Golf & Politik: Mehr als Trump


In den USA ist der Golfsport momentan so politisch aufgeheizt wie wohl nie zuvor. Auch weil die Politik so golfverrückt ist wie selten. Doch wie sieht das bei uns aus? Wie ist sie, die Verbindung zwischen Golf und Politik im deutschsprachigen Raum? Letzter Teil unserer kleinen Serie über Golf & Macht.

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Donald Trump steht vor dem Weißen Haus. Er hat sich in weiße Golfkleidung geworfen, seine inzwischen berühmte rote Baseball-Cap trägt er auf dem Kopf. In der Hand hat er einen Golfschläger, vor ihm liegen Golfbälle. Der 45. Präsident der USA drischt diese Bälle in Richtung Weißes Haus, die Scheiben zerbersten, das wohl bekannteste politische Gebäude der Welt sieht nicht mehr ganz so glänzend aus. Der Golfer Trump schadet der Politik der Vereinigten Staaten – diese Nachricht will das US-Magazin „New Yorker“ mit diesem Cover in die Welt senden. Die Macher des Heftes unterstreichen mit Hilfe der Zeichnung eine Entwicklung, die auch die Kollegen des „Economist“ in der selben Woche im vergangenen Jahr herausarbeiteten, als sie den Präsidenten Trump auf den Titel holten – ebenfalls als Karikatur, wild in einem Bunker um sich schlagend.

Hier geht es zu Teil I der Macht-Serie: Golf & Macht 

Hier geht es zu Teil II der Macht-Serie: Golf & Medien

Wohl nie zuvor war der Golfsport so politisch wie in den Monaten, seit ein golfverrückter Milliardär im Weißen Haus sitzt. Donald Trump, 70, ist seit Januar 2017 nicht nur der mächtigste Mann der vermeintlich freien Welt. Er war bis dahin – und ist es durch sinistre Verknüpfungen noch immer – einer der mächtigsten Männer des Golfsports. Trump ist laut eigenen Angaben nicht nur der vielleicht „beste reiche Golfer der Welt“. Er besitzt tatsächlich 17 Golf-Anlagen, darunter Trump Turnberry in Schottland, für viele der beste Kurs überhaupt; und die Anlage in Doral, wo bis zum vergangenen Jahr eines der World Golf Championships ausgetragen worden war. 

Fortsetzung einer Tradition

Trump ist US-Präsident. Und Trump ist Golf. Ist Golf dann auch US-Präsident? Die Geschichte dieser Sportart ist in den USA eine, die immer auch mit dem höchsten Amt im Staate verbunden war. Und es ist nicht frei von Ironie, wenn der Mann, der seinem Vorgänger Barack Obama das viele Golf spielen wütend vorhielt, nun selbst ein Vielfaches an Runden dreht.

Von seinen ersten 31 Tagen im Amt verbrachte er sechs auf dem Golfplatz. Regelmäßig am freien Wochenende, gerne aber auch zur Arbeit wie mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe, noch lieber aber mit Golfgrößen wie Rory McIlroy oder Lexi Thompson, schleppt Trump den Secret Service auf die Grüns. Dass sich danach vor allem die Spielpartner Kritik gefallen lassen müssen, ist Ausdruck der polarisierenden Person Trump. Dass mancher sagt, Trump schade dem Golfsport durch seinen zumindest zweifelhaften Charakter, ebenfalls. Dennoch bleibt die Golf-Leidenschaft für viele in der Branche ein Gewinn. „Grundsätzlich ist es ja gut, dass er Golf mag“, sagt Martin Kaymer auf Anfrage. „Trump ist der wohl beste Golfer im Oval Office. Und der kenntnisreichste“, ergänzt Jay Monahan, Boss der US PGA Tour. „Für uns ist das grandios.“

Von der Kritik der großen Touren, als der damalige Präsidentschaftsbewerber Trump gegen Mexikaner schimpfte, ist nichts mehr übrig. Oder frei nach McIlroy, im Versuch seine Runde mit Trump zu erklären: „Einem US-Präsidenten sagt man nicht ab.“ Aber natürlich, so der Nordire später, würde er sich eine erneute Zusage inzwischen gut überlegen. „Rassist“ wird niemand gerne genannt, nur weil er Golf mit den falschen Personen spielt. Und wenn Trumps Sohn Eric prahlt, sein Vater und Tiger Woods wären „sehr gut befreundet“, lässt dieser entgegnen, dass über das Berufliche hinaus keinerlei direkte Partnerschaft bestehe.

Zu elitär für Europa?

Was in den USA bei all dem Zinnober aber nie in Zweifel gezogen wird: Golf spielen schadet Politikern grundsätzlich nicht. Eine Erkenntnis, die nicht verwundert angesichts der Tatsache, dass sich fast jeder US-Nachkriegspräsident als Freund der Fairways präsentierte. 

Aber warum ist der Sport in Europa, und speziell in Deutschland und Österreich, für viele Politiker scheinbar unsicheres Gelände? Warum berichtet jeder Volksvertreter mit ausgeprägtem Sendungsbewusstsein von seinen Marathon-Ambitionen, warum schleichen sich Kanzler in Fußballer-Kabinen und lassen sich mit halbnackten Teenagern ablichten? 

 

Tiger Woods spricht über seine Runden mit US-Präsidenten - und stichelt gegen Donald Trump

Golf könnte Politikern helfen

Die Beziehung der Menschen hierzulande mit der Kultur des Golfsports ist das eine. Klar gibt es in den USA deutlich mehr Golfer, ist das Spiel in der Gesellschaft tiefer verankert. Andererseits ist das Problem allgemeiner zu fassen. „In den USA herrscht grundsätzlich eine andere Kultur“, sagt Robert Fiegl, Generalsekretär des Österreichischen Golf-Verbandes. „Man ist stolz, wenn man etwas erreicht hat.“ Also ist nicht gleich jeder ein Aufschneider, der den scheinbar elitären Sport ausübt. „Elite ist in Deutschland immer noch ein Schimpfwort“, pflichtet Marion Klimmer bei. Die Hamburgerin berät Führungskräfte und findet: „Golf könnte sicherlich auch vielen Politikern, wie allen Führungskräften, helfen, im Job besser klar zu kommen, leichter persönliche Höchstleistungen in erfolgskritischen Situationen abrufen zu können.“ Je besser ein Golfer sei, desto eher beherrsche er Etikette und Rücksichtnahme. „Beides würde uns auch im Berufsleben gut zu Gesicht stehen. Und natürlich auch Politikern.“ Aber: Deutsche Politiker wollten eben nicht in Verruf gebracht werden mit einem vermeintlich „elitären“ Hobby. „Und die Wählerschicht, die auf Golf abfährt, ist dann wohl zu klein.“

Sie tun sich also schwer, die deutschsprachigen Politiker mit der Traditionsdisziplin. Selbst wenn wie 2015 in Berliner und Wiener Hinterzimmern Steuererleichterungen für einen möglichen Ryder Cup 2022 genehmigt wurden, ist ein öffentlicher Treueschwur noch weit entfernt. Da kann ein deutscher Minister Golf als „Randsportart“ abkanzeln und sich der Zustimmung im Volk sicher sein. Solange sich das elitäre Bild der Sportart nicht ändere, so Ole Schröder, Staatssekretär im Innenministerium in Berlin, „werden die meisten Politiker sich weiterhin lieber mit Handball oder Fußball als mit Golf in Verbindung bringen“.

Der Golfer als Bösewicht

In der Golfszene beschweren sie sich nicht zu unrecht über die mediale Aufarbeitung ihrer Sportart. Wer einen Protagonisten im Krimi als erfolgreichen, aber eventuell zwielichtigen Charakter einführen will, der stellt ihm ein Golf-Bag in die Villa. Dass Golfer an diesem Image nicht ganz schuldlos sind, zeigen Beispiele wie die Steuerfahndung mit anschließendem Steuernachzahlungsbescheid im Golfclub Wannsee bei Berlin. Grundsätzlich leitet das Klischee aber fehl.

„Es ist schwierig, den Menschen diese Stereo-typen abzugewöhnen“, sagt Generalsekretär Fiegl. Er weiß von einer „ganzen Menge Golfer unter den Politikern“. Aber es herrsche eben die Angst, bei einem Outing zu hören zu bekommen: „Der arbeitet ja gar nicht und ist nur auf dem Platz.“ Ähnlich äußert sich auch Marcus Neumann, Sportvorstand des Deutschen Golf-Verbandes und wichtiger Vertreter der Golf-Interessen in Berlin. „Golf wird in Teilen als Zugehörigkeit zu einer gewissen Schicht gesehen.“ Das Magazin „Spiegel“ erzählte einst eine dieser Klischee-Geschichten über den heutigen deutschen Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Als der SPD-Politiker einmal vorschlug, im Golf-Restaurant essen zu gehen, wurde er gefragt, ob er denn auch Golf spiele. Seine Antwort: „Um Gottes willen. Ich bin doch ein kleiner Prolet.“

Dabei würden im persönlichen Gespräch viele ihr Interesse an der Sportart zeigen, berichtet Fiegl, der allein aufgrund seines Amtes viel Kontakt zum Wiener Politikbetrieb pflegt. „Es gibt sogar ein parlamentarisches Golfteam.“ Und Ole Schröder antwortet auf die Frage, ob es Golf spielende Politiker in Berlin gebe? „Selbstverständlich. Das jährliche Golfturnier des Bundestages, dessen Schirmherrschaft ich das zweite Mal übernehmen durfte, zeigt, wie groß die Begeisterung für den Golfsport bei vielen Politikern ist.“

Geheime Leidenschaft

Einer der wenigen hochrangigen Politiker mit Golf-Leidenschaft ist Hans-Jörg Schelling, Finanzminister Österreichs. Doch wer im Internet nach Treffern sucht, stößt lediglich auf seine politische Unterstützung in Sachen Ryder Cup, der Golfer Schelling ist nicht wirklich präsent. Ebenso hielt es Grete Laska in ihrer aktiven Politikerzeit als Vize-Bürgermeisterin von Wien oder auch Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, der erst nach dem Rückzug offensiv sein Golf-Hobby in Gesprächen aufs Tableau brachte. Es gebe zu wenig golfspielende Politiker, die dies offen einräumen, klagte Marco Paeke, Geschäftsführer der Vereinigung clubfreier Golfspieler in Deutschland im „Tagesspiegel“. Dass es Golf spielende Politiker unabhängig der Parteizugehörigkeit grundsätzlich auch in Berlin gibt, ist kein großes Geheimnis, auch im Berliner Senat saß der ein oder andere Golfer. Und Thomas Leimbach, ehemaliger Abgeordneter in Sachsen-Anhalt, ist heute Präsidiumsmitglied im Deutschen Golf Verband.

Dort trifft er immer wieder auf Marcus Neumann, der sich über den Umgang mit seiner Sportart gar nicht beklagen will. „Es ist als Politiker doch tatsächlich hilfreicher, beispielsweise soziale Projekte zu unterstützen.“ Er ist sich sicher: „Die Zeit wird es bringen.“ Dann werde man auch hierzulande „normaler“ mit dem Golfsport umgehen, so wie es im anglo-amerikanischen Bereich bereits jetzt passiert. Erste Anzeichen sieht er bereits. Die Zeit, in denen sich Politiker mit Golfverbänden gar nicht unterhalten wollten, ist vorbei. „Spätestens seit der Ryder-Cup-Bewerbung für 2022 sind wir in Berlin angekommen.“ Auch Politiker Schröder hat das so beobachtet: „Der Golfsport hat sich erfolgreich neu positionieren können.“ Dass Politiker jetzt aber selber Golf spielen, das sei nun eben der nächste Schritt, sagt Neumann. In den USA haben Politiker diesen Schritt schon hinter sich. Donald Trump sogar jedes Wochenende.