Golf – Die Schule des Lebens


Was lehrt uns Golf? Wir haben einige prominente Golfer gefragt - vom Majorsieger bis zur Skisprunglegende. Auch ein Fußball-Weltmeister ist dabei.

Von: Frieder Pfeiffer

„Golf ist das Spiel, das dem am nächsten kommt, was sie Leben nennen.“ – Das sagte einst der große Bobby Jones. Wenn dem so ist, was lernen wir durch dieses Spiel über das Leben? Wie bringt uns der Golfsport weiter? Was können wir mitnehmen? Wir haben uns umgehört unter prominenten Golfern.

BM

Martin Kaymer – Der Majorsieger

„Respekt, Ehrlichkeit, Demut – diese Werte habe ich durch den Golfsport noch einmal intensiver erlebt. Auch, weil sie bei uns in der Familie eine sehr wichtige Rolle spielen. Insbesondere Respekt gegenüber deinen Mitspielern, Mitmenschen und auch vor dem Spiel an sich waren und sind demnach sehr wichtig in jeder Situation. Zudem war es eine gewisse Härte gegen sich selbst, die wir auf dem Golfplatz und mit unserem Vater beigebracht bekommen haben; beim Golf ist nie jemand anderes verantwortlich für deine Schläge und das Ergebnis als du selbst.

Grundsätzlich glaube ich schon, dass Golf mich positiv geprägt hat. Golf ist ein Sport, der eben diese ehrenvollen Werte wie Respekt, Ehrlichkeit und Disziplin vereint. Eigenschaften wie diese sind sicher auch abseits des Golfplatzes sehr wichtig, deshalb bin ich froh darüber, mit diesem Sport groß geworden zu sein. Es ist ein so wunderbares und vielseitiges Spiel – es kommt auf die richtige Technik, Konzentration, Strategie, manchmal auch Kreativität und natürlich Geduld an. Das alles sind wichtige Eigenschaften, die beim Golf zusammenkommen. Obwohl Golf in erster Linie ein Individualsport ist, ist Golf extrem kommunikativ und gesellig. Zudem ist man stets mit der Natur verbunden und an der frischen Luft. Ich könnte mir keinen besseren Beruf für mich vorstellen.

Für mich hängen die Lehren dennoch auch immer mit meiner Erziehung zuhause zusammen. Nehmen wir das Beispiel Ehrlichkeit: Unsere Eltern haben immer gesagt, dass es Situationen geben wird, in denen sie auf dem Golfplatz nicht dabei sein werden und auch kein Mitspieler in der Nähe ist. Aber das wir bedenken sollten: Abends muss man immer noch in den Spiegel schauen. Und Ergebnisse sind nur Resultate. Wenn wir immer alles geben und auch bei Rückschlägen „dran bleiben“ – dann können wir uns nichts vorwerfen. Und natürlich ist da die Demut: Ich habe gelernt, nicht „abzudrehen“, auch nicht bei guten Schlägen oder Runden. Ebenso wenig lasse ich mich aber auch unterkriegen von Rückschlägen oder schlechten Schlägen.

Und ich habe in all den Jahren auf der Tour gelernt, was mich wirklich glücklich macht. Ich hatte sehr viel Glück in meinem Leben, habe viel geschenkt bekommen. Und so abgedroschen es klingt: Es ist schön, etwas weiter zu geben. Dabei geht es um die Chance auf Bildung und auf ein selbstbestimmtes Leben. Wir haben die Martin Kaymer Helianthus Stiftung ins Leben gerufen, um mithilfe der angesprochenen Werte des Sports wirtschaftlich oder sozial benachteiligten Kindern Türen zu öffnen. Sie sollen das lernen können, was auch ich durch meinen Sport gelernt habe. Es war sehr viel. Nicht immer war es leicht. Aber es ist leicht, es weiter zu geben.“

Martin Kaymer, zweifacher Major-Sieger, frühere Nummer eins der Welt

Felix Gottwald – erfolgreichster Olympionike Österreichs

Der frühere Kombinierer Felix Gottwald ist der erfolgreichste Olympiasportler Österreichs mit sieben Medaillen. Heute arbeitet der 42-Jährige als Trainer für mentale Fitness – und spielt jede Menge Golf.

