PEO / Stefan von Stengl

Amateur John sensationell Zweiter hinter McEvoy


Die Porsche European Open erlebt ein phänomenales Finale und bekommt für 2019 einen neuen Termin.

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Ziemliches Kino war sie, diese Porsche European Open 2018. Erst hieß es zweieinhalb Tage lang„Manche mögen‘s heiß“. Dann kam am Samstag Nachmittag „Der große Regen“. Und schließlich war Richard McEvoy „Last Man Standing“. Mit einem ellenlangen Putt zum Birdie auf dem 72. Grün rettete der Engländer trotz fünf Bogeys eine 73 (+1) über die Schlussrunde, vermied ein Vier-Mann-Stechen und holte sich mit 277 Schlägen und 11 unter Par seinen ersten Titel auf der European Tour, nachdem er in der Vorwoche bereits auf der Challenge Tour in Frankreich gewonnen und sich damit erst für den Start bei der Porsche European Open qualifiziert hatte.

„Spaß haben angesichts all der Stars“

„Ich habe in den vergangenen sechs Monaten intensiv an meiner Putt-Routine gearbeitet, das hat mir in dieser Situation sehr geholfen“, sagte McEvoy. Angesichts von Golfgrößen wie Masters-Champion Patrick Reed, „Golfwissenschaftler“ Bryson DeChambeau oder dem Europa-Heimkehrer Paul Casey wollte der 39-Jährige „einfach nur den Tag genießen und möglichst gut spielen“; am Ende verabschiedete er sich mit „Thank you, Hamburg, well done!“ und einem Siegerscheck über 333.330 Euro vom Porsche Course der Golfanlage Green Eagle vor den Toren Hamburgs.

 

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2017 Gehörlosen-Gold, nun die Runde des Tages

Die Sensation des Finales allerdings lieferte Amateur Allen John aus dem badischen Wiesloch als bester Deutscher auf Rang zwei, nur einen Schlag hinter Sieger McEvoy. Vor 14.300 Zuschauern spielte der 30-Jährige vom Golf Club St. Leon-Rot, der taubstumm zur Welt gekommen war, in jahrelangen Mühen sprechen gelernt und 2017 bei den Deaflympics, den Olympischen Spielen der Gehörlosen, Golf-Gold gewonnen hatte, mit 5 unter Par (67 Schläge) die beste Runde des Tages und wurde vom Publikum rund ums 18. Grün zurecht frenetisch beklatscht. John teilte sich zwar den zweiten Platz (278 Schläge/-10) mit Renato Paratore (Italien) und Christofer Blomstrand (Schweden), wurde aber bei der Siegerehrung von Turnierdirektor Dominik Senn mit einem neu geschaffenen Preis als „Leading Amateur“ ausgezeichnet.

 

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Viel Pech für Matthias Schwab

Weniger erfreulich verlief das Finale für Austria-Talent Matthias Schwab aus Schladming. Der 23-Jährige hatte schon am Samstag, unbeeindruckt von große Namen oder der dreistündigen Gewitterunterbrechung, weiterhin munter vorn mitgespielt und phasenweise gar geführt. Es war eher Pech – ein Schlag ins Wasser, ein Ball direkt unter der Bunkerkante beispielsweise – als Nervosität oder Druck, das Schwab um ein besseres Resultat als den letztlichen, mit Paul Casey geteilten siebten Platz (280 Schläge/-8) brachte. Denn wer im Alter von zehn Jahren bei „Wetten, dass…?“ auf dem Einrad balancierend mit Schlägern in beiden Händen Bälle jongliert und während der College-Zeiten in den USA gegen DeChambeau und Co. gespielt hat sowie zu den weltbesten Amateuren gehörte, der scheut gewiss nicht mehr vor dem Rampenlicht.

US-Stars Reed und DeChambeau im Wasser

Apropos: Den Stargästen von der amerikanischen PGA Tour ging am Sonntag etwas die Luft aus. Das „Grüne Monster“, wie Altrocker Alice Cooper den rund 6.960 Meter langen Porsche Course mal getauft hatte, blieb trotz idealer sommerlichen Bedingungen ein Biest, zunehmender Nachmittagswind und das durch den Vortagsregen langsamere Geläuf sorgten für zusätzliche Erschwernis. Patrick Reed notierte lediglich ein Birdie, gleichwohl fünf Bogeys zur 76 – das letzte auf der Schlussbahn, als er seinen zweiten Schlag aus dem Rough ins Wasser vor dem Grün setzte. In der zweiten Runde 2017 hatte er auf der 18 noch aus 208 Metern seinen ersten Albatros in einem offiziellen Turnier erzielt, wovon neuerdings eine Plakette an entsprechender Stelle im Fairway kündet. Schlimmer erwischte es „Professor“ DeChambeau, der sich in der anfänglichen Hitze so wohl gefühlt hatte, zum Ausklang seiner 78er-Runde jedoch zwei Abschläge ins linksseitige Wasser des Par-5-Finallochs setzte und ein Triple-Bogey zu seinen vier Schlagverlusten und dem einsamen Birdie addierte.

