Up and down – Golfer und Privatjets

Wieso McIlroy und Co. auf Privatjets fliegen


Von: Frieder Pfeiffer

Es gibt Dinge, die sind nicht zu kaufen, so viel Geld jemand auch verdient. Glück, Gesundheit, Erfolg – auf elementare Dinge des Lebens müssen auch die Reichsten der Welt warten oder hoffen. Es gibt aber auch Dinge, die sind ziemlich nahe am Hochgefühl der ausfüllenden Zufriedenheit. Fliegen, unabhängig von Schlangen am Check-In-Schalter, geänderten Flugzeiten, wenig Beinfreiheit und, ja, so Grundsätzlichem wie: Wann geht der Flieger?

Für viele Golfprofis heißt es seit Jahren: Wann soll er gehen, der Flieger? Golfer wie Tiger Woods, der eine Gulfstream G550 (Neuwert: 54 Millionen US-Dollar) besitzt, oder Rory McIlroy und Sergio García, der regelmäßig seine Kollegen über den Atlantik schipperte, sind dabei nicht mehr die Ausnahme. Seit Unternehmen wie NetJets oder Jet Linx die Möglichkeit bieten, Anteile an ihrer Jet-Flotte zu erwerben, ist aus der Elite der Weltrangliste ein Heer an Flugzeugbesitzern geworden. Jordan Spieth, Dustin Johnson, Henrik Stenson – sie alle nutzen die Dienste, um im Hetzen über den Globus ein wenig Entspannung zu finden. McIlroy rechnete sich aus, dass er jährlich 20 Tage mehr zuhause verbringen kann, weil er einen Privatjet besitzt. Da fällt die persönliche Klimabilanz plötzlich nicht so sehr ins Gewicht.

Privatjet-Rechnung: 4,4 Millionen US Dollar für 400 Stunden

Das Konzept der Privatjet-Anteile ist denkbar einfach. Die Golfer investieren in einen Privatjet. Laut „Irish Golf Desk“ kann dabei von mittleren sechsstelligen Summen ausgegangen werden, ein Mindestinvestment von einem Fünfzehntel des Anschaffungspreises. Dafür kann der Mitbesitzer 50 Stunden im Jahr den Jet nutzen – also rund sechs Flüge über den Atlantik. 400 Stunden kosten 4,4 Millionen US-Dollar. Ein anonymer Golfprofi bestätigte Golf Digest, dass eine halbe Million im Jahr jedoch reiche, um sich privat durch die Lüfte kutschieren zu lassen – was an den kürzeren Wegen innerhalb der USA und natürlich auch an der Möglichkeit des Mitfliegens liegt.

Wenn man bedenkt, dass ein Privatjet allein im Unterhalt jährlich rund 700.000 Euro kostet, ist die Rechnung fast zu einfach. Es sei denn, der eigene Flieger soll im Hangar großen Eindruck machen. Doch so denken die meisten Golfer nicht.

Den meisten reicht, die nötigen zehn Stunden im Voraus zu wissen, wann sie fliegen müssen. Ein verpasster Cut ist da etwas kurzfristig, aber nach der Veröffentlichung der Startzeiten für Sonntag ist der Privatjet ganz schnell zur Abholung bestellt. Und oftmals liegt der nächste Flughafen für die kleinere Maschine deutlich näher als der nächste
kommerzielle, von dem Linienflüge starten – Augusta in Georgia oder der Yellowstone Golf Club nahe des National Park sind da nur ein prominente Beispiele.

Beliebtester Flieger derzeit: die Cessna Citation Latitude.

„Wir fliegen etwa 1500 Kunden zu allein 900 Zielen innerhalb Europas und zu mehr als 5000 Flughäfen weltweit“, sagt Carsten Michaelis, Regional Senior Vice President Continental Europe von NetJets. Allein Netjets hat knapp 700 Flugzeuge im Angebot, der Chauffeurdienst zum Jet ist inklusive. „Danach vergehen keine zehn Minuten, bis der Jet in der Luft ist“, so Michaelis.

35 Profis allein auf der US PGA Tour fliegen mit NetJets

Den vielleicht größten Erfolg feierte NetJets aber gar nicht auf dem Flugfeld. Im Finale der Open Championship 2015 kam es zum großen Playoff, vier Spieler kämpften um den Major-Titel. Drei spielten mit dem NetJets-Logo auf dem Kragen. Analysten bemaßen den Wert der Übertragung auf ESPN allein in den USA auf 6,5 Millionen US-Dollar. Selbstredend ging es danach für alle drei – darunter auch Sieger Zach Johnson – im Privatflieger zurück in die Heimat.

Doch egal, in welchem Luxusledersitz die Profis auch Platz nehmen – gibt es nicht manchmal auch Momente, in denen Profis einen schnöden Linienflug vermissen? Irgendetwas Negatives muss das einsame Reisen doch haben? Rory McIlroy antwortet: „Nein, mir fällt nichts ein.“ Fehlen also maximal Glück, Gesundheit und Erfolg.