Illustration: Dominic Vielnascher

Big Business: Wie läuft das Geschäft?


Ist was dran, dass auf dem Golfplatz die besten Geschäfte gemacht werden? Oder sind die angeblichen Deals nur heiße Luft?

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Repräsentative Daten gibt es zu dem Thema nicht. Eine Studie von 2002, die in den USA für Starwood Hotels erhoben wurde, führte zum Ergebnis, dass „Golf ein guter Weg sei, um neue Geschäftskontakte zu schließen“. Mehr als 90 Prozent der rund 400 Befragten konnten sich darauf verständigen. Mehr als 40 Prozent gaben darüber hinaus an, dass sie einige ihrer größten Geschäftsabschlüsse auf dem Platz gemacht hätten. Ähnlich war die Aussage bei einer Umfrage im Vorfeld des Ryder Cup 2010 in Wales. Zahlreiche Manager wurden befragt und mehr als ein Drittel bestätigte das Potential für Geschäfte auf Fairways und Grüns. In der New York Times wird weitere Manager-Studie angeführt: Wie sich jemand auf dem Golfplatz benehme, sei sehr ähnlich, wie sich diese Person auch beruflich verhalte. Rund die Hälfte der Befragten stimmten der Aussage zu. Allerdings ist die Studie fast 25 Jahre alt.

Repräsentativ ist das alles nicht. Festhalten kann man aber, auch aus eigener Erfahrung: Wer eine Runde Golf mit einem Unbekannten spielt, weiß im Anschluss, mit wem er es zu tun hat. Denn bei kaum einem anderen Sport liegen Freude und Frust so nah beieinander – und man selbst steht als Zuschauer direkt daneben. Was das mit dem Business zu tun hat? Investiert wird immer noch sehr oft in Menschen, und Vertrauen beziehungsweise Sympathie kann auf dem Platz durchaus entstehen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich in meiner mehr als 20-jährigen „Golfkarriere“ unzählige interessante Menschen kennengelernt habe und mit einem Großteil auch beruflich etwas starten würde, wenn es thematisch Sinn macht. Mit einigen wenigen, die sich auf dem Platz nicht vernünftig benehmen (im Spiel betrügen, extrem ausrasten), würde ich mich aber nicht einmal auf die kleinste Zusammenarbeit einlassen. Denn die Rückschlüsse vom Golfplatz lassen sich aus meiner Sicht aus sehr gut auf die Geschäftswelt übertragen.

Golf gibt einen Einblick in die Persönlichkeit

„Deine wahre Persönlichkeit wird sich zeigen. Bist du ein Schummler? Oder eine ehrliche, großzügige Person? Fluchst du und schmeißt Schläger? Mit einigen Sachen kann man unter Freunden noch davonkommen, aber mit Klienten wird das auf dem Platz nicht klappen“, schreibt das Wirtschaftsmagazin Forbes. Das bestätigt auch Dietmar Hopp: „Die netten und die nicht so netten Seiten zeigen sich im Spiel. Ich mag es zum Beispiel nicht, wenn jemand schummelt“, so der Mitbegründer von SAP, der auch Präsident und Gründer des GC St. Leon-Rot ist.

Wenn Vertrauen aufgebaut wird, heißt das allerdings nicht zwingend, dass am 19. Loch der Millionen-Deal unterschrieben wird. Die Amerikaner sprechen davon im „long Run“ zu sein. Es geht darum, eine Beziehung aufzubauen, nicht darum, einen Deal zu verkaufen, erklärt ein befragter Manager in der Forbes-Geschichte. Wie im Geschäft selbst scheint es auch auf dem Platz eine Kunst zu sein, einen Deal zu machen.

  • Seien Sie aufmerksam: Helfen Sie Ihren Mitspielern beim Suchen und seien Sie bei der Etikette ein Vorbild. Pitchmarken ausbessern, Bunker rechen und zügig spielen sind wichtiger, als Sie denken.
  • Ruhig bleiben: Behalten Sie auch nach schlechten Schlägen die Contenance. Schmeißen Sie keine Schläger und fluchen Sie nicht lautstark, wenn ein Schlag misslingt.
  • Spielschulden sind Ehrenschulden. Zahlen Sie aus eigenem Antrieb verlorene Zocks. Gleiches gilt übrigens für gespielte Ladies!
  • Nie verkehrt: Verschenken Sie eine 3er-Packung Bälle, wenn Ihr Firmenlogo drauf steht. Im Clubhaus danach: Laden Sie Ihre Geschäftspartner auf einen Drink ein.
So machen Sie den richtigen Eindruck