 

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Zufriedene Bilanz, „begeisterter“ Premium-Partner

Freilich, Schwab, Reed als geteilter 9. (281 Schläge/-7 fürs Turnier) und DeChambeau auf Platz T13 (282 Schläge/-6) dürften nach dieser Porsche European Open wohl als einzige mit etwas umwölkten Mienen die Green Eagle Golf Courses in Winsen/Luhe verlassen haben. Turnierdirektor Dominik Senn hatte das „stärkste Teilnehmerfeld“ des Traditionswettbewerbs versprochen und zog eine mehr als zufriedene Bilanz: „Wir haben die Kinderkrankheiten des vergangenen Jahres vermieden und ein hochklassiges Turnier mit hervorragendem, spannenden Sport auf einem bestens präparierten Kurs erlebt“, resümierte der Chef des Promoters 4Sports.

„Begeistert“ zeigte sich auch Marcus Vitt, Sprecher des Vorstands der Hamburger Privatbank Donner & Reuschel, seit diesem Jahr Premium-Partner der Porsche European Open: „Wir sind relativ kurzfristig eingestiegen und haben uns erstmals bei einem Golfturnier dieser Größenordnung engagiert. Europa und Deutschland brauchen solche Highlights, und wir glauben definitiv an dieses Turnier. Es passt zu uns“, betonte Vitt. „Die Zeichen stehen gut, dass wir uns weiter engagieren und das ausbauen.“

Weitere große Fische für September 2019?

Im kommenden Jahr indes geht man der Ferienzeit, dem dichtgefüllten Veranstaltungskalender im Golf und in Hamburg sowie möglichen Hitzeperioden oder Sintflut-Niederschlägen aus dem Weg. Die nächste Porsche European Open findet im Herbst statt, vom 5. bis 8. September 2019, wieder auf der Anlage von Green Eagle und vielleicht mit „weiteren großen Fischen an der Angel“, so Senn: „Dann ist das FedEx-Cup-Finale auf der PGA Tour vorbei und wir können alle US-Spieler holen, die wir wollen.“ Ein bisschen liebäugelt der 4Sports-Chef mit Altmeister Bernhard Langer als Zugpferd, der seine Extraklasse mit dem zweiten Platz bei der Senior Open Championship auf dem Old Course zu St. Andrews gerade erneut unter Beweis gestellt hat. „Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Bernhard“, lächelte Senn. „Und außerdem einen Vertrag mit ihm.“

 

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Manche mögen‘s heiß: Allen voran „Golfwissenschaftler“ Bryson DeChambeau. „Ich mag es, bei solchen Temperaturen zu spielen“, hatte der studierte Physiker aus Kalifornien vor seinem Debüt bei der Porsche European Open kundgetan und ließ dieser Aussage in der Hitze von Hamburg prompt Taten folgen. Unter sengender Sonne setzte er zum Auftakt mit einer 66er-Runde und -6 die Bestmarke auf dem Porsche Course (Par 72) von Green Eagle in Winsen/Luhe am Speckgürtel der Elbmetropole, der mit rund 6.960 Metern zu den längsten Plätzen der European Tour gehört. Am zweiten Tag legte DeChambeau bei nicht minder kraftzehrenden Temperaturen von bis zu 35 Grad, aber deutlich mehr Wind, mit einer 68 nach und geht bei 10 Schlägen unter Par als Spitzenreiter ins Wochenende.

Matthias Schwab mit bravouröser Runde zwei

Noch einer lief an den ersten beiden Tagen richtig heiß beim Traditionsturnier, das heuer laut Promoter Dominik Senn „mit dem stärksten Feld seiner Geschichte“ die 40. Auflage feiert. In Abwesenheit des am Handgelenk operierten Bernd Wiesberger hielt Austria-Talent Matthias Schwab in Norddeutschland die österreichische Fahne hoch – und das bravourös! Nach seiner donnerstäglichen 68 (-4) brannte der 23-Jährige aus Schladming im Wind von Winsen eine lupenreine, sprich bogeyfreie 67 (-5) ins trockene, dennoch grüne und perfekt hergerichtete Parkett, teilt sich damit bei -9 den zweiten Platz mit Englands Richard McEvoy.

