Carnoustie Golf Links

Open Championship – ein Glossar


Die 147. Open Championship steigt in diesem Jahr im schottischen Carnoustie - kein aktuelles Golf-Turnier gibt es länger. Diese Fakten zum einzigen europäischen Major müssen also sitzen.

Von:

A

Andrews, St.: Der Old Course im schottischen Küstenstädtchen war bereits 29 Mal Austragungsort des einzigen europäischen Majors. Nirgends fand die Open öfter statt. Alle fünf Jahre kehrt das Turnier nun in den Schoß der Sportart zurück. Das nächste Mal 2021 – zur 150. Open Championship.

B

Belt: Als sich im Jahre 1860 im schottischen Prestwick ganze acht Männer um den ersten Sieg bei der US Open Championship stritten, durfte am Ende Willie Park Senior statt Preisgeld einen Championship-Belt in Empfang nehmen. Dieser Ledergürtel mit silberner Schnalle begleitete die Geschichte des Turniers jedoch nicht allzu lange.  Nachdem Young Tom Morris den Championship Belt 1870 zum dritten Mal gewinnen konnte, durfte er ihn behalten. Es musste eine neue Trophäe her. Es kam, nachdem 1871 aufgrund des fejlenden Preises keine Open ausgespielt wurde, 1872 die …

C

Claret Jug: Offiziell wird der Silberpokal „The Golf Champion Trophy“ genannt. Wert ursprünglich: 30 Pfund. Erster Sieger, klar: Young Tom Morris. 1928 wurde die Original-Trophäe dem Royal and Ancient Golf Club in St. Andrews vermacht, der heutige Pokal ist seither in Betrieb. Warum Claret Jug? Claret ist ein trockener Bordeaux. Die Silbertrophäe ist der Weinkannen des 19. Jahrhunderts nachempfunden, in denen der Bordeaux damals serviert wurde. Wird dem Sieger ein Jahr zur freien Verfügung überlassen. Diese füllen ihn in dieser Zeit mehrmals. Tiger Woods: “Um ehrlich zu sein, der Verbrauch war sehr hoch. Ich kann mich eigentlich nicht mehr richtig erinnern.”

D

Dauerbrenner: Die meisten Open-Starts in Folge – Sandy Lyle mit 42. In diesem Jahr war er mit Martin Kaymer über zwei Runden in Carnoustie dabei. Half beiden nix.

E

Ergebnis: Das beste schaffte Henrik Stenson im legendären Battle von Royal Troon gegen Phil Mickelson. 20 unter Par, 264 Schläge, Rekord. Und wir erinnern uns: Was eine Schlussrunde damals. Auch die 63 von Stenson in der Finalrunde war Rekord. Übrigens war Stenson 2013 Zweiter bei Mickelson Sieg.

F

Faldo, Nick: Zweimaliger Open-Sieger in Muirfield (1987, 1992), insgesamt gewann er das Major drei Mal. 1992 setzte er zur berühmten Siegrede an, dankte den Zuschauern „from the bottom of my heart“ und der Presse „from the heart of my bottom (Hinterteil)“, weil er sich falsch behandelt fühlte. Bis heute ist er der letzte englische Sieger bei der Open.

G

Grand Slam: Tiger Woods triumpierte 2000 auf dem Old Course. Sein erster Open-Sieg mit 24 und die Komplettierung seines Karriere-Grand-Slams. Das Gesamtergebnis von 19 unter Par ist bis heute Major-Rekord. Woods hatte zuvo die US Open gewonnen und sicherte sich später im Jahr auch die PGA Championship.  Mit dem Sieg beim Masters 2001 komplettierte er den sogenannten Tiger Slam. Insgesamt hat Woods 14 Major-Titel gewonnen. In diesem Jahr? Wir werden sehen.

H

Hall of Fame: Jeder Sieger einer Open in Muirfield seit dem 2. Weltkrieg ist Mitglied der World Golf Hall of Fame (Henry Cotton, Gary Player, Jack Nicklaus, Lee Trevino, Tom Watson, Nick Faldo, Ernie Els).

I

Internationale Sieger: Die Männer von der Insel sind stark vertreten … Schotten (41), Engländer (21), Jersey (7), Iren (2) und Nordiren (4) stellen historisch gesehen überwiegend die Sieger der Open Championship. Die Amerikaner halten dennoch die meisten Siege (47). Neun Titel gehen nach Australien, acht an Südafrika. Drei Mal gewann Seve Ballesteros aus Spanien. Nick Price aus Zimbabwe und der Franzose Arnaud Massy stehen aber auch in den Siegerlisten.

J

Jean van de Velde: Tragische Open-Figur. Kam 1999 in Carnoustie mit drei Schlägen Vorsprung zum letzten Loch. Wählte dennoch den Driver, verzog, verzichtete auf den Drop und versuchte es direkt aus dem Nirvana aufs Grün. Fand erst die Tribünen, dann eine Mauer und schließlich das tiefe Rough. Von dort? Wasser, wo er schließlich auch das passende Bild zum Absturz lieferte. Der Franzose überlegte, direkt aus dem Barry Burn zu schlagen, zog Schuhe aus und Hosen hoch, entschied sich aber für den Drop. Fünfter Schlag in den Grünbunker, Up-and-Down – Triple-Bogey. Im Stechen unterlag er Paul Lawrie. Der Name Jean van de Velde war der einzige, der schon auf der Claret Jug eingraviert war und wieder entfernt werden musste.

K

Kurse: In der Gegenwart gehören acht Plätze zum Zirkel der Austragungsorte. Drei in Schottland (Old Course, Carnoustie und Royal Troon), vier in England (Royal St. George’s Golf Club, Royal Birkdale, Royal Lytham & St Annes und Royal Liverpool) und einer in Nordirland (Royal Portrush). Muirfield (keine Frauen als Mitglieder) und Turnberry (Besitzer Donald Trump) sind vorerst aus der „Rotation“ rausgefallen.

L

Links-Kurs: Voraussetzung, dass eine Anlage die Open austragen darf.

M

Massy, Arnaud: Erster Nicht-Brite, der die Open gewinnen konnte. Ein historischer Moment, immerhin musste das Turnier dafür 47 Jahre alt werden. 1907 war es soweit, der Franzose triumphierte im Royal Liverpool Golf Club. Bis 1889 hatte es zuvor nur schottische Sieger gegeben. John Ball war 1890 der erste englische Sieger. Massy ist bis heute übrigens der einzige siegreiche Franzose. Deutsche Open-Siege übrigens: 0.

N

Nicklaus, Jack: Der bei weitem Abstand erfolgreichste Spieler der Sechziger und Siebziger Jahre – wenn auch nicht unbedingt aufgrund vieler Titel. In Relation zu seinen insgesamt 18 Major-Triumphen siegte er zwar „nur“ dreimal (1966, 1970 und 1978) bei der Open. Nicklaus wurde aber auch sieben Mal Zweiter in dieser Zeit, Rekord. Alles in allem verbuchte er 16 (!) Top-5-Ergebnisse.

O

Old Tom Morris: Das Old steht nicht unbedingt für das Alter, natürlich geht es in erster Linie um die Abgrenzung zum Sohnemann, dem jungen Tom Morris. Dennoch lässt sich das Old weiteren Kriterien zuordnen. Denn der Golfer, Schlägerbauer, Golfarchitekt und Greenkeeper ist bis heute nicht nur der älteste Gewinner (1867, 46 Jahre und 99 Tage) sondern auch der älteste Teilnehmer (1896, 74 Jahre, elf Monate, 24 Tage). Bezeichnend: Jüngster Sieger und jüngster Teilnehmer der Open-Geschichte? Natürlich, Young Tom Morris.

P

Preisgeld: 1860 bekam der Sieger einen Gürtel, das erste Preisgeld (10 Pfund) gab es 1863. Bis heute hat sich die Summe ver-94500-facht. Der Sieger 2017 erhält weit mehr als eine Million Pfund. Insgesamt werden in Carnoustie 2018 10,5 Millionen US-Dollar ausgeschüttet.

Q

Qualifikation: Für die offene Meisterschaften gibt es offene Qualifikationsturniere. Diese sind unterteilt in Local, Regional und seit 2004 auch International (auf allen fünf Kontinenten). In diesen Qualifikaitonswettkämpfen werden rund ein Drittel der Teilnehmer ausgespielt. Die restlichen zwei Drittel werden über 30 unterschiedliche Kriterien bestimmt.

R

Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews: Ausrichter der Open Championship.

S

Start: Die Idee zu einer jährlichen offenen Meisterschaft auf verschiedenen Kursen entstand 1856 im Prestwick Golf Club, gleichzeitig der Austragungsort der ersten zwölf Ausgaben. Die erste Open vier Jahre danach wurde auf 36 Löchern ausgetragen. Golfer. Acht. Seither wechselte der Modus mehrmals. Amateure starten seit 1861.

T

Teilnahmen: Die meisten hat Gary Player. 46 Mal war der Südafrikaner dabei. Siege: drei.

U

USA: Golfer von der anderen Seite des Atlantiks spielten lange keine Rolle. Auch wenn es bereits Anfang der Zwanziger Jahre die ersten US-Sieger gab, 1921 siegte der US-Schotte Jock Hutchison, ein Jahr später Walter Hagen zum ersten Mal, war es Arnold Palmer, der mit seinen Siegen 1961 und 1962 den Amerikanern die Open näher brachte. Aus einem einfachen Grund: Seine Triumphe wurden im TV übertragen. Seither reisen US-Spitzengolfer regelmäßig auf die britische Insel. Mit Erfolg: Phil Mickelson gewann 2013 in Muirfield und Zach Johnson 2015 in St. Andrews. 2017 siegte Jordan Spieth. Drei US-Sieger in vier Jahren.

V

Vardon, Harry: Rekordsieger der Open Championship. Der Golfer aus Jersey holte sechs Siege zwischen 1896 und 1914. Die Harry Cardon Trophy wird inzwischen alljährlich von der PGA Tour für den niedrigsten Durchschnittscore verliehen. Erfinder des Overlapping-Griffs, der heute weit verbreitet ist.

W

Watson, Tom: Zwischen 1975 und 1983 siegte der US-Golfer fünf Mal. Nur Harry Vardon triumphierte öfter. 2009 hätte der damals 59-Jährige jedoch nicht nur diese Bestmarke egalisieren, er hätte auch einen weiteren „uralten“ Rekord brechen können: Den von Old Tom Morris als ältestem Sieger der Open. Doch Watson verpasste auf der 18 in Turnberry den Par-Putt aus knapp drei Meter, der Titel und Rekorde wert gewesen wäre. Im Stechen unterlag er dann Stewart Cink.

X

X-Faktor: Wie gewinne ich die Open? Größter Gegner auf Links-Kursen: Der Wind. Ich muss mit jeder Menge davon klarkommen. Auf einer Runde kommt der Wind aus allen Richtungen. Das Beherrschen eines tiefen Ballfluges, der präzise eingesetzt werden kann (wellige Fairways, wellige Grüns), ist daher entscheidend.

Y

Young Tom Morris: Wie beim Vater erwähnt, bisher jüngster Teilnehmer (1865, 14 Jahre, 4 Monate, 25 Tage) und Sieger (1868, 17 Jahre, fünf Monate, acht Tage) der Open. Darüber hinaus war der wohl beste Golfer des Jahrhunderts hauptverantwortlich dafür, dass 1872 die Claret Jug eingeführt wurde. Nachdem Old Tom Morris bis 1867 viermal erfolgreich war, holte sich der Sohn zwischen ’68 und ’70 dreimal den Championship-Belt und durfte ihn daraufhin behalten. Vater und Sohn vereinen zudem die drei deutlichsten Open-Siege auf sich. 1872 wäre Young Tom Morris erster Empfänger der Claret Jug gewesen. Doch die Trophäe war noch nicht fertig. 1875 starb er im Alter von gerade einmal 24 Jahren.

Z

Zehn: So viele Spieler konnten die Open bei ihrem ersten Start gewinnen. Vorhang auf: Willie Park (Prestwick, 1860), Tom Kidd (St Andrews, 1873), Mungo Park (Musselburgh, 1874), Harold Hilton (Muirfield, 1892), Jock Hutchinson (St Andrews, 1921), Densmore Shute (St Andrews, 1933), Ben Hogan (Carnoustie, 1953), Tony Lema (St Andrews, 1964), Tom Watson (Carnoustie, 1975), Ben Curtis (Royal St Georges, 2003).