übersah er – sein Caddie und viele Beteiligte –, dass sein Ball in einem der knapp tausend Bunker von Whistling Straits lag. Er setzte den Schläger ab, bekam zwei Strafschläge – und verpasste so das Stechen um genau diese zwei Schläge. Einer der bittersten Major-Finals der Geschichte. Mit tollem Ausgang für einen anderen: Sieger Martin Kaymer. In diesem Jahr reist Johnson als Nummer eins der Welt an, gehört zu den Top-Favoriten und könnte der erste Weltranglistenführende seit Tiger Woods 2008 sein, der ein Major gewinnt.

E – El Niño

Spitzname von Sergio Garcia, der 1999 Tiger Woods einen großen Kampf bot. Der US-Golfer war mit seinen damals 23 Jahren schon etabliert, der 19-jährige Spanier begeisterte mit leidenschaftlichem Gestus die US-Szene zum ersten Mal. Nur mit einem Schlag setzte sich Woods gegen das europäische Wunderkind durch. Es sollte der Beginn einer langen Rivalität werden. Für Woods war es der erste PGA-Championship-Titel, einer von 14 Major-Siegen bis heute. Garcia wartete weitere 18 Jahre. Dann gewann er endlich das Masters.

F – Fünf

So viele PGA-Championship-Titel haben Walter Hagen (1921-1927) und Jack Nicklaus jeweils gesammelt (1963-1980). Das ist Rekord. Tiger Woods hat vier Titel und weiter die Chance, einen fünften folgen zu lassen.

G – Geld

Der erste Sieger der PGA Championship, Jim Barnes, durfte sich über 500 US-Dollar und eine diamantenbesetzte Gold-Medaille freuen. Gestiftet wurden die Preise von Rodman Wanamaker. Heute gibt es 1,8 Millionen US-Dollar und den größten Major-Pokal, die Wanamaker-Trophy. Die Ausgabe, die die Spieler behalten dürfen, ist praktischerweise deutlich kleiner.

H – Hebert-Brüder

Jay und Lionel Hebert sind die einzigen Brüder der Golf-Geschichte, die dasselbe Major gewinnen konnten. Lionel siegte 1957 im letzten Matchplay bei der PGA Championship. Jay schnappte sich 1960 den Sieg.

I – Ikone

Über Jahrzehnte war das vierte Major „Glory’s Last Shot“ – die letzte Möglichkeit des Jahres, noch ein wenig Ruhm mitzunehmen. Das ist übertrieben, es kommt ja noch so manches. Aber ein Major kommt eben nicht mehr. Damit ist es aber bald vorbei. Ab 2019 wird die PGA Championship im Mai ausgetragen. Zwischen Masters (April) und US Open (Juni). So wird die Open Championship, das ältestes Major, zur letzten Chance.

J – Jüngster Sieger

Gene Sarazen triumphierte 1922 im Alter von 20 Jahren, fünf Monaten und 22 Tagen.

K – Kaymer, Martin

Erster deutscher Sieger des Turniers, 2010. Kam aus dem Windschatten, setzte sich gegen Kollegen aus der neuen Generation, Rory McIlroy, Jason Day, Dustin Johnson, Nick Watney, überraschend durch. Siehe auch DJ.

L – Länderpunkte

Insgesamt holten Golfer aus den USA 82 Siege, Australien kommt auf fünf, Südafrika (Gary Player), Zimbabwe (Nick Price) und die Fidschi Inseln (Vijay Singh) und Nordirland (Rory McIlroy) auf zwei Titel. Vier weitere Nationen standen einmal ganz oben. Der Ire Harrington eben 2008, Y.E. Yang für Südkorea (2009), Martin Kaymer (Deutschland).

M – Matchplay

Modus, in dem die PGA Championship zu Beginn und bis 1958 gespielt wurde. Auf Druck der TV-Anstalten dann zum heute bekannten Vier-Tages-Zählspiel-Event umfunktioniert. Für einen kam diese Änderung etwas spät: Das anspruchsvolle Format hinderte Ben Hogan nach seine Autounfall daran, dort teilnehmen zu können. 1953 hatte er unter anderem deswegen keine Chance auf den Grand Slam nach drei Major-Siegen zuvor in dieser Saison.

