Dominic Vielnascher

Betrug! Skandal! Gefängnis!

Die Sünden von Donald Trump, Tiger Woods und Co.


Illustrationen von Dominic Vielnascher

Von: Frieder Pfeiffer und Timo Schlitz

Trump, der „beste reiche Golfer der Welt“?

Der Sänger Alice Cooper sieht vielleicht nicht so aus, aber er ist ein fanatischer Golfer. US-Präsident Donald Trump hingegen pflegt tatsächlich das Äußere eines Klischee-Golfers – gesund gebräunt und traditionell Polo-behemdet. Cooper, mit langer Mähne und vom Leben gezeichneten Gesichtszügen, erklärte nun einst auf die Frage, wer der größte Betrüger im Golf sei: „Ich habe mit Donald Trump gespielt, das ist alles was ich dazu sage.“

Der Schauspieler Samuel Jackson erzählte Ähnliches, auch der Boxer Oscar De La Hoya, die beide mit dem 72-Jährigen auf die Runde gegangen waren. Trump, kommuniziertes Handicap von rund -3, nennt sich den „besten reichen Golfer der Welt“, was viel über ihn aussagt, aber wohl tatsächlich näher an der Wahrheit liegt als so manch andere präsidiale Aussage. So lebt er in der Annahme, der „beste Putter der Welt“ zu sein, was erst kürzlich Profigolferin Suzann Pettersen weitertrug, als sie in der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“ von gemeinsamen Runden berichtete. „Er betrügt wie verrückt. Ich weiß natürlich nicht, wie er seine Geschäfte macht. Aber man sagt: Wer beim Golf betrügt, betrügt auch beim Geschäfte machen“, so Pettersen.

Und weiter: „Ich bin mir sicher, dass er seinen Caddie gut bezahlt, denn wie weit er seinen Ball auch immer in den Wald schlägt – wenn wir ihn suchen, liegt er mitten auf dem Fairway.“ Viel mehr gibt es nicht zusagen über den Mann, der ironischerweise dennoch der beste Golfer sein dürfte, der je als US-Präsident vereidigt wurde.

Profis und ihre versteckten Schummeleien

Zu den von außen nicht immer ganz nachvollziehbaren Merkmalen des Golfsports gehört die Tatsache, dass sich Tricks und Betrügereien mit steigendem Befähigungsgrad reduzieren. Der Amateur, der eine 5 statt einer 6 aufschreibt ist deutlich geläufiger als der Profi, der seinen Ball im Rough ein wenig umher schubst. Doch es gibt sie dennoch, die halbseidenen Manipulateure.

Phil Mickelson, am Aktienmarkt (siehe S. 31) auch kein harmloser Geselle, beschwerte sich im vergangenen Jahr über Spieler auf der Tour, die Ball auf dem Grün beim Markieren immer ein paar Zentimeter besser legen. „Das muss aufhören“, zornte Mickelson. Erwischt werden jedoch die Wenigsten. Der Engländer Simon Dyson wurde einst auf der European Tour zwei Monate gesperrt, weil er eine Spikemarke in seiner Putt-Linie ausgebessert hatte.

Die Kollegen waren auch deswegen „not amused“, weil Dyson schon zuvor mit kleinen Trickserein auffällig geworden war. Schon das gilt im Profigolf als größere Betrügerei. Einen richtigen Skandal löste ein Buch aus, das 2015 erschien und US-Profi Patrick Reed des Betrugs bezichtigte. Im College soll er bei Qualifikationsturnieren zweimal betrogen haben, außerdem soll er Geld von Mitspielern geklaut haben. Reed, heutiger Ryder-Cup-Held der USA, bestritt die Vorwürfe, doch frühere Weggefährten stützten die Geschichte.

Ein Mann gegen alle Wahrscheinlichkeiten

Apropos Asse. Am Jahreswechsel poppte die Nachricht auf, der 80-jährige Da DeCando behaupte, in diesem Jahrtausend bereits 80 Mal den Ball mit einem Schlag im Loch versenkt zu haben. 60 Hole-in-Ones hätte er alleine 2015 und 2016 notiert. Das einzige Problem: Es gibt keine Zeugen. Auch Videos gibt es freilich erst vom Herausholen des Balles. DeCando hat übrigens ein Handicap von 20. Und US-Experte Brandel Chamblee hat nachgerechnet. Bei einer Wahrscheinlichkeit von 1:12.500 für ein Ass müsste man 684 Jahre lang jeden Tag Golf spielen, um 80 Asse zu schlagen. Aber hey, beweisen Sie erst einmal das Gegenteil!

Kim Jong Il, das Jahrhundert-Talent

Die Chance, auf einer Runde Golf zwei Asse zu schlagen, liegt bei 1:67.000.000. Das ist unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto. Die Wahrscheinlichkeiten für weitere Hole-in-Ones auf einer Runde sind unbekannt – wieso sollte man das auch ausrechnen? Wieso?

Vielleicht, weil in Nordkorea auf der ersten Golfrunde seines Lebens dem früheren „geliebten Führer“ Kim Jong Il elf Asse gelangen, sobehauptet es zumindest das Informationsministerium des Landes. DieJahrhundertrunde soll  1994 auf einem 18-Loch-Platz außerhalb der Hauptstadt Pjöngjang seine Aufführung erfahren haben. Wir sagen, herzlichen Glückwunsch. Sehr gute Leistung. Ein großartiges Talent. Vielleicht sogar größer als Donald Trump.

DJ und die Drogen

Dustin Johnson? Der Typ kann feiern. Es war sein erster Auftritt in Deutschland, bei der BMW International Open 2011. DJ stand strumpfsockert in Lederhosen vor ein paar seiner Tourkollegen erklärte, dass er jetzt noch einen Tisch in einem Münchner Club reserviert habe. Es war etwa halb drei am Morgen. Am nächsten Morgen stand er übrigens früh am ersten Abschlag. Fast forward in das Jahr 2014: Der athletische Longhitter ist einer der Stars der US Tour, auch wenn er noch kein Major gewonnen hat. Doch dann nimmt er Ende Juli plötzlich eine Auszeit wegen „persönlichen Herausforderungen“.

Der Amerikaner soll positiv auf Kokain getestet worden sein, schreibt Golf.com. Es war auch nicht das erste Mal, dass Johnson bei einer Doping-Kontrolle aufgefallen war: 2009 soll er mit Marihuana und 2012 mit Kokain im Blut erwischt worden sein. Die Tour schweigt zu dem Thema, offiziell gibt es für die „Auszeit“ keine Begründung. Johnson selbst spricht von Alkoholproblemen. Immerhin: Mittlerweile hat sich DJ gefangen. Er ist Major-Sieger und zweifacher Vater.

Daly, der Zocker

Klar, die meisten Profigolfer zocken gerne und auch nicht gerade um wenig Geld. Aber im Vergleich zu ihren Einkünften durch Sponsorings und Preisgelder sind ein paar Hundert Dollar eben eher „Peanuts“. Bei John Daly sieht die Sache ein bisschen anders aus, zumal er auch lieber im Spielkasino als auf dem Platz sein Geld verwettet.

Auf einen Verlust von stolzen 55 Millionen will es „The Wild Thing“ gebracht haben. Diese riesige Summe kommt übrigens nicht von ungefähr, sondern steht sogar in seinen Steuererklärungen. „Wir sind durch all meine Aufzeichnungen gegangen, um das herauszufinden“, gab Daly 2014 bekannt. „Ich habe es einfach nicht bemerkt. Dann war ich aber geschockt, denn ich dachte, es wären zwischen 20 und 25 Millionen. Schon verrückt!“

Stenson und das Ponzi-Schema

Henrik Stenson machte eigentlich alles richtig. Der Schwede investierte sein über Jahre auf der Tour verdientes Vermögen – allerdings setzte er auf das falsche Pferd. Mehr als acht Millionen Dollar soll Stenson der Stanford Financial Group anvertraut haben. 2009 stellte sich dann heraus, dass CEO und Gründer Allen Stanford mit einem ausgeklügelten Schneeballsystem seine betuchten Anleger um mehr als sieben Milliarden Dollar gebracht hatte.

Stenson war daraufhin beinahe pleite und brachte auch auf dem Platz kaum mehr etwas zustande. Doch der Sport brachte ihn auch wieder nach oben: 2013 spielte er eine glänzende Saison und krönte diese mit dem Gewinn des FedEx-Cup auf der US PGA Tour (Preisgeld: zehn Millionen Dollar).

Das brachte seine finanzielle Bilanz wieder in Ordnung. „Es war eine harte Erfahrung, aber das Leben hat seine Wege, die Dinge wieder gerade zu biegen“, sagte er ein Jahr nach dem großen Sieg zu Golf Digest.

Tigergate

Der Sexskandal von Tiger Woods scheint fast schon eine Ewigkeit her zu sein. Im Winter 2009 ging es hoch her beim bekanntesten Golfer der Welt. Wochenlang waren Woods Eheprobleme und seine zahlreichen Affären in allen Medien. Die Folge: Woods zog sich vom Sport zurück und versuchte, seine Ehe zu retten – Therapie und Entzugsklinik inklusive. Doch es nutzte nichts: Seine Ehe mit Elin Nordegren ging in die Brüche, Werbedeals platzten.

Und die Konkurrenz hatte in der Folge deutlich weniger Angst vor dem zuvor übermächtigen Sportler mit der noch übermächtigeren mentalen Verfassung. Ein Major konnte Woods seit dem Skandal nicht mehr gewinnen. Mit 14 Titel ist er weiterhin die Nummer zwei hinter Jack Nicklaus (18).

Phil, der Insider

Phil Mickelson ist bekannt dafür, Risiken einzugehen. Allerdings nicht nur auf dem Platz, wo er es bislang auf fünf Major-Titel brachte, sondern auch an der Börse. Das heißt jedoch nicht, dass alles immer ganz legal zu geht. Die Börsenaufsicht SEC ermittelte 2017 in einem Gerichtsverfahren gegen „Lefty“, der 2012 einen Gewinn von rund einer Million Dollar dank Insider Trading gemacht hatte. DieGeschichte geht so: Mickelson hatte Schulden bei Sportwetten-Spezialist Billy Walters, der seinerseits brisante Insider-Informationen über das an der Börse gelistete Unternehmen Dean Foods hatte. Mickelson kaufte daraufhin für 2,46 Millionen Dollar Aktien, nur um diese knapp einen Monat später nach Bekanntgabe des Unternehmens, eine erfolgreichen Ausgründung gestemmt zu haben, mit nahezu 40 Prozent Gewinn wieder abzustoßen. Der Gewinn floss dann fast vollständig an Walters, bei dem Mickelson seine Wettschulden einlösen musste (nur so nebenbei: in diesem Jahr kassierte Mickelson 48 MillionenDollar durch Sponsoren- und Preisgelder).

Ab 2016 wurde der Vorfall von der SEC untersucht, woraufhin Mickelson den „Gewinn“ freiwillig an die Behörden abdrückte. Er blieb schließlich straffrei. Die zwei anderen Beschuldigten, Walters und der „Insider“ aus dem Unternehmen, erhielten langjährige Haftstrafen. Walters sagte nach der Verurteilung: „Ich habe gerade die größte Wette meines Lebens verloren.“