Die Macht des Gehirns


Es gibt viele mentale Tipps für Golfer. Wie aber sehen unsere Verbandsärzte Dr. Bernhard Zwick und Dr. Robert Kocher das Gehirn im Golfsport?

Von:

PERFECT EAGLE: Die Macht des Gehirns: Wie sehen erfahrene Sportmediziner die Funktionsweise des Gehirns im Sport?

Kocher+Zwick: Zuerst muss man sich die enorme Datenmenge vorstellen, mit dem unser Gehirn umgehen muss. Wir betrachten das Nervensystem als eine unvorstellbar große Rechenzentrale. Die moderne Neurowissenschaft liefert uns ganz erstaunliche Zahlen, mit welcher Fülle von Informationen das Gehirn arbeitet: Die Information, Input, die das Hirn bekommt, ist mit 125 Megabyte (1.000.000.000 Bit/Sekunde) enorm groß. Es muss ja alles gemessen werden. So zum Beispiel der Blutdruck, die Körpertemperatur, aber auch alles, was wir sehen, riechen, hören. Zusätzlich müssen alle aktuellen Stellungen der Gelenke und die Spannungen der Muskulatur gemessen und verarbeitet werden. Die Verdauung mit all ihren Aufgaben will ebenso koordiniert werden. Der Output des Gehirns ist mit 1,25 Megabyte (12.500.000 Bit/Sekunde) vergleichbar gering, die Flut von Informationen ist aber immer noch sehr groß. Ganz erstaunlich wenig, nämlich nur 150 Bit/Sekunde werden bewusst verarbeitet. Das sind nur 0,000015% vom Input! Wenn man diese Zahlen kennt, kann man einige Dinge, die „sich im Kopf abspielen“ besser verstehen.

Was wäre das zum Beispiel?

Im Gehirn laufen Informationsprozesse mit einer enormen Geschwindigkeit und großer Fülle ab, die wir zum Teil nicht steuern können. Die Angst ist so ein Beispiel. Entwicklungsgeschichtlich ist es für uns ein Vorteil gewesen, wenn wir uns Situationen, die einen negativen Ausgang gehabt haben, in der Gesamtheit merken. Wo lauert die Gefahr? Wie sieht sie aus? Beim Golfen ist es nicht immer ein Vorteil, wenn wir uns an alle negativen Ereignisse (z.B. einen Wasserball) erinnern. Wir können uns dieser Information aber nicht entziehen. Sie ist einfach da, weil abgespeichert. Was wir aber können, ist unser Hirn richtig zu programmieren.

 

Wie können wir uns das vorstellen?

Das Gehirn kennt keinen negativen Bewegungsentwurf. Wir können komplexe Bewegungen, wie den Golfschwung, schnell und präzise ausführen. Aber wir können NICHT eine Bewegung NICHT ausführen. Klingt kompliziert, ist für das Gehirn aber normal. Das Gehirn kennt keinen negativen Bewegungsentwurf. Wenn wir denken: „Schlage den Ball nicht ins Wasser“, kennt das Gehirn den Begriff „NICHT“ nicht. Was übrig bleibt, ist der klare Befehl: „Schlage den Ball ins Wasser!“ Das führen wir dann sehr konsequent aus.

Das heißt, wir müssen das Hirn klar programmieren, auch wenn wir Angst haben?.

Ja das ist die Kunst, und hier kommen die Mental-Coaches, Psychologen und Psychiater ins Spiel, die uns Werkzeuge und Verhaltensweisen aufzeigen, um in schwierigen Situationen zu bestehen. Für das Gehirn ist aber immer klar – ich kann eine Bewegung nur mit einem klaren Ziel ausführen. Der Befehl „NICHT“ wird immer gestrichen.

Gibt es für Golfer sonst noch wertvolle Informationen in der Kürze?

Ja! Das Gehirn benötigt 20% unseres gesamten Energiestoffwechsels, obwohl es nur 2% des Körpergewichts ausmacht.

Was bedeutet das für uns Golfer?

Man muss verstehen, womit das Hirn arbeitet. Die Energieversorgung mit Glucose, und das Gehirn benützt nur Glucose, ist meist gewährleistet. Nur bei ganz schlechter Ernährung kommt es im Golfsport zu einem so genannten Hungerast. Durch die sehr lange und meist unterschätzte Belastung im Golfsport, kann man aber durchaus etwas zu wenig Glucose dem Gehirn zur Verfügung stellen. Das äußert sich beim Golfen meist durch Fehlentscheidungen auf den zweiten Neun (ab Loch 13). Durch eine konsequente Nahrungsaufnahme während der gesamten Golfrunde lässt sich dieses Problem aber leicht beseitigen.

Gibt es noch andere Dinge, die das Gehirn benötigt?

Ja. Die Übertragung der Impulse erfolgt im Gehirn durch so genannte Neurotransmitter (Botenstoffe). Diese Botenstoffe sind sehr komplex aufgebaut und die müssen wir durch die Nahrung aufnehmen. Fehlen einzelne Bausteine, können gewisse Denkprozesse nur eingeschränkt ablaufen.

Gibt es also eine spezielle Nahrungsempfehlung für Golfer?

Ja, die Empfehlung muss aber individuell auf den jeweiligen Sportler abgestimmt werden. Manche Sportler brauchen Nahrungsmittel, die eher beruhigen, andere Nahrungsmittel, die eher aktiv machen. Die Natur bietet gerade für das Gehirn eine Fülle von Produkten, mit denen wir die Gehirnleistung sehr individuell und positiv unterstützen können.