N – Nie gewonnen

Was die US Open für Phil Mickelson ist die PGA Championship für die Golf-Legenden Arnold Palmer und Tom Watson. Die Wanamaker-Trophy wurde oft herumgereicht, in ihren Händen landete sie nie. Alle anderen drei Majors konnten sie dagegen mindestens einmal gewinnen.

O – Ohne Sieg

Auch nie gewonnen haben die Europäer bis 2008. Fast 92 Jahre lang. Erst 2008 erlöste Padraig Harrington die Europäer im Duell mit Sergio Garcia. Genau, ebenfalls ein Europäer. Inzwischen durfte Europa bereits dreimal jubeln (Harrington, Kaymer, McIlroy).

P – PGA of America

Ausrichter des Turniers, das 1916 zum erste Mal ausgetragen wurde, kurz nach Gründung der Professional Golfers Association of America. Erster Austragungsort im Oktober: Siwanoy Country Club in Eastchester, New York. Im Jahr des ersten Siegers hatte Rodman Wanamaker die Idee, durch Merchandising-Artikel, die über eine zentrale Institution vertrieben werden sollten, viel Geld zu verdienen. Er versammelte führende Golfer und Businessleute im Januar in New York und stellte seine Vision vor. Wenig später war die Professional Golf Association of America geboren.

Q – Qualifikation

Die PGA Championship legte in ihren Anfängen großen Wert auf die Unterstützung der damals nicht so hoch angesehenen Profigolfer. Die Meinungsführer des Sports waren lange reiche Amateure. Auch heute zeigt sich das noch in der Feldbesetzung. Amateure müssen schon ein bestimmtes Turnier gewinnen, um ins Major zu kommen, andere Wege gibt es nicht. Dafür sind 20 der 156 Plätze für Club-Pros reserviert.

R – Rasen

Die Grüns litten in diesem Sommer sehr an der Dürre, auch in Missouri. „Es ist eine Schande, dass es aussieht, wie es aussieht“, sagt Joe LaCava, Caddie von Tiger Woods. „Aber was soll man machen?“ Sein Boss blieb diplomatischer: „Es werden sicher nicht die besten Grüns sein, die wir je gespielt haben. Aber jeder muss ja damit leben.“

Round one was awesome.

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S – Sieben

So viele Schläge lag John Mahaffey 1978 nach vier gespielten Löchern im Finale hinter Tom Watson. Der US-Golfer gewann noch im Stechen – ein PGA-Championship-Rekord. Watson, wie oben gelesen, konnte das Major nie gewinnen.

T – Top 100

Die PGA Championship ist das in der Regel bestbesetzte Major. Aus den Top 100 sind hier die meisten Spieler am Start. Dazu Qualifikanten aus der 29.000 Golfern zählenden Gruppe der PGA-Golflehrer in den USA

U – Underdog

Einen der überraschendsten Siege feierte John Daly, der 1991 als Rookie erst als neunter Nachrücker ins Feld gerutscht war. Ohne Einspielrunde holte sich der wilde Ami den Titel – mit ganzen drei Schlägen Vorsprung.

W – Wanamaker, Rodman

Der reiche Geschäftsmann gab nicht nur der von ihm gestifteten Trophäe des Turnieres seinen Namen. Er war es auch, der mit einer Einladung den Anstoß gab zur Gründung der PGA und der darauffolgenden PGA Championship.

X – X-Faktor

Vielleicht das einzige, was diesem Turnier ein wenig abgeht, das Besondere: Der PGA Championhip fehlt der exklusive Mythos des Masters in Augusta, die mehr als 150-jährige Geschichte der Open Championship, die Autorität der US Open. Das vierte Major des Jahres ist, neben dem Ryder Cup, das größte Turnier der PGA, ein Koloss im Golfjahr – die Aura der anderen Majors erreicht es jedoch nicht ganz.

Y – Yang, Y.E.

Erster Asiate, der ein Major gewinnt. 2009 hält er bei der PGA Championship Tiger Woods auf Abstand, der zum ersten Mal ein Major nicht nach Hause bringt, obwohl er nach 54 Löchern führt. Seither hat Woods kein Major mehr gewonnen.

Z – Zeitdruck

Nach dem Krieg wurde die PGA Championship eine zeitlang in der Woche nach der Open Championship ausgetragen. Den damaligen Reiseumständen geschuldet, mussten sich die Spieler also für ein Major entscheiden. Ein Grand Slam? Nahezu unmöglich.