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BMW International Open – woher kommt der Erfolg?


Die BMW International Open können nicht mit großen Preisgeldsummen protzen - dennoch kommen Jahr für Jahr einige Hochkaräter nach Deutschland. Woran liegt das?

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Auch Golfer schauen gerne Fußball – zumindest, wenn sie aus Europa kommen. Vorneweg die Spanier, Sergio Garcia, Rafa Cabrera-Bello, Pablo Larrazabal, die deutschen Golfer von Martin Kaymer über Max Kieffer bis Marcel Siem und natürlich die Engländer, die Italiener, wobei Letztere bei dieser WM und in diesem Sommer etwas ruhiger über die Clubanlagen schlendern.

Nichtsdestotrotz suchen auch sie die TV-Bildschirme, über die es grün schimmert vom Rasen in Russland. Da ist der Golfer nicht anders als der Büro-Mitarbeiter, der verstohlen den Stream am Rechner startet.

Wenn in dieser Woche die BMW International Open bei Köln ausgetragen wird, ist die Sache mit der Suche etwas anders. Dort, wo es die Spieler traditionell noch ein bisschen besser haben als vielerorts sonst auf der European Tour, ist nun nicht nur der gewohnt luxuriöse Shuttle-Service an sich ein Grund, die Reise nach Deutschland zu starten. In diesem Jahr werden die Spieler auf den Hinterbänken mit Bildschirmen belohnt, die die WM live ins Transportmittel transportieren. Die Spieler sind begeistert.

Heimspiel auch für Schweden

Es ist nur ein aktuelles Beispiel für die Art und Weise, wie es das eigentlich kleine Event, das zuletzt abwechselnd in München-Eichenried und in Gut Lärchenhof bei Köln ausgetragen wurde, die Hochkaräter der Szene anlockt. Im vergangenen Jahr war der amtierende Masters-Champion Sergio Garcia am Start, dazu der Open-Sieger Henrik Stenson und Martin Kaymer, zweimaliger Major-Sieger und Lokalheld. Natürlich gehört auch Glück dazu, natürlich darf über Antrittssummen spekuliert werden.

Wie dem auch sei: Garcia ist dieses Jahr wieder mit dabei, dazu Tommy Fleetwood, fast mit US-Open-Titelwürden dekoriert seit dem vergangenen Wochenende – auch Martin Kaymer schlägt wieder ab. Und Gary Player schaut auf seine routinierten und immer noch sehr fitten Tage auch wieder bei der „BIO“ vorbei. Stenson sagte einmal: „Neben dem Turnier in Schweden ist die BMW International Open wie ein zweites Heimspiel für mich.“ Ein Heimspiel, das es in seiner jetzigen Form seit 1989 gibt, so lange wie kein anderes auf der European Tour.

So ist die Reise des Events auch jetzt, da aus der Zentrale der European Tour eine neue Richtung mit Rolex Series und neuartigen Turnierformaten vorgegeben wird, eine sehr erfolgreiche. Am Mittwoch im ProAm schwärmte Schauspieler Jan-Josef Liefers: „Wie immer bei BMW war auch dieses Event wieder großartig organisiert.“ Und TV-Koch Frank Rosen ergänzte: „Ich war zum vierten Mal beim Pro-Am der BMW International Open dabei und bin immer wieder begeistert.“

Natürlich hilft dem Autohersteller grundsätzlich das Produkt, das er mit dem Turnier bewirbt. Ein Nähmaschinen-Hersteller beispielsweise, der nicht in der Lage ist, aktuelle Produkte für Testfahrten zur Verfügung zu stellen, hätte es deutlich schwerer.

Stenson, Vater dreier Kinder, schwärmte auch schon von der Kinderbetreuung vor Ort. „Ich mag die Effizienz in Deutschland“, sagt er zudem. Die Organisation stimmt, bei der Austragung in München kommt noch der Folkore-Trumpf hinzu. „An unserem Heimatstandort spielen wir natürlich die bayerischen Karte aus. Lederhosen, Wettmelken, das mögen die Spieler. Und auch die Players’ Night gibt es sonst bei keinem anderen Turnier auf der Tour“, sagt einmal Christian Masanz, damals Leiter BMW Golfsport Marketing.

Es sind neben den guten Beziehungen von Turnierdirektor Marco Kaussler die weichen Faktoren, die das Turnier zukunftsfähig machen sollen. Dazu gehört auch das Zuschauererlebnis. Masanz verweist auf die weitläufige Public Area, die es in dieser Größe und Qualität selten gibt auf der European Tour. Auch ohne Kaymer und Bernhard Langer waren 2016 knapp 60.000 Zuschauer auf Gut Lärchenhof bei Köln gekommen.

In diesem Jahr ist Kaymer wieder dabei. „Es ist für mich besonders schön, in meinem Heimatland vor den deutschen Golffans spielen zu können“ sagt Kaymer, der als einziger deutscher Golfer das „großartige Turnier“ (Kaymer) seit 1989 gewinnen konnte. Im Stechen siegte er 2008 vor unzähligen Deutschland-Fahnen gegen den Dänen Anders Hansen. Ein laut Kaymer „besonderer Titel“, auch für die Chronik, die ihn seither als jüngsten Sieger ausweist: 23 Jahre und 177 Tage alt. „Deshalb komme ich immer wieder gerne zurück.“

Die Möglichkeit, im Shuttle Fußball-WM zu schauen, bringt den Rheinländer Kaymer nicht wirklich weiter. Er reist mit dem eigenen Wagen an.