Herr Gottwald, was hat Ihnen Golf beigebracht?

Um mit dem eigenen Golfspiel Freude zu haben, braucht es die ungeteilte Aufmerksamkeit auf dem Platz. Golf hat mir schon als Spitzensportler geholfen, abzuschalten und mich voll und ganz etwas anderem zu widmen. Um heute die Runde mit Freuden entsprechend genießen zu können, hilft es, die Arbeit samt Handy & To Do-Listen auf Pause zu stellen und sich am Single-Tasking zu erfreuen (lacht. Ein Schlag nach dem Anderen…

Was haben Sie noch gelernt?

Golf ist das wohl ehrlichste Beispiel für: „The more you practice, the luckier you are! “ Was Gary Player seinerzeit wohl vorausgesetzt hat: Dass es für stetiges Üben, immer Begeisterung und Hunger braucht! Deshalb erinnert mich der Golfsport immer auch an die Frage nach dem Wofür? Wenn dieses „Wofür“ geklärt ist, dann bleibt die Tatsache, dass wir mit Training nie fertig sind, unser Auftrag an uns selbst!

Wie hat Sie der Golfsport geprägt?

Golf ist eine wundervolle Metapher auf das Leben. Das Buch „Das Spiel – von Ken Wally und Blanchard Armstrong“ hat mich dahingehend in jedem Fall mehr geprägt als mein eigenes Spiel. Für mich bleibt Golf eine wunderbare Möglichkeit, sich spielerisch mit sich und seiner Aufmerksamkeit zu beschäftigen. Dabei nach guten und schlechten Schlägen viel über sich selbst zu lernen, ist jene Dienstleistung, die in jedem Greenfee enthalten ist. Auch deshalb bietet es sich immer wieder mal an, das Golfspiel als Metapher in meine Arbeit als Trainer, Speaker und Coach einzubauen. Jene, die Golf spielen wissen dann sofort, was gemeint ist.

Thomas Müller – Der Weltmeister

Thomas Müller ist wohl Deutschlands bekanntester Golfer – egal, ob er damit sein Geld verdient oder nicht. Innerhalb kürzester Zeit spielte er sich vor ein paar Jahren in den niedrigen einstelligen Handicap-Bereich, auch Martin Kaymer sagte: „Extrem gut.“ Für den Nationalspieler hat ihm Golf die optimale Möglichkeit gegeben, auch einmal runterzufahren. Die Rahmenbedingungen geschaffen für den idealen Ausgleich zum hektischen Geschehen auf dem Fußballplatz. Und was lernt der Fußballer noch von diesem Sport, der auf den ersten Blick so anders ist? Der Stürmer Müller ist nicht der Mann für tiefschürfende Analysen, aber er weiß, den Nagel pointiert auf den Kopf zu treffen.

„Ich habe schon Schläge gemacht, die können die Profis nicht besser.“ Ein Satz, kess im Moment, vollendet in Verbindung zum folgenden: „Aber ich habe auch schon Schläge gemacht, die könnte jeder besser machen.“ Ein typischer Müller, der nach eigenen Angaben so spielt, wie er redet: Weit, aber nicht immer präzise. Darüber kann er lachen, weil er Golf lange nicht als Sport, sondern als Spiel sah.

