Bild: USGA/John Mummert

Brooks Koepka gewinnt 118. US Open in Shinnecock Hills


Und dann schlug der Kurs zu. Die 118. US Open in Shinnecock Hills, New York, ließ kaum Runden unter Par zu. Brooks Koepka störte das nicht, denn der 28-Jährige verteidigte auf Long Island seinen Major-Titel.

Von: Frieder Pfeiffer und Timo Schlitz

Back-to-back? Ernsthaft? Das gab es in der langen Geschichte der US Open zuletzt 1989. Aber der Reihe nach: Brooks Koepka und Dustin Johnson gingen im vorletzten Flight auf die Schlussrunde der 118. US Open. Beides extreme Longhitter, beide echte Athleten, die auch in großen US-Sportarten wie Basketball oder Football nicht fehlerhaft wirken würden. Und golferisch? „DJ“, Weltranglistenerster und US-Open-Champ von 2016. Koepka, Titelverteidiger. „American muscle“ hörte man am ersten Abschlag einen Fan lautstark artikulieren. Das passte. Zudem sind die beiden Freunde und Trainingspartner im Fitnessstudio sowie auf der Range, wo sie mit Trackman ihre Schlagdaten vergleichen und optimieren. „Das wird ein Spaß. Es wird intensiv“, wusste Koepka schon vor dem Start.

 

Finalrunde

Das erste Ausrufezeichen setze dann aber ein anderer. Tommy Fleetwood, der Mann von der Insel, der dank seiner langen Haare eher wie ein Rockstar aussieht. Seine 63 (-7) war ein Leistung für die Geschichtsbücher – und brachte den 27-Jährigen am Ende auf Rang zwei.

Doch ein Schlag Vorsprung reichte für den Titelverteidiger. „Am Donnerstag wurde er bei Golf Channel nicht Mal erwähnt“, sagte Claude Harmon III., der Coach von Koepka. „Und das als Titelverteidiger.“ Der Trainer wusste aber auch: „Er nutzt das als Motivation. Er sagt immer, dass er lieber seine Schläger sprechen lässt.“ Nach dem sehr umstrittenen Moving Day hatte dann auch die austragende USGA ein Einsehen und machte Shinnecock Hills zumindest spielbar. Die Grüns wurden bewässert und Fahnenpositionen gewählt, die man angreifen konnte. Ricke Fowler lieferte eine 65 ab, am Vortag war es eine 84 gewesen. Fleetwood spielte eine der tiefsten Runde in der Geschichte des Majors.

Dustin Johnson scheiterte alleine am Putter. Der 33-Jährige fand 12/14 Fairways, schlug den Ball vom Tee im Schnitt über 290 Meter und traf sensationelle 16 Grüns. Er benötigte aber auch katastrophale 35 Putts. Brooks Koepka spielte hingegen solide (9/14 Fairways, 12/18 Grüns), puttete dafür aber deutlich besser (28). Das reichte schließlich zum zweiten US-Open-Titel in Folge, was bislang nur sieben Spieler schafften, darunter die Legenden Bobby Jones und Ben Hogan.

Die 118. US Open ist mit 12 Millionen US-Dollar dotiert. Koepka bekommt als Sieger 2.160.000 Dollar überwiesen.

Die besten 9 der Finalrunde

Runde drei

Bevor wir zu den Ergebnissen des dritten Tages der 118. US Open kommen. Zu Favoriten für die Finalrunde und möglichen weiteren Konstellationen. Hier einmal der Zustand, in dem sich einer der erfahrensten Golfer dieser Tage befand, als ihm die Bedingungen im Shinnecock Hills Golf Club so langsam in die Glieder gefahren waren. Phil Mickelson und der Move des beleidigten Amateurs. Zwei Schläge Strafe und so viel mehr darüber, was diese US Open mit den Spielern machen. Sogar mit den abgebrühtesten…

 

WTF just happened 🤣 #golfgods #USOpen #UnclePhil

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Und bevor wir nun wirklich gleich zu den Ergebnissen kommen. Was Phil Mickelson mit seinem Putt-Meltdown bewies, verpackte Zach Johnson, ein weiterer Routinier mit Major-Würden, in deutliche Worte nach der Runde. Und Pat Perez, der an der 15 mit seiner unglaublichen Fahnenposition den Ball wie viele vom Grün puttete, sagte danach: „Ich gebe besser keinen Kommentar ab, ich will von der USGA nicht bestraft werden.“ Für alle war klar: Die Löcher 13 und 15 waren indiskutabel, den Rest sahen manche als fair an, manche wollten sich nicht beruhigen.

