Foto: Tyler Lastovich (Unsplash)

Social Media: Ich poste, also bin ich


Social Media wird immer wichtiger. Golf macht da keine Ausnahme, denn die erfolgreichsten Profis erwirtschaften den Großteil ihres Einkommens über Sponsoren. Der authentische Auftritt bei Twitter, Instagram und Facebook gehört dabei längst zum Repertoire.

Von: Timo Schlitz

An die Zahlen von Cristiano Ronaldo kommt keiner ran. Er ist laut dem Forbes-Ranking nicht nur der am besten verdienende Sportler (geschätzte 93 Millionen Dollar Einnahmen pro Jahr), sondern auch im Segment „Social“ eine Wucht: Mehr als 200 Millionen Fans, Likes und Abonnenten versammelt der Kicker von Real Madrid. Alleine auf dem Bildnetzwerk Instagram folgen dem als durchaus selbstverliebt geltendem Star etwa 123 Millionen Abonnenten.

Aber auch in der Golfwelt ist Social Media bei den meisten Profis kaum noch wegzudenken. Zumindest nicht bei denen, die als wirkliche Marke aufgebaut werden und Verträge mit den ganz großen Brands haben. Gemeint sind Automobilhersteller, Versicherer, aber auch Ausstatter wie Nike (u.a. Tiger Woods und Rory McIlroy), Puma (Lexi Thompson und Rickie Fowler), Under Armour (Jordan Spieth) oder die in der Branche bekannten Equipment-Hersteller. Dazu kommen Unternehmen wie Bose, Coca-Cola, Mastercard oder Rolex sowie Destinationen, Fluglinien und Banken. Und alle wollen neben dem Charisma des Sportlers auch die Präsenz in der Online-Welt. Mit einer Entwicklung: Was früher die Webseite war, ist mittlerweile die Social-Media-Präsenz.

Und hier zählen 2018 vor allem Instagram und Twitter. Facebook, in Deutschland immer noch das mit Abstand größte soziale Netzwerk, rutscht in der eher jungen US-Sportler-Szene weiter ab. Snapchat hingegen ist für überwiegend junge Profigolfer ein Tool, wird aber noch von wenigen Unternehmen wahrgenommen, da die Videos oder Bilder („Snaps“) nicht digital auf anderen Plattformen eingebettet werden können und ohne eigenen Account auch nicht abrufbar sind. Zudem sind die Inhalte nur eine begrenzte Zeit sichtbar, wenn sie der User nicht speichert.

 

Aber zurück vom Smartphone auf das Fairway – und hin zum Bankkonto. Auf der Forbes-Sportler-Liste für 2017 befinden sich fünf Golfer unter den Top-Verdienern (geschätzte Jahreseinnahmen auf und abseits des Platzes): Rory McIlroy (Platz 6, 50 Mio. Dollar), Phil Mickelson (12. Platz, 43,5 Mio.), Tiger Woods (17. Platz, 37,1 Mio.), Jordan Spieth (21. Platz, 34,5 Mio.) und Dustin Johnson (48. Platz, 27,6 Mio.). Letzterer ist übrigens derjenige, der mit 16,6 Mio. Dollar das höchste Preisgeld in der Saison 2017 einspielte. Aber es ist auch nicht verwunderlich, denn in Sachen Präsentation und Marketing gilt der athletische, aber eher ausdruckslose „DJ“ nicht unbedingt als Vorzeige-Mann.

Ganz anders sieht das bei den Herren McIlroy und Spieth aus, die oft Authentisches posten und dennoch ihre Sponsoring-Partner nicht außen vor lassen. Tiger Woods wiederum ist fast schon wieder der Superstar von einst und erzeugt extrem viel „Buzz“ – auch über Social Media. Dass er die meisten Sachen kaum selber postet, fällt bei seiner Dominanz gar nicht weiter auf. Alleine Phil Mickelson, Jahrgang 1970, hält sich aus dem Social-Thema völlig raus und fährt gut damit. Dafür ist Lefty aber eben auch extrem charismatisch und nah bei den Fans. Kaum einer gibt so viele Autogramme, klatscht so oft die Zuschauer ab und zeigt zig Mal den Daumen. Das sparen sich andere – und teilen sich lieber über Posts und Hashtags (#) mit.

#SB2K17, #SB2K18 heißt was?

Apropos Hashtag: Unter der auf Social-Media-Kanälen suchbaren Abkürzung #SB2K17 findet man Videos und Bilder von den PGA-Profis Jordan Spieth, Rickie Fowler und Smylie Kaufman, die nach dem Masters einen gemeinsamen „Spring Break“-Urlaub auf den Bahamas zelebrierten. Viele sehen das sicherlich als digitalen Blödsinn an, aber junge Fans erfahren, dass diese jungen Golfer nicht nur ernste Millionäre in gebügelten Hosen sind, sondern auch ein attraktives Privatleben haben.

Social Media kann sogar so weit gehen, dass die sportliche Leistung kaum noch eine Rolle spielt. Paige Spiranac beispielsweise schaffte es in Rekordzeit zur Influencerin, auch wenn sie eigentlich Profigolferin sein möchte. Mehr als 1,4 Millionen Instagram-Fans hat die recht freizügige Blondine versammelt, dazu kommen Facebook (>250.000 Likes), Twitter (>190.000 Follower) und Snapchat als eher einseitige Kommunikationsplattformen. Kritik gibt es natürlich zuhauf für das golfende Model. „Ich weiß, dass mich die Leute in der Golfbranche als Gimmick ansehen. Aber ich denke nicht, dass ich das bin“, sagte die 25-Jährige im englischen Guardian. „Wäre ich ein Mann und hätte die selbe Reichweite auf Social Media, wäre das sicher anders. Sie würden sagen, dass er unglaublich sei.“ Laura Davies merkte trocken an: „Wenn sie aus einem anderen Grund hier ist, als eine großartige Golferin zu sein, dann finde ich das ein wenig sinnlos.“ Spiranac ist durchaus talentiert, schließlich spielte sie College Golf an der San Diego State. Aber in der Damen-Weltrangliste steht sie außerhalb der Top 1.000.

Auf das Cover von Golf Digest, der größten Golf-Zeitschrift in den USA, schaffte sie es 2016 dennoch. Genau wie ins Feld der Dubai Ladies Classic, wo sie 2015 und 2016 den Cut verpasste. Mittlerweile hat sie eine Auszeit vom Profi-Golf genommen und verdient als Model und „PXG Ambassador“ wahrscheinlich deutlich mehr Geld, als die meisten Spielerinnen auf der LET. Eins ist aber klar: Wie auch immer man zu Social Media steht, diese Form der Kommunikation wird bleiben. Denn was für den Fan Nähe schafft, sichert dem Profi letztlich einen Teil seines Einkommens.

Rory vor Tiger: Abonnenten auf Instagram

  • Rory McIlroy: über 1,5 Mio. Abonnenten 90%
  • Paige Spiranac: über 1,4 Mio. Abonnenten 88%
  • Rickie Fowler: über 1,4 Mio. Abonnenten 88%
  • Jordan Spieth: über 1,4 Mio. Abonnenten 88%
  • Tiger Woods: über 1,1 Mio. Abonnenten 80%
  • Bubba Watson: über 0,6 Mio. Abonnenten 40%
  • Michelle Wie: über 0,4 Mio. Abonnenten 40%