Doch vor allem, so Müller im Interview mit seinem Vereinssponsor Telekom: „Golf ist kein Wunschkonzert. Golf strengt den Kopf sehr an. Wir werden sehr demütig. Vor allem wir, wir schweben ja grundsätzlich auf einer Erfolgswelle. Aber wenn man auf den Golfplatz kommt, weiß man wieder, wo der Boden ist.“

Seine größte Herausforderung und vielleicht die größte Lehre: „18 Löcher zu spielen, ohne in ein Loch zu fallen.“ Die Fähigkeit, die Konzentration oben zu halten, davor verneigt sich Müller, der während eines Fußballspiels zwar 90 Minuten rennt, aber nicht immer voll auf der Höhe sein muss. „Golf ist sehr intensiv“, sagt er. Und genau damit setzt er sich gerne auseinander: „In der Natur, mit Freunden und Kollegen auf diesen kleinen Ball zu hauen und Erfolgs- aber auch Frustrationserlebnisse innerhalb kürzester Zeit zu erleben, übt eine große Faszination auf mich aus.“

Thomas Müller, Fußballer des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft

Sven Hannawald – Die Skisprunglegende

„Im Golf ist es ähnlich wie im wahren Leben: Wenn ich mehr will als sonst, dann kommt weniger raus. Ganz einfach: Je lockerer, desto besser. Das ist dann doch wie beim Skispringen. Wenn ich übertreibe, dann geht gar nichts. Deswegen hat mich die Sportart wahrscheinlich auch so fasziniert – weil ich für mich so viel lernen kann.“

Sven Hannawald, Vierfachsieger bei der Vierschanzentournee 2001/2002

Alex Kristan – Der Kabarettist

Golfspielen ist eine der besten Möglichkeiten, den Kopf leer zu bekommen. Der Schläger ist nichts anderes als ein Bio-Feedback-Gerät. Sobald dein Fokus nicht zu hundert Prozent auf den jetzt auszuführenden Schlag gerichtet ist, kann man davon ausgehen, dass der Ball irgendwo hingeht. Golf hat mir beigebracht, dass die Konzentration aufs Hier und Jetzt entscheidend ist.

Ich habe durch den Golfsport gelernt, dass er nicht nur zwischenmenschliche Verbindungen in Form neuer Kontakte schafft, wo auch Freundschaften aber auch Geschäftsbeziehungen entstanden sind, sondern ich habe auch gelernt, dass sich selten so der Charakter eines Menschen offenbart, wie auf einer 18 Loch Runde. Auch habe ich gelernt, dass die alte Mär vom „Alt-Herren-Sport“ ausgemachter Blödsinn ist. Jeder der das Gegenteil behauptet, soll gern mal in meinem Heimatclub GC Adamstal eine Runde zu Fuß gehen. Und ich habe gelernt, dass man sich Zeit bewusst und aktiv nehmen muss. Golf ist nichts für mal eben nebenbei.

Was ich durch Golf definitiv gelernt habe, ist, dass die im Leben oftmals angestrebte und meiner Meinung nach zu Unrecht glorifizierte Multitasking-Fähigkeit letztendlich nur dazu führt, dass man zwar Vieles ein bissl, aber dafür nichts richtig gut macht. Es geht darum seinen Fokus auf eine Sache zu schärfen und in dieser möglichst gut zu sein.

Alex Kristan, Stimmenimitator und Kabarettist, kann Niki Lauda – aber auch Golf

Konstantin Schad – Der Doppelsportler

„Diese Kombination aus Ruhe und voller Performance in einem Augenblick – vor allem mental“, das gefällt Schad am Golfsport. „Ich kann mich nirgends besser frei machen vom Alltag und doch gleichzeitig richtig Gas geben.“

„Wir machen uns einfach keinen Stress“, sagt er. „Golf ist bei uns sportlich irgendwie zweite Wahl, es hängt nichts davon ab. Ein Hobbygolfer oder auch die jungen Profis möchten bei ihrem Sport Gas geben und Erfolg sehen. Ich kann das ruhig angehen.“ Außerdem: Was jucke ihn ein Aus-Ball im Vergleich zu den Schmerzen, die er erleidet, wenn es ihn im Boardercross zerbröselt. „Den etablierten Profis merkst Du doch auch an, dass sie mental sehr viel entspannter unterwegs sind.“ Andere behaupten, sie sind es gerade nicht?

Snowboarder Konstantin Schad holte Bronze bei den X-Games und hat gleichzeitig ein Handicap von 3.