Getty Images

Golf & Medien: Macht oder Ohnmacht


Wer hat das Sagen im Golfsport? Spieler, Equipmentfirmen, Regelhüter? Wohl eher letztere. Doch wie sieht es mit den Medien aus? Ein Blick auf die, die den Blick normalerweise bestimmen. Teil II unserer Reihe über Macht im Golfsport.

Von:

Woher haben wir eigentlich unser Golf-Wissen? Vom Trainer? Kaum. Nur etwa 15 Prozent aller Golfer nehmen Stunden … Was das Aktuelle über die Profis betrifft, können wir unser Wissen höchstens aus der Süddeutschen Zeitung oder FAZ beziehen, die über die Turniere einigermaßen regelmäßig berichten. Warum das trotz eines Martin Kaymer nicht passiert – sogar der bald 60-jährige Bernhard Langer erhält mehr Medien-Interesse – liegt etwa neun Jahre zurück, als Kaymers Ex-Manager, der Stockholmer Johan Elliot, auf die Frage nach einem deutschen Medien-Insider im Kaymer-Team meinte: „Deutschland interessiert uns nicht, wir sind international aufgestellt!“ 

Kaymer zu perfekt?

Die Quittung dieser „Denkweise“: Kaymer wurde trotz guter Leistungen und Manieren tages-medial sehr lange Zeit nicht nur von BILD regelrecht geschnitten. Wohl auch, weil er zu „glatt“, zu perfekt war, und den Medien wohl zu wenig Ecken & Kanten, Ups & Downs, Affären & Affärchen präsentierte wie einst Boris Becker. Man kann auch sagen: Des Deutschen Liebe sprang nicht über, weil es kaum Heldensagen und schon gar keine Love-Storys gab – und gibt. Und dafür sind die Medien oft der einzige, aber eben mächtige Steigbügelhalter.

Golf ist in den Tagesmedien hierzulande Stiefkind. Die Golf-Zeitschriften sind dagegen sehr rege, obwohl nur etwa ein Drittel aller Golf-Spieler auch Golf-Leser sind. Die über 40 (!) deutschen Zeitschriften, die sich zum Beispiel mit „Stricken“ befassen, sind dagegen allesamt Auflagen-Millionäre …

Hier geht es zu Teil I der Macht-Serie: Golf & Macht 

Hier geht es zu Teil III der Macht-Serie: Golf & Politik

Warum lesen nicht mehr Golfer über aktuelles Golfgeschehen wie in Schweden, England, Schottland, Irland, Amerika etc.? Hört man den „Terrassen-Talk“, merkt man klar: Nur etwa ein Viertel der Hobby-Golfer reflektiert auf die Profis, können aber auch nur mitreden, weil sie den einzigen Golf-Sender teuer abonniert haben: Sky. Der großen Mehrheit der Amateure sind die Golf-Millionarios jedoch wurscht: Sie spielen lieber selbst, reisen lieber, kaufen lieber – anstatt über „alte“ Turniere das nachzulesen, was sie, wenn überhaupt, schon vor Wochen im TV gesehen haben. 

Anders reagiert der Golfer bei Informationen über Equipment, Mode, Golfreisen und Trainings-Tipps: Da sind Golf-Magazine für ihn wie die Bibel. Weil er selbst etwas davon hat. Besonders online geht er zudem gerne auf Schnäppchen-Jagd. Gäbe es weder Berichte rund um unser Amateur-Golf noch die Golf-Werbung – dann wäre unser Golf im internationalen Vergleich noch ärmer dran …

Und das Fernsehen? 

Das erweist sich trotz vieler Golfer unter den Sportjournalisten öffentlich-rechtlich beharrlich anti, sieht man von wenigen Highlights wie Ryder Cup, Olympia oder Solheim Cup ab. Golf im deutschen Fernsehen liegt weit abgeschlagen auf Platz 30 – hinter Rodeln, Segeln oder American Football! Wen wundert’s? Der Sport hat bei uns einfach noch zu wenig (TV-)Lobby. Wie man einst beim Ryder Cup-Vorentscheid merkte. Die Politik hatte den kleinen Ball ohnehin noch nie auf dem Schirm – im wahrsten Sinne des Wortes. Und Angela Merkels berühmter Satz „Golf? Ein schönes Auto …!“, bedurfte schon damals keiner weiteren Erläuterungen. So betrachtet ist Golf bei uns eher ohnmächtig als mächtig. 

Ansonsten bleiben soziale Medien, die Webseiten der Hersteller und Anbieter, dazu ein paar Blogger, Videos & Video Pod-casts, Audio Podcasts und (auch nur bei den wenigen großen Turnieren) einige wenige Radioberichte. 

Sky is the limit – dahinter kommt nichts

Gäbe es nicht Sky, würde im deutsch-österreichischen TV wohl nur der große Ball über den Bildschirm rollen. Also zahlen wir – bei Sky bis zu über 60 Euro pro Monat! Dem „Himmel“ sei Dank oder eher himmelschreiend? Zugegeben: Selbst spielen ist oft spannender als fünf, sechs Stunden Sofa-Golf, wegen der US-Turniere meist noch dazu zu Nachtzeiten. Aber Sky ist für Golfer wenigstens immer da. Ansonsten „golft“ nur RTL ein wenig mit einem Wochen-Rückblick in Magazin-Format und SAT.1 Gold mit „golf total“ jeden Samstag um 8:30 Uhr (!) – mit News und Reise-Tipps. Das war’s!

