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Von der Traumkarriere als College-Golfer


Richtig gut Golf spielen – wir sprechen über ein + vor dem Handicap – können in Deutschland einige junge Talente. Doch wer Profi werden möchte und den Sprung auf einer der internationalen Touren ins Auge fasst, kommt am Auslandsaufenthalt als College-Golfer kaum vorbei.

Von: Timo Schlitz

Ein Blick auf die aktuellen Tourspieler in Deutschland ist durchaus aussagekräftig: European-Tour-Pro Maximilian Kieffer? War ein Gator an der University of Florida. Sandra Gal? Ebenfalls. Caroline Masson spielte ein Jahr für die Cowgirls der Oklahoma State University. Der Österreicher Matthias Schwab? Studierte vier Jahre an der Vanderbilt University in Tennessee. Stephan Jäger war College-Golfer an der Uni von Tennessee-Chattanooga. Die Liste lässt sich, vor allem mit den ganz jungen Talenten, beliebig fortführen. Es scheint kaum ein Weg am Sprung über den Teich vorbeizuführen. Eine Ausnahme bilden eigentlich nur Martin Kaymer (Geburtsjahr 1984) und Marcel Siem (1980), die allerdings auch schon etwas älter sind.

Für richtig gute Junggolfer ist der Weg in die USA fast schon ein „normaler“ Schritt geworden. Das liegt am Fokus – und an den Bedingungen. Je nach Universität kann ganzjährig auf extrem anspruchsvollen Plätzen gespielt werden, die nahezu Tour-Niveau haben und den exklusiven Unis meist zu jeder Uhrzeit zur Verfügung stehen. Dazu kommt die Einstellung der Amerikaner, die ihren College-Sportlern dieselbe Hochachtung wie den akademisch geprägten Studenten entgegenbringen. Egal ob man ein brillanter Mathematiker werden möchte, am nächsten Instagram codet oder regelmäßig in den 60ern schießt – auf einem US-Campus werden verschiedene Talente gefördert und auch als Reputation für die Universität genutzt.

Pia Halbig war College-Golferin in Berkeley

Das kann Pia Halbig, die von 2007 bis 2011 an im kalifornischen Berkeley studiert hat, nur bestätigen. Die 30-jährige Hessin, die mittlerweile in München lebt, als Pressesprecherin für einen TV-Sender arbeitet und für den Münchener GC in der 1. Bundesliga spielt, war bereits mit 14 Jahren im Nationalkader. Der Weg in die USA reifte in der talentierten Spielerin nach und nach. Bei Turnieren wie der British Amateur oder den Europameisterschaften drückten ihr zahlreiche Scouts Visitenkarten in die Hand. „Ich sah dann Sandra Gal plötzlich in den USA studieren und stellte fest, dass das auch eine Möglichkeit wäre“, erklärt Halbig.

„Mit 17 habe ich mit meiner Familie dann den Prozess begonnen.“ Gemeint sind: Castings, Skype-Telefonate, der Nachweis von Noten, englischen Sprachkenntnissen und Spielergebnissen bei internationalen Turnieren. Rund eineinhalb Jahre dauerte alles zusammen, inklusive Besuch in den USA. Halbig wusste sofort, dass die University of California die richtige Wahl war: „Ich stand auf dem Campus und mir war klar, dass ich hierhin wollte“. Berkeley ist zwar „public“, gilt allerdings als eine der besten Hochschulen der Welt. Im Akademischen und im Sportlichen: Neben zahlreichen Nobelpreisträgern sind auch eine Vielzahl von Olympiateilnehmern in Berkeley ausgebildet worden. Schließlich stimmte auch die Abi-Note sowie SAT- und TOEFL-Ergebnisse. Halbig bekam ein 100-Prozent-Stipendium. „Wie weit komme ich? Bist du gut genug, wenn du dich jede Woche mit den Besten misst?“

Halbig beschreibt die vier Jahre als harte Arbeit, aber auch als sehr erfüllend. Sie hat sechs Tage pro Woche fünf bis sechs Stunden pro Tag an ihrem Spiel gefeilt. Ihr Handicap lag damals etwa bei +4, allerdings ist das System im College-Golf anders. Die Turniere der NCAA zählen nicht zum Handicap, stattdessen geht es um den Rundendurchschnitt. Der lag meist „um die 72“, allerdings sind darin auch mehr als 100 Turniere beinhaltet. Egal, wie schwer die Bedingungen waren. In den Sommersemesterferien ging es dann regelmäßig nach Europa, wo Halbig sechs Wochen am Stück internationale Turniere spielte. Mit Erfolg: Unter anderem wurde sie in Slowenien 2009 mit Deutschland Europameisterin.

