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Slow Play – Langsam nervt’s


Immer mehr Profis beschweren sich über Slow Play auf der Tour. Das heißt, so langsam müsste auch den Letzten das Problem bewusst werden.

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Das Jahr 2018 gehört bislang zu großen Teilen der Begeisterung für einen 42-Jährigen, der nach einigen Operationen und Problemen wieder den Schläger schwang. Ganz erfolgreich, besser als gedacht. Tiger Woods war zurück. Doch all diese Manie verschluckte eine Entwicklung, die gleichzeitig ablief und deren Protokoll inzwischen selbst einige Kapitel umfasst. Und so wird vielen erst in diesen Tagen bewusst, wie weit hier eine Debatte schon ist, wenn ein kurzer Satz reicht, um die Message zu verstehen und diese gleich für alle ganz leicht zu übersetzen ist: Martin Kaymer beschwert sich zum wiederholten Male über langsames Spiel auf der US PGA Tour.

Genau genommen war es sein Caddie Craig Connelly, der seinem Ärger nach der Auftaktrunde der Valero Texas Open Freiraum verschaffte. Eben mit einem kleinen, aber deutlichen Satz via Twitter. Bereits in der Masters-Woche hatte sich Kaymer sehr ungehalten geäußert über seine Flightkollegen, die es laut dem Deutschen geschafft hatten, selbst dann sehr lange für einen Schlag zu benötigen, wenn sie als Letzter an der Reihe waren.

Doch damit war es in diesen Tagen gar nicht genug. Andere Golf-Insider ist das alles ebenfalls zu langsam. Es ist das Ergebnis der vergangenen Monate. Im Januar, bei der Farmers Insurance Open, brauchte der finale Flight rund sechs Stunden für 18 Löcher. Das sind vier Fußballspiele. Am letzten Loch stand J.B. Holmes vier Minuten und 16 Sekunden über dem Ball und plante seinen zweiten Schlag am Par 5. Dann legte er vor.

Vor einigen Jahren lag die durchschnittliche Dauer einer Sonntagsrunde auf der Tour unter vier Stunden. Nun sind es mehr als fünf. Die Gründe? Schwierigeres Setup, mehr Druck, eine schleichende Entschleunigung. Geoff Ogily stellte bei Golf Digest noch eine andere Theorie auf: “Die Generation vor mir, die Davis Loves und Freddie Couples‘, die haben Golf auf dem Platz gelernt. Also haben sie eine natürliche Geschwindigkeit entwickelt. Die Jungen lernen auf der Range. Für sie heißt das dann auch auf dem Kurs immer: Volle Routine. Das hat die Kadenz verlängert.“ Auf der Range gewöhne man sich ein anderes Mindset an. Und das beherrscht inzwischen die Mentalität. Seit 1995 hat die US PGA Tour bis 2018 nur zwei Strafen wegen Slowplay ausgesprochen.

Schon im März war dem Engländer Tyrrell Hatton nach der World Golf Championship in Mexiko der Kragen geplatzt. In einem Podcast-Interview mit Sky Sports kritisierte er die Offiziellen der US PGA Tour scharf. Grund waren Ermahnungen in der Finalrunde des Turniers für ihn und Spielpartner Shubhankar Sharma. Beide waren mit Phil Mickelson im Flight der Führenden unterwegs – und das sehr langsam. Dem US-Golfer Mickelson wurde extra bescheinigt, er sei nicht gemeint, worauf dieser frohlockte, wohl sehr beliebt zu sein. Denn Gründe dafür gab es zumindest laut Hatten dafür nicht.

„Sharma war überhaupt nicht langsam“, sagte Hatton in dem Podcast. Für ihn war eher Mickelson das Problem. Doch der kam davon. Hatten kochte – und verpasste mit einem Bogey an der 18 das Stechen. Das gewann übrigens, genau: Phil Mickelson.

Und wer glaubt, dass das alles eigentlich schon fast für eine ausgewachsene Debatte reicht, der findet ohne Probleme noch einige weitere Beiträge aus den vergangenen Wochen. Es wird spannend sein, zu sehen, wann die Spieler konkret Namen nennen. Martin Kaymer verwies sehr eindeutig auf Spielpartner Zach Johnson, der offensichtlich kein schneller Zeitgenosse ist („lächerlich“). Doch bevor es nicht zu noch offeneren Debatten kommt, und bevor auch vor großen Namen nicht Halt gemacht wird (Jordan Spieth gilt ja ebenfalls als schlendernder Kandidat, der nie ernsthafte Konsequenzen fürchten musste), bleibt die Debatte eine schwelende – die sich dann nur allzu gerne wieder hinter Tiger Woods versteckt.

Geht es nach den Zuschauern, sollte viel härter gegen die Plage des langsamen Spiels vorgegangen werden. Bislang braucht es einige Ermahnungen bis zur tatsächlichen Strafe. Welche Konsequenzen Slow Play grundsätzlich nach sich ziehen sollte, diese Frage haben User bei Sky Sports im vergangenen Jahr schon beantwortet.