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Nur für Mitglieder!


Golf – ein Sport für alle? In diesem Fall eher nicht. Ein Blick auf die exklusivsten Golfclubs der Welt sowie die Preise, die für diesen prestigeträchtigen Genuss aufgerufen werden.

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Pine Valley, Augusta National und Cypress Point streiten sich jedes Jahr um die Bestbewertung in den Top-100-Listen von Golf Digest und Golf Magazine. Mit St. Andrews und Royal County Down mischen auch zwei Plätze von der Insel mit, die in Sachen Panorama, Platzdesign und Historie zu den ynneltbesten zählen. Aber es gibt auch noch die Clubs, in denen die prominenten Mitglieder am liebsten komplett unter sich sind. Auf den Ranglisten sind sie natürlich dennoch zu finden.

Neben Augusta und Cypress Point ist Seminole in Florida einer der Clubs, die als „private-private“ gelten und eigentlich nur auf Einladung eines Mitglieds bespielbar sind. Angeblich wollte Jack Nicklaus Mitglied in Seminole werden, doch der Vorstand lehnte den Antrag des 18-fachen Major-Champions dankend ab. Die New-Yorker-Elite teet hingegen gerne in den Hamptons auf Long Island auf, wo mit National Golf Links of America, Shinnecock Hills (bereits vier Mal Austragungsort der US Open) und Sebonack gleich drei exklusive Privatclubs dicht beieinanderliegen. Selbst Pros haben es schwer, hier abzuschlagen. „Mit welchem Mitglied werden Sie spielen?“, ist die Frage des Clubsekretärs, auch wenn man auf der PGA Tour spielt und Millionen verdient. Auch die Anreise kann beschwerlich sein: Nur mit der Fähre (oder einem Hubschrauber) erreichbar ist beispielsweise der äußerst elitäre Fishers Island Club, rund 220 Kilometer östlich von Big Apple. Der Liberty National GC mit Blick auf die Freiheitsstatue wird vom New-Yorker-Finanzzentrum mit dem clubeigenen Katamaran angesteuert (Helikopter geht natürlich auch), allerdings gilt die Anlage als Treffpunkt für neureiche Investmentbanker, auch wenn Phil Mickelson, Schauspieler Mark Wahlberg oder Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani auf der Mitgliederliste stehen. Die Preispolitik passt für Finanzgrößen zumindest: 450.000 US-Dollar wurden bereits im Eröffnungsjahr für den Einstieg verlangt, plus 25.000 Dollar Spielgebühr pro Saison. Rein darf selbstverständlich nicht jeder, Geld hin oder her.

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Cypress Point: Zugang nur mit einem Mitglied

In Sachen Exklusivität schlägt jedoch nichts die Platzhirsche Augusta National (siehe Kasten), Pine Valley und Cypress Point. Der Nachbarplatz von Pebble Beach, den die meisten Golfer nur von verpixelten Bildern aus der Luft kennen, wurde 1928 von Alister MacKenzie entworfen und gilt als vielleicht spektakulärster Kurs der Welt. Rund 250 Mitglieder soll Cypress Point haben, darunter keine 80, die in der Umgebung leben. Exklusivität wird in Monterey mit Ruhe gleichgesetzt: nur etwa acht Flights gehen pro Tag über den Kurs. Landschaftlich ganz anders ist Pine Valley aufgebaut: Der Kurs in der Nähe von  Philadelphia ist ein überragender Parkland-Platz, der 1913 entstand. Es gibt deutlich mehr Mitglieder, aber aufgenommen zu werden ist ähnlich unmöglich wie bei Cypress Point oder Augusta. Bekannte „Members“ sind unter anderen Jack Nicklaus, Arnold Palmer, Gary Player, Ex-Präsident George Bush und Schauspieler Sean Connery. Auch hier gilt: Spielen darf nur, wer Gast eines Mitglieds ist.

Die Elite der Profis wiederum braucht natürlich einen Club, der in Sachen Anspruch auf der Höhe ist und Trainingsmöglichkeiten bieten kann, die den Plätzen auf der Tour in nichts nachstehen. Hier haben sich zwei Clubs besonders hervorgetan: der von Jack Nicklaus ins Leben gerufene Bear’s Club in Florida und Whisper Rock GC in Scottsdale (Design: Tom Fazio und Phil Mickelson/Gary Stephenson, 36 Löcher), wo unter anderen Martin Kaymer zu den Mitgliedern zählt. In Whisper Rock gingen die Clubvertreter sogar so weit, dass sie kurz vor einer US Open die Grüns und Fairways auf vergleichbare Längen brachten, um ihren Profis perfekte Übungsbedingungen zu schaffen. Der Spaß hat natürlich seinen Preis: sechsstellige Beträge zahlt man für die Aufnahme.

Muirfield beugt sich dem Druck

Pendants zu den US-Plätzen für Superreiche und alten Geldadel gibt es natürlich auch in Europa, wenn auch deutlich weniger als in den Staaten zu finden sind. Die Engländer lassen nichts über Sunningdale westlich von London kommen, in Schottland zählt Muirfield zum Nonplusultra. Sechs Mal hat der Club unweit von Edinburgh bislang die Open Champion-ship ausgetragen, zuletzt 2013. Die Tore bleiben den meisten Golfern jedoch verschlossen. Sogar ein amtierender Major-Champion wurde abgewiesen. Skurril dabei: Erst 2017 entschied man sich, Frauen als Mitglieder aufzunehmen. Das Männer-Ding ist aber nicht nur ein Thema für Schotten. Die Schilder „No Dogs, no Ladies“ sind noch nicht allzu lange vor den südafrikanischen Clubhäusern verschwunden. Sogar der berühmte Augusta National erlaubte erst 2012, dass Frauen Mitglieder werden dürfen. Die Politikerin Condoleezza Rice und die Bankerin Darla Moore waren schließlich die ersten weiblichen Mitglieder. Aktuell soll es übrigens drei Frauen auf der Mitgliederliste geben. Gut, dass es in Golfclubs (noch) keine Frauenquote gibt!

Europas exklusivste Clubs: Valderrama

In Spanien kommt man nicht an Valderrama vorbei. Der Parkland-Platz, der einem Lewis Carroll-Märchen entsprungen sein könnte, ist seit dem Ryder Cup 1997 eine Berühmtheit. Robert Trent Jones hat den Kurs mit den Korkeichen entworfen. 2016 wurde die Anlage für 40 Millionen Euro an eine Gesellschaft mit Sitz in London verkauft. Weitere 200 Millionen will das Unternehmen investieren – und die Anlage für den Tourismus öffnen. Bislang war Valderrama privat, auch wenn man über die Mittagszeit für 350 Euro abschlagen konnte. Sogar ein paar deutsche Namen sind auf der Mitgliederliste zu finden. Ob sich Aufnahmepreise jenseits von 150.000 Euro nach einer touristischen Öffnung noch halten können, steht in den Sternen.

Auch andere Länder haben Clubs, die zum Namedropping verleiten. The Links at Fancourt – das Nobelresort in Südafrika gehört Hasso Plattner, einem der Mitbegründer von SAP – führt in Golferkreisen zu Ohs und Ahs. Ein vergleichbares Raunen ertönt, wenn man erzählen kann, schon im Leopard Creek Country Club im Kruger National Park abgeschlagen zu haben. Ähnlich weit weg für Europäer, aber unter Liebhabern ein Highlight auf der Bucket List: The Club at Nine Bridges auf Jeju Island in Südkorea. Und natürlich die Sandbelt-Plätze um Australiens Metropole Melbourne. Immerhin kann man die Kurse in Down Under spielen, wenn man das Greenfee von rund 250 bis 300 Euro bezahlt.

Mit die teuersten Greenfees haben die Privatplätze in der Zockerstadt Las Vegas. Wer nicht im Casino sein Geld setzen möchte, muss bis zu 500 Dollar für das Greenfee auf Kursen wie Shadow Creek oder Wynn hinlegen (beide entworfen von Tom Fazio; der Wynn-Kurs wurde übrigens Ende 2017 geschlossen). Die Übernachtung in einem MGM-Luxuszimmer ist bei ersterem sogar Voraussetzung, um spielen zu dürfen. Auch Cascata, designt von Rees Jones, ist mit Spitzenpreisen von knapp 400 Dollar nicht gerade ein Schnäppchen. Interessant ist auch die Story von Green Monkey auf Barbados: 390 Dollar kosten die 18 Löcher im Sandy Lane Resort aktuell. Außerdem muss man eine der Suiten im Resort beziehen, die ab rund 1.000 Dollar starten. Allerdings erzählt man sich in Golferkreisen, dass der Clubsekretär ohne mit der Wimper zu zucken ein Greenfee von 4.000 Dollar  aufruft, wenn man als Nicht-Gast auf Greenfee spielen möchte. Der Preis ist übrigens ohne Cart. Gerücht oder PR-Gag? Hauptsache, man bleibt im Gespräch.

 

St. Andrews: The Home of Golf

Vergleichsweise günstig wirkt dagegen das Greenfee auf dem vielleicht berühmtesten Platz der Welt, der Mutter aller Golfplätze. Die Rede ist natürlich vom Old Course in  St. Andrews. 175 Pfund (je nach Kurs etwa 200 Euro) beträgt das Greenfee in der Hauptsaison von Mitte April bis Mitte Oktober. Klar, das ist viel Geld. Aber es ist es wert – und vor dem urigen Starterhaus sind alle gleich. Über ein Losverfahren – genannt Ballot – kann man eine der begehrten Startzeiten ergattern (mittlerweile geht das auch online). Oder man stellt sich möglichst früh an den Abschlag und hofft, dass ein Flight mit nur zwei oder drei Spielern rausgeht. Die Plätze werden dann mit Einzelspielern aufgefüllt. Es gibt zwar noch die Möglichkeit, für viel Geld ein Package-Angebot bei einem der wenigen Anbieter zu buchen, doch der demokratische Weg ist und bleibt das Ballot.

Wer wirklich eine Herausforderung fürs  Leben sucht, kann ja immer noch versuchen, Mitglied in The Royal and Ancient Golf Course St. Andrews (R&A) zu werden. Dann darf man auch den Old Course nach Belieben spielen – und sollte es auch auf den ein oder anderen Private Course schaffen.

So viel kostet 
eine Runde Golf *

Pebble Beach Golf Links,
Kalifornien

$525 

Shadow Creek, Las Vegas, Nevada

$500
(+ Hotelgast im MGM)

Players Stadium Course at TPC Sawgrass, Jacksonville, Florida

$495

Pinehurst Resort No. 2,
North Carolina

$480

*Grenfees jeweils in der
Hochsaison