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Nachwuchsförderung neu denken?

Kolumne von Florian Fritsch


Von: Florian Fritsch

Wie kommen hoffnungsvolle Golftalente in die Kader, um gefördert zu werden? Dazu gibt es unterschiedliche Ansätze. In der Regel durchzieht ein recht stabiles Konstrukt an Nominierungskriterien die einzelnen Kader. Um die Nominierung so argumentativ, transparent und fair zu machen, werden Handicap und aktuelle Ergebnisse des Athleten aus der jüngsten Zeit herangezogen – mit dem Ziel, unfairer Willkür Einhalt zu gebieten. Aber: Ist das wirklich der einzige Weg? Sind Ergebnisse aus der Kinderzeit gekoppelt mit dem Handicap starke Indikatoren für späteren Erfolg? Gibt es auch andere Ansätze?

 

Tatsächlich gibt es die. Ein Beispiel wäre die Hanseatic Golf Union (HGU) mit ihrem Leistungssportchefentwickler, dem Sportwissenschaftler Dr. Dominikus Schmidt. Er und seine Trainer haben in Zusammenarbeit mit dem PGA of Germany Ausbildungskoordinator Martin Hasenbein erkannt, dass es vielleicht andere Werte gibt, die einen Athleten zu einem erfolgreichen Spieler machen können. Dabei geht es konkret um Persönlichkeitsmerkmale – frei nach dem Motto „Hard Work beats Talent“. Hierbei geht man davon aus, dass Ergebnisse vom letzten Men‘s Day sowie das aktuelle Handicap eines 14-Jährigen vielleicht keine starke Indikatoren sind, auf welche man die Einschätzung einer zukünftigen Leistungsentwicklung stützen kann. In Hamburg scheint es eher um andere Fragen zu gehen: Kann der Athlet, auf sich alleine gestellt, zurecht kommen? Ist der Athlet überhaupt in der Lage selbstständig zu lernen, daraus Schlüsse zu ziehen und besser werden? Kann der Athlet ein starkes Umfeld aufbauen oder wird er Opfer seines Umfeldes?

 

Die oben genannten Fragen haben primär erst einmal nichts mit Ergebnissen zu tun. Der Ansatz basiert mitunter auf den Ergebnissen von Walter Mischel aus seinen berühmten „Marshmallow Tests“ sowie Inhalten der Masterarbeit des HGU-Landestrainers Jens Weishaupt. Walter Mischel konnte in seinen „Marshmallow-Tests“ zeigen, dass Personen, die in der Lage sind, einer kurzfristigen Belohnung zu widerstehen, um später eine größere Belohnung zu kriegen, erfolgreicher im späteren Leben sind. Vielleicht ist das also ein interessanter Ansatzpunkt, wenn es darum geht, junge Athleten in einen Förderkader zu nominieren. Hierbei ist aber zu beachten, dass solche Nominierungskriterien vielleicht als „willkürlicher“ wahrgenommen werden könnten als nackte Zahlen.

 

In Hamburg hat man Mut zu neuen Wegen gezeigt – ich bin gespannt auf die zukünftigen Athleten aus dem Norden.