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Scharmützel mit TV-Team beflügelte „Captain America“

Und weil Masters-Champion Patrick Reed nach einem verhaltenen 70er-Start am Freitag inklusive verbalem Scharmützel mit einem TV-Team wegen Konzentrationsstörung beim Putten ebenfalls richtig aufdrehte und eine 6 unter Par (66) zum geteilten vierten Platz ins Clubhaus brachte, geht der Österreicher nun mit „Captain America“ an den Abschlag zum „Moving Day“. „Das ist natürlich eine Traum-Konstellation“, sagte Schwab, der seit einem Jahr Profi ist und mit Willi Hofmann trainiert, dem Coach von Bernhard Langer.

DeChambeau von der Runde auf die Range

Bryson DeChambeau, den sie gelegentlich auch als „verrückten Professor“ titulieren, haderte derweil ein wenig mit seiner zweiten Runde („Das war sicher nicht meine beste“) und nahm sich einen fehlerfreieren Umlauf am Samstag vor, „weil heute Nachmittag doch der Wind viel mehr im Spiel war als gestern Vormittag, und ich bei einigen Drives durchaus ,lucky Bounces‘ hatte.“ Sprach‘s und marschierte schnurstracks auf die Driving Range, um mit dem Holz 1 zu exerzieren.

Im Kielwasser des US-Stars tummeln sich Topspieler wie Alexander Levy (Platz T7/-7), Paul Casey (T9/-6) oder Charl Schwartzel (T13/-5); auch Deutschland ist mit Philipp Mejow (T9/-6) sowie Sebastian Heisele und Max Kieffer (beide T18/-4) gut vertreten. Überhaupt schafften mit sieben „Heimspielern“ so viele Deutsche den Cut wie nie zuvor auf der European Tour. Was Wunder, dass bislang allgemeine Hochstimmung auf dem Turniergelände herrscht.

Rastloses Engagement der Hausherren

Nicht zuletzt bei den Hausherren Michael Blesch und Ralf Lühmann, die ihren Platz in rastlosem Engagement für diese zweite Ausgabe der Porsche European Open fit gemacht sowie Veränderungen der Infrastruktur und Feintuning am Set-up des Geläufs vorgenommen haben. Selbst den Sand in allen 54 Bunkern, summa summarum über 900 Tonnen, tauschten sie nach Kritik im vergangenen Juli gegen eine feiner gemahlene Mischung aus und wurden anschließend von Turnierdirektor Mikael Eriksson gelobt, Green Eagle sei in diesem Jahr der bislang beste Kurs auf der European Tour.

Schließlich bekam Patrick Reed von Blesch und Lühmann als Erinnerung an seinen Albatros aus 208 Metern in der zweiten Runde 2017 noch eine Plakette im Fairway der Par-5-Schlussbahn und freute sich wie ein Schneekönig: „Das ist eine tolle Geste, denn es war mein erster Albatros überhaupt bei einem offiziellen Turnier.“

„Wildcard für Martin? Wahrscheinlich nicht“

Die Personalie des Tages freilich lieferte jemand, der  beim neuerlichen Tour-Stopp in Deutschland durch Abwesenheit glänzt: Martin Kaymer. Nach drei Ryder-Cup-Teilnahmen in Serie seit 2010 wird der Deutsche seine eventuellen Hoffnungen auf einen „Captain‘s Pick“ für den Kontinental-Wettbewerb im September in Paris wohl begraben können. „Ich habe Martin natürlich im Blick“, sagte Europas Teamchef Thomas Björn am Rande der Porsche European Open über die aktuelle Nummer 124 der Welt: „Aber er rangiert bei meinen 25 Perspektivspielern eher im hinteren Bereich. Und wenn Sie mich danach fragen, ob Kaymer Chancen auf eine Wildcard hat? Wahrscheinlich nicht!“

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Zum Jubiläumsturnier – die European Open wurden erstmals 1978 ausgetragen – kommen allein fünf Weltstars von der US PGA Tour nach Hamburg. Bislang hatten schon Masters-Champion Patrick Reed und Pat Perez ihre Teilnahme zugesagt. Knapp zwei Monate vor dem ersten Abschlag gelang es Turnierdirektor Dominik Senn nun mit Masters-Champ Charl Schwartzel (Südafrika), US-Jungstar und Memorial-Gewinner Bryson DeChambeau und Europas Golf-Hero Paul Casey (England) drei weitere klangvolle Namen in den Norden der Bundesrepublik zu holen. In der aktuellen Weltrangliste belegt Reed Platz 12, Casey Rang 14 und DeChambeau Rang 22. Perez rangiert auf Platz 37 und Schwartzel auf Rang 46.

Während Casey bei den mit 2 Millionen Euro dotierten Porsche European Open mit 41 Jahren – er feierte am 21. Juli Geburtstag – zu den erfahreneren Spielern zählen wird, gehören Schwartzel (33) und DeChambeau (24) zu den jungen Wilden, die auf der Tour bereits für einige Furore sorgen konnten. Casey, der schon 2004 unter Kapitän Bernhard Langer mit Europa den Ryder Cup gewann, konnte bereits 13 Turniere der European Tour und zwei der US PGA Tour für sich entscheiden, zuletzt die Valspar Championship im März. Schwartzel kann elf Siege auf der European Tour und zwei auf der US PGA Tour in seiner Erfolgsbilanz verbuchen. DeChambeau, erst seit 2016 im Profi-Lager, hat am vergangenen Wochenende mit dem Memorial Tournament eines der bedeutendsten Turniere der PGA Tour gewonnen, nachdem ihm im Vorjahr bei der John Deere Classic sein erster Sieg gelang. Der junge Publikums-Liebling mit der Schirmmütze als Markenzeichen studierte Physik und gilt allgemein als großer Tüftler, der infolge dessen auch mit gleich langen Schäften bei allen Eisen an den Abschlag tritt. Er kommt 2018 zum ersten Mal nach Deutschland und will bei dieser Premiere mit einer hervorragenden Leistung und einem Top-Resultat überzeugen.

Außerdem im stärksten Aufgebot der letzten vier Jahre: Thomas Björn (Dänemark), der Kapitän des Ryder-Cup-Teams Europa 2018, und Titelverteidiger der Porsche European Open, Jordan Smith (England). Er feierte in seiner Rookie- Saison im Vorjahr in Green Eagle Golf Courses den ersten Erfolg auf der European Tour. Auch die beidern weiteren bisherigen Gewinner, Thongchai Jaidee (Thailand/Sieger 2015) und Alexander Lévy (Frankreich/2016), hatten bereits im Vorjahr die Absicht erklärt, wieder mit von der Partie zu sein.

Die Meldeliste umfasst noch einige weitere bekannte Namen, darunter einige Turniersieger der laufenden Saison 2018 oder des Jahres 2017. Unter ihnen Matt Wallace (England), Wade Ormsby (Australien), Chris Paisley (England), Eddie Pepperell (England), Adrian Otaegui (Spanien), Lucas Bjerregaard (Dänemark), Romain Wattel (Frankreich), Julian Suri (USA), Edoardo Molinari (Italien), Fabrizio Zanotti (Paraguay) und Scott Hend (Australien).

Bei einem European-Tour-Event in Deutschland wollen natürlich auch eine ganze Reihe deutscher Spieler vor heimischen Publikum begeistern. Aktuell sind Marcel Schneider (Pleidelsheim), der die diesjährige Suisse Challenge mit sechs Schlägen Vorsprung überlegen gewann, Maximilian Kieffer (Düsseldorf), Sebastian Heisele (Dillingen), Florian Fritsch (Heidelberg), Bernd Ritthammer (Nürnberg), Alexander Knappe (Paderborn), Nicolai von Dellingshausen (Düsseldorf), Christian Bräunig (Wiesbaden), Philipp Mejow (Berlin), Georg Schultes (München) und der Hamburger Lokalmatador Benedict Staben fix im Teilnehmerfeld.

Natürlich wird auch Marcel Siem, dem im Vorjahr ein Hole-in-One gelang, für welches er als Sonderpreis einen Porsche Panamera Turbo Sport Turismo mit nach Hause nehmen durfte, wieder dabei sein. Auch diesmal wartet auf die Profis an Loch 17 eine besondere Prämie für ein As: der neue Porsche Cayenne Turbo.

Damit steht bereits heute fest, dass sich die Zuschauer der Porsche European Open 2018 vor Ort oder an den Fernsehschirmen auf ein noch stärkeres Feld als vor einem Jahr freuen können. Das bestätigt auch Turnierdirektor Senn: „Das Interesse von Seiten der Spieler, an diesem bedeutenden Turnier der European Tour teilzunehmen, ist in diesem Jahr wieder deutlich spürbar gestiegen. Wir alle werden hochklassigen Sport auf einem sehr anspruchsvollen Platz erleben.“

Übrigens: An den Turniertagen haben neben den Profis auch die Besucher die besondere Gelegenheit, bei einem Hole-in-One an Loch 17 einen Cayenne Turbo zu gewinnen. Voraussetzung dafür ist, dass sie im frei zugänglichen Public Village am Porsche Public-Hole-in-One einen 30-Meter-Putt lochen. Damit qualifizieren sie sich – sofern sie volljährig sind – jeweils am Turniertag für ein abendliches Shoot-Out an Spielbahn 17.