Pia Halbig (Foto: DGV)

Mit dem Dinah Shore Award geehrt

In ihrem Abschlussjahr als Senior gewann Halbig schließlich den Dinah Shore Award. Der Preis geht an eine Studentin, die sowohl sportlich als auch akademisch exzellente Leistungen abliefert und sich zudem sozial engagiert. Man merkt: Leistung zählt, aber dafür bekommt man auch alle erdenkliche Hilfe. „Die wollen unbedingt, dass du erfolgreich bist. Ich hatte Tutoren, die mir bei der Sprache geholfen haben. Du kannst Mental-Coaching bekommen, wenn du es willst. Es wird alles getan, was möglich ist.“

Auch finanziell sind die US-Unis in Sachen Sport nicht mit deutschen oder europäischen Forschungseinrichtungen zu vergleichen. Oklahoma State hat zum Beispiel einen eigenen Flieger, mit dem das Golf-Team zu den wöchentlichen Turnieren fliegt. Oder der Golfclub: Er gehört zum Campus und wird alleine von den Uni-Mannschaften bespielt. Auch in Berkeley konnte man es aushalten: Die speziell für die Uni-Spieler angelegte Short-Game-Area im Metropolitan Golf Links ist nur für die „Golden Bears“ zugänglich. Außerdem schlug Halbig auf Plätzen wie dem äußerst exklusiven San Francisco GC ab und durfte ein Mal Cypress Point spielen. Hier aufzuteen ist schwieriger, als im Lotto zu gewinnen. Aber es hilft, wenn zwei Cal-Sponsoren Mitglied in dem vielleicht privatesten Club der Welt sind.

In Sachen Training sieht Halbig einen deutlichen Unterschied zwischen Deutschland und den USA. „Die lassen dich spielen. Technik ist nicht so wichtig.“ Nicht, dass diese nicht auch gelehrt wird. Allerdings ist es eher so, dass der Spieler aktiv auf die Coaches zugeht, wenn er etwas verändern möchte. Ansonsten zählen nur Ergebnisse. Da passt der Spruch „there are no pictures on the scorecard“ ganz gut.

Thomas Rosenmüller: „College Golf ist der Weg“

Michael Ernst, Spielermanager unter anderem von Caroline Masson und Moritz Lampert, sieht folgende Vorteile bei College-Golfern: „Im Hinblick auf die Profis bin ich generell der Meinung, dass ein College die Athleten gut auf das vorbereitet, was sie später auf der Tour erwartet: Starke Konkurrenz, Erziehung zur Selbständigkeit und der Druck, sich ins Team spielen zu müssen. Außerdem: gute Plätze, regelmäßige Turniere und das generelle Reisen.“

Die Qualität – und ganz besonders die Schwierigkeit – der Plätze nennt auch Thomas Rosenmüller als einen der Aspekte, warum der Sprung über den Teich für ihn so wichtig war: „Mein Schnitt als Junior (3. Jahr) war 73,5, aber wir spielen in unserer Conference auch die schwersten Plätze aller Unis.“ Heimatplatz der „Mean Green“ ist der Maridoe GC, der es von den hintersten Tees auf ein Course Rating von 80,5 (!) bei Par 72 bringt. Zum Vergleich: In Deutschland gilt Green Eagle bei Hamburg mit einem CR 78,5 bei Par 73 als schwerster der Republik. „Die Grüns sind pfeilschnell, steinhart und extrem onduliert. Generell haben die Top-Plätze ein anderes Level als in Europa, auch in der Platzpflege. Da wird unheimlich viel Geld reingesteckt“, so Rosenmüller, der aktuell mit einem Handicap von +3,7 in Deutschland geführt wird.

Der 21-Jährige will nach seinem Abschlussjahr Profi werden und glaubt, dass der Wechsel in die USA ihn weit nach vorne gebracht hat: „Wenn man etwas erreichen möchte, ist College Golf aus meiner Sicht der Weg.“ Der Bundesligaspieler aus Eichenried, der bereits bei der BMW Open und der Porsche European Open auf Einladung mitspielen durfte, merkt aber auch an, dass das Uni-Leben „anstrengend“ und „hart“ ist. Eine 45-Stunden-Woche ist ganz normal. Ein lockeres Studentenleben sieht anders aus. Dafür zählt er Stephan Jäger zu seinen Freunden und kann es sich vorstellen, nach dem Abschluss gleich in den USA den Sprung auf eine der Profi-Touren zu wagen.

