Foto: PXG

Bob Parsons von PXG: Macher mit Visionen


Exzentrisch, genial, disruptiv oder einfach nur verrückt? PXG, das Equipment-Unternehmen von Milliardär Bob Parsons belebt die Golfwelt. Ein Grund: Das Vertrauen in Technologie.

Von: Timo Schlitz

Die Helden unser aktuellen Welt sind schon alle ein wenig merkwürdig. Ob Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk, Amazon-Gründer Jeff Bezos oder Facebook-Nerd Mark Zuckerberg: Genial sind sie allesamt, technologisch vorne dran, aber dafür auch ein wenig exzentrisch. Da wird ein roter Tesla ins All geschossen, eine Uhr für mehr als 40 Millionen Dollar entwickelt („10.000-Jahre-Uhr“, Bezos) oder ein Facebook-Profil für den Hund erstellt, das mehr als 2,5 Millionen Likes hat. Bob Parsons macht da keine Ausnahme, auch wenn er vielleicht nicht ganz in die Liga der drei Erstgenannten gehört. Im Golf ist er dafür aber eine ganz große Nummer.

Denn Parsons Leidenschaft gilt dem Schlägerbau. Da er nach eigenen Angaben bis zu 300.000 Dollar im Jahr für Golf-Equipment ausgab, gründete er 2014 einfach seine eigene Marke: PXG (Parsons Xtreme Golf). Vier Jahre später kann man sagen, dass sich Parsons, wie schon bei seinen anderen Unternehmungen, sehr erfolgreich behauptet hat. PXG ist der heißeste Player im Luxus-Segment und hat mit Lydia Ko, Zach Johnson und Charl Schwartzel einige richtig gute Profis auf der US sowie LPGA Tour unter Vertrag.

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Drei Jahre für GEN2

Interessant dabei: Die Macher aus Scottsdale lehnen den gelernt kurzlebigen Entwicklungsprozess strikt ab. Statt zwei bis drei Produkt-Launches pro Jahr bringt PXG erst einen Schläger auf dem Markt, wenn er ihrer Meinung nach gut genug ist. Für den neuen Eisensatz „GEN2“ ließen sich die Entwickler beispielsweise drei Jahre Zeit. Warum auch nicht? Es kann schließlich schon ein wenig verwundern, wenn der brandneue Driver kurz Zeit später bereits rabattiert wird, da schon wieder ein neues und angeblich besseres Modell zu haben ist. Die Meinung hinter vorgehaltener Hand: Das Marketing lässt grüßen. PXG lässt sich hingegen Zeit, testet vieles und verlangt am Ende 400 Euro für ein Eisen, das dann durchaus ein paar Jahre im Bag bleiben soll. Dass die Marke nur ein äußerst zahlungskräftiges Klientel anspricht, ist auch keine schlechte Strategie.

Ob es mit Parsons eigenen Reichtum zu tun hat, sei dahingestellt. Fakt ist, dass der mittlerweile 67-Jährige Vietnam-Veteran ein Unternehmer der alten Schule ist. Parsons Technology verkaufte er als 43-Jähriger für 64 Millionen Dollar. 1997 gründete er mit dem Gewinn GoDaddy, das zu Beginn fast sein gesamtes Kapital auffraß. Doch dann wurde der IT-Unternehmer mit Webhosting und dem Domain-Handel doch noch richtig erfolgreich. 2011 zog er sich aus dem Unternehmen zurück, ist aber immer noch größter Anteilseigner. Parsons Nettovermögen wurde von Forbes auf rund 2,6 Milliarden Dollar geschätzt, obwohl Parsons aus einem Elternhaus kommt, das „arm wie eine Kirchenmaus“ war.

Exzentrisch ist der PXG-Macher aber nicht nur im Geschäftsleben. Sein Hobby heißt Golf. „Ich hatte Freunde, die sich schnelle Autos und extravagante Boote angeschafft haben. Mich hat das nie interessiert. Ich habe mir Golfschläger gekauft. Ich hatte einen ganzes Zimmer voll davon.“ In Whisper Rock, dem Privatplatz, auf dem zahlreiche Tour-Stars Mitglied sind, traf er den einstigen Profi Mike Nicolette, der damals für Ping arbeitete. Sie wurden Freunde und letztlich kam Parsons der Gedanke, Schläger nach seinen eigenen Vorstellungen zu entwickeln.

„Ich habe alles versucht, ihm das auszureden“, soll Nicolette damals gesagt haben. „Die Golfindustrie ist hart und das Geschäft geht weiter zurück.“ Doch PXG startete dennoch. Mit Nicolette an Bord – und Bedingungen, die anders waren: ohne Kostenrestriktion und ohne Zeitlimit. „Ich erklärte ihm, dass ich ein Eisen wolle, das wie ein Blade aussieht, sich spielt wie ein Cavity-Back und ein himmlisches Feedback habe“, so Parsons über den Start.

HIO Fitting übernimmt Europavertrieb von PXG

Benny Pfister von HIO Fitting, die seit Kurzem für den Europavertrieb der US-Marke in Zentraleuropa zuständig sind, sieht PXG als Technologie-Brand. „Es ist zwar nicht neu, das MOI zu maximieren (dabei wird versucht, die Masse aus der Mitte des Schlägerkopfes nach außen zu verlagern; Anm. d. Red.), allerdings nutzt PXG die besten Materialien und dank der innovativen Ingenieurskunst wurde die dünnste Schlagfläche und damit eine maximal mögliche Gewichtseinsparung geschaffen. Für ein weiches Schlaggefühl sorgt dabei ein Hightech-Kunstoff, der in den Hohlraum hinter der Schlagfläche injiziert wird. Dadurch erzielt man zwei Effekte, die für jede Spielstärke relevant sind. Erstens: maximale Kraftübertragung bei schlechten Treffern. Zweitens: weniger Richtungsabweichung bei nicht mittigen Treffern.“

Der „Hightech-Kunstoff“ in der zweiten Generation der 0311-Eisen wird „COR2″genannt und hinter das Schlägerblatt gespritzt, um einen besseren Energietransfer (bis zu 3 Km/h) als bei dem zuvor verwendeten thermoplastischen Elastomer zu ermöglichen. Die Trefferzone auf dem Schlägerblatt konnte vergrößert werden (15%), dazu gibt es 8620er Karbonstahl, der im Vergleich zum ersten Modell zwei Mal so hart ist und den Schlägerkopf vor Dellen und Kratzern schützt. Bewährt haben sich die charakteristischen Wolframschrauben, die einzeln in den Schlägerrücken geschraubt werden. Das bedeutet natürlich viel Aufwand bei der Herstellung, aber dafür hat das Endprodukt ja auch seinen Preis.