Schwab in Lauerstellung

Im vorletzten Flight war Matthias Schwab am Samstag gemeinsam mit Masters-Champion Patrick Reed (USA) auf dem Porsche Nord Course unterwegs und übernahm zeitweise sogar die Führung.


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Auch von einer fast dreistündigen Gewitterunterbrechung ließen sich die Stars der Porsche European Open am Freitag nicht aus dem Konzept bringen. Matthias Schwab gelang auch am 3. Tag bei den PORSCHE EUROPEAN OPEN eine grandiose 70er-Runde. Im vorletzten Flight war der Österreicher am Samstag gemeinsam mit Masters-Champion Patrick Reed (USA) auf dem Porsche Nord Course unterwegs und übernahm zeitweise sogar die Führung am Leaderboard. Vor der heutigen Finalrunde führen nun Bryson Dechambeau (-12, USA) und Richard McEvoy (England). Dahinter lauern auf dem geteilten dritten Rang Schwab (-11) und Patrick Reed (USA) sowie Paul Casey (-9, England) auf Platz 5.

Vor rund 7.900 Zuschauern lieferten sich diese fünf Spieler den ganzen Tag über einen spannenden und abwechslungsreichen Kampf um die Führung. Am Ende der Runde hatten DeChambeau (USA) und McEvoy mit 204 Schlägen (12 unter Par) die Nase vorne, gefolgt von Reed und Schwab mit -11 (205).  DeChambeau zeigte sich im Nachhinein froh über die Regenunterbrechung: „Ich hatte eine halbe Stunde Zeit, auf der Range Bälle zu schlagen und Fehler, die ich am Anfang gemacht hatte, auszumerzen.“ Er wird die Finalrunde wieder mit McEvoy bestreiten. Aber auch Schwab, den er noch aus College-Zeiten kennt, schätzt er hoch ein: „Ein sehr guter Spieler!“ Der Österreicher bezeichnete die Unterbrechung  ebenfalls als vorteilhaft: „Der Wind hat merklich nachgelassen und es waren bessere Bedingungen für mich.“ Die Unterbrechung tat auch dem Mitfavoriten Paul Casey aus England gut. Er erzielte drei Birdies auf den hinteren neun Löchern, liegt nun mit insgesamt 207 Schlägen (-9) auf Platz 6 und darf bei der Vergabe des Siegerschecks auf keinen Fall unterschätzt werden.

Dennoch sind viele der zahlreichen Augenpaare, welche das Geschehen vor Ort, via TV und Internet live mitverfolgen, auf Matthias Schwab gerichtet: Er ist die Überraschung der ersten drei Tage bei der Porsche European Open. Der 23-jährige Jung-Profi aus dem eigentlich vor allem als Wintersportort bekannten Schladming am Fuße des Dachstein-Massivs zeigte sich auch am Samstag, an der Seite von Masters-Champion Patrick Reed (USA), auf dem Porsche Nord Course gänzlich unbeeindruckt. Seine Gelassenheit zeichnet ihn aus: „Ich gehe mein Spiel mit Selbstvertrauen an, glaube an mich selbst und bewahre einen kühlen Kopf“, lässt er sich nicht ohne Grund auf der Homepage seines Hauptsponsors zitieren.

Und tatsächlich gibt es für ihn keinen Anlass, in Ehrfurcht etwa vor den Stars der US-PGA-Tour zu erstarren. Als Student an der renommierten amerikanischen Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, die ihn 2016 zum Athleten des Jahres kürte, hat er sich im College-Golf die nötige Wettkampfhärte geholt – unter anderem auch im direkten Duell mit einem gewissen Bryson DeChambeau. Zudem hat er seine Profi-Karriere von langer Hand geplant. So nahm er schon als 15-jähriger Amateur bei der Lyoness Open erstmals an einem Profi-Turnier teil und landete dort sensationell auf dem 32. Platz.

Seit einem Jahr ist er nun Profi. Dies ist umso beachtlicher, als er 2014 aufgrund einer Rückenverletzung elf Monate aussetzen musste. „In dieser Zeit habe ich nicht nur daran gezweifelt, dass es mit der Profilaufbahn was wird, sondern sogar daran, dass ich überhaupt jemals wieder normal Golf spielen kann“, erinnert sich Matthias Schwab. „Unterm Strich hat mir diese Phase aber geholfen, noch dankbarer für das zu sein, was ich machen kann.“ Sein bestes Ergebnis als Spieler der European Tour – für die er sich auf Anhieb als einer der 25 besten Spieler der Tour School 2017 qualifizierte – ist bis dato ein geteilter 4. Platz, erreicht bei den Hero Indian Open im vergangenen März.

Zu seinen wesentlichen Stützen zählt Schwab seinen Vater, einen ehemaligen olympischen Bobfahrer, und seinen Bruder. Nicht minder wichtig ist Coach und Trainer-Legende Willi Hoffmann. Dieser hat vor mehr als drei Jahrzehnten bereits Deutschlands Vorzeige-Golfer Bernhard Langer in die Weltspitze geführt und betreut den Seriensieger der PGA Tour Champions bis zum heutigen Tag.

Veranstalter und Sponsoren geben indes auch vielen weiteren deutschen jung-Professionals die Chance, sich bei den PEO 2018 auf die große Bühne des internationalen Golfsports zu spielen. So rangieren vor der heutigen Schlussrunde der Amateur Allen John, Maximilian Kieffer und Philipp Mejow als beste Deutsche mit 211 Schlägen (-5) auf Rang T16. Sebastian Heisele liegt mit einem Gesamtergebnis von 212 Schlägen (-4) einen Schlag dahinter auf Platz 26, Marcel Siem war mehr als unzufrieden und fiel mit 216 Schläge (par) auf Platz 54 zurück und Jonas Kölbing belegt Platz 61. Glück hatte Benedict Staben, der am Ende mit Platz 73 gerade noch den zweiten Cut schaffte. Diese neue Regel kam zum Einsatz, nachdem sich 79 Spieler qualifiziert hatten.

Porsche European Open, Ergebnisse Runde 3:

1.) Richard McEvoy (England) und Bryson DeChambeau (USA) 204 Schläge (-12); 3.) Patrick Reed (USA) und Matthias Schwab (Österreich) 205 Schläge (-11); 5.) Paul Casey (England), 207 Schläge (-9);… 16.) u.a. Allen John (Amateur/Deutschland), Maximilian Kieffer (Deutschland), Philip Mejow (Deutschland), Charl Schwartzel (Südafrika) jeweils 211 Schläge (-5);… 26.) u.a. Sebastian Heisele (Deutschland) 212 Schläge (-4);… 54.) u.a. Marcel Siem (Deutschland) 216 Schläge (par);… 61. u.a. Jonas Kölbing, (Deutschland) 217 Schläge (+1);… 73.) u.a. Benedict Staben, (Deutschland) 219 Schläge (+3).