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US Masters: Grün ist die Tradition


Das Masters, erstes Major im Golf-Jahr, ist nicht nur deshalb besonders, weil es immer in Augusta stattfindet. Über die gut 80 Jahre seines Bestehens, hat sich das jüngste Major ordentlich mit Traditionen und Mythen beladen. Hier die wichtigsten.

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Green Jacket

Das berühmteste Kleidungsstück des Golfsports ist trotz aller Polos, Bundfaltenhosen und Karosocken der Siegerstoff aus Augusta. Ursprünglich Erkennungsmerkmal der Clubmitglieder, wird es seit 1949 auch dem Masters-Sieger übergestreift. Die Herstellungskosten belaufen sich auf 250 US-Dollar. Wertsteigerung ist zu erwarten: Das Jackett von Horton Smith, dem ersten Sieger, wurde 2013 für 682.000 US-Dollar versteigert. 

Fortschritt 

Das Masters mag gediegen daher kommen, ist aber auch schon lange sehr progressiv in vielen Dingen. So war es das erste Turnier Amerikas, bei dem die Spielbahnen an den Seiten Seile zur Absperrung erhielten und Scoretafeln aufgestellt wurden. Es ist der einzige Turnierstandort mit einem festen Medienzentrum, vor allen anderen wurde hier Wireless Internet für die Journalisten angeboten. Augusta National revolutionierte mit seinen Kamerasystemen auch die Fernsehübertragung vom Golf. Hier wurde als erstes ein Kühl- und Wärmesystem unter einigen Grüns installiert, um dem morgendlichen Frost Herr zu werden oder die Hitze zu dämpfen. 2010 war es das erste sportliche Großereignis der Welt, das in 3D ausgestrahlt wurde. 

Apropos Fernsehen 

Die Regeln für die Berichterstattung sind hier traditionell etwas anders. Die Fernsehzeiten sind stark begrenzt, jahrelang waren die ersten neun Löcher nur den Patrons vor Ort bekannt. 1956 waren insgesamt zweieinhalb Stunden Masters-Golf im Fernsehen zu sehen. Heute sind es 18 Stunden – immer noch deutlich unter Schnitt. Erlaubt sind zudem nur vier Minuten Werbung pro Stunde.

Rassismus 

Der gehört zur Masters-Geschichte leider wie die Tradition. Nicht nur, weil Club- und Turnier-Initiator Clifford Roberts der Meinung gewesen sein soll, dass so lange er lebe, „Spieler weiß und Caddies schwarz“ sein müssten. Lange wehrte sich Roberts gegen einen schwarzen Spieler beim Masters, obwohl es Möglichkeiten genug gegeben hätte. Lee Elder war schließlich 1975 der erste Afroamerikaner, der im Club nicht bedienen musste – sondern spielen durfte. 

Amen Corner 

Der Reporter Herbert Warren Wind wäre ein respektierter, aber eher unbekannter Kollege geblieben, wäre er 1958 nicht auf die Idee gekommen, den Abschnitt zwischen elftem Grün und 13. Abschlag „Amen Corner“ zu taufen. Heute gehören die drei kniffligen Bahnen in Augusta, durchzogen vom kleinen Rinnsal Rae’s Creek, zu den berühmtesten der Welt – auch, weil der schmale Grat zwischen Triumph oder Desaster hier traditionell noch schmaler ist. 

Caddies 

Jahrzehntelang waren die herkömmlichen Caddies der Tour beim Masters nicht zugelassen. Die Profis begingen die Runde mit den clubeigenen Caddies, zu erkennen am weißen Overall – und der zumeist schwarzen Hautfarbe. Seit 1983 dürfen die Spieler auch von ihren eigenen Caddies begleitet werden (US-Golfer Ben Crenshaw gewann zweimal nach 1983 mit dem Augusta-Caddie Carl Jackson). Die Kleidung blieb jedoch: weißer Overall, mit dem Namen des Golfers auf dem Rücken. Und auch wenn weibliche Mitglieder in Augusta bislang nicht zugelassen sind – weibliche Caddies sind es. 