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Clubs mit exzellenter Jugendförderung in Deutschland

GC St. Leon-Rot

Der von SAP-Gründer Dietmar Hopp gegründete Club ist extrem sportlich unterwegs. Ein paar Zahlen: Es gibt 21 Mannschaften, unter anderem spielen Damen als auch Herren in der 1. Bundesliga und waren mehrfach Deutscher Meister. Etwa 550 Kinder und Jugendliche sind regelmäßig im Training. Der Club veranstaltet mit der German Boys & Girls Open eines der bestbesetzten Nachwuchsturniere Europas. Talentsichtungen für externe Kids gibt es auch.

Clubs mit exzellenter Jugendförderung in Deutschland; Quelle: Deka Rangliste 2016/17

Hamburger GC Falkenstein

Zahlreiche nationale und internationale Meistertitel zeigen, dass Nachwuchsarbeit und Sportlichkeit groß geschrieben werden. Seit vielen Jahren sind die Damen und Herren in der 1. Bundesliga vertreten. „Wir möchten ein Aushängeschild unserer Sportart sein und vermitteln den leistungssportlichen Gedanken mit großem Enthusiasmus“, sagt Geschäftsführer Berthold Apel. „Mit unserer ausgeprägten Jugendarbeit – 200 Kinder im Training – ermöglichen wir vielen Jugendlichen, unabhängig von ihrem sozialen Umfeld, den Einstieg in diese faszinierende Sportart.“

Clubs mit exzellenter Jugendförderung in Deutschland; Quelle: Deka Rangliste 2016/17

G&LC Berlin-Wannsee

Rund 240 Kinder und Jugendliche trainieren regelmäßig in Sommer und Winter. Dazu gibt es eine Talentsichtung (6 bis 11 Jahre). „Die Kinder haben die Chance, Golf als ihre Sportart zu entdecken. Gleichzeitig suchen wir nach den Nachwuchstalenten für unsere Jugendmannschaften und perspektivisch für die Bundesliga-Teams unseres Clubs“, so Sportdirektorin Miriam Hiller.

Clubs mit exzellenter Jugendförderung in Deutschland; Quelle: Deka Rangliste 2016/17

Österreichs Handelsakademien (HAK), bei denen Golf integraler Bestandteil des Unterrichts ist:

  • HAK Stegersbach, Burgenland
  • HAK Tamsweg, Salzburg
  • HAK Waidhofen/Thaya, Niederösterreich

Stipendium in den USA: Der Weg über den Vermittler

Frederik Schulte, Head of Golf bei Scholarbook, ist ehemaliger Nationalspieler, der im GC Bergisch Land einige Jahre mit Martin Kaymer in einer Mannschaft war. Er hat selbst in den USA College-Golf gespielt. Über Scholarbook wurden u.a. Thomas Rosenmüller (University of Texas) und Sophie Hausmann (University of Idaho), die sich kürzlich als Amateur für die Womens US Open qualifizieren konnte, an ein US-College vermittelt. Schulte erklärt: „Ob du im Landeskader stehst oder Nationalspieler bist, interessiert die US-Unis eher nicht. Es geht vor allem um den Rundendurchschnitt in den regional, national und international relevanten Turnieren. Der sollte bei den Mädchen bei 79 oder besser liegen, bei den Jungs um die 75.“ Gemeint sind dabei aber nicht nur die Zählspielturnierrunden auf dem Heimatplatz, sondern vor allem die Resultate bei AK-Turnieren oder internationalen Wettbewerben.

Die Vorlaufzeit für die Stipendiumsbewerbung beträgt mittlerweile rund zwei Jahre, der beste Zeitpunkt für den Wechsel an ein US-College ist direkt nach dem Abitur. Es gibt in den USA im Golf übrigens weniger Stipendien für Jungs, als für Mädchen. Scholarbook bietet ein kostenloses Beratungsgespräch nach Online-Feedback (scholarbook.net). Die Preise für die Vermittlung beginnen ab 2.800 Euro und gehen bis 8.000 Euro (inkl. Tests-Gebühren, Visum und Flug in die USA).