Profigolf – eine teure Angelegenheit


Was ein Golfprofi auf der Tour an Preisgeld verdient, ist ziemlich einfach nachzurechnen. Doch was kostet so ein Leben auf der Tour? Und wie sieht es sonst in den Bilanzen aus? Florian Fritsch gibt in seiner Kolumne Einblicke.

Von: Florian Fritsch

Zu Beginn meiner Profizeit, das war Anfang 2009, habe ich mir noch nicht so viele Gedanken über Sponsoring gemacht. Als Amateur hat man Zugriff auf viele Fördertöpfe. Zusätzlich hat man als guter Amateur viele Menschen kennengelernt, die schnell ihre finanzielle Unterstützung zusagen. Als es dann aber soweit war, habe ich gemerkt, dass bei vielen diese zugesagte Förderung nicht mehr als heiße Luft war. Die Ausreden waren in der Regel gleich: Die Firma wurde abgewickelt, das Marketing-Budget war nicht mehr da oder ich war doch nicht mehr der Richtige. Kurz – ich stand, sponsorentechnisch, erst einmal alleine da.

Es ist halt so, dass wenn man auf der Challenge Tour oder einer Satellite Tour spielt, in erster Linie die persönlichen Kontakte zählen und weniger ein messbarer Marktwert. Man versucht, über persönliche Sympathien Sponsoring zu generieren. Wichtig dabei war: Ehrlichkeit. Nicht zu versuchen, den Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern ihnen wirklich zu sagen, was man wie vorhat. Alles in der Hoffnung, dass der eine oder andere doch irgendwo Geld übrig hat. Erst später auf der European Tour ändern sich die Gewichtungen – man wird immer weniger zum Bittsteller, sondern teilweise schon zum Angebotsempfänger. An dieser Stelle wird aber alles etwas härter, professioneller und aufgerechneter. Schließlich gibt es aber eine einfache Formel, wenn es um Sponsoren geht – je besser man spielt, desto einfacher wird es.

Hier geht’s zur Kolumne von Florian Fritsch über Nachwuchsförderung

Als ich 2009 auf der Challenge Tour innerhalb kürzester Zeit zweimal Zweiter wurde, hat die Öffentlichkeit bereits vom zweiten Kaymer gesprochen. Ich bekam einige gute Angebote, alle aber mit der Bedingung, am Ende des Jahres mit der Tourkarte dazustehen. Unter diesem Druck bin ich schließlich zusammengebrochen und hab’ für ein Jahr aufgehört. Als ich am Ende des Jahres 2010 es doch über die Q-School auf die Tour geschafft habe, waren die Angebote wieder da. Die Geschichte war einfach zu gut: Quasi wie Phönix aus der Asche.

Finanzielle Unterstützung oder Sponsoring kann unterschiedlich aussehen. Zum einen der Klassiker: Ein Sockelbetrag für Präsenzfläche und Aktivitäten plus gegebenenfalls Boni im Erfolgsfall. Zum Zweiten gab es Kollegen, die Aktien zu ihrer Person ausgegeben haben. Dabei verdient der Aktionär anteilig im Erfolgsfall. Ich habe für meine Situation mit der Flugangst mal ein differenzierteres Konzept aufgestellt. Die meisten Verträge sind immer an eine Mindestanzahl von Turnieren gekoppelt. Da ich diese manchmal nicht erreichen konnte, hatte ich die Idee eines „Turniertagegelds“. Für jeden Tag in einem Turnier werde ich unterschiedlich hoch bezahlt, je nach Wertigkeit des Turnieres. Ein absoluter Glücksfall ist es, wenn man einen wohlhabenden Privatier im eigenen Club schon lange kennt, der sich dazu durchringt, einen am Anfang der Karriere zu unterstützen ohne irgendwelche Gegenleistungen. Einfach nur so aus Leidenschaft und Sympathie. 

150.000 Euro Schulden am ersten Tag

Wer das alles nicht hat, muss schnell aufgeben. Mindestens zwei Kollegen, die ich persönlich kenne, haben aufgrund fehlenden Geldes während der Saison Schluss gemacht, trotz voller Spielberechtigung auf der European Tour. Das ist hart. Aber so überraschend? Auf der European Tour gehst du am 1. Januar bei einem vollen Spielplan mit bis zu 150.000 Euro Miesen ins Jahr, die man erst mal reinholen muss. Darin enthalten sind Gelder nur für Golfausgaben wie Reisen, Hotels, Trainer, Caddies und alles, was mit der eigenen Karriere zu tun hat. Gelebt hast du da eigentlich noch nicht. In den unteren Ligen habe ich es schon öfter miterlebt, dass selbst die Ranglistensieger die Kosten über die Preisgelder gar nicht reinholen können.

Aber apropos Preisgeld. Der Betrag, wie er im Internet dargestellt wird, wird eh nicht komplett ausgezahlt. Es gibt einerseits die Quellensteuer im Turnierland und andererseits eine eventuelle Einkommenssteuer im Heimatland. Danach sind gut mal 50 Prozent weg. Aber klar, ich beklage mich nicht – ich habe diesen Weg gewählt und war mir über viele dieser Dinge im Klaren. Es ist eine Entscheidung, die schließlich jeder irgendwann mal treffen muss: Risiko oder Sicherheit?

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