Mitglieder 

Der Augusta National Golf Club versucht, seine Mitgliederzahl konstant bei etwa 300 zu halten. Eine Club-Aufnahme kann nicht beantragt werden, mögliche Kandidaten werden eingeladen. Diese Ehre wurde unter anderen Bill Gates und Warren Buffett zuteil. Als einziges deutschsprachiges Mitglied war lange Linde-Chef Wolfgang Reitzle bekannt. Erst 1990 war Geschäftsmann Ron Townsend das erste schwarze Mitglied des Clubs. Die ersten Frauen sind seit 2012 dabei, eine der zwei neuen: Ex-US-Außenministerin Condoleezza Rice. Der Mitgliedsbeitrag soll zwischen 25.000 und 50.000 Dollar liegen. 

Ceremonial Opening Tee Shot 

Bis 2015 eröffneten die Legenden Jack Nicklaus, Gary Player und Arnold Palmer das Turnier mit jeweils einem Abschlag. Nach dem Tod Palmers führen die anderen beiden die Tradition fort.

Par-3-Contest 

Am Mittwoch der Masters-Woche werden neun Par-3-Bahnen gespielt. Dabei werden die Familien mitgenommen, auch Legenden schwingen den Schläger. An der 16 wird dann der Ball traditionell hüpfend übers Wasser in Richtung Fahne gejagt. Das Ganze ist mehr Volksfest denn Wettkampf. Und gewinnen will man eigentlich eh nicht. Denn der Sieger am Mittwoch bekam am Sonntag noch nie das Grüne Jackett übergestreift.

Geldsorgen? 

Für die Veranstalter des Masters spielt Geld traditionell keine Rolle. Sie haben einfach genug davon. Deswegen wird alles Geld, das durch das Major hereinkommt, auch wieder ins Turnier gesteckt. Und die Einnahmen könnten weitaus höher sein: Es gibt kein wirkliches Merchandising – gemessen am Kult-Status der Veranstaltung eine Millionenverschwendung. Auch die sonst üblichen Sponsorenzelte sucht man vergeblich auf dem Gelände des Augusta National Golf Club. Es gibt strikte Begrenzungen keinen Titelsponsor, auch dieser wäre zig Millionen wert. Und zu guter Letzt kann beim Masters zu angenehmen Preisen gegessen werden. Bei keinem anderen Major ist fürs leibliche Wohl annähernd so billig gesorgt. 1,50 US Dollar kostet das berühmte Pimento Cheese Sandwich (Tradition!)

Amateure 

Dem Amateurstatus seines Gründers Bobby Jones verdankt das Turnier bis heute eine besondere Beziehung zu Nicht-Profis. So dürfen die Besten der größten Amateur-Turniere jedes Jahr am Masters teilnehmen. Der amtierende US-Amateur-Champion spielt sogar immer im Flight des Titelverteidigers.

Champions Dinner 

Im Vorfeld des Masters richtet der Titelverteidiger das sogenannte Champions Dinner aus, zu dem alle ehemaligen Masters-Sieger eingeladen sind. Ben Hogan führte die Tradition 1952 ein. Damals bildeten elf verschiedene ehemalige Sieger der 15 Austragungen den Masters-Club.

Hymne 

Natürlich hat das Masters seine eigene Musik. Das Thema, das seit 1982 in jeder Pause in die Wohnzimmer dudelt, ist richtig kitschig – passt also gut. Dave Loggins, Cousin von Sänger Kenny Loggins, hatte das Stück auf seiner ersten Augusta-Runde komponiert. Abends im Clubhaus traf er Leute aus dem Dunstkreis des Masters-Senders CBS. Der war auf der Suche nach Musik – der Rest ist Geschichte.

Blumennamen 

Mit schnöder Bezifferung der Golf-Bahnen gibt man sich hier nicht zufrieden. Jedes Loch trägt einen floralen Namen. So kommt der Golfer auf Pink Dogwood, Magnolia und Flowering Crab Apple in den Genuss einer kleinen Biologie-Exkursion.  

Patrons 

So werden, weil hier ja alles anders ist, traditionell die Zuschauer genannt. Dafür müssen sich die Gäste, die im regulären Verkauf hundert US-Dollar pro Tag, auf dem Schwarzmarkt mindestens das Zehnfache, zahlen, auch so verhalten. Wer rennt, wird der Anlage verwiesen, wer telefoniert ebenso. Und wer die Patrons im Fernsehen nicht Patrons nennt, wird auf Jahre suspendiert, wie der TV-Moderator Jack Whitaker 1966.