Sky Sport, Sky Sport HD bzw. Sky Go bieten dagegen alle Turniere der PGA Tour inkl. PGA Championship, die US Open, Masters, The Open, den FedEx- und Presidents Cup. Zudem die European Tour, die World Golf Championships, die Asian und Sunshine Tour und die Höhepunkte der European Seniors Tour mit Bernhard Langer oder die Challenge Tour – alle live in HD. Highlights wie letzten April das Masters dauern zwar mit Siegerehrung schon mal bis nachts um halb zwei, aber für echte Fans lohnte es sich dieses Jahr schon alleine wegen des heiß umkämpften Siegs von Sergio García mit Spannungspotential, wie es größer nicht sein konnte. 

Der größte Experte golft gar nicht (mehr) 

Wahre TV-Golf-Freaks schwören aber auch bei Sky übrigens auf den englischsprachigen Kanal. Einer, der das sehr gut nachvollziehen kann, ist ausgerechnet der (seit 21 Jahren) deutsche Sky-Dauer-Kommentator Carlo Knauss: „Die englischen und amerikanischen Kollegen sind bei jedem Turnier mit bis zu sieben Reportern und Kommentatoren vor Ort und bieten schon alleine dadurch für Golf-Insider mehr Infos.“ Der ehemalige Amateur-Bundestrainer, der sich auch schon mal die Profis zu kritisieren traut, verriet Perfect Eagle übrigens noch: „Der ganze Golfmarkt tut sich bei uns schwer und wir Sky-Kommentatoren – Irek Myskow, Gregor Biernath, Adrian Grosser und meine Wenigkeit – sehen uns ohnehin meist als positive Ergänzung zu den Bildern. Was meine Kollegen und ich wissen und weitergeben, kann natürlich für den einen Zuschauer wichtig sein, für manche Insider aber eben nicht. Ich für mich bin schon froh, wenn ich die Hälfte der Zuschauer als Anhänger wüsste … Man kann es nicht allen recht machen.“

Und passiert endlich mal was auf dem Golfplatz - dann gibt es nur Fotos...

Abschwung in den USA

Perfect Eagle wollte wissen, warum die Sky-Experten kaum vor Ort sind und bis auf einige Mai-Turniere und der Tour Championship im September aus dem Studio in München-Unterföhring senden. Carlo Knauss: „Eine Kostenfrage. Die englischen und US-Sender können für Golf einfach mehr Geld ausgeben, weil deren Zuschauer-Interesse im Vergleich zu Deutschland und Österreich weitaus größer ist.“ Womit wir wieder beim Thema wären. Übrigens: Carlo Knauss verriet auch, dass er selbst „seit etwa neun Jahren kein Golf mehr gespielt“ hat und „gar kein eigenes Set mehr“ besitzt. Dafür aber „nach zehn Jahren Marathonlaufen und täglicher Fitness nunmehr pro Woche 500 Kilometer Rad“ fährt. Gertenschlank ist der 56-jährige Genuss-Raucher alle Male noch.

Irek Myskow, selbst früher Golf-Profi, ist übrigens im Haupt-Job Spielerberater von Sergio García und Jungprofi Dominic Foos – weltweit der einzige „Doppler“ neben Branchengröße Butch Harmon, der mit Tiger Woods acht Majors gewann und nebenbei für Sky UK kommentiert. Zudem ist der Schweizer unter anderem Golf-Unternehmer und Turnierveranstalter. Aber er unkt: „Es ist weltweit ein Abschwung im Golfsport zu verzeichnen, was sich besonders in der USGA mit einem Minus von über zehn Prozent und auch in der Golf-Industrie bemerkbar macht.“ Deutschland und
Österreich blieben einigermaßen verschont. Noch.

Die sozialen Medien …

… boomen dagegen, dank der Fülle von „news to use“. Nimmt man die englischen dazu, hat man eher ein Problem zwischen zu viel Twitter- & Facebook-Golf. Wer wirklich Aktuelles über die Profis sucht, wird umfangreich auf den Webseiten der PGA Tour & Co. unterrichtet. Bei Golf-Reisen, in der Wunschliste der Golfer ganz oben, hilft vor allem das Internet als Info-Quelle Nr. 1 – neben den Golf-Fachzeitschriften. Kein Wunder, dass zwei der vier großen deutschen Golf-Zeitschriften immer mehr auf Reisen setzen, als Informant und zunehmend sogar als Veranstalter.

Ob via Zeitungen, Magazine, TV, Websites oder Apps: Ohne Medien wüssten wir wenig(er), wäre der Golfsport blutarm.

Aber leider verfährt die Mehrheit immer noch nach dem Motto: Wissen ist Macht. Ich weiß aber nichts. Macht nichts …