Okay, dann jetzt zu den Ergebnissen. Und wer glaubte, die wären schnell und einfach abzuhandeln, weil sie so spät kommen: getäuscht. Das wird ein – so lässt sich wohl jetzt schon sagen – spektakuläres Finale am Sonntag bei der US Open. Ob es immer im Sinne der beteiligten Spieler ablaufen wird in Bezug auf Fairness und der gewohnten Einbeziehung golferischen Könnens, siehe Anmerkungen davor, ist jedoch nicht ganz so sicher. In jedem Fall finden sich vor der Finalrunde 15 Spieler innerhalb von nur vier Schlägen. Dustin Johnson, der die Tage zuvor seine relativ sicheren Kreise gezogen hatte, schimpfte sich über den Kurs und verlor am Ende elf Schläge auf die früher bei weicheren Bedingungen gestarteten Tony Finau und Daniel Berger. Seine 77 und die 66 der beiden anderen brachte alle auf drei über Par, ebenso wie Brooks Koepka. Auch dahinter bleibt es eng. Die europäischen Hoffnungen ruhen auf Justin Rose (+4) und Henrik Stenson (+5).

Runde zwei

Back to back für Dustin Johnson? Bislang sieht es gut für den Longhitter aus, der in der Vorwoche auf der PGA Tour gewann und sich damit wieder Platz eins der Weltrangliste sicherte. Nach der 69 zum Auftakt legte der lange Amerikaner eine 67 für insgesamt -4 nach. 2016 gewann er sein bislang einziges Major – auch damals war es eine US Open. Jetzt sieht es langsam so aus, als würde im das Turnier unter den schwierigsten Bedingungen am meisten liegen. Auch der windige Shinnecock Hills GC macht dem 33-Jährigen bislang keine Angst: Nur fünf Bogeys stehen nach 36 Löchern auf seiner Karte. Am zweiten Tag traf „DJ“ 86 Prozent der Fairways und 12/18 Grüns. Dazu kamen 27 Putts. Exzellente Werte!

Tiger unzufrieden

„Ich bin alles andere als zufrieden damit, wie ich gespielt und vor allem, geputtet habe“ , sagte Tiger Woods, der nach zwei Runden bei 10 über Par steht. Problematisch war vor allem die Auftaktrunde, für die der Superstar eine 78 benötigte. Die zweite Runde beendete Woods immerhin mit zwei Birdies. 30 und 28 Putts bei wenig getroffenen Grüns (7/18 und 9/18) waren allerdings keine gute Ausbeute.

Fleetwood und Koepka mit 66er Runden

Englands Tommy Fleetwood und der US-Open-Titelverteidiger Brooks Koepka zeigten am zweiten Tag, dass Shinnecock Hills durchaus bezwingbar ist. Beide brachten eine exzellente 66 in das älteste Clubhaus Amerikas zurück und verbessterten sich auf dem Leaderboard auf Position vier (+1). Ebenfalls auf dem vierten Platz: Justin Rose, Ian Poulter und Henrik Stenson. Der Schwede faszinierte Fans und Moderatoren gleichermaßen, als er auf der 16 cool zum Eagle einlochte. Denn: Das Loch misst 610 Yards, knapp 558 Meter. Da sind wir Amateure froh, wenn wir mit drei Schlägen auf dem Grün sind!

Graeme McDowell +9 | Charl Schwartzel +12
Jordan Spieth +9 | Danny Willett +12
Tiger Woods +10 | Matt Kuchar +12
Rory McIlroy +10 | Adam Scott +13
Bubba Watson +11 | Sergio Garcia +14
Jason Day +12Jon Rahm +15
Martin Kaymer +18

Aus und vorbei: Martin Kaymer scheitert bei der US Open 2018 mit Ergebnissen von 83 und 75 klar am Cut.

Bild: USGA/Chris Keane

Runde eins

Was war das denn bitte? Klar, die US Open, schwierigstes Turnier der Welt, Stahlblau seit mehr als hundert Jahren und nicht immer ganz fair, wie es Bernhard Langer auch schon mal formulierte. Doch jetzt das, Shinnecock Hills Golf Club, der Schinder unter den Schinderkursen lässt einen Golfer eine 92 (!) spielen und viele der Besten ratlos zurück. Die Bälle hören nicht auf zu rollen. Und wenn sie es mal tun, dann nur im dichten Gras, wo an rollen eh nicht zu denken ist.

So ergaben sich zum Auftakt dieser 118. US Open folgende Zahlen, mit einigen Zusatzzahlen: 80, 78, 78, 79, 77, 83.

Rory McIlroy, US-Open-Champion von 2011, spielte die 80, seine schlechteste Major-Runde in Bezug auf Par. Jordan Spieth, ebenfalls US-Open-Sieger und mehrmalige Major-Champion, kam auf 78 Schläge ebenso wie Tiger Woods, der vor dem Turnier noch so große Hoffnungen hatte. Und weiter im Programm: Jason Day, klar, Major-Sieger und ehemalige Nummer eins: 79. Phil Mickelson eine in diesem Zusammenhang fast gute 77. Und Martin Kaymer? Der kam nach 83 geschlagenen Bällen ebenso geschlagen im Clubhaus an. Major beendet. Der britische Amateur-Champion Scott Gregory spielte wie oben erwähnt eine 92 – der höchste Score seit 16 Jahren.

US Open 2018 – Was ist da los?

Zu viel gewollt, sagten die einen. Die Fahnenpositionen und natürlich die spiegelglatten Grüns neben den gnadenlosen Roughs. Und dann natürlich: Der Wind in Southampton, New York.“Das hatte ich so nicht erwartet“, verzweifelte Jordan Spieth nach einem Schlag laut Golf.com. Am Ende des ersten Tages sollte jedoch die Überraschung selbst überraschen. In drei US Open seit 1986 im Shinnecock Hills Golf Club lag die Cut-Linie immer mindestens bei sechs über Par.

Und für alle, die da jetzt mit den hohen Zahlen haderten, wusste jemand irgendwo im fernen Großbritannien einen Ausweg. Er postete das hier. Vorfreude auf ein Golf-Turnier mit Birdies.

DJ – Nummer eins, auch bei der US Open

Doch es gab eben auch die anderen. Es gab einen Russell Henley, der mit einer 69 (-1) vom Kurs kam, einen Scott Piercy, der auf der Proberunde nach fünf verlorenen Bällen auf den ersten vier Löchern aufgegeben hatte. Auch Ian Poulter unterschrieb eine 69. Und dann war da am Nachmittag auch noch die Nummer eins der Welt. Während sich neben ihm Tiger Woods über den Platz kämpfte, war auch Dustin Johnson den üblen Herausforderungen gewachsen. Zwischenzeitlich lag er bei drei unter Par. Am Ende reichte es ebenfalls für eine 69. Der Kommentar des nie redseligen Haudraufs: „Habe einen guten Job gemacht.“ So kann man das sehen.

Von der Redaktion ausgewählte Starzeiten (*Start von der 10. Spielbahn)

Vormittags

7.29 Uhr – Louis Oosthuizen, Jimmy Walker, Justin Rose
7.40 Uhr – Bubba Watson, Jason Day, Brooks Koepka
7.51* Uhr – Zach Johnson, Charl Schwartzel, Patrick Reed
8.02* Uhr – Rory McIlroy, Jordan Spieth, Phil Mickelson
8.13* Uhr – Hideki Matsuyama, Marc Leishman, Rickie Fowler

Nachmittags

13.14 Uhr – Sergio Garcia, Jon Rahm, Rafa Cabrera Bello
13.25 Uhr – Tommy Fleetwood, Francesco Molinari, Alex Noren
13.36* Uhr – Ernie Els, Steve Stricker, Jim Furyk
13.47 Uhr – Justin Thomas, Dustin Johnson, Tiger Woods
13.47* Uhr – Henrik Stenson, Adam Scott, Martin Kaymer

Von der Redaktion ausgewählte Starzeiten (*Start von der 10. Spielbahn)

Vormittags

7.29 Uhr – Sergio Garcia, Jon Rahm, Rafa Cabrera Bello
7.40 Uhr* – Tommy Fleetwood, Francesco Molinari, Alex Noren
7.51 Uhr – Ernie Els, Steve Stricker, Jim Furyk
8.02 Uhr* – Justin Thomas, Dustin Johnson, Tiger Woods
8.02 Uhr – Henrik Stenson, Adam Scott, Martin Kaymer

Nachmittags

13.14* Uhr – Louis Oosthuizen, Jimmy Walker, Justin Rose
13.25* Uhr – Bubba Watson, Jason Day, Brooks Koepka
13.36 Uhr – Zach Johnson, Charl Schwartzel, Patrick Reed
13.47 Uhr – Rory McIlroy, Jordan Spieth, Phil Mickelson
13.58 Uhr – Hideki Matsuyama, Marc Leishman, Rickie Fowler

 

Vor dem Major

Der Rummel um Tiger Woods ist auch beim zweiten Major des Jahres gigantisch. Nachdem der ehemalige Weltranglistenerste beim Masters „nur“ einen geteilten 32. Platz erreicht hatte, sind die Hoffnungen der Fans und TV-Macher gleichermaßen groß, dass Woods in Shinnecock Hills um den Sieg mitspielt. An der Unterkunft dürfte es schon einmal nicht liegen. Während andere Profis dank dem teilweise extrem chaotischen Verkehr bis zu zwei Stunden vom Hotel zum Platz im Auto verbringen werden, lässt sich Superstar Woods einfach mit einem Beiboot an den Steg von Sag Harbor schiffen und dann entspannt zum Kurs bringen. Denn der 42-Jährige residiert standesgemäß auf seiner Luxusyacht „Privacy“, die etwa 47 Meter misst und unter anderem über einen Jacuzzi, ein Fitness-Center und ein eigenes Kino verfügt. Woods sagte dazu nur lächelnd: „Es hilft, auf so einem Schlauchboot zu wohnen.“

Wie groß die Tiger-Mania ist, sah man auch an den Fragen im Vorfeld. Von Jordan Spieth, immerhin dreifacher Major-Champ, wollte man überwiegend wissen, wie wichtig denn ein Woods für den Sport sei. Spieth, 24, antwortet gnädig: „Es ist großartig für den Golfsport. Er ist hier, weil er das Spiel liebt, sich messen und gewinnen will. Er gehört wie Arnie und Jack zu dem besonderen Kreis, die den Sport verändert und ihn so populär gemacht haben.“

Aber ab zum einzigen deutschen Starter im Feld der US Open. Martin Kaymer ließ sich von Fechterin Britta Heidemann für das Online-Portal Sportbuzzer interviewen und verriet einige Details aus seinem Leben, die man so noch nicht gehört hat. Darunter: Die Leere nach dem Erreichen der Weltranglistenspitze und einen Beinahe-Zusammenbuch auf dem Flughafen. Wie immer ist Kaymer, immerhin zweifacher Major-Champion, sehr ehrlich und reflektiert. Auch an seinen persönlichen Zielen merkt man, dass der 33-Jährige noch richtig Bock auf seinen Sport hat. „Zumindest möchte ich versuchen, alles zu gewinnen, was man gewinnen kann. Dafür fehlen mir noch zwei Major-Siege, und darauf lege ich den Fokus“, so seine Aussage in dem Interview (den kompletten Text gibt es hier). Alleine seine noch nicht lange auskurierte Handgelenksverletzung könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Immerhin hat er die US Open aber auch schon einmal gewonnen – und zwar 2014 auf dem berühmten Platz Pinehurst No. 2. Die Parallele zu Shinnecock Hills: Auch hier haben die Designer Coore & Crenshaw einige Details des Kurses einem Re-Design unterzogen.

Bild: USGA/John Mummert