Bellerive Country Club

Letzte Ausfahrt: PGA Championship


Die PGA Championship kämpft in jedem Jahr um das hohe Ansehen der drei Major-Schwestern. Die 100. Ausgabe im Bellerive Country Club ist da keine Ausnahme.

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Jetzt also die PGA Championship, das vierte und letzte Major. Zum hundertsten Mal. Diesmal im Bellerive Country Club in St. Louis, Missouri. Spötter sagen, der Kurs passt perfekt zum unschillerndsten Major. Eher langweilig, wenig Geschichte. Auf der anderen Seite: hundert Mal PGA Championship! Früher nannten sie es „Glory’s last shot“, die letzte Chance auf Ruhm. Und wieder sagen die Spötter: Damit ist über dieses Turnier schon alles gesagt.

Das Masters im April lebt seine mythische Tradition, das einzige Major auf dem immer gleichen Kurs: Augusta, Golf-Wallfahrtsort. Die US Open im Juni sind der härteste Test, herausfordernd an der Grenze zur Unspielbarkeit. Und die Open Championship im Juli, bekannt als die British Open, sind in erster Linie das älteste Golf-Turnier der Welt, im Schoß der Sportart auf den britischen Inseln. Superlative, Einzigartigkeit – bleibt da für die PGA Championship mehr, als das vierte und letzte Major zu sein?

An diesem Donnerstag startet also die 100. Ausgabe dieses Turniers, das 1916 von der Professional Golfer’s Association (PGA) eingeführt wurde, um etwas für das Ansehen der damals darbenden Golf-Lehrer, der Golf Professionals, zu tun. Reiche Amateure dominierten zu dieser Zeit den Golfsport, mit Hilfe des ebenfalls sehr wohlhabenden Unternehmers Rodman Wanamaker diente die PGA Championship nun als teure Imagepflege. Der Erfolg blieb nicht aus, das Turnier entwickelte sich zum Major. Das Streben um die angemessene Wahrnehmung von außen prägt das Turnier dennoch bis heute.

Bestbesetztes Feld

Und dieser Kampf funktioniert über Alleinstellungsmerkmale. Im Gegensatz zu den anderen Majors werden auch in dieser Woche keine Amateure an den Start gehen. Auch daraus ergibt sich das stärkste Teilnehmerfeld des Jahres, trotz der 20 Startplätze für Golf-Lehrer, die in einer extra Turnierserie ausgespielt werden. Bei keinem Major sind mehr Golfer aus den Top 100 der Weltrangliste vertreten. Doch die hundert bekommen sie auch hier nicht ganz voll. Es passt zum Turnier: nah dran, aber eben nicht ganz da. Auf der Internetseite der PGA sammeln sie Gründe, „warum die PGA Championship rockt“. Darunter: Das 3-Loch-Playoff und der „Fun-Factor“. Die Spieler sehen das zumindest ähnlich. Sportlich könnte es herausragend werden.

Was fehlt in der Auflistung: Die Sache mit der letzten Chance vor der achtmonatigen Winterpause. Es gibt so einige Tour-Genossen, die für einen Major-Sieg, an den sie unter dem Weihnachtsbaum denken könnten, wohl alle anderen Turniertitel im Nadelwald vergraben. Da ist Rickie Fowler, der sein letztes Major spielt, bevor er 30 wird. War er nicht eben noch das Teenie-Wunder? Und was ist mit Jon Rahm oder Tommy Fleetwood, Europäer mit Riesenpotenzial. Was fehlt zur Top-Liga: der Major-Titel. Den hat Rory McIlroy schon (beziehungsweise deren vier), aber zuletzt sammelte er vor allem zweite Plätze. Für ein Spieler seines Anspruchs ist das nicht hinzunehmen, zumal der letzte Major-Sieg vier Jahre zurück liegt. Eine Ewigkeit.

Auch Martin Kaymers letzter Sieg liegt diese vier Jahre zurück. Es war der Sieg bei der US Open. Wieder vier Jahre vorher hatte er sein erstes Major gewonnen, die PGA Championship in Whistling Straits. Nach dem Gesetz der Serie, alle vier Jahre, hätte er nun noch eine letzte Chance. Die Form passt nicht recht zu einem Sieg, doch die PGA Championship ist gerne für eine Überraschung gut. Sehe 2010, nur so als Beispiel.

In diesem Jahr könnte es hingegen auf einen Haudrauf hinauslaufen. Der Kurs mag die Kräftigen. Und die, die die Hitze abkönnen. Tiger Woods hat schon oft gezeigt, dass er Hitze prima wegstecken kann. Auch die Hitze des Gefechts. Zuletzt wurde er sonntags jedoch immer etwas müde, vor allem im Kopf. Der 42-Jährige muss dranbleiben. Noch ist er nicht unter den Top 50 der Welt. Klar, neulich war er noch die Nummer 1199 der Welt, zu Beginn des Jahres auf Position 656 gelistet. Ein steiler Rückaufstieg. Aber um eine Saison gut planen zu können, wäre eine Platzierung unter den besten 50 durchaus Bedingung. Derzeit fehlt ein Platz.

Dieser eine Platz fehlt auch Vorjahressieger Justin Thomas – und zwar auf Dustin Johnson, die Nummer eins der Welt. Beide dürfen als Hauptfavoriten gelten. Thomas gewann am Wochenende eindrucksvoll das WGC-Bridgestone Invitational. Und Johnson dürfte als Weitenjäger der Platz liegen. Der zweite Major-Titel ist zudem überfällig. Ein Mann seiner Klasse müsste viel mehr vorzuweisen haben. Und wenn es, mit Verlaub, der Major-Titel des letzten Majors im Jahr ist…