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Team-Format: Ist es mehr als eine Affäre?


Die Zurich Classic auf der US PGA Tour ist das etwas andere Turnier. Und die Spieler lieben es. Sollte es mehr Event-Exoten geben? Oder wäre das dann auch wieder langweilig?

Von: Frieder Pfeiffer

Da spielst du Woche für Woche irgendwie dasselbe. Runde eins, Kampf um den Cut, Moving Day, Finaltag. Schön immer auf sich selber schauen, mehr Gespräche mit dem Caddie, weniger mit den Flightkollegen. Und am Ende des Tages der Blick aufs große Leaderboard in der Hoffnung, nicht ganz so weit nach unten scrollen zu müssen. Da wird man doch auch mal müde, setzt mal eine Woche aus, fährt mit den Freunden ein paar Tage Urlaub machen oder kümmert sich um die Familie.

Nun aber das, so ein ähnliches Gefühl wie beim Ryder Cup, da willst du auch nicht fehlen, wenn du US-Golfer oder Europäer bist. Okay, die anderen wollen auch nicht fehlen – aber was sollen sie tun? Also: Zurich Classic in New Orleans. Geschenkt, da kann man richtig gut Party machen. Aber das kann man in Rio de Janeiro auch. Und hey, olympisches Dorf! Aber Olympia? Vier Runden, Auftakt, Cut, Moving, Final. Wenig Zuspruch. Sicherheitsprobleme hin oder her, sind wir ehrlich, war irgendwie langweilig.

Zehn der besten 14 der Welt

Also Zurich Classic, schnöde US PGA Tour. Nicht mehr oder weniger Preisgeld, Weltranglistenpunkte gibt es nicht, eher wenig Ruhm oder Ehre – im Gegenteil. Muss man jetzt alles teilen, mit einem Teammitglied. Denn die neue (seit 2017)  Zurich Classic ist ein Wettkampf für Zweier-Teams. Und das im Einzelsport Golf? Will keiner. Denkste. Wollen (fast) alle. Zehn der besten 14 der Welt sind in New Orleans in dieser Woche.

Masters-Champion Patrick Reed, Jordan Spieth, Jon Rahm, Sergio Garcia, Justin Thomas, Justin Rose and Henrik Stenson – alle dabei. Warum? Weil es neu ist. Weil es anders ist. Man kann sich zusammen freuen, gegenseitig aufbauen, trösten, beschimpfen, beschuldigen. 

In diesem Jahr waren alle vier amtierenden Major-Sieger am Start. Es heißt, für den Sponsor, die Zurich Insurance Group, ist das neue Format so ein Erfolg, dass das Event wohl eine lange Zukunft hat. Die US-Medien sind sich einig: Die Spieler wollen der US Tour zeigen, dass sie nicht immer dasselbe vorgesetzt bekommen wollen. Turnierdirektor Steve Worthy sagt: „Die Spieler haben das Format wirklich ins Herz geschlossen. Es ist schön, von Spieler zu hören, die lange nicht da waren, wie sehr sie es genossen haben.“ Jason Dufner meinte bereits im vergangenen Jahr: „Will ich es jede Woche? Wahrscheinlich nicht. Aber ein paar Mal im Jahr wäre super. Und es wäre gut für die Tour. Und gut für uns Spieler.“

Gemischtes Turnier auf der European Tour

Der Boss der European Tour, Keith Pelley, hatte den ganzen Reformreigen vor wenigen Jahren im Angesicht der aufziehenden Krise angestoßen. Sein Credo: „Glaubwürdig und unterhaltsam.“ Die Zurich Classic schafft das perfekt, die Geschwister auf der Euro-Tour nicht immer. Spannend wird sein, wie sich das Team-Format bei GolfSixes in der nächsten Woche ebendort präsentieren wird. Dann mit Frauen und Männern im Feld. Eines ist sicher: Aufmerksamkeit ist garantiert.

Und so bleiben nur diese Fragen: Wie lange hält die Aufregung an? Ist die Ausnahme so beliebt, weil sie eine Ausnahme ist? Oder darf es noch mehr Ausnahmen von der Regeln geben? Es ist der viel besungene Tanz auf dem schmalen Grat. Aber wer keine Musik macht, kann nicht wissen, wie gut getanzt wird.

Apropos tanzen. Auch Alex Cejka macht die Sache